Vicosoprano

Vicosoprano
Wappen von Vicosoprano
Staat: Schweiz Schweiz
Kanton: Kanton Graubünden Graubünden (GR)
Region: Maloja
Politische Gemeinde: Bregagliai2
Postleitzahl: 7603
frühere BFS-Nr.: 3776
Koordinaten: 768058 / 135827Koordinaten: 46° 21′ 10″ N, 9° 37′ 20″ O; CH1903: 768058 / 135827
Höhe: 1067 m ü. M.
Höhenbereich: 1038–3357 m ü. M.
Fläche: 54,09 km²
Einwohner: 453 (31. Dezember 2009)
Einwohnerdichte: 8 Einw. pro km²
Ansicht von Norden
Ansicht von Norden
Karte
Vicosoprano (Schweiz)
Vicosoprano (Schweiz)
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Vicosoprano (in der lombardischen Ortsmundart Visavran [visɐˈvraŋ], früher deutsch Vespran, rätoromanisch Visavraun) ist ein Dorf in der politischen Gemeinde Bregaglia im italienischsprachigen Teil des Schweizer Kantons Graubünden.

Geographie

Weiler Roticcio

Unten im Tal durch Vicosoprano fliesst die Maira. Talaufwärts liegt auf 1459 m ü. M. an der Weggabelung zum Septimerpass und zum Malojapass der Ort Casaccia, wo der Bergeller Höhenweg durchführt.

Östlich von Vicosoprano liegen der Weiler Pranzaira Welt-Icon und der Stausee Albignasee auf 2162 m ü. M., der seit seiner Fertigstellung 1959 mit der Seilbahn oder zu Fuss erreicht werden kann. Um den Stausee liegen der Piz dal Päl Welt-Icon (2617 m ü. M.), der Punta da l’Albigna Welt-Icon (2893 m ü. M.), der Piz Cacciabella (2979 m ü. M.) und der Albignagletscher.

Zu Vicosoprano gehören die Weiler Pungell Welt-Icon und Roticcio Welt-Icon auf dem Hang der rechten, nördlichen Talseite.

Geschichte

Galgen
Salisturm
Gemeindestand vor der Fusion am 31. Dezember 2009

Vicosoprano war schon in prähistorischer Zeit besiedelt, wie ein bei Bosca gefundener Schalenstein nachweist. Aus römischer Zeit stammt bei Caslac ein aus der zweiten Hälfte des 4. Jahrhunderts stammendes Merkuraltärchen. Bis 960 waren die Bewohner des Ortes Gotteshausleute von Como, dann des Bischofs von Chur. 1096 findet sich der lateinische Name Vicus Supranus «oberes Dorf» erstmals bezeugt, der sich in der Frühneuzeit schriftsprachlich gegen lombardische Schreibformen wie Visoprano und ähnlich durchgesetzt hat.

Vicosoprano war im Mittelalter Hauptort der Talgemeinde Bergell, Sitz der Bergeller Port und der Ministerialen Familien von Castelmur und Prevost. Der Bischof von Chur besass in Vicosoprano einen Galgen. Sein Vogt hielt im sogenannten Senvelenturm Gericht, dem einzigen erhaltenen mittelalterlichen Rundturm Graubündens, der 1314 erstmals erwähnt wird, aus dem 13. Jahrhundert stammt und zugleich als bischöfliche Strassenzollstätte diente. 1591/1592 wurde er ins neue Rathaus integriert und mit Kerker, Folterkammer und Pranger ausgerüstet. Die unteren Räume des Rathauses wurden als Lager für Zollwaren genutzt – zu Beginn des 21. Jahrhunderts beherbergte es ein Museum. Der quadratische, 1537 erbaute Salisturm ist das Wahrzeichen von Vicosoprano. Bis zur Reformation 1529 bzw. 1553 gehörte Vicosoprano kirchlich als Teil der Erzpfarrei Bergell zu Santa Maria auf der Porta. Die Kirche San Cassian, nördlich von Vicosoprano gelegen, erreicht man über eine Bogenbrücke aus dem 16. Jahrhundert. Sie wird 1355 erstmals erwähnt, ist aber älter. Die neue reformierte Kirche Santa Trinità wurde 1761 von der Gesamtgemeinde Obporta errichtet. 1901 erfolgte der Bau der katholischen Kirche.

Während die Landwirtschaft eine untergeordnete Rolle spielt, dominieren in Vicosoprano Gewerbe und Tourismus. Eine Luftseilbahn führt von Pranzaira nach Albigna, in Casaccia befindet sich ein Skilift. Die Gemeinde profitierte von hohen Wasserzinsen und Steuern der Bergeller Kraftwerke (Albignastaudamm, fertiggestellt 1959, mit Zentrale und Ausgleichsbecken in Löbbia). 1960 wurde eine Umfahrungsstrasse gebaut. Seit 1972 befindet sich die Talsekundarschule in Vicosoprano.

1971 wurde das Nachbardorf Casaccia eingemeindet. Auf den 1. Januar 2010 schloss sich Vicosoprano mit den anderen Bergeller Gemeinden – Bondo, Castasegna, Soglio und Stampa – zur neuen Gemeinde Bregaglia zusammen.

Casaccia
Blick auf Vicosoprano
Luftbild aus 3300 m von Walter Mittelholzer von 1923

Wappen

Wappen von Vicosoprano
Wappen von Vicosoprano
Blasonierung: «Geteilt von Silber (Weiss) und Schwarz, in Silber ein aufrechter schwarzer, rot bewehrter Steinbock, in Schwarz eine silberne zweitürmige Zinnenburg mit Tor»

Nach einem älteren Wappen vereinfacht.

Bevölkerung


 Bevölkerungsentwicklung Vicosoprano 
EinwohnerJahr01002003004005006001830186018901920195019802010Vicosoprano (Gemeindestand seit 1971)Casaccia (Gemeinde bis 1970)Vicosoprano (Gemeinde bis 1970)
Bundesamt für Statistik 1960: Kraftwerkbau Löbbia

Sprachen

In Vicosoprano spricht man eine lombardische Mundart. Es gibt seit Jahrzehnten eine grössere deutschsprachige Minderheit. Die Entwicklung der vergangenen Jahrzehnte zeigt folgende Tabelle:

Sprachen in Vicosoprano
SprachenVolkszählung 1980Volkszählung 1990Volkszählung 2000
AnzahlAnteilAnzahlAnteilAnzahlAnteil
Deutsch4310,83 %4110,43 %5512,82 %
Rätoromanisch82,02 %164,07 %184,20 %
Italienisch34286,15 %32983,72 %34680,65 %
Einwohner397100 %393100 %429100 %

Religionen und Konfessionen

In den drei Ortsteilen Vicosopranos wurde die Reformation zwischen 1529 und 1553 eingeführt, in der früher selbständigen Gemeinde Casaccia 1551.

Nationalität

Von den Ende 2005 453 Bewohnern waren 420 Schweizer Staatsangehörige.

Wirtschaft

Hotel Piz Cam

Die Arbeitsplätze stammen aus Land- und Forstwirtschaft, Industrie und Gewerbe sowie dem Dienstleistungssektor und Gastgewerbe. Im Dorf stehen zwei Hotels zur Verfügung. Oberhalb des Dorfes steht am rechten Ufer der Maira der Campingplatz «Mulina».

Im Ortsteil Löbbia stehen ein Kraftwerk und ein Unterwerk des Elektrizitätswerks der Stadt Zürich (EWZ). Das EWZ versorgt neben Zürich auch die Bündner Talschaften, wo ein beträchtlicher Teil des Stroms produziert wird.

Verkehr

Vicosoprano wird von der Engadiner Buslinie 4 von St. Moritz nach Chiavenna bedient; Konzessionär ist der Schweizerische Postautodienst.

Sehenswürdigkeiten

Pranger am Senvelenturm
Brücke über die Maira

Persönlichkeiten

Literatur

Commons: Vicosoprano – Sammlung von Bildern und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. 1 2 Lexikon der schweizerischen Gemeindenamen. Hrsg. vom Centre de Dialectologie an der Universität Neuenburg unter der Leitung von Andres Kristol. Frauenfeld/Lausanne 2005, S. 924.
  2. 1 2 3 Adolf Collenberg: Vicosoprano. In: Historisches Lexikon der Schweiz.
    Dieser Artikel basiert weitgehend auf dem Eintrag im Historischen Lexikon der Schweiz (HLS), der gemäss den Nutzungshinweisen des HLS unter der Lizenz Creative Commons – Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 International (CC BY-SA 4.0) steht.
  3. ↑ Martin Schuler: Kanton Graubünden – Die Bevölkerungszahlen auf lokaler Ebene vor 1850. (CSV; 26 kB) Bundesamt für Statistik, Neuchâtel, 16. Juni 2023, abgerufen am 26. Oktober 2026.
  4. ↑ Daten der Eidgenössischen Volkszählungen ab 1850 nach Gemeinden. (XLSX; 10 MB) Bundesamt für Statistik, Neuchâtel, 12. Juli 2024, abgerufen am 26. Oktober 2026 (Öffnung in Excel nur über "Anhang/Excel-Datensatz" möglich).
  5. ↑ Kantonsbibliothek Graubünden. Reformierte Kirche S. Trinità (Foto) (Memento vom 3. April 2023 im Internet Archive)
  6. ↑ Kantonsbibliothek Graubünden. Katholische Kirche S. Gaudenzio (Foto) (Memento vom 21. Februar 2022 im Internet Archive)
  7. ↑ Kantonsbibliothek Graubünden. Sogenannter Convento (Foto) (Memento vom 21. Februar 2022 im Internet Archive)
  8. ↑ Kantonsbibliothek Graubünden. Rathaus (Foto) (Memento vom 21. Februar 2022 im Internet Archive)
  9. ↑ Kantonsbibliothek Graubünden. Ca d'Prutz (Foto) (Memento vom 9. Mai 2019 im Internet Archive)
  10. ↑ Ca d’Prutz mit Sgraffiti (Foto) auf fotocommunity.de/photo
  11. ↑ Casa Gadina auf helveticarchives.ch
  12. ↑ Kantonsbibliothek Graubünden. Postgebäude (Foto) (Memento vom 21. Februar 2022 im Internet Archive)
  13. ↑ Kantonsbibliothek Graubünden. Wohnturm (Foto) (Memento vom 13. Februar 2022 im Internet Archive)
  14. ↑ Salisturm (La Torr) auf burgenwelt.org
  15. ↑ Ludmila Seifert, Leza Dosch: Kunstführer durch Graubünden:
  16. ↑ Kantonsbibliothek Graubünden. Brücke (Foto) (Memento vom 21. Februar 2022 im Internet Archive)
  17. ↑ Familie Maurizio. In: Historisch Biographisches Lexikon der Schweiz. Band V, S. 57 (Digitalisat), abgerufen am 17. März 2020.
  18. ↑ Silke Redolfi: Anna Cornelia Maurizio. In: Historisches Lexikon der Schweiz. 27. August 2008, abgerufen am 17. März 2020.
  19. ↑ Emilio Gianotti: Prof. Silvio Maurizio, Schulinspektor Vicosoprano. In: Jahresbericht des Bündnerischen Lehrervereins. 40, 1922, S. 89–91 (Digitalisat, abgerufen am 14. Januar 2017).
  20. ↑ Attilio Bivetti, Biografie und Bibliografie auf Viceversa Literatur (italienisch)