Antonio Solosmeo

Antonio da Settignano, genannt Solosmeo: Madonna mit Kind und den Heiligen Johannes dem Täufer, Franziskus, Johannes Gualbertus und Sebastian, 1527, Badia di San Fedele, Poppi

Antonio di Giovanni da Settignano, genannt Solosmeo (* 15. Januar 1494 in Florenz; Sterbedatum und -ort unbekannt, nach 1536), war ein italienischer Bildhauer und Maler. Der Ursprung des überlieferten Beinamens Solosmeo ist nicht geklärt. Als Solosmeo wird er bei Vasari mehrfach erwähnt, unter anderem im Zusammenhang mit der Compagnia del Paiuolo und mit seinem Auftreten gegenüber Baccio Bandinelli in Rom. Das von Antonio di Giovanni signierte Gemälde von 1527 in San Fedele in Poppi trägt die Signatur: ANTONIO SOLOSMEI 1527. Solosmeo war offenbar tatsächlich ein von Antonio selbst verwendeter Beiname.

In der neueren kunsthistorischen Forschung gilt seine Rolle bei den Arbeiten in Bologna und Montecassino als eng mit derjenigen Niccolò Tribolos verknüpft, ohne dass sich sein eigenständiger Werkanteil in allen Fällen sicher bestimmen ließe.

Leben

Nach einem Taufeintrag im Archiv der Opera di Santa Maria del Fiore wurde Antonio di Giovanni am 15. Januar 1494 möglicherweise im Florentiner Stadtteil San Pier Gattolini getauft. Er entstammte einer aus Settignano stammenden Steinmetzfamilie. Sein Vater, Giovanni di Antonio di Giovanni, war bereits vor 1504 verstorben. Nach dem Brauch der Vergabe von Taufnamen innerhalb der Familie gilt Antonio di Giovanni als Erstgeborener und somit als vor 1496 geboren. Giorgio Vasari nennt ihn als Maler und Bildhauer unter den Schülern Andrea del Sartos und Jacopo Sansovinos. Gaetano Milanesi und Adolfo Venturi hielten ihn hingegen für einen Schützling Andrea Sansovinos. Er gehörte der Florentiner Compagnia del Paiuolo an, einem von Giovanfrancesco Rustici und Andrea del Sarto geleiteten und von Künstlern und Musikern besuchten Gesellschaftskreis an der Sapienza in Florenz.

Am 30. Mai 1517 ist er erstmals urkundlich als Bildhauer nachweisbar. Am 29. Mai 1523 vertrat er gemeinsam mit seinem Freund Niccolò Tribolo Giovanfrancesco Rustici bei einem Schiedsspruch zur Bewertung von vier Terrakottaskulpturen des Florentiners Sandro di Lorenzo di Smeraldo. Während seiner Lehrzeit bei Jacopo Sansovino entstand eine enge Zusammenarbeit mit Tribolo. Gemeinsam waren sie von 1525 bis 1526 in Bologna tätig, was durch Zahlungen vom 2. September 1525 bis zum 24. März 1526 belegt ist. Er wirkte mit einer von Tribolo geleiteten Gruppe florentinischer Bildhauer, zu der auch Simone Cioli gehörte, an den plastischen Reliefs der beiden Seitenportale der Fassade von San Petronio in Bologna mit. An diesen Arbeiten waren seit 1524 auch Zaccaria, Gabriello und Giovanni Zacchi, Amico Aspertini, Alfonso Lombardi, Girolamo da Treviso und Ercole Seccadenari beteiligt. Am 9. Dezember 1525 und am 5. Januar 1526 wurde Tribolo von der Opera Petroniana für zwei Modelle bezahlt, die er Solosmeo zur Ausführung überließ. Eine genaue Zuordnung der ausgeführten Werke ist wegen des kollektiven Charakters des Unternehmens in der Forschung umstritten.

Antonio da Settignano, genannt il Solosmeo: Wappen Papst Leos XI. (Alessandro Ottaviano de’ Medici), mehrfarbiger Stein, Erzbischöflicher Palast (Palazzo Arcivescovile), Florenz

Zeitgleich war Solosmeo seit September 1525 gemeinsam mit Tribolo für den Juristen und Kanoniker von San Petronio, Bartolomeo Barbazza, an dessen Familiengrabmal tätig. Dieses sollte nach einem Entwurf Michelangelos ausgeführt werden. Nach Fertigstellung des architektonischen Teils überließ Solosmeo Tribolo offenbar die Ausführung der Skulpturen und verließ Bologna. Im Jahr 1527 hielt sich Solosmeo erneut in der Toskana auf. In der Vallombrosaner-Abtei San Fedele in Poppi (Casentino) signierte und datierte er ein Altarbild, das die Muttergottes mit Kind sowie die Heiligen Johannes der Täufer, Franziskus, Sebastian und Giovanni Gualberto darstellt. Dabei wurde er ausdrücklich als Bildhauer (scultore) bezeichnet. Das Werk war ursprünglich in der Kapelle des Beato Torello aufgestellt und wird mit zwei Tafeln mit den Heiligen Johannes dem Evangelisten und Katharina in Verbindung gebracht, die ebenfalls Solosmeo zugeschrieben werden.

Im Jahr 1528 ist Solosmeo erneut in Florenz nachweisbar, wo er weiterhin dem Umkreis der Compagnia del Paiuolo und Compagnia della Cazzuola (Vasari) verbunden blieb. So trat er am 4. November 1528 gemeinsam mit dem Kleriker Giovanni Gaddi als Prokurator in einer Erbschaftsstreitigkeit des Steinmetzen Antonio di Francesco da Settignano auf. Am 11. November 1528 war er gemeinsam mit Giuliano Bugiardini Zeuge einer Schulderklärung im Haus Gaddis. Zu diesem Zeitpunkt war er Giovanni Gaddi selbst einen Kredit von 60 Golddukaten schuldig. Ab Juni 1531 verpflichtete sich Solosmeo gegenüber den Mönchen von Montecassino, binnen drei Jahren Material und Arbeitsleistung für das nach einem Entwurf von Antonio da Sangallo dem Jüngeren und Battista da Sangallo geplante Grabmal des Piero de’ Medici zu liefern. Er koordinierte dabei sieben Steinmetze und erhielt bis 1533 regelmäßige Zahlungen. An der Grabmalanlage, die auch von Francesco da Sangallo (Hauptfiguren) und Matteo Quaranta (Basisreliefs) mitgestaltet wurde, wurde bis 1559 gearbeitet. Im Zweiten Weltkrieg wurde sie durch Bombardierung schwer beschädigt. Die Autorschaft einzelner Figuren (der Heiligen Justina und Agathe) ist in der Forschung umstritten.

In seiner Vita berichtet der Bildhauer Benvenuto Cellini, er habe Solosmeo um 1532 auf dem Weg nach Montecassino getroffen und ihn auf einer Reise nach Neapel begleitet. Vor dem 25. März 1536 wurde Solosmeo in Rom von den Testamentsvollstreckern Papst Clemens’ VII., den Kardinälen Innocenzo Cybo, Giovanni Salviati und Niccolò Ridolfi, in Anwesenheit des Datars Baldassarre Turini empfangen. Turini beaufsichtigte die Arbeiten an den Medici-Gräbern in Santa Maria sopra Minerva. Bei dieser Gelegenheit äußerte Solosmeo, der nach Vasari kein Freund Baccio Bandinellis war, Kritik an dessen Entwürfen. Dabei wusste er nicht, dass Bandinelli selbst, verborgen, an der Zusammenkunft teilnahm. Nach 1536 finden sich in Quellen und Dokumenten keine weiteren Nachrichten über Solosmeo. Über Ort und Zeitpunkt seines Todes ist nichts bekannt.

Werk

Von Solosmeo sind folgende Werke gesichert erhalten:

Literatur

Commons: Solosmeo – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 4 5 6 SOLOSMEO, Antonio di Giovanni da Settignano, detto il - Enciclopedia. Abgerufen am 1. September 2026 (italienisch).
  2. 1 2 De Gruyter (Hrsg.): Allgemeines Künstlerlexikon Online (AKL) / Artists of the World Online. 2009.
Personendaten
NAME Solosmeo, Antonio
ALTERNATIVNAMEN di Giovanni, Antonio
KURZBESCHREIBUNG italienischer Bildhauer und Maler
GEBURTSDATUM 15. Januar 1494
GEBURTSORT Florenz
STERBEDATUM nach 1536