| Studioteatret A/S | |
|---|---|
| Rechtsform | Aktiengesellschaft |
| Gründung | 15. Juni 1945 in Oslo |
| Auflösung | 1950 |
| Gründer | Jens Bolling, Liv Strømsted |
| Sitz | 0162 Oslo, |
| Zweck | Theaterbetrieb nach Stanislawski Am 15. Juni 1945 Stortingsgata 16 Ab 15. Oktober 1950 Søilen Teater Ab 31. Oktober 1946 Carl Johan Teatret 25. Oktober 1950 Letzte Vorstellung |
| Vorsitz | Claes Gill Gunnar Olram (ab Mai 1946) Ole Oppen (ab März 1950) |
| Website | sceneweb.no |
Das Studioteatret war ein avantgardistisches Theaterensemble im Oslo der Jahre 1945 bis 1950. Es entstand schon während des Krieges aus einer Gruppe von jungen Schauspielern und Amateuren, die nach den Ideen von Konstantin Stanislawski die norwegische Schauspielkunst erneuern wollten. Das Theater hatte keine eigene Spielstätte; es trat zunächst im Søilen Teater auf und dann ab 1946 im Carl Johan Teatret. Das literarisch anspruchsvolle Repertoire bestand vor allem aus zeitgenössischen, meist US-amerikanischen oder französischen Dramen (u. a. Thornton Wilder, Eugene O’Neill, Arthur Miller, Jean-Paul Sartre, Arthur Koestler, Bertolt Brecht).
Geworben für das Theater wurde durch die farbenprächtigen expressionistischen Plakate Guy Krohgs, durch Umzüge der kostümierten Schauspieler durch die Straßen Oslos und durch Verlosungen von Pelzmänteln und Autos unter den Besuchern. Als erstes Theater nach Kriegsende unternahm es eine Tournee durch Nordnorwegen, gab Vorstellungen für Mitarbeiter von Firmen und nutzte die Bühne für Podiumsdiskussionen. Es erhielt keine staatliche Unterstützung, aber zahlreiche Zuwendungen von privater Seite. Zuspruch kam auch von bereits berühmten älteren Kollegen, wie Agnes Mowinckel und Ellen Isefiær, die beide als Gäste Regie führten.
Viele der Schauspieler und Regisseure, die am Studioteatret tätig waren, spielten eine zentrale Rolle bei der Entwicklung neuer Theaterformen und -institutionen in Norwegen. Ihre Arbeitsweisen und Spielstile wurden durch die 1953 gegründete Statens teaterskole (heute: Teaterhøgskolen) fortgesetzt.

1942 hatten die NS-Behörden Den Norske Teaterskolen (Die Norwegische Theaterschule) gegründet, um Schauspieler nach faschistischen Prinzipien zu formen. Den Theatern wurde auferlegt, nur dort ausgebildete junge Kräfte einzustellen. Der Verein junger Schauspieler (Unge Skuespilleres Forening) unter dem Vorsitz von Jens Bolling (1915–1992) begann, sich heimlich zu treffen, meist in Bollings Wohnung. Bolling hatte „fast zufällig“ Konstantin Stanislawski und dessen systematisches Theater für sich entdeckt und danach seine Freunde dafür begeistert.
Die Gruppe bestand in der Mehrzahl aus Amateuren, und von den Schauspielern waren nur vier bereits vor 1940 an einem Theater engagiert gewesen, nämlich Jens Bolling, Liv Strømsted und Per Gjersøe am Nationaltheatret sowie Gunnar Olram am Centralteatret.
Nach der Befreiung im Mai 1945 verteilte die Gruppe ein Flugblatt mit der Ankündigung: „Der Plan für ein neues und junges Theater soll verwirklicht werden!“ Der Aufruf war unterzeichnet von Jens Bolling, Claes Gill, Gunnar Olram, Arne Thomas Olsen, Merete Skavlan und Karl Eilert Wiik. Als Symbol für das neue Studioteatret wählten sie eine Möwe, in Anlehnung an das von Stanislawski gegründete Moskauer Künstlertheater, das dieses Symbol nach seiner Aufführung von Anton Tschechows Die Möwe im Jahr 1898 übernommen hatte.
„Das Studioteatret war der erste und wichtigste Ausdruck dafür, dass die Nachkriegszeit auch einen künstlerischen Wendepunkt markierte und dass sich eine neue Generation, die während der Besatzungszeit unterdrückt worden war, nun frei entfalten konnte.“ „Mit seiner ‚flachen‘ Struktur und seinem konsequenten künstlerischen Denken wies das Ensemble in gewisser Weise den Weg für die Gruppentheater, die gegen Ende der 1960er Jahre entstanden.“ Diese „idealistische Experimentierbühne“ entwickelte Arbeitsweisen und Spielstile, die von anderen Theaterleuten übernommen wurden und auch auf der 1953 gegründeten Statens teaterskole (heute: Teaterhøgskolen) fortgesetzt wurden.
Am 15. Juni 1945 präsentierte sich das Ensemble des Studioteatret erstmals dem Publikum. Auf der Bühne in der Stortingsgata 16 gab man je einen Einakter von Thornton Wilder und Eugene O’Neill. Am 17. August 1945 beschloss die neu gegründete Aktiengesellschaft Studioteatret A/S („deren Zweck der Betrieb eines Theaters ist“) ihre Satzung. Das Grundkapital betrug 3000 Kronen und teilte sich in 30 Namensaktien zu je 100 Kronen auf. Vorsitzender des dreiköpfigen Vorstands wurde Gunnar Olram.

Während seiner ersten Saison wurde der Theaterbetrieb von Claes Gill geleitet. Gill war ein Literat ohne schauspielerische Ausbildung oder Theatererfahrung, aber seine Leitung wird als „tatkräftig und inspirierend“ geschildert. Spielstätte der ersten Saison war das Søilen Teater in der Keysers gate 1. Die Eröffnungsvorstellung fand am 15. Oktober 1945 statt; Claes Gill debütierte als Regisseur eines Zeitstücks von Leonid Maximowitsch Leonow über den Vaterländischen Krieg.
Am 26. Februar 1946 fand die Premiere von Byen vår (Unsere kleine Stadt) von Thornton Wilder statt. Dieses Stück, bei dem Agnes Mowinckel Regie führte und Claes Gill sein Debüt diesmal als Schauspieler gab, wurde zum größten Erfolg des Theaters. Im folgenden Sommer begab sich das Ensemble mit dem Stück auf eine sechswöchige kulturelle „Wiederaufbau-Tournee“ durch die vom Krieg verwüstete Finnmark und den Nordteil von Troms. Premiere war am 20. Juni in der Realschule in Lyngseidet; es folgten weitere 34 Vorstellungen.
Die Schauspieler reisten auf dem Schiff Havlid in den Norden und hatten eine mobile Freiluftbühne im Gepäck. Kurz nach ihrer Rückkehr nach Oslo lief das Schiff wieder aus und auf Grund; nur der Kapitän konnte gerettet werden. Die Inszenierung war außerdem ab dem 13. Dezember 1946 für fünf Gastspiele and der Nationale Scene in Bergen zu sehen.

Im Herbst 1946 zog das Studioteatret in die Bühne des ehemaligen Carl Johan Teatret in der Karl Johans gate 35 um. Gunnar Olram, bereits bisher Vorstandsvorsitzender der AG, löste Claes Gill als Intendant ab. Die erste Premiere an der neuen Bühne war am 31. Oktober 1946 mit Wilders Wir sind noch einmal davongekommen. In den folgenden vier Jahren setzte das Theater sein anspruchsvolles Repertoire an zeitgenössischen, meist US-amerikanischen oder französischen Dramen fort. Zu den aufgeführten Autoren gehörten Arthur Miller, Tennessee Williams, Jean-Paul Sartre, Jean Anouilh, Bertolt Brecht, Wolfgang Borchert und Ingmar Bergman. Das Zeitgenössische wurde ergänzt durch einige klassische Stücke (Shakespeare, Ben Jonson, Shaw, Wessel).
Im Osloer Adressbuch von 1947 war das Studioteatret mit einer Anzeige vertreten – wie auch die anderen vier renommierten Theater der Hauptstadt, aber im Gegensatz zu diesen mit einem minimalistischen Design, das dem avantgardistischen Selbstbild entsprach. Die Preise für die circa 360 Sitzplätze variierten zwischen 2 und 7 Kronen; die Veranstaltungen begannen um 21 Uhr, an Sonn- und Feiertagen um 12 Uhr.
Zum Vergleich die Preise der anderen Theater: Det Nye Teater: 1,75 bis 7 Kronen, Centralteatret: 2 bis 8 Kronen, Nationaltheatret: 4 bis 10 Kronen (Nebenbühne Amfiteater 1,50 bis 2,50 Kronen). Det Norske Teatret gab keine Preise an.
Das „bemerkenswerte Avantgarde-Theater“ Studioteatret machte nicht nur „mit einem beeindruckenden literarischen Repertoire“ von sich reden, es fand auch neue Wege, das Publikum zu erreichen, wie der Zeitgenosse Frits von der Lippe 1948 beobachtete: „Begegnete man auf den Straßen Oslos Schauspielern in voller Kriegsbemalung und Kostümen sowie mit riesigen Werbeplakaten, dann war es das Studioteatret, das mit seinem Gauklerwagen unterwegs war, so wie es die Theatertruppen in alten Zeiten taten. Wer im vergangenen Jahr in Oslo ein Los für ein Auto oder einen Pelzmantel zog, dem wurde es vom Studioteatret verkauft.“ Es hatte als erstes Theater nach Kriegsende eine Nordnorwegen-Tournee unternommen, und danach bewusst Vorstellungen für Mitarbeiter von Firmen gegeben und die Bühne für Podiumsdiskussionen geöffnet.

Auffallend neu wirkten auch die Bühnenbilder und Theaterplakate der Jahre 1947/1948 von Guy Krohg (1917–2002, Sohn von Per Krohg). „Seine Malerei zeichnete sich durch eine persönliche, asketische Ausdrucksweise aus, mit einigen Zügen der jungen französischen Malerei der späten 1940er Jahre.“ Der asketische Stil nimmt durch die knallige Farbgebung expressionistische Züge an. Für das Studioteatret entstanden Bühnenbilder und Plakate für Die Dreigroschenoper (Brecht), Die ehrbare Dirne (Sartre), Die Komödie der Irrungen (Shakespeare), Die Hörige (Bergman), Der Reisende ohne Gepäck (Anouilh) und Draußen vor der Tür (Borchert).
Das Theater wurde als „bemerkenswert ausgereifter, frischer und kühner Akzent im norwegischen Theaterleben“ wahrgenommen. Das Ensemble bestand aus jungen Talenten, die durch das Theater eigentlich erst ausgebildet wurden. Deren Leistungen waren „etwas uneinheitlich“, aber aus dem Theater ging doch eine Reihe erwähnenswerter Schauspieler/-innen hervor, z. B. Jens Bolling, Liv Strømsted Dommersnes, Edel Eckblad, Claes Gill, Sverre Hansen, Knut M. Hansson, Gunnar Olram, Arne Thomas Olsen, Merete Skavlan, Per Sunderland. (Namensliste nach:)
Das Studioteatret erhielt keine staatliche Unterstützung. Gründung und laufender Betrieb war nur dadurch möglich, dass viele Privatpersonen Beiträge leisteten. Bereits im Juli 1945, noch vor der Gründung, veröffentlichten prominente Persönlichkeiten aus Politik und Kulturleben einen Spendenaufruf mit einer eindrucksvoll langen Liste von Unterstützern. Auch bereits berühmte ältere Kollegen unterstützten das Theater. Agnes Mowinckel, Ellen Isefiær, Aud Richter sowie mehrere dänische Regisseure führten als Gäste Regie.
Im März 1950 übernahm Ole Oppen die Leitung des Theaters. Unter seiner Intendanz entstanden noch einige Inszenierungen, u. a. eines Stücks von Bjørnstjerne Bjørnson (ein vom Studioteatret eher vernachlässigter Autor). Die letzte Premiere war Cock-a-doodle-Dandy von Seán O’Casey am 26. September, und mit diesem Stück endeten am 25. Oktober 1950 die Aktivitäten des Studioteatret. Am Tag darauf bestellte der Vorstand den „Sekretär“ Kåre Bing zum Prokuristen, der mit der Abwicklung der erst am 4. Januar 1953 beschlossenen Auflösung der Aktiengesellschaft beauftragt wurde.
| Premiere | Name | Originalname | Autor bzw. Komponist | Regie | Darsteller |
|---|---|---|---|---|---|
| 15. Juni 1945 | Den lange julemiddag Mary Allen | The Long Christmas Dinner Where the Cross Is Made | Thornton Wilder Eugene O’Neill | Jens Bolling Gunnar Olram | Per Gjersøe, Beth Borgen Karl Eilert Wiik, Arne Thomas Olsen |
| 15. Oktober 1945 | Invasjon | Naschestwije | Leonid Leonow | Claes Gill | Arne Christian Magnussen, Gunnar Olram, Edel Eckblad, Merete Skavlan |
| 6. Januar 1946 | Stor ståhei (Bryllup/Jubileum/Frieri) | Swadba/Jubilei/Predloschenije | Anton Tschechow | Jens Bolling Per Gjersøe | Knut M. Hansson, Elisabeth Thams |
| 26. Februar 1946 | Byen vår | Our Town | Thornton Wilder | Agnes Mowinckel | Claes Gill, Per Sunderland Liv Strømsted Dommersnes |
| 6. Mai 1946 | Skumringsbaren | Twilight Bar | Arthur Koestler | Per Gjersøe | Arne Thomas Olsen Sverre Hansen, Per Sunderland |
| 31. Oktober 1946 | Familien Antrobus eller På et hengende hår | The Skin of Our Teeth | Thornton Wilder | Jens Bolling | Gunnar Olram, Edel Eckblad Ingrid Bothner |
| 31. Januar 1947 | Tolvskillingsoperaen | Die Dreigroschenoper | Bertolt Brecht Kurt Weill | Pauline Hall | Per Sunderland, Per Gjersøe, Liv Strømsted Dommersnes |
| 19. Mai 1947 | Den anstendige skjøgen | La putain respectueuse | Jean-Paul Sartre | Agnes Mowinckel | Merete Skavlan |
| 11. November 1947 | Tvillingene | The Comedy of Errors | William Shakespeare | Sam Besekow | Knut M. Hansson, Sverre Hansen |
| 2. Januar 1948 | Hets | Hets | Ingmar Bergman | Per Gjersøe | Arne Thomas Olsen Per Sunderland, Randi Nordby |
| 11. März 1948 | Alle er mine sønner | All My Sons | Arthur Miller | Ole Grepp | Gunnar Olram, Edel Eckblad Per Sunderland |
| 22. Oktober 1948 | Reisende uten bagasje | Le Voyageur sans bagage | Jean Anouilh | Johan Borgen | Arne Thomas Olsen, Gerd Wiik |
| 8. Dezember 1948 | Utenfor døren | Draußen vor der Tür | Wolfgang Borchert | Barthold Halle | Sverre Hansen |
| 20. Dezember 1948 | Lise i eventyrland | Alice's Adventures in Wonderland | Lewis Carroll | Barthold Halle Johan Fillinger | Randi Nordby, Anne-Cath. Vestly |
| 19. Februar 1949 | Lille rislende kilde | Lady Precious Stream | Hsiung Shih-li | Per Gjersøe | Randy Nordby, Sverre Hansen |
| 26. August 1949 | Kjærlighet uten strømper | Johan Herman Wessel | Ivo Cramér, Knut M.Hansson | Arne Thomas Olsen, Edel Eckblad, William Nyrén | |
| 14. September 1949 | Volpone | Volpone | Ben Jonson/Stefan Zweig | Erling Schroeder | Gunnar Olram, Sverre Hansen |
| 15. Oktober 1949 | I krig og kjærlighet | Arms and the Man | George Bernard Shaw | Asmund Rostrup | Knut M. Hansson, Mona Hofland Karl Eilert Wiik |
| 16. Februar 1950 | Flyvende sommer | Summer and Smoke | Tennessee Williams | Aud Richter | Edel Eckblad/Merete Skavlan Knut M. Hansson |
| 18. April 1950 | Når den ny vin blomstrer | Bjørnstjerne Bjørnson | Aud Richter | Ingeborg Steffens, Per Gjersøe | |
| 25. August 1950 | Peter den lykkelige | Plainte contre Inconnu | Georges Neveux | Ellen Isefiær | Arne Thomas Olsen |
| 26. September 1950 | Cock-a-doodle-Dandy | Cock-a-doodle-Dandy | Seán O’Casey | Edvin Tiemroth | Reidar Gunder, Mona Hofland Arne Thomas Olsen |
Den anstendige skjøgen (Plakat, 1947)
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| Wahl auf Hauptversammlung | Vorsitzender | Mitglied | Mitglied | Mitglied (ab 1950) | Quelle |
|---|---|---|---|---|---|
| 17. August 1945 | Gunnar Olram | Claes Gill | Jens Ludvig Høst | ||
| 4. Februar 1947 | Karl Eilert Wiik | Arne Thomas Olsen | |||
| 26. Februar 1948 | Knut Mørch Hansson | ||||
| 2. Februar 1949 | Edel Eckblad | ||||
| 5. Januar 1950 | Claes Gill | Agnes Mowinckel | Johan Borgen | ||
| 13. März 1950 | Ole Oppen | Edel Eckblad | Per Gjersøe | Sverre Hansen |
