Die Mitglieder der Gattung Stygiolobus, repräsentiert durch ihre TypusartS. azoricus mit Referenzstamm FC6, sind anaerobe, extrem thermoacidophile (hitze- und säureliebende) Archaeen der Ordnung Sulfolobales.
Wie in der Erstbeschreibung 1991 berichtet, konnten die Isolate FC6, FC4 und RG1 bei 80°C und einem pH-Wert von 3,0 (fast so sauer wie Essig) kultiviert werden. Die FC6-Zellen lysieren bei pH-Werten über etwa 7,5 bis 8.
Für die 1991er Erstbeschreibung wurden insgesamt 11 anaerobe Proben aus kochenden Solfatarquellen, Schlamm und Böden auf der Azoren-Insel São Miguel entnommen. Die Temperatur- und pH-Bereiche vor Ort lagen zwischen 72 und 102°C bzw. pH2,0 und 5,5. Im Detail:
Die Zellwände enthalten Muraminsäure und Meso-Diaminopimelinsäure (2,6-Diaminopimelinsäure, DAP).
Der G+C-Gehalts beträgt etwa 38mol%.
Die 1991er Analysen legten eine Klassifizierung in die Familie Sulfolobaceae (Ordnung Sulfolobales) nahe. Aufgrund ihrer streng anaeroben Lebensweise, der fehlenden signifikanten DNA-Homologie mit anderen Mitgliedern der Sulfolobales und ihres G+C-Gehalts unterschieden sich die drei Stämme jedoch von den vier zuvor beschriebenen Gattungen dieser Ordnung, was Anlass für die Aufstellung der damals neuen Gattung Stygiolobus mit ihrer Typusart gab.
Wo nicht anders angegeben ist der erste Stamm (bzw. das erste MAG) Typusstamm (englischtype strain) für die jeweilige Spezies.
Viren
EM-Aufnahmen von SRV. Der Pfeil rechts zeigt auf den Befestigungspunkt der drei Schwanzfasern. Balken links je 299nm, rechts 50nm.
Stygiolobus-Vertreter werden von Viren der Familie Rudiviridae parasitiert, darunter dem Stygiolobus rod-shaped virus (SRV; Spezies Azorudivirus furnasense, früher Azorudivirus SRV) mit stäbchenförmigen Virionen. SRV hat ein lineares dsDNA-Genom mit einer Länge von 28.096bp (Basenpaaren).
Etymologie
Der Gattungsname Stygiolobus setzt sich zusammen aus dem lateinischenAdjektivstygius‚vom Styx‘, ‚zum Styx gehörig‘, ‚aus der Unterwelt‘; sowie lobus‚Lappen‘. Der Name bezeichnet also einen lappigen Organismus aus dem Hades lobe; N.L. masc. n. Stygiolobus.
Das Art-Epithetonazoricus ist ein neulateinischesAdjektiv mit der Bedeutung ‚von den Azoren‘, ‚zu den Azoren gehörig‘, was sich auf den Ort der erstmaligen Isolation der Art bezieht.
Das Art-Epitheton caldivivus setzt sich zusammen aus den lateinischenAdjektivencaldus‚heiß‘ und vivus‚lebend‘, es verweist damit auf einen in einer heißen Umgebung lebenden Organismus.
Weiterführende Literatur
Gisle Vestergaard, Shiraz A. Shah, Ariane Bize: Stygiolobus Rod-Shaped Virus and the Interplay of Crenarchaeal Rudiviruses with the CRISPR Antiviral System. In: Journal of Bacteriology, Band 190, Nr.20, 15. Oktober 2008, S.6837–6845; doi:10.1128/JB.00795-08, PMC2566220(freier Volltext), PMID 18723627 (englisch).
Karl O. Stetter: Bergey's Manual of Systematic Bacteriology. Hrsg.: J.T. Staley, M.P. Bryant, N. Pfennig, J.G Holt. 1. Auflage. Band 3. The Williams & Wilkins Co., Baltimore 1989, Order III. Sulfolobales ord. nov. Family Sulfolobaceae fam. nov., S.169 (englisch).
1234567891011121314
Andreas H. Segerer, Antonio Trincone, Manfred Gahrtz, Karl O. Stetter: Stygiolobus azoricus gen. nov., sp. nov. represents a novel genus of anaerobic, extremely thermoacidophilic archaebacteria of the order Sulfolobales. In: International Journal of Systematic Bacteriology (International Journal of Systematic and Evolutionary Microbiology), Band 41, Nr.4, 1. Oktober 1991, S.495–501; doi:10.1099/00207713-41-4-495 (englisch).