Tafeltraube

Tafeltrauben als Motiv im Stillleben Früchtekorb von Caravaggio

Tafeltrauben sind Weintrauben, also Früchte der Weinrebe, die im Unterschied zu den Keltertrauben nicht zur Weinherstellung verwendet, sondern als Obst roh gegessen werden. Tafeltrauben reifen nach der Ernte nicht nach, sie zählen zu den nichtklimakterischen Früchten.

Gegenüber Keltertrauben haben sie oft mit auffälligere Aromen. Auf dem Europäischen Markt genießt der Muskateller-Geschmack herausragende Beliebtheit, wobei er weltweit hinter Sorten mit der Fuchsnote zurücksteht. In den letzten Jahrzehnten tendiert der Markt zu und liegt der Züchtungsschwerpunkt bei sogenannten „kernlosen“ Sorten. Wenngleich es auch parthenokarpe und damit tatsächlich kernlose Sorten gibt, sind diese aufgrund ihrer allgemein wesentlich geringeren Fruchtgröße kaum von Bedeutung. In der Regel handelt es sich um stenospermokarpe Sorten mit verkümmerten Kernen, die im günstigen Falle kaum wahrnehmbar sind. Dieses Merkmal geht in der Regel auf die alte Sorte Sultana zurück. Gegenüber allgemein oft vergleichsweise (gegenüber reinen vinifera-Sorten) frostharten Hybridsorten reagieren diese jedoch meist eher sensibel auf kalte Winter. Ein weiterer bedeutender Trend sind rote Beeren, mit einer Ausfärbung zwischen hellen/„weißen“ und den tiefblauen dunklen Sorten.

Anforderungen und Vorschriften

An Tafeltrauben werden andere Anforderungen gestellt als an die Keltertrauben: Die Trauben sollen lockerbeerig sein, die Beeren groß, saftreich, arm an oder frei von Kernen und zartschalig. Zudem ist eine frühe Reife erwünscht.

Ab der Reform der EU-Weinmarktordnung vom 1. August 2000 gilt für Tafeltrauben nicht mehr das Weinrecht. Sie dürfen deshalb wie anderes Obst, beispielsweise Äpfel, Birnen oder Kirschen, angebaut werden. Geschieht dies außerhalb von Weinbergsflächen und ohne Pflanzrecht, sind die rechtlichen Vorschriften zu beachten: Es dürfen keine Sorten angepflanzt werden, die als Keltersorten klassifiziert sind (z. B. Regent oder Phoenix).

Weiße Sorten

Die Sultanina mit ihren weißen, kernlosen Beeren ist die weltweit am häufigsten angebaute Tafeltraube.

Rote und blaue Sorten

Die Cardinal ist eine bekannte und verbreitete rote Rebsorte, die als Tafeltraube verwendet wird.

Weltweit häufig angebaute Tafeltrauben-Varietäten und deren Charakteristika

Die Weltproduktion an Tafeltrauben lag im Jahr 2014 bei etwa 27 Millionen Tonnen. Etwa die Hälfte der Weltproduktion kam dabei aus drei Ländern: der Volksrepublik China, Indien und der Türkei.

Weltproduktion von Tafeltrauben
in Mio. t
Land 2000 2014
 Volksrepublik China1,39,2
 Indien0,92,1
 Türkei2,12,1
 Ägypten1,01,4
 Vereinigte Staaten0,91,2
 Iran1,51,1
 Italien1,41,0
 Usbekistan0,41,1
 Brasilien0,40,8
Welt gesamt15,727,0
Tafeltraubenvarietäten und Anbauländer
Varietät Charakteristika Länder
Alphonse Lavalléesehr große, dunkle, kernhaltige Trauben mit fester SchaleArgentinien, Chile, Türkei, Peru
Crimson Seedlesskleine bis mittelgroße, rote, elliptische, kernlose BeerenÄgypten, Italien, Peru, Südafrika, Vereinigte Staaten
Dattier de Beyrouthgroße, weiße, kernhaltige Beeren, dichtgepackt, mit dicker Schale und festem FruchtfleischItalien, Spanien, Türkei
Flame Seedlessmittelgroße, kernlose, rote BeerenArgentinien, Chile, Ägypten, Peru, Südamerika, Vereinigte Staaten
Muscat de Hambourg
(Muscat Hamburg)
mittelgroße bis große dunkle, kernhaltige Beeren, MuskatellaromenVolksrepublik China, Frankreich, Italien, Argentinien, Chile, Türkei, Peru
Italiasehr große, kernhaltige Beeren in dichter PackungArgentinien, Volksrepublik China, Italien
Kyohōsehr große, normalerweise kernhaltige Beeren mit charakteristischem FuchstonBrasilien, Volksrepublik China, USA
Muscat d’Alexandrie
(Muscat of Alexandria)
sehr große weiße, elliptische, kernhaltige Trauben, dichtgepackt, mit festem Fruchtfleisch, intensive MuskatellaromenAlgerien, Argentinien, Griechenland, Marokko, Südafrika, Spanien
Red Globemittelgroße, rote, runde, kernhaltige BeerenArgentinien, Australien, Chile Ägypten, Italien, Peru, Südafrika, Vereinigte Staaten
Sugraonemittelgroße bis große weiße, kernlose Beeren, dichtgepacktArgentinien, Australien, Ägypten, Italien, Peru, Südafrika, Vereinigte Staaten
Sultanina
(Sultana)
kleine, weiße, kernlose Beeren, dichtgepackt, mit dünner Schale und festem FruchtfleischArgentinien, Australien, Chile, Volksrepublik China, Griechenland, Indien, Iran, Südafrika, Ägypten, Türkei, Vereinigte Staaten
Victoriagroße, weiße, elliptische, kernhaltige Beeren, festes FruchtfleischArgentinien, Italien

Literatur

Commons: Handbuch der Tafeltraubenkultur – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary: Tafeltraube – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

  1. ↑ Antonio Mafra: Vin : quels sont les cépages les plus cultivés ?
  2. ↑ OIV 2017: Distribution of the world’s grapevine varieties, Seite 10: Kyoho
  3. ↑ Ana Cristina Agulheiro-Santos, Marta Laranjo, Sara Ricardo-Rodrigues, 2021: Table Grapes: There Is More to Vitiviniculture than Wine…, DOI:10.5772/intechopen.99986
  4. ↑ Carolina Royo, Rafael Torres-Pérez, Nuria Mauri, Nieves Diestro, José Antonio Cabezas, Cécile Marchal, Thierry Lacombe, Javier Ibáñez, Manuel Tornel, Juan Carreño, José Miguel Martínez-Zapater, Pablo Carbonell-Bejerano, 2018: The Major Origin of Seedless Grapes Is Associated with a Missense Mutation in the MADS-Box Gene VviAGL111, DOI:10.1104/pp.18.00259
  5. ↑ Bruce I. Reisch, David V. Peterson, Mary-Howell Martens: Table Grape Varieties for Cool Climates – Seedless Grapes
  6. ↑ USDA Commemorates 100 Years of Contributions to the Grape Industry
  7. ↑ Verordnung (EG) Nr. 2789/99 (PDF) der Kommission vom 22. Dezember 1999 zur Festsetzung der Vermarktungsnorm für Tafeltrauben.
  8. 1 2 3 Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen und Internationale Organisation für Rebe und Wein (Hrsg.): TABLE AND DRIED GRAPES, FAO-OIV FOCUS 2016: Non-alcoholic products of the vitivinicultural sector intended for human consumption. 2016, ISBN 978-92-5109708-3 (englisch, fao.org).
  9. ↑ International Organisation of Vine and Wine (OIV): World vitiviniculture situation, Seite 36 ff.