| Tallboy (Bombe) | |
|---|---|
|
| |
| Allgemeine Angaben | |
| Bezeichnung: | 12000 lb DP, Mk 1 Tallboy |
| Typ: | Panzersprengbombe |
| Herkunftsland: | |
| Hersteller: | Barnes Wallis, Vickers |
| Entwicklung: | 1943 |
| Indienststellung: | 8. Juni 1944 |
| Einsatzzeit: | 1944–1945 |
| Technische Daten | |
| Gefechtsgewicht: | 5.390 kg |
| Länge: | 6,40 m |
| Durchmesser: | 965 mm |
| Spannweite: | 1.067 mm |
| Ausstattung | |
| Gefechtskopf: | 2.359 kg Torpex D1 (RDX & TNT) |
| Zünder: | Verzögerungszünder, Langzeitzünder |
| Waffenplattformen: | Avro Lancaster |
| Liste von Bomben nach Herkunftsnation | |
Die Tallboy-Bombe (von englisch tall boy „großer Junge“) war eine Fliegerbombe der Royal Air Force (RAF) und wurde von dem britischen Ingenieur Barnes Wallis entwickelt. Die offizielle Bezeichnung dieser Panzersprengbombe lautete D.P.12000 lb (Deep Penetration, 12.000 Pfund). Mit einem Gewicht von knapp 5,4 Tonnen, davon rund 2,4 t hochbrisanter Sprengstoff mit einem Äquivalent von 3,6 t TNT, sowie einem Verzögerungs- bzw. Langzeitzünder war sie speziell für den Einsatz gegen stark befestigte Betonbauten und Bunker konzipiert worden, gegen die sich herkömmliche Fliegerbomben als unzureichend erwiesen hatten. Ab Frühjahr 1944 wurden insgesamt 854 Bomben an die Verbände der RAF ausgeliefert. Im November 1944 brachten mehrere Tallboys das deutsche Schlachtschiff Tirpitz zum Kentern.

Im Bewusstsein, dass der Feind durch Zerstörung seiner Infrastruktur und Fertigungsstätten empfindlich geschwächt werden würde, entwickelte Barnes Wallis bereits zu Beginn des Zweiten Weltkriegs fortschrittliche Bombentypen auf Basis einzelner überschwerer Bomben.
Schon vor dem Krieg hatte er die Idee einer Zehn-Tonnen-Bombe, die nach dem „Erdbebenprinzip“ arbeitete, in seiner Studie A Note on a Method of Attacking the Axis Powers (etwa „Notiz über eine Möglichkeit, die Achsenmächte anzugreifen“) vorgestellt.

Seine Berechnungen zeigten, dass eine sehr große Bombe, die in der Nähe eines Ziels unterirdisch detoniert, eher ein „camouflet“, eine unterirdische, durch eine Explosion verursachte Höhlung statt eines Kraters verursachen würde. Dadurch würde fast die gesamte Energie der Explosion vom Erdboden aufgenommen, und über die Fundamente würde ein deutlich höherer Anteil der Explosionsenergie als Schockwelle auf das Ziel einwirken als bei Explosionen an der Oberfläche, bei denen ein Großteil des Explosionsdruckes in die Atmosphäre entweicht und (mehr oder weniger wirkungslos) verpufft.
Die Tragekapazität britischer Vorkriegsbomber war damals bei weitem zu gering für derart schwere Waffen. Ab 1939 machte die Flugzeugmotoren-Technik schnelle Fortschritte: Es war wichtig, welche Flugzeuge schneller und/oder höher fliegen konnten als die gegnerischen beziehungsweise mit welchen Flugmanövern zum Beispiel Bomber reagieren konnten, die von gegnerischen Jagdflugzeugen angegriffen wurden.
Wallis kehrte in den 1940er Jahren zu seinen Entwürfen für die „Erdbebenbomben“ zurück, als die von ihm entwickelte Rollbombe erfolgreich gegen deutsche Staudämme eingesetzt werden konnte (Operation Chastise, Mai 1943) und in der Folge das Interesse an gezielten strategischen Einsätzen stark zunahm.

Im Vorfeld der geplanten Landung in der Normandie (Juni 1944) hatte die Royal Air Force (RAF) ein offenes Ohr für visionäre Gedanken, da sie eine geeignete Waffe benötigte, um weitere große zivile Bauwerke (wie beispielsweise Tunnel und Brücken), schwer gepanzerte Ziele (zum Beispiel Schlachtschiffe) und Betonbauten (Bunker) ausschalten zu können. Sie wollte Ziele am Atlantikwall (zum Beispiel U-Boot-Bunker und Küstenstädte, die Hitler zu „Festungen“ erklärt hatte) entscheidend treffen.
Auch 1943 hatte die RAF noch keine geeignete Plattform zum Einsatz einer zehn Tonnen schweren Bombe. Wallis begann deshalb mit der Entwicklung verkleinerter Versionen, von denen eine die 12.000 lbs schwere Tallboy-Bombe werden sollte.
Die Entwicklung und die Produktion der Waffe(n) erfolgten damals, obwohl weder ein offizieller Auftrag des Ministeriums erteilt noch ein Vertrag abgeschlossen worden war. Die RAF warf also Bomben ab, die sie noch nicht einmal gekauft hatte. Sie waren noch immer Eigentum ihres Herstellers Vickers-Armstrongs. Erst als der Bedarf an einer solchen Waffe erkannt wurde, gab die Führung grünes Licht. Bis Kriegsende wurden 854 Tallboy-Bomben produziert.
Die Bombe erhielt eine langgezogene aerodynamische Form. Dabei zeigten erste Ausführungen eine Neigung zum Taumeln, was die Zielgenauigkeit, die aufgrund der großen Abwurfhöhe ohnehin beschränkt war, verminderte. Daraufhin wurden die Leitwerke so verändert, dass sie die Bombe in eine Längsrotation versetzten und damit drallstabilisierten.
Wie bei der Grand Slam wurden die Bomberbesatzungen aus Kostengründen angewiesen, nicht abgeworfene Bomben wieder zu den Stützpunkten zurückzubringen und mit den Bomben an Bord zu landen. Im Zweiten Weltkrieg war es den Bomberbesatzungen ansonsten aus Sicherheitsgründen vorgeschrieben, nicht eingesetzte Bomben vor der Landung abzuwerfen.
Die Tallboy-Bombe hatte einen stromlinienförmigen Körper mit einer ogiven Spitze. Der Bombenkörper bestand aus Schmiedestahl, hatte einen Durchmesser von 965 mm und eine Länge von 3,15 m (ohne Heckteil). Die Wanddicke betrug 31,8 mm und vergrößert sich zur Bombenspitze hin auf 104 mm. Befüllt war der Bombenkörper an der Spitze mit einer 2,54 cm starken Schicht TNT. Der Rest des Bombenkörpers war mit dem Mischsprengstoff Torpex befüllt. Dieser besteht aus 42 % RDX, 40 % TNT sowie 18 % Aluminiumpulver und Wachs. Hinten am Bombenkörper wurde ein Heckteil aus geschweißten Blechen (Wanddicke 15 mm) mit vier trapezförmigen Stabilisierungsflächen (Heckflossen) montiert. Die komplette Bombe mit dem Heckteil hatte eine Länge von 6,40 m und wog 5390 kg, wovon 2359 kg auf die Sprengstofffüllung entfielen.

Im Jahr 1944 beschaffte sich die United States Army Air Forces bei den Briten eine Anzahl Tallboy-Bomben und bauten diese mit der Bezeichnung T-10 in den Vereinigten Staaten nach. Zu einem geplanten Einsatz im Pazifikkrieg kam es jedoch nicht.
Während des Koreakriegs wurden eine Anzahl T-10 zu Lenkbomben VB-13 Tarzon umgebaut. Diese wurden von B-29 „Superfortress“ der Pacific Air Forces gegen Ziele in Nordkorea eingesetzt.
In den späten 1950er-Jahren wurde die Bezeichnung der T-10 in M121 geändert. Nachdem die B-36 „Peacemaker“ 1959 und die B-29 „Superfortress“ 1963 ausgemustert wurden, gab es keine Bomber mehr, welche die M121 abwerfen konnten. Daraufhin wurden die M121-Bomben auf der Kirtland Air Force Base eingelagert.
Während des Vietnamkriegs starteten die Streitkräfte der Vereinigten Staaten 1967 die Operation „Combat Trap“ welche später in die Operation „Commando Vault“ überging. Im Rahmen dieser Operation wollte man mit schweren Fliegerbomben im Urwald Lichtungen für Hubschrauberlandeplätze und Artilleriestellungen freisprengen. Dafür wurde an den M121-Bomben das Heckteil entfernt und durch ein Paket mit einem Fallschirm ersetzt. An der Bombenspitze wurde das knapp 1 m lange M1A1-Verlängerungsrohr mit einem M904-Aufschlagzünder montiert. Mit diesem als Daisy Cutter bezeichneten Zünder explodierten die Bomben dicht über dem Boden und erzeugten so eine starke Detonationswelle. Die Abwürfe der M121-Bomben geschah mit den Transportflugzeugen C-130 „Hercules“ und C-123 „Provider“ sowie mit dem Transporthubschrauber CH-54 „Tarhe“. Bei der Explosion knapp über dem Boden entwurzelte die Detonationswelle der M121-Bombe in einem Radius von 30–35 m nahezu alle Bäume. Da die Wirkung der M121-Bomben als zu gering erachtet wurde und weil einige der Bomben aufgrund ihrer langen Lagerung nicht mehr einwandfrei funktionierten, wurde ab Dezember 1968 die größere BLU-82 entwickelt. Die letzte der noch vorhanden 216 M121-Bomben wurde am 8. August 1970 über Vietnam abgeworfen.

Im U-Boot-Bunker Valentin wird noch heute ein Mantelrest einer Tallboy gelagert und während einer Bunkerführung gezeigt. Da der Bunker nach dem Krieg zu Testzwecken angegriffen wurde, ist unklar, ob es sich um eine Bombe des Angriffs vom 27. März 1945 oder aus den Testangriffen handelt.
Im Ortskern von Krumpa am ehemaligen Mineralölwerk Lützkendorf kann das vollständige Kopfteil einer Tallboy frei besichtigt werden. Es steht auf einem Sockel gegenüber dem öffentlich zugänglichen Bunker-Denkmal "B134a-Luftschutzbunker Krumpa" und dient als Mahnmal gegen Krieg und Zerstörung. Diese Bombe wurde während des Angriffs vom 8./9. April 1945 abgeworfen.
Auf Helgoland befindet sich eine komplett erhaltene Tallboy im Museumshof der Insel.