Thomas Plenert
Leben
Thomas Plenert war der Sohn des Kinderarztes Wolfgang Plenert . Er studierte 1972 bis 1976 Kamera an der Hochschule für Film und Fernsehen der DDR in Babelsberg sowie kurze Zeit als Stipendiat an der Staatlichen Film- und Theaterhochschule im polnischen Łódź .
Als Dokumentarfilmkameramann machte er sich bereits zu DDR-Zeiten einen Namen und arbeitete seit Ende der 1970er Jahre mit renommierten Regisseuren wie Rainer Ackermann und Jürgen Böttcher (Rangierer (1984), Kurzer Besuch bei Hermann Glöckner (1985) und Die Mauer (1990)).
Besonders fruchtbar war Plenerts Zusammenarbeit mit Volker Koepp , für den er seit 1988 bei fast sämtlichen Filmen hinter der Kamera stand. Zu ihren preisgekrönten Dokumentarfilmen gehörten Die Wismut (1993), Kalte Heimat (1994), Herr Zwilling und Frau Zuckermann (1998) und Holunderblüte (2007).
Neben seiner Dokumentarfilmarbeit drehte Plenert auch gelegentlich Spielfilme . Bereits für seinen ersten Kinospielfilm, den unter Lothar Warnekes Regie in Schwarzweiß gedrehten Die Beunruhigung , hatte Plenert 1982 auf dem 2. Nationalen Spielfilmfestival der DDR den Preis für die beste Kamera gewonnen. Später drehte er mit Regisseuren wie Jan Schütte (Fette Welt , 1998) und Bernd Böhlich (Du bist nicht allein , 2007) sowie einzelne Filme von Fernsehserien wie Polizeiruf 110 , Die Kommissarin , Im Namen des Gesetzes und Stubbe – Von Fall zu Fall .
Ab 1997 war Plenert Mitglied der Berliner Akademie der Künste , Sektion Film- und Medienkunst.
Thomas Plenert war mit der Filmeditorin Gudrun Steinbrück-Plenert verheiratet, die an einigen seiner Filme mitarbeitete. Er starb nach kurzer Krankheit im Alter von 72 Jahren im Krankenhaus Waren (Müritz) . Er ist beerdigt auf dem Dorffriedhof in Barkow (Barkhagen) .
Filmografie
Dokumentarfilme
1977: Inti-Illimani – Regie: Rainer Ackermann
1977/79: Floh de Cologne – Regie: Rainer Ackermann
1977: Im Lohmgrund – Regie: Jürgen Böttcher
1978: Das Glück in den Schuhen – Fußballnotizen aus Ragösen – Regie: Rainer Ackermann
1978/1990: Heim – Regie: Angelika Andrees , verboten, erst 1990 gezeigt
1979: Clowns – Regie: Rainer Ackermann
1979: Sonnabend, Sonntag, Montagfrüh – Regie: Hannes Schönemann
1980: Drei Herren in Sorrent – Regie: Rainer Ackermann
1980: Alle Spiele – alle Nationen – Regie: Rainer Ackermann
1982: Verwandlungen: Potters Stier
1982: Verwandlungen: Venus nach Giorgione
1982: Verwandlungen: Die Frau am Klavichord
1982: Ein Bauer und seine Frau – Regie: Eduard Schreiber
1982: Drei Tage im Sattel – Regie: Eckhard Potraffke
1984: Sylvia
1984: Friedensfahrer
1984: Freundinnen – Regie: Rainer Ackermann
1984: Rangierer – Regie: Jürgen Böttcher, mehrere Preise
1985: Briefe von der Fahne
1985: Kurzer Besuch bei Hermann Glöckner – Regie: Jürgen Böttcher, ein Preis
1986: Die Küche – Regie: Jürgen Böttcher
1986: Auf dem Familienschacht – Regie: Rainer Ackermann
1987: Ich war einmal ein Kind – Regie: Thomas Plenert, Tamara Trampe
1987: Die Schmelzer – Regie: Rainer Ackermann
1987: Rock ’n’ Roll – Regie: Jörg Foth
1987: In Georgien – Regie: Jürgen Böttcher
1987: DEFA Kinobox 1987/56 (Beitrag über die Kneipe Bötzow privat)
1988: Winter adé – Regie: Helke Misselwitz , mehrere Preise, einer der wichtigsten DEFA-Dokumentarfilme
1988: Feuerland – Regie: Volker Koepp
1988: Die Cousins – Regie: Rainer Ackermann, Christian Lehmann , Thomas Plenert
1989: Wer fürchtet sich vorm schwarzen Mann (auch Co-Drehbuch) – Regie: Helke Misselwitz, ein Preis
1989: Märkische Ziegel – Regie: Volker Koepp, mehrere Preise
1989: Tuba wa Duo – Regie: Jörg Foth
1989: Ach du jeh – Ein Hans Dampf und Wurst Dokument – Regie: Jörg Foth
1990: Märkische Heide, märkischer Sand – Regie: Volker Koepp, Lobende Erwähnung
1990: La Villette – Regie: Gerd Kroske
1990: Die Mauer – Regie: Jürgen Böttcher, mehrere Preise
1991: Verriegelte Zeit – Regie: Sibylle Schönemann , mehrere Preise
1991: Märkische Gesellschaft mbH – Regie: Volker Koepp
1991: Sperrmüll – Regie: Helke Misselwitz
1991: In Grüneberg – Regie: Volker Koepp
1992: Sammelsurium. Ein ostelbischer Kulturfilm – Regie: Volker Koepp
1993: Zeit der Götter. Der Bildhauer Arno Breker – Regie: Lutz Dammbeck
1993: ZAST – Regie: Hannes Schönemann
1993: Schönes Fräulein, darf ich’s wagen? – Regie: Helke Misselwitz
1993: Die Wismut – Regie: Volker Koepp, mehrere Preise
1995: LaBENDIG – Regie: Hannes Schönemann
1995: Kalte Heimat – Regie: Volker Koepp, mehrere Preise
1996: Meine Liebe, deine Liebe – Regie: Helke Misselwitz
1996: Dürers Erben – Regie: Lutz Dammbeck
1997: Das 7. Jahr – Ansichten zur Lage der Nation (3 Segmente) – Regie: Helke Misselwitz, Volker Koepp, Pepe Danquart
1998: Das Meisterspiel – Regie: Lutz Dammbeck
1999: Julias Wahn – Regie: Hannes Schönemann
1999: Herr Zwilling und Frau Zuckermann – Regie: Volker Koepp, mehrere Preise
2000: Heimspiel – Regie: Pepe Danquart
2000: Die Königin. Marianne Hoppe – Regie: Werner Schroeter
1996/2001: Berlin Babylon – Regie: Hubertus Siegert
2001: Kurische Nehrung – Regie: Volker Koepp
2001: Konzert im Freien – Regie: Jürgen Böttcher
2001: Fremde Oder – Regie: Helke Misselwitz
2002: Uckermark – Regie: Volker Koepp
2004: Frankfurter Tor – Regie: Volker Koepp
2004: Das Netz – Regie: Lutz Dammbeck
2004: Dieses Jahr in Czernowitz – Regie: Volker Koepp
2005: Pommerland – Regie: Volker Koepp
2005: Schattenland – Reise nach Masuren – Regie: Volker Koepp
2007: Holunderblüte – Regie: Volker Koepp, mehrere Preise
2007: Söhne – Regie: Volker Koepp
2008: Memelland – Regie: Volker Koepp
2009: 24h Berlin – Ein Tag im Leben (Segment Groß-Bäckerei Kamps / Kneipen in Pankow ) – Regie: Volker Koepp, mehrere Preise
2009: Sehnsucht Berlin – Regie: Peter Zach
2009: Berlin – Stettin – Regie: Volker Koepp
2012: Goldrausch – Die Geschichte der Treuhand – Produzent: Thomas Kufus
2013: In Sarmatien – Regie: Volker Koepp
2016: Brezmejno – Beyond Boundaries Regie: Peter Zach
2021: Die Frau des Dichters – Regie: Helke Misselwitz
Spielfilme
1977: Der Prozeß , von Jörg Foth , Diplomfilm, ein Preis
1982: Die Beunruhigung , von Lothar Warneke , mehrere Preise
1984: Eine sonderbare Liebe , von Lothar Warneke, mehrere Preise
1986: Blonder Tango , von Lothar Warneke, mehrere Preise
1990: Über die Grenzen , von Rainer Ackermann
1990: Letztes aus der Da Da eR , von Jörg Foth
1992: Herzsprung , von Helke Misselwitz , Lobende Erwähnung
1995: Toms Zimmer, von Marcus Schmidt
1996: Engelchen , von Helke Misselwitz, mehrere Preise
1996: Edgar, von Karsten Laske
1998: Fette Welt, von Jan Schütte
2000: Zurück auf Los! , von Pierre Sanoussi-Bliss
2005: Mutterseelenallein, von Bernd Böhlich
2007: Du bist nicht allein , von Bernd Böhlich
2007/09: Meine schöne Nachbarin, von Peter Kahane
2008: Diese Nacht (Nuit de chien) , von Werner Schroeter
2019: Und der Zukunft zugewandt , von Bernd Böhlich
1989–1992 Prenzlauer Berg Walzer, von Jörg Foth
1992: Happy End durch Drei, von Jörg Foth
1993: Stille Wasser, von Karsten Laske
1993: Polizeiruf 110: Tod im Kraftwerk , von Michael Knof
1995: Nikolaikirche , von Frank Beyer
2001: Polizeiruf 110: Bei Klingelzeichen Mord , von Andreas Kleinert
2001: Polizeiruf 110: Angst , von Manuel Siebenmann
2002: Polizeiruf 110: Wandas letzter Gang , von Bernd Böhlich
2003: Stubbe – Von Fall zu Fall: Opfer im Zwielicht
2004: Polizeiruf 110: Ein Bild von einem Mörder , von Thomas Jacob
2004: Das blaue Wunder – Regie: Peter Kahane
2005: Polizeiruf 110: Vergewaltigt – Regie: Christian von Castelberg
2006: Polizeiruf 110: Kleine Frau – Regie: Andreas Kleinert, ein Preis
2006: Die Hochzeit meiner Töchter – Regie: Thomas Jacob
2006: Eine Liebe in Königsberg – Regie: Peter Kahane
2007: Mein Traum von Afrika – Regie: Thomas Jacob
2008: Stubbe – Von Fall zu Fall: Dritte Liebe
2009: Bei uns und um die Ecke – Regie: Bernd Böhlich
2009: Krauses Kur – Regie: Bernd Böhlich
2011: Polizeiruf 110: Die verlorene Tochter – Regie: Bernd Böhlich
2011: Krauses Braut – Regie: Bernd Böhlich
2018: Ausgerechnet Sylt – Regie: Susanna Salonen
Auszeichnungen und Ehrungen
Ausgezeichnete Filme
Siehe auch Filmografie
Thomas Plenert wirkte an etwa 20 preisgekrönten Spiel- und Dokumentarfilmen maßgeblich mit, darunter Die Beunruhigung (1982), Winter adé (1988), Blonder Tango (1986), Die Mauer (1990), Verriegelte Zeit (1991), Die Wismut (1992), Kalte Heimat (1994), Herr Zwilling und Frau Zuckermann (1998), Holunderblüte (2007) und Der Himmel über Berlin (1988, als Gast).
Persönliche Auszeichnungen
Weitere Ehrungen
2024 Retrospektive "Kamera DDR" im Kino Babylon , mit 40 Filmen von Thomas Plenert
Würdigungen
Die Filmemacherin Helke Misselwitz , die mit Thomas Plenert einige erfolgreiche Filme machte, lobte ihn in ihrer Laudatio für den Preis der DEFA-Stiftung 2008
„Für Thomas Plenert ist die Kamera kein Instrument, sondern ein Organ, ein lebenswichtiges. (…)
„Neugierig bleiben und reagieren“, das sind die beiden Fähigkeiten, die Tommy selbst, als die beiden wichtigsten seines Berufes bezeichnet. (…)
Die Lebendigkeit zu bewahren, die aus der Genauigkeit der Beobachtung resultiert und den Zufall einschließt, ist ihm wichtiger, als ausgeklügelte Perfektion. (…) Das Gedächtnis von Tommy scheint unendlich aufnahmefähig. Wenn ein lebendiger Impuls darauf trifft, holt er Bilder daraus hervor, die einen bezaubern und das Gefühl vermitteln, das man nicht allein auf der Welt ist.
Kein anderer scheint Menschen, Landschaft und Meer mit solcher Zärtlichkeit in Schwenks filmen zu können.“
Literatur
Peter Badel : Im Gespräch mit Thomas Plenert. Ein Film mit Jürgen Böttcher ist wie ein Ritterschlag. In: Peter Badel: Kamera läuft. Band II. Schriftenreihe der DEFA-Stiftung . Berlin: 2007, ISBN 978-3-00-021830-9 , S. 392–415.
Matthias Dell: Nachruf auf Thomas Plenert . In: Tagesspiegel , vom 18. Juli 2023 Text
Einzelnachweise
↑ Newsletter der DEFA-Stiftung 04/2023, S. 6
↑ @1 @2 Vorlage:Toter Link/www.defa-stiftung.de (Seite nicht mehr abrufbar . Suche im Internet Archive ) Biografie bei der Defa-Stiftung. Abgerufen am 4. März 2024
↑ Ulrich Seidler: Die Geduld des Blicks: Der Kameramann Thomas Plenert ist tot. In: Berliner Zeitung . 17. Juli 2023, abgerufen am 17. Juli 2023 .
↑ Christina Tilmann: Film: Kameramann Thomas Plenert mit 72 Jahren gestorben. In: Märkische Oderzeitung . 17. Juli 2023, abgerufen am 17. Juli 2023 .
↑ Prenzlauerberginale Stadtleben, vom 23. August 2023; nur einmal im ZDF gezeigt, und dann erst wieder 2023
↑ Helke Misselwitz: Preis zur Förderung der deutschen Filmkunst: Thomas Plenert. In: DEFA-Stiftung. 25. November 2008, abgerufen am 16. Juli 2023 . ; Laudatio
↑ Verweis , in taz vom 12. März 2024 (Text ): vom 6. bis 20. März 2024, darunter Winter adé , Rangierer , Holunderblüte und viele andere
↑ Helke Misselwitz: Preis zur Förderung der deutschen Filmkunst: Thomas Plenert. In: DEFA-Stiftung. 25. November 2008, abgerufen am 16. Juli 2023 .