Trillium X

Trillium X
Studioalbum von Anthony Braxton

Veröffent-
lichung

8. Mai 2025

Aufnahme

1. August 2023

Label(s)

PMP

Format(e)

8 CD, Download

Genre(s)

Neue Musik, Neue Improvisationsmusik, Oper

Titel (Anzahl)

8

Länge

7:33:37

Besetzung

Produktion

Jan Bartoš

Studio(s)

Edith-Stein-Schule, Darmstadt; Multifunctional Hall DOX+, Prag

Chronologie
Wolf Eyes & Anthony Braxton: Live at Pioneer Works, 26 October 2023
(2025)
Trillium X Quartet (England) 1985
(2025)

Trillium X ist ein Album mit einer Oper von Anthony Braxton, dargeboten vom Prague Music Performance Orchestra (PMP) unter der Leitung von Roland Dahinden. Interpretiert wurde Braxtons Komposition Nr. 396, eine „Oper in vier Akten für Orchester, zwölf Solosänger, Instrumentalisten, Zenturio, Chor, Computermusik, Licht-/Bildprojektionsteam, virtuelles Technikteam und erschaffene Fantasiewelten“. Die am 1. August 2023 live in Prag und am 3. und 4. August 2023 bei Studioaufnahmen im Rahmen der Darmstädter Ferienkurse in der Edith-Stein-Schule in Darmstadt entstandenen Aufnahmen erschienen am 8. Mai 2025 auf dem Label Prague Music Platform.

Hintergrund

Anlässlich von Braxtons 80. Geburtstag erschien eine Box mit acht CDs, die sowohl die Weltpremiere der Oper 2023 in Prag als auch eine in Darmstadt, entstandene Studioaufnahme enthält. Braxton hatte dieses Opernprojekt 2014 fertiggestellt. Zusätzlich enthält die Box sechs Stunden audiovisuelles Material, das die gesamte Weltpremiere dokumentiert, Marek Boudas Dokumentarfilm „In the Garden of Trillium X“ sowie ein ausführliches Gespräch zwischen Anthony Braxton, dem Schweizer Dirigenten Roland Dahinden und dem deutschen Pädagogen und Braxton-Forscher Timo Hoyer. Braxton arbeitete fünf Jahre lang an seinem Opus magnum. Er war maßgeblich an allen „Trillium“-Aufführungen beteiligt, auch an dieser. Er hat die Proben von Anfang an begleitet. Roland Dahinden, sein langjähriger Kollege von der Wesleyan University, ist der Dirigent.

Nach Composition No. 175, Composition No. 126 Trillium-Dialogues M, Trillium E und Trillium J bildet das Album den (bislang, 2026) letzten Teil der Dokumentation der Trillium-Reihe auf Tonträgern.

Musik des Albums

Musikalisch bedient sich Trillium X einen postmodernen Idiom zwischen Tonalität und Atonalität, in einem Stil, der lose vom Serialisten Alban Berg inspiriert ist, dessen Opern „Wozzeck“ und „Lulu“ Teil von Braxtons Opernbegeisterung waren, als er etwa 40 Jahre alt war, schrieb Josef Woodard. In Trillium X tragen die Sänger ihre verschlungenen Texte oft in einer Art Singspiel-Sprechgesang vor. Die allgemeine Atmosphäre intellektueller und geistiger Intensität wird regelmäßig durch komische Einlagen mit alltäglicher oder bizarrer Sprache aufgelockert: „Wenn das ein Schaf ist, dann bin ich George Washington“, „Was geht, Babe!?“ und „In Zukunft wird jeder die Dudelsackindustrie lieben … Ich bin offen für Strahlkraft, aber das Wichtigste zuerst.“

Als Erzählstruktur folgt Trillium X einem verschlungenen und ausgesprochen nichtlinearen Verlauf, wobei witzige Nebenbemerkungen in ein ausgeklügeltes Libretto eingewoben sind, so Woodard. Die „Handlung“ wechselt von einem Piratenschiff auf hoher See unter der Führung von Kapitänin Helen (meisterhaft gesungen von Eva Esterkova) zu einem Zusammenstoß mit Roboter-Übeltätern, die den Finanzkomplex untergraben (eine Vorahnung auf Cyberkriminalität durch KI?). Der dritte Akt schildert eine Dreifachhochzeit unter Bankräubern, und der vierte Akt wechselt von den kriegstreibenden Kräften im Weißen Haus zu einem Ort der Orgie. Auf diesem Weg kommt es zu verschiedenen Zusammenbrüchen.

Titelliste

  1. Act 1: Voyage to the New World (Prague – Live Recording) 1:02:15
  2. Act 2: Robots Versus Humans (Prague – Live Recording) 43:38
  3. Act 3: The Three Sisters (Prague – Live Recording) 47:19
  4. Act 4: Four Disasters (Prague – Live Recording) 1:17:27
  5. Act 1: Voyage to the New World (Darmstadt – Studio Recording) 59:18
  6. Act 2: Robots Versus Humans (Darmstadt – Studio Recording) 41:25
  7. Act 3: The Three Sisters (Darmstadt – Studio Recording) 47:11
  8. Act 4: Four Disasters (Darmstadt – Studio Recording) 1:14:50

Komposition und Libretto stammen von Anthony Braxton.

Rezeption

Anthony Braxton

Der sich in seinem ganz eigenen, ausdrucksstarken Spielraum bewegende, in keine Schublade zu steckende Anthony Braxton habe mit seinem seit den 1980er Jahren entstandenen, weitreichenden Trillium Opera Complex mit der Veröffentlichung einer kraftvollen Live- und Studioaufnahme seines epischen, vierstündigen Werks Trillium X einen neuen Höhepunkt erreicht, meint Josef Woodard, der dem Album im Down Beat die Höchstbewertung von fünf Sternen verlieh. Obwohl es sich hierbei um die sechste Oper seines fortlaufenden Zyklus handele, stelle die präzise und überzeugende Umsetzung von „Trillium X“ durch das Prague Music Performance Orchestra (PMP) unter der Leitung von Roland Dahinden, einem langjährigen Weggefährten Braxtons, einen triumphalen Moment dar. Diese Aufnahme seines die bislang gelungenste Umsetzung von Braxtons Opernprojekt.

Der Jazz würde sich sozusagen von den Seitenbühnen hereinschleichen: mit einer kurzen Saxophon-Improvisation zu Beginn des zweiten Aktes, dem Auftritt der Pianistin Hildegard Kleeb, die eine erhaltene Braxton-Komposition spielt, und im dritten Akt „Three Sisters“ mit dem plötzlichen Auftauchen eines flüchtigen, leicht beschwipsten Bigband-Segments. Letzteres erinnere an den dekonstruierten Big-Band-Wagemut von Braxtons Projekt Creative Orchestra Music 1976. In einer weiteren Anspielung sei eine schwindlige Variation des „Hochzeitsmarsches“ aus „Lohengrin“ am Ende des dritten Aktes eine leicht beschwipste Verbeugung vor Richard Wagner. Die weitläufige Sinneslandschaft von „X“ erreiche einen seltsam anmutigen Schlusspunkt, wenn eine atonale Klangflut in ein besinnliches, zyklisches Thema für tiefe Streicher übergeht, das an eine Soloklarinette weitergereicht wird, die im kosmischen Sonnenuntergang verklingt. Das aus 21 Noten bestehende Thema würde zur Einleitung der Oper zurückkehren, ähnlich wie der letzte Satz, der den ersten umrahme, in James Joyce’ „Finnegans Wake“.

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 4 5 Josef Woodard : Anthony Braxton: Trillium X. In: Down Beat. 1. August 2025, abgerufen am 30. August 2026 (englisch).
  2. ↑ Anthony Braxton: Trillium X PMP Orchestra. In: PMP. Abgerufen am 30. August 2026 (englisch).
  3. ↑ Anthony Braxton – Trillium X. In: Discogs. Abgerufen am 30. August 2026 (englisch).