Wibald von Stablo

Wibald von Stablo und Corvey (* Frühjahr 1098 in Niederlothringen; † 19. Juli 1158 in Manastir, Byzantinisches Reich) war ein einflussreicher Abt des Benediktinerordens und erlangte unter anderem Bedeutung als Abt der Klöster Stablo und Malmedy sowie Corvey.

Leben

Wibald war der Sohn eines Ministerialen des Klosters Stablo. Er erhielt seine erste Ausbildung in der Klosterschule von Stablo und studierte später bei Rupert von Deutz in Lüttich. Hier lernte er auch Arnold von Wied, den späteren Erzbischof von Köln und Kanzler unter Konrad III., kennen.

In den Benediktinerorden trat er am 19. März 1117 im Kloster Waulsort ein, 1118 wechselte er nach Stablo. Er wurde am 16. November 1130 zum Abt der Klöster Stablo und Malmedy gewählt nachdem er sich um die Klosterschule und die Wiedergewinnung entfremdeten Besitzes verdient gemacht hatte. Am 13. April 1131 wurde er von König Lothar, der sich in Stablo aufhielt, mit den Regalien belehnt, am 20. April 1131 wurde er von Bischof Alexander von Lüttich zum Abt geweiht.

Er gelangte zu politischem Einfluss. Während des Italienzugs von Kaiser Lothar III. wurde Wibald am 19. September 1137 zum Abt des strategisch günstig an der Grenze des Normannenreiches gelegenen benediktinischen Mutterklosters Monte Cassino gewählt, musste auf dieses Amt aber bereits Anfang November 1137 wieder verzichten, da nach der Heimreise des Kaisers dessen Einfluss auf das Kloster nachließ. Wibald blieb weiterhin Abt in Stablo und Malmedy.

Bei der Königswahl 1138 unterstützte Wibald den Staufer Konrad III., der sich gegen den Welfen Heinrich den Stolzen durchsetzte. Ab 1139 war Wibald im Dienste Konrads als Stilist in der Hofkanzlei tätig und übernahm diplomatische Aufgaben. 1146 fungierte Wibald als Gesandter des Königs bei Papst Eugen III.

Anschließend wurde Wibald am 20. Oktober 1146 Abt der Benediktinerabtei Corvey, die er neu ordnete und erweiterte. Offiziell war die Reformbedürftigkeit des Klosters die Begründung für seine Amtseinsetzung. Der eigentliche Grund dürfte jedoch gewesen sein, dass Konrad auf diesem Weg seinen Einfluss in Sachsen gegenüber Heinrich dem Löwen stärken sowie eine territoriale Verbindung zum Erzstift Bremen schaffen wollte. Die von Konrad gewünschte Unterordnung der Frauenklöster Kemnade und Fischbeck unter Corvey verhinderte Heinrich 1147 jedoch mit Hilfe der Bischöfe von Hildesheim und Minden. 1147 nahm Wibald am Wendenkreuzzug teil.

Er blieb weiterhin eine einflussreiche Person am Hof Konrads III. und entwarf 1150 den Plan einer Verheiratung von Konrads Sohn Heinrich VI. mit einer Nichte des byzantinischen Kaisers Manuel, der jedoch durch den Tod Heinrichs nie verwirklicht wurde. Nach Konrads Tod 1152 und dem Regierungsantritt Friedrich Barbarossas zog sich Wibald nach Corvey zurück und leitete umfangreiche Bauarbeiten an der Klosterkirche ein. Dennoch wurde er von Barbarossa gelegentlich als Gesandter, vor allem nach Byzanz, eingesetzt und hatte weiterhin eine bedeutsame Position am Hof inne. So wurde die Wahlanzeige Barbarossas an Papst Eugen III. von Wibald verfasst. Er erreichte die Ausstellung eines Privilegs durch Papst Hadrian IV., in dem nicht nur Besitzansprüche und Vorrechte des Klosters Corvey bestätigt, sondern auch ihm persönlich bischöfliche Ehrenrechte verliehen wurden.

Auf der Rückreise von einer diplomatischen Mission nach Byzanz starb Wibald 1158 in Mazedonien. Seine Gebeine wurden zunächst an seinem Sterbeort begraben, dann aber auf Initiative Erlebalds, seines leiblichen Bruders und Nachfolgers im Amt des Abtes von Stablo-Malmedy (Amtszeit 1158–1192), nach Stablo überführt und dort etwa ein Jahr nach seinem Tod in der Abteikirche beigesetzt.

Grab und Abtsstab des Wibald im Musée historique de la Principauté de Stavelot-Malmedy

In seinem 1994 in den Ruinen der Klosterkirche entdeckten Grab fanden sich neben dem Skelett Wibalds u. a. auch die nicht vergangenen Teile seines Abtsstabs.

Bedeutung

Ideengeschichtlich steht Wibald einerseits in der Tradition des Reichsmönchtums, das Königtum und Kirche als untrennbar ansah, griff aber andererseits gerade auf dem Gebiet der Justiz auf römische Vorbilder zurück. In letzterem Punkt nahm er den hohen Stellenwert voraus, den die römische Rechtstradition unter Barbarossa einnahm.

In der Geschichtswissenschaft galt Wibald von Stablo lange Zeit als „graue Eminenz“ am Hof Konrads III. Er wurde für die angebliche Abhängigkeit Konrads von der Kirche verantwortlich gemacht. Die neuere Forschung schätzt seinen Einfluss geringer ein, obwohl sein genauer Umfang nach wie vor eine offene Forschungsfrage darstellt. Dafür wird in letzter Zeit zunehmend seine Bedeutung für Barbarossa höher eingeschätzt und damit die Kontinuität der Kanzleiarbeit und -politik zwischen den beiden Staufern unterstrichen.

Briefbuch des Wibald

Briefbuch des Wibald, Lüttich, Staatsarchiv

Von größtem historischem Wert ist das Briefbuch des Wibald, dass sich im Staatsarchiv Lüttich erhalten hat. Darin finden sich Abschriften von insgesamt 451 Briefen aus dem Zeitraum von Ende 1146 bis Herbst 1157. Das Briefbuch Wibalds gilt als wichtigste Quelle über seine Tätigkeit in Konrads Kanzlei.

Der in Wibalds Briefbuch überlieferte Stammbaum von Friedrich Barbarossa, Tabula consanguinitatis genannt, steht im Zusammenhang mit dessen Scheidung von seiner ersten Ehefrau Adela von Vohburg im Jahre 1153 und ist eine wichtige Quelle für die Genealogie der Staufer.

Wibald als Stifter von Kunstwerken

Zeichnung des Remaklusretabels (1666), Lüttich, Staatsarchiv

Mit Wibald als Auftraggeber oder Besitzer können verschiedene Kunstwerke zusammengebracht werden.

Sakramentar des Wibald, Brüssel

Literatur

Wibald und seine Kunststiftungen
Briefbuch
Commons: Wibald – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

  1. ↑ Holger Kempkens: Abt Wibald von Stablo und Corvey und seine Kunststiftungen. In: Holger Kempkens, Christiane Ruhmann (Hrsg.): Corvey und das Erbe der Antike. Kaiser, Klöster und Kulturtransfer im Mittelalter. Ausstellungskatalog Paderborn. Petersberg 2024, S. 555–569, hier S. 555 f.
  2. ↑ Mechthild Black-Veldtrup: Privileg Papst Hadrians IV. für das Kloster Corvey. In: Holger Kempkens, Christiane Ruhmann (Hrsg.): Corvey und das Erbe der Antike. Kaiser, Klöster und Kulturtransfer im Mittelalter. Ausstellungskatalog Paderborn. Imhof, Petersberg 2024, S. 578–579 Kat. Nr. VI.05.
  3. ↑ Holger Kempkens: Abt Wibald von Stablo und Corvey und seine Kunststiftungen. In: Holger Kempkens, Christiane Ruhmann (Hrsg.): Corvey und das Erbe der Antike. Kaiser, Klöster und Kulturtransfer im Mittelalter. Ausstellungskatalog Paderborn. Imhof, Petersberg 2024, S. 555–569, hier S. 567 f.; Holger Kempkens, Clemens M. M. Bayer: Abtsstab von Wibald von Stablo. In: Holger Kempkens, Christiane Ruhmann (Hrsg.): Corvey und das Erbe der Antike. Kaiser, Klöster und Kulturtransfer im Mittelalter. Ausstellungskatalog Paderborn. Imhof, Petersberg 2024, S. 596–600 Kat. Nr. VI.13.
  4. ↑ Christian Uebach: Die Ratgeber Friedrich Barbarossas (1152–1167). Tectum, Marburg 2008, ISBN 978-3-8288-9580-5, S. 56 f.
  5. ↑ Lüttich, Archives de l'Ètat, Abbaye impériale de Stavelot-Malmedy, Ms. I 341.
  6. ↑ Wibaldi epistulae. In: Philipp Jaffé (Hrsg.): Monumenta Corbeiensa. Berlin 1864, S. 547 Nr. 408.
  7. ↑ Peter Koblank: Tabula consanguinitatis von Wibald von Stablo. Kein Scheidungsgrund für die Ehe von Friedrich I. Barbarossa mit seiner ersten Ehefrau Adela. auf stauferstelen.net mit Abbildung. Abgerufen am 8. Januar 2016.
  8. ↑ Susanne Wittekind: Altar – Reliquiar – Retabel. Kunst und Liturgie bei Wibald von Stablo (= Pictura et poesis. Band 17). Böhlau, Köln u. a. 2004, ISBN 3-412-13102-4; Holger Kempkens: Abt Wibald von Stablo und Corvey und seine Kunststiftungen. In: Holger Kempkens, Christiane Ruhmann (Hrsg.): Corvey und das Erbe der Antike. Kaiser, Klöster und Kulturtransfer im Mittelalter. Ausstellungskatalog Paderborn. Imhof, Petersberg 2024, ISBN 978-3-7319-1425-9, S. 555–569.
  9. ↑ Holger Kempkens, Christiane Ruhmann (Hrsg.): Corvey und das Erbe der Antike. Kaiser, Klöster und Kulturtransfer im Mittelalter. Ausstellungskatalog Paderborn. Imhof, Petersberg 2024, ISBN 978-3-7319-1425-9, S. 596–600 Kat. Nr. VI.13 (Holger Kempkens, Clemens M. M. Bayer).
  10. ↑ Stavelot Triptych. In: Corsair Online Catalogue. The Morgan Library & Museum New York City, abgerufen am 7. Februar 2026 (englisch).
  11. ↑ Eintrag im Katalog der Bibliothek.
VorgängerAmtNachfolger
Johann I. de ReulantAbt von Stablo und Malmedy
1130–1158
Erlebald
Rainald I.Abt von Montecassino
1137
Rainald II.
Heinrich II.Abt von Corvey
1146–1158
Konrad
Personendaten
NAME Wibald von Stablo
ALTERNATIVNAMEN von Stablo, Wibald; von Corvey, Wibald
KURZBESCHREIBUNG mittelalterlicher Benediktinerabt
GEBURTSDATUM 1098
GEBURTSORT Niederlothringen
STERBEDATUM 19. Juli 1158
STERBEORT Manastir