Bodio TI

TI ist das Kürzel für den Kanton Tessin in der Schweiz. Es wird verwendet, um Verwechslungen mit anderen Einträgen des Namens Bodiof zu vermeiden.

Bodio
Wappen von Bodio
Staat: Schweiz Schweiz
Kanton: Kanton Tessin Tessin (TI)
Bezirk: Bezirk Leventinaw
Kreis: Kreis Giornico
Gemeinde: Giornicoi2
Postleitzahl: 6743
frühere BFS-Nr.: 5064
UN/LOCODE: CH BOD
Koordinaten: 712962 / 137571Koordinaten: 46° 22′ 48″ N, 8° 54′ 25″ O; CH1903: 712962 / 137571
Höhe: 321 m ü. M.
Höhenbereich: 303–2026 m ü. M.
Fläche: 6,48 km²
Einwohner: 961 (31. Dezember 2024)
Einwohnerdichte: 148 Einw. pro km²
Gemeindepräsident: Stefano Imelli
Website: www.giornico.ch
Karte
Bodio TI (Schweiz)
Bodio TI (Schweiz)
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Gemeindestand bis zur Fusion am 6. April 2025

Bodio (lombardisch Böit) ist ein Dorf in der politischen Gemeinde Giornico im Schweizer Kanton Tessin. Bis zum 6. April 2025 bildete Bodio eine eigenständige Gemeinde.

Geographie

Bodio liegt auf einer Höhe von 331 m ü. M. in der unteren Valle Leventina an der Strasse Biasca-Airolo, am linken Ufer des Ticino, 5 km nordwestlich von Biasca.

Nachbargemeinden sind Pollegio, Personico und Serravalle.

Geschichte

1227 wurden Bodio als Boidi sowie die dortige Kirche Santo Stefano erwähnt. Zusammen mit den oberhalb gelegenen, im Mittelalter bewohnten Siedlungen von Simbra (oder Saimola) bildete das Dorf eine Degagna der ehemaligen Nachbarschaft Giornico. Während der Herrschaft des Domkapitels Mailand über die drei ambrosianischen Täler wurden im Mai und November in Bodio die sogenannten placita donnegalia der Leventina abgehalten, Versammlungen, die dazu dienten, Recht zu sprechen und einige Abgaben einzufordern. Bis ins 16. Jahrhundert gehörte das Dorf zur Pfarrei Giornico. Eine eigene Pfarrei Bodio ist ab 1567 belegt, bis 1602 gehörte auch Pollegio dazu. Letztere wurde vermutlich zusammen mit einem grossen Dorfteil durch einen Erdrutsch im 15. Jahrhundert zerstört. Die heutige Kirche stammt aus dem 19. Jahrhundert. 1799 erstellten die österreichisch-russischen Truppen Suworows im Dorf ein verschanztes Lager. Bodio stimmte 1814 für den Anschluss der Leventina an den Kanton Tessin.

In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts überschwemmte der Fluss Ticino die Gemeinde mehrfach. Diese Naturkatastrophen verursachten grosse Schäden und forderten Todesopfer. Ende des 19. Jahrhunderts setzte eine grosse Auswanderungswelle ein. Etwa ein Fünftel der damaligen Bevölkerung Bodios wanderte in die Vereinigten Staaten aus und siedelte vorwiegend in Kalifornien und Nevada.

Das Elektrizitätswerk Centrale elettrica della Biaschina entstand in den Jahren 1906–1911. Unternehmen wie die Metallschleifwerkstätten Diamant, die Officine del Gottardo (Metallkomponenten) und die chemischen Werkstätten von Nitrum (Derivate aus Stickstoff) und zwei Betriebe zur industriellen Gewinnung von Calciumcarbid wurden in Bodio gegründet. Der Niedergang dieser Unternehmen begann mit dem Ende des Ersten Weltkriegs, da die Produktion wieder umgestellt werden musste, die während des Konflikts hauptsächlich aus Kriegsmaterial für Sprengstoffe bestand, und die Erhöhung der Eisenbahntarife. Am 21. Juli 1921 zerstörte eine Explosion fast gänzlich drei Fabriken und tötete 15 Personen. Der Sachschaden belief sich auf 6 Millionen Franken. Anfang der 1970er Jahre folgte ein grosser Streik beim Stahlwerk Monteforno.

Am 6. April 2025 wurde Bodio in die politische Gemeinde Giornico eingemeindet. Es bildet aber nach wie vor eine eigenständige Bürgergemeinde.

Bevölkerung

In Bodio wurden 1354 32 und 1567 50 Feuerstätten gezählt.

Seit dem Jahr 1600 entwickelte sich die Bevölkerung wie folgt:

Bodio TI: Einwohnerzahlen von 1600 bis 2024
Jahr  Einwohner
1600
  
210
1683
  
230
1719
  
323
1769
  
314
1799
  
282
1808
  
293
1824
  
320
1836
  
362
1850
  
362
1860
  
322
1870
  
348
1880
  
422
1888
  
272
1900
  
356
1910
  
527
1920
  
860
1930
  
779
1941
  
737
1950
  
935
1960
  
1.276
1970
  
1.425
1980
  
1.477
1990
  
1.219
1991
  
1.168
1992
  
1.169
1993
  
1.165
1994
  
1.198
1995
  
1.185
1996
  
1.176
1997
  
1.167
1998
  
1.158
1999
  
1.130
2000
  
1.108
2001
  
1.078
2002
  
1.038
2003
  
1.047
2004
  
1.081
2005
  
1.083
2006
  
1.066
2007
  
1.019
2008
  
993
2009
  
978
2010
  
983
2011
  
1.019
2012
  
1.044
2013
  
1.042
2014
  
1.030
2015
  
1.037
2016
  
1.038
2017
  
1.031
2018
  
992
2019
  
968
2020
  
937
2021
  
911
2022
  
890
2023
  
899
2024
  
961
Quelle(n): bis 1980 Bundesamt für Statistik ab 1990: Bilanz der ständigen Wohnbevölkerung der Schweiz nach Bezirken und Gemeinden 1991–2024

Die starke Zunahme der Einwohner zwischen 1941 und 1980 bzw. die starke Abnahme von 1980 bis 2000 ist auf die Stahlwerke Monteforno zurückzuführen. Diese eröffneten 1946 und beschäftigten 1971 1750 Personen. Nach der Übernahme 1977 durch die Firma Von Roll wurden in den Folgejahren in fortschreitendem Masse Arbeitsplätze abgebaut. Am 31. Januar 1995 wurden die Stahlwerke endgültig geschlossen.

Wirtschaft

Durch den Bau der Gotthardbahn kam Industrie in die Gegend. Das Unternehmen heute ist die Timcal, die synthetisches Graphit und Schmiermittel für hohe Temperaturen produziert. Bis auf 4 Hektar Weinanbau gibt es auf dem Gemeindegebiet keine Landwirtschaft mehr.

Das Südportal des Gotthard-Basistunnels liegt am Ostrand des Dorfes Bodio, der Installationsplatz und das Besucherzentrum sind in der Nachbargemeinde Pollegio.

Industrie

Elektrizitätswerk Biaschina

Sport

Sehenswürdigkeiten

Verkehr

Es gibt einen Bahnhof in Bodio, welcher im Schienennetz zwischen Biasca und Airolo eine Haltemöglichkeit bietet. Zudem ist das südliche Ende des Gotthard-Basistunnels in Bodio.

Bodio ist an dem Tarifverbund Arcobaleno (CTA) angeschlossen. Die Gemeinde liegt in einem Überschneidungsgebiet von den Tarifzonen 22 und 23. In Bodio verkehren die Buslinien 120 und 125.

Bilder

Persönlichkeiten

Literatur

Commons: Bodio – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

  1. ↑ https://www.bfs.admin.ch/bfs/rm/home.assetdetail.36073822.html
  2. 1 2 3 4 5 Roland Hochstrasser: La gestione e la diffusione del patrimonio iconografico del Centro di dialettologia e di etnografia di Bellinzona – Eredità culturale di un territorio in movimento (= Swiss academies reports. Band 10, Nr. 3/2015). Accademia svizzera di science umane e sociali, 2015, ISSN 2297-1564, S. 67.
  3. ↑ Celestino Trezzini: Bodio In: Historisch-Biographisches Lexikon der Schweiz. Band 2: Basel – Egnach. Attinger, Neuenburg 1924, S. 285 (PDF Digitalisat).
  4. ↑ Angelo Rossi: La catastrofe della Nitrum SA di Bodio. In: Il Cantonetto. Anno LXIX, Fontana Print SA, Lugano dicembre 2022, S. 19–37
  5. ↑ Dominic Iten: Die Linke in der Schweiz: Eine Einführung (= Reihe «mandelbaum kritik & utopie»). Mandelbaum Verlag, Wien 2025, ISBN 978-3-99136-522-8, S. 80.
  6. ↑ Patriziato di Bodio auf ti.ch/di/sel/patriziati
  7. ↑ Mario Fransioli: Bodio (TI). In: Historisches Lexikon der Schweiz. 15. Januar 2021.
  8. ↑ Martin Schuler: Cantone Ticino – L’effettivo della popolazione a livello locale prima del 1850. (CSV; 34 KB) Bundesamt für Statistik, Neuchâtel, 16. Juni 2023, abgerufen am 18. Mai 2026.
  9. ↑ Daten der Eidgenössischen Volkszählungen ab 1850 nach Gemeinden. (XLSX; 10 MB) Bundesamt für Statistik, Neuchâtel, 12. Juli 2024, abgerufen am 18. Mai 2026 (Öffnung in Excel nur über "Anhang/Excel-Datensatz" möglich).
  10. ↑ Bilanz der ständigen Wohnbevölkerung der Schweiz nach Bezirken und Gemeinden 1991-2024. Bundesamt für Statistik BFS, Neuchâtel, 27. August 2025, abgerufen am 18. Mai 2026.
  11. ↑ Metallwerke Monteforno in portal.dnb.de (abgerufen am: 3. Mai 2016.)
  12. ↑ Football Club Bodio, auf matchcenter-ftc.football.ch (italienisch).
  13. ↑ Angelo Maino (detto Pompeo). In: Sikart
  14. ↑ Edoardo Agustoni: Roberto Pasotti. In: Sikart
  15. 1 2 Simona Martinoli u. a.: Guida d’arte della Svizzera italiana. Hrsg. Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte, Edizioni Casagrande, Bellinzona 2007, S. 115–116.
  16. ↑ Elektrizitätswerk Biaschina (mit Fotos) auf api3.geo.admin.ch/rest/services
  17. ↑ Media Leventina. 14. Dezember 2025, abgerufen am 22. Januar 2026 (italienisch).
  18. ↑ Sarah Brian Scherer: Rodolfo Pedroli. In: Historisches Lexikon der Schweiz. 10. Februar 2012, abgerufen am 12. März 2020.
  19. ↑ Giorgio Cambissa. Abgerufen am 29. Juni 2024. (mit Foto)
  20. ↑ Ennio Maccagno, Biografie und Bibliografie auf Viceversa Literatur, abgerufen am 15. Mai 2021 (italienisch).
  21. ↑ Ennio Maccagno (französisch) auf culturactif.ch/ecrivains