Giornico

Giornico
Wappen von Giornico
Staat: Schweiz Schweiz
Kanton: Kanton Tessin Tessin (TI)
Bezirk: Bezirk Leventinaw
Kreis: Kreis Giornico
BFS-Nr.: 5073i1f3f4
Postleitzahl: 6743 Bodio
6745 Giornico
Koordinaten: 710460 / 139748Koordinaten: 46° 24′ 0″ N, 8° 52′ 30″ O; CH1903: 710460 / 139748
Höhe: 391 m ü. M.
Höhenbereich: 303–2742 m ü. M.
Fläche: 26,00 km²
Einwohner: 1761 (1. Januar 2026)
Einwohnerdichte: 68 Einw. pro km²
Ausländeranteil:
(Einwohner ohne
Schweizer Bürgerrecht)
38,6 %
(1. Januar 2026)
Gemeindepräsident: Stefano Imelli (Die Mitte)
Website: www.giornico.ch
Giornico
Giornico
Lage der Gemeinde
Karte von GiornicoGelmerseeRäterichsbodenseeGrimselseeToteseeGöscheneralpseeLai da CurneraLai da NalpsLai da Sontga MariaLago di LuzzoneLago di LucendroLago della SellaLago RitómLago di TomLago della StabbioLago di CadagnoLago di DentroLaghi ChièraLago TremorgioLago del SambucoLago di MorghiroloLago LaghettoLago del NarètLago NeroLago SfundauLago di RobieiLago del ZöttLago dei CavagnööLago del ToggiaLago CastelLago di MorascoLago del SabbioneGriessee (Schweiz)Bacino di Val MalvagliaItalienKanton BernKanton GraubündenKanton UriKanton WallisBezirk BellinzonaBezirk BlenioBezirk LocarnoBezirk RivieraBezirk VallemaggiaAiroloBedrettoFaidoGiornicoPersonicoPollegioDalpeQuinto TI
Karte von Giornico
{w

Giornico [[dʒorˈniko]] ⓘ, in der alpinlombardischen Ortsmundart [ʒjorˈniːko], deutsch veraltet Irnis, ist eine politische Gemeinde und der Hauptort des Kreises Giornico (Bezirk Leventina) im Schweizer Kanton Tessin.

Giornico mit Pizzo del Sole im Hintergrund. Historisches Luftbild von Werner Friedli (1954)

Geographie

Das Dorf liegt in der Talsohle der Leventina beidseits des Flusses Ticino. Zwischen den Dorfteilen liegt eine bewohnte Flussinsel. Zur Gemeinde gehört das kleine Dorf Altirolo nordwestlich Giornicos. Von Norden kommend, ist Giornico der erste Ort mit südlichem Charakter.

Die Gemeinde grenzt im Norden und Osten (ehemals Sobrio) an Faido, im Ostsüdosten an Serravalle und Pollegio, im Süden an Personico, im Südwesten an Verzasca (ehemals Frasco) und im Nordwesten ebenfalls an Faido (ehemals Chironico).

Geschichte

Das Dorf findet sich erstmals um 935/40 (Kopie von 1613/1619) in der Phrase «Ego presbiter Franciscus de Iudicibus Giornicensis» erwähnt; 1202 ist die Rede von «sancto N[icolao] de Iornico». Dem Namen liegt womöglich keltisch *iuris oder *iurom «bewaldeter Berg» zugrunde.

Im Mittelalter gehörte Giornico, zusammen mit den drei ambrosianischen Tälern, dem Domkapitel Mailand und war ein Gerichtsort der Leventina. 1403 wurde es erstmals von Uri und Unterwalden erobert.

Am 28. Dezember 1478 kam es als Folge der die Alpen übergreifenden Machtansprüche der Eidgenossenschaft zur Schlacht bei Giornico, der Battaglia dei Sassi Grossi, bei der die Schweizer die Mailänder besiegten. Sie besiegelte die bis 1798 dauernde Herrschaft von Uri über die Leventina.

1803 kam Giornico wie die gesamte Leventina zum neu gegründeten Kanton Tessin.

Am 6. April 2025 wurde die Nachbargemeinde Bodio eingemeindet. Sowohl Giornico als auch Bodio kennen aber nach wie vor je eine eigenständige Bürgergemeinde.

Bevölkerung

Giornico fusionierte am 6. April 2025 mit der Nachbargemeinde Bodio.


 Bevölkerungsentwicklung Giornico 
EinwohnerJahr050010001500200025003000160018081870192019702015Bodio TI (bis 2024)Giornico (bis 2024)Giornico (Gemeindestand nach Fusion 2025)
Bundesamt für Statistik

Anmerkungen: Abnahme 1600 bis 1683 wegen Pest im Ortsteil Giornico im Jahr 1629. 1880: Bau der Gotthardbahn im Ortsteil Giornico

Die starke Zunahme der Einwohner zwischen 1950 und 1970 bzw. die starke Abnahme von 1980 bis 2000 ist auf die Stahlwerke Monteforno zurückzuführen. Diese eröffneten 1946 und beschäftigten 1971 1750 Personen. Nach der Übernahme 1977 durch die Firma Von Roll wurden in den Folgejahren in fortschreitendem Masse Arbeitsplätze abgebaut. Am 31. Januar 1995 wurden die Stahlwerke endgültig geschlossen.

Sehenswürdigkeiten

Das Dorf ist von Weinbergen und Kastanienwäldern umgeben. Der alte Dorfkern, der im Inventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz (ISOS) als schützenswertes Ortsbild der Schweiz von nationaler Bedeutung eingestuft ist, besteht vorwiegend aus Steinhäusern. Bekannt ist Giornico besonders für seine romanischen Kirchen.

Kirchen

Wohnhäuser und Museen

Brücken

Weitere Sehenswürdigkeiten und Baudenkmäler

Bilder

Verkehr und Wirtschaft

Giornico war jahrhundertelang ein Bauern- und Säumer­dorf, das vom Gotthardverkehr lebte.

Von der Inbetriebnahme der Gotthardbahn 1882 konnte es trotz einem eigenen Bahnhof nicht wie andere Gemeinden profitieren, da dieser aufgrund der schwierigen topographischen Verhältnisse zwei Kilometer ausserhalb der Gemeinde gebaut werden musste. Die Teilstrecken zu den Nachbarbahnhöfen Lavorgo und Bodio mit 26,8 und 27 ‰ weisen die grössten Steigungen der Gotthardbahn auf. Die spätere Verlegung des Bahnhofs mehr zum Zentrum der Gemeinde hin vermochte den Trend nicht aufzuhalten; heute ist die Station geschlossen. Die Linienführung der Gotthardbahn direkt oberhalb von Giornico ist gekennzeichnet durch zwei unmittelbar aufeinander folgende Spiraltunnel (Travi und Pianotondo) auf der linken Seite des Tessintals, die zusammen auch als Biaschina-Schleifen bezeichnet werden. Bei Giornico befindet sich heute der längste und höchste Autobahnviadukt der A2, der Biaschina-Viadukt.

Die 1946 eröffneten Stahlwerke der Firma Monteforno beschleunigten den Wandel zum Industrieort; sie wurden 1994 allerdings geschlossen. Einen Ersatz bietet die im Jahr 2000 nach Giornico gezogene Tensol Rail, die im Bereich Eisenbahnzubehör und Schienenunterhalt tätig ist. Etwa zwei Drittel der aktiven Bevölkerung sind Wegpendler.

2022 wurde der Autobahnanschluss Giornico-Bodio eröffnet. Auf dem ehemaligen Monteforno-Areal richtete das Bundesamt für Strassen (ASTRA) ein Schwerverkehrskontrollzentrum (SVKZ) ein.

Sport

Persönlichkeiten

Literatur

Geschichte

Kunstgeschichte

Commons: Giornico – Sammlung von Bildern und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ Geographische Kennzahlen – Suche. Gemeindestand 06.04.2025. In: Applikation der Schweizer Gemeinden (admin.ch). Bundesamt für Statistik (BFS), abgerufen am 29. August 2025 (bei späteren Gemeindefusionen wurden die Höhenbereiche zum Stand 1. Januar 2025 zusammengefasst).
  2. ↑ Geographische Kennzahlen – Suche. Gemeindestand 06.04.2025. In: Applikation der Schweizer Gemeinden (admin.ch). Bundesamt für Statistik (BFS), abgerufen am 29. August 2025 (bei späteren Gemeindefusionen wurden die Flächen zum Stand 1. Januar 2025 zusammengefasst).
  3. ↑ Bilanz der ständigen Wohnbevölkerung nach Bezirken und Gemeinden, 1991-2025. In: bfs.admin.ch. Bundesamt für Statistik, abgerufen am 22. August 2026 (bei späteren Gemeindefusionen Einwohnerzahlen aufgrund Stand 2025 zusammengefasst).
  4. ↑ Ständige Wohnbevölkerung nach Staatsangehörigkeit 2010-2025. Bei späteren Gemeindefusionen Einwohnerzahlen aufgrund Stand 2025 zusammengefasst. Abruf am 22. August 2026
  5. 1 2 Lexikon der schweizerischen Gemeindenamen. Hrsg. vom Centre de Dialectologie an der Universität Neuenburg unter der Leitung von Andres Kristol. Frauenfeld/Lausanne 2005, S. 388 f.
  6. ↑ Die ambrosianischen Täler waren laut Historisch-Biographischem Lexikon der Schweiz, Band I, S. 333–335 von Erzbischof Arnulf II. von Mailand (996–1018) dem Mailänder Kapitel geschenkt worden.
  7. ↑ Mario Fransioli: Giornico. In: Historisches Lexikon der Schweiz. 11. Februar 2008, abgerufen am 31. Dezember 2019.
  8. ↑ Patriziato di Giornico (italienisch) auf ti.ch/di/sel/patriziati
  9. ↑ Martin Schuler: Cantone Ticino – L’effettivo della popolazione a livello locale prima del 1850. (CSV; 34 KB) Bundesamt für Statistik, Neuchâtel, 16. Juni 2023, abgerufen am 29. Juni 2026.
  10. ↑ Daten der Eidgenössischen Volkszählungen ab 1850 nach Gemeinden. (XLSX; 10 MB) Bundesamt für Statistik, Neuchâtel, 12. Juli 2024, abgerufen am 29. Juni 2026 (Öffnung in Excel nur über "Anhang/Excel-Datensatz" möglich).
  11. ↑ Giornico. In: Bundesinventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz von nationaler Bedeutung ISOS. Bundesamt für Kultur BAK, 2003, abgerufen am 7. April 2025 (italienisch).
  12. ↑ Kunstführer durch die Schweiz. Vollständig neu bearb. Ausgabe. Hrsg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte. Band 2. Bern 2005, ISBN 3-906131-96-3, S. 542 f.
  13. ↑ Kunstführer durch die Schweiz. Vollständig neu bearb. Ausgabe. Hrsg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte. Band 2. Bern 2005, ISBN 3-906131-96-3, S. 543.
  14. ↑ Kunstführer durch die Schweiz. Vollständig neu bearb. Ausgabe. Hrsg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte. Band 2. Bern 2005, ISBN 3-906131-96-3, S. 543 f.
  15. ↑ Kunstführer durch die Schweiz. Vollständig neu bearb. Ausgabe. Hrsg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte. Band 2. Bern 2005, ISBN 3-906131-96-3, S. 545 f.
  16. 1 2 Kunstführer durch die Schweiz. Vollständig neu bearb. Ausgabe. Hrsg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte. Band 2. Bern 2005, ISBN 3-906131-96-3, S. 544.
  17. ↑ Turm des Bischofs Atto (mit Foto)
  18. ↑ Museo di Leventina (mit Fotos)
  19. ↑ Steinbrücke Ost (Foto) auf ti.ch/dt/dstm/sst/ubc
  20. ↑ Kunstführer durch die Schweiz. Vollständig neu bearb. Ausgabe. Hrsg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte. Band 2. Bern 2005, ISBN 3-906131-96-3, S. 546.
  21. ↑ Franco Binda: Il mistero delle incisioni. Armando Dadò editore, Locarno 2013, S. 70–71.
  22. ↑ Wasserfall Cramosina auf ETHorama
  23. ↑ Mario Fransioli: Giornico. In: Historisches Lexikon der Schweiz. 11. Februar 2008, abgerufen am 31. Dezember 2019.
  24. ↑ A2 Giornico: Inbetriebnahme des neuen Schwerverkehrskontrollzentrums. In: admin.ch Bundesamt für Strassen ASTRA. 2. Dezember 2022, abgerufen am 9. Dezember 2022.
  25. ↑ Braun, Adolphe, Photographische Ansichten der Gotthardbahn, Dornach im Elsass, ca. 1875
  26. ↑ H. Dietler: Gotthardbahn. In: V. Freiherr von Röll: Enzyklopädie des Eisenbahnwesens, Band 5. Berlin/Wien 1912, S. 356 and 358.
  27. ↑ Unihockey Giornico auf giornico.sm.edu.ti.ch
  28. ↑ Peter Märkli: Stiftung La Congiunta. Haus für Reliefs und Halbfiguren des Bildhauers Hans Josephsohn. Auf portal.dnb.de (abgerufen am 3. Mai 2016.)

|}