| Eigenschaften | |||
|---|---|---|---|
| Allgemein | |||
| Name, Symbol, Ordnungszahl | Protactinium, Pa, 91 | ||
| Elementkategorie | Actinoide | ||
| Gruppe, Periode, Block | Ac, 7, f | ||
| Aussehen | hell, silbrig, metallisch glänzend | ||
| CAS-Nummer | |||
| EG-Nummer | 616-087-9 | ||
| ECHA-InfoCard | 100.122.906 | ||
| Massenanteil an der Erdhülle | 9 · 10−8 ppm | ||
| Atomar | |||
| Atommasse | 231,03588(1) u | ||
| Atomradius | 180 pm | ||
| Kovalenter Radius | 200 pm | ||
| Elektronenkonfiguration | [Rn] 5f2 6d1 7s2 | ||
| 1. Ionisierungsenergie | 5.89(12) eV ≈ 568 kJ/mol | ||
| 2. Ionisierungsenergie | 11.9(4) eV ≈ 1150 kJ/mol | ||
| 3. Ionisierungsenergie | 18.6(4) eV ≈ 1790 kJ/mol | ||
| 4. Ionisierungsenergie | 30.9(4) eV ≈ 2980 kJ/mol | ||
| 5. Ionisierungsenergie | 44.3(4) eV ≈ 4270 kJ/mol | ||
| Physikalisch | |||
| Aggregatzustand | fest | ||
| Kristallstruktur | tetragonal | ||
| Dichte | 15,37 g/cm3 | ||
| Schmelzpunkt | 1843 ± 50 K (1570 ± 50 °C) | ||
| Molares Volumen | 15,18 · 10−6 m3·mol−1 | ||
| Verdampfungsenthalpie | 470 kJ·mol−1 | ||
| Schmelzenthalpie | 15 kJ·mol−1 | ||
| Elektrische Leitfähigkeit | 5,56 · 106 S·m−1 | ||
| Wärmeleitfähigkeit | 47 W·m−1·K−1 | ||
| Chemisch | |||
| Oxidationszustände | +5 | ||
| Elektronegativität | 1,5 (Pauling-Skala) | ||
| Isotope | |||
| Weitere Isotope siehe Liste der Isotope | |||
| Gefahren- und Sicherheitshinweise | |||
Radioaktiv | |||
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| Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen. | |||
Protactinium (altgriechisch πρώτος prṓtos, deutsch ‚erster‘ und Actinium; Silbentrennung Prot.ac.ti.ni.um oder Pro.tac.ti.ni.um) ist ein chemisches Element mit dem Elementsymbol Pa und der Ordnungszahl 91. Im Periodensystem steht es in der Gruppe der Actinoide (7. Periode, f-Block). Es ist silbrig metallisch und wird unterhalb von 1,4 K supraleitend. Es ist radioaktiv und kommt in der Natur extrem selten vor. Die größte Menge an Protactinium wird künstlich erzeugt.
Dmitri Mendelejew postulierte im Jahre 1871 die Existenz eines Elements zwischen Thorium und Uran. Die Reihe der Actinoiden-Elemente war zu der Zeit noch unbekannt. Daher wurde Uran unterhalb des Wolframs gesetzt, und Thorium unterhalb des Eka-Zirconiums (dem damals ebenfalls noch unentdeckten Element Hafnium), wobei der Platz unterhalb des Tantals freiblieb. Bis in die 1950er Jahre wurde das Periodensystem in dieser Form dargestellt. Für lange Zeit suchten Chemiker nach Eka-Tantal mit ähnlichen chemischen Eigenschaften zum Tantal.

Im Jahre 1900 isolierte William Crookes ein stark radioaktives Material aus Uran; allerdings konnte er es nicht als neues chemisches Element charakterisieren und nannte es Uranium-X (UX). Crookes löste Uranylnitrat in Ether, die verbleibende wässrige Phase enthielt größtenteils die Nuklide 234Th und 234Pa.
234mPa wurde 1913 von Kasimir Fajans und Oswald Helmuth Göhring entdeckt, sie gaben ihm wegen seiner kurzen Halbwertszeit (1,17 Minuten) den Namen Brevium (lateinisch brevis ‚kurz‘).
Das langlebige 231Pa (t½ = 32.760 Jahre) wurde 1917 von Otto Hahn und Lise Meitner gefunden (veröffentlicht 1918), sie nannten es Protactinium (von griechisch πρῶτος = protos: das Erste, der Vorhergehende, das chemische Element, das in der Zerfallsreihe des Uran-235 vor dem Actinium steht). Unabhängig gelang die Entdeckung des langlebigen Isotops in England Frederick Soddy und John Arnold Cranston, wobei letzterer nicht veröffentlichen konnte, da er 1915 Soldat im Ersten Weltkrieg wurde.
Im Jahre 1921 entdeckte Otto Hahn, dass es neben dem von Fajans gefundenen Brevium-234 ein weiteres betastrahlendes Nuklid mit der Massenzahl 234 gibt, das sich von Brevium-234 lediglich durch seine längere Halbwertszeit von 6,7 Stunden unterscheidet; es handelt sich hierbei um den seltenen Fall einer Kernisomerie.
1928 entwickelten Mitarbeiter Otto Hahns ein Verfahren, um Protactinium aus Rückständen der Radium-Herstellung zu isolieren. Im Labor der I.G. Farben in Ludwigshafen wurden dadurch 40 mg Protactinium(V)-oxid aus einer halben Tonne Radium-Rückständen aus Joachimsthal hergestellt. 1934 gewann Aristid von Grosse erstmals metallisches Protactinium. Er nutzte dabei zwei verschiedene Verfahren. Zum einen beschoss er Protactiniumoxid mit Elektronen, wodurch sich Sauerstoff abspaltete und das Metall zurückblieb. Zum anderen stellte er Protactiniumhalogenide (Chlorid, Bromid, Iodid) her, die er auf einem Wolframdraht elektrisch erhitzte. Dabei zersetzten sich die Halogenide zu metallischem Protactinium und den elementaren Halogenen. Die Ausbeute war beim Iodid am besten, beim Chlorid am schlechtesten.
Der offizielle Name für alle drei Isotope sowie alle künstlich herstellbaren Isotope mit der Ordnungszahl 91 wurde 1949 von der IUPAC zu Protactinium bestimmt.
Protactinium ist eines der seltensten Elemente auf der Erde, seine Häufigkeit in der kontinentalen Erdkruste wurde auf 0,87 · 10−6 ppm und die Gesamtmenge der Erde auf 22 Millionen Tonnen berechnet. Das natürlich vorkommende Protactinium besteht fast ausschließlich aus dem Isotop 231Pa. Vorkommen des Elements sind eng mit Uranvorkommen verbunden, da 231Pa als Teil der Uran-Actinium-Reihe ein Tochterisotop von 235U ist. Dieses zerfällt zu 231Th, das weiter zu 231Pa zerfällt. Im reichsten Uranerz Pechblende sind etwa 0,1 ppm enthalten.
In Lavaschmelzen wirkt Protactinium wahrscheinlich als stark inkompatibles Element, das kaum in magmatische Gesteine eingebaut wird. Eine Ausnahme ist Zirkon, hier wurde ein Verteilungskoeffizient zwischen 0,9 und 2,2 gefunden.
Uran hat eine annähernd konstante Konzentration in Meerwasser. Dagegen sind Thorium und Protactinium schlechter löslich als Uran, haften sich an absinkende Partikel und reichern sich im marinen Sediment an. Da Thorium und Protactinium unterschiedlich gut löslich sind (Thorium schlechter als Protactinium) können aus dem Verhältnis von 230Th und 231Pa Rückschlüsse auf Strömungen und die Zirkulation im Ozean gezogen werden.
Weitere Isotope, die natürlich vorkommen, sind 234mPa, 234Pa und 233Pa. 234mPa ist ein Bestandteil der Uran-Radium-Reihe, in der 238U zunächst zu 234Th und dieses dann weiter zum metastabilen 234mPa zerfällt. Auf Grund der sehr kurzen Halbwertszeit dieses Isomers ist mengenmäßig im Vergleich zu 231Pa nur sehr wenig auf der Erde vorhanden, seine Aktivität durch γ-Emissionen ist aber ein wichtiger Bestandteil der natürlichen Radioaktivität, etwa von Rohphosphorsäure. Auch 234Pa ist in der Uran-Radium-Reihe enthalten, da 0,16 % des 234mPa in einem Isomerieübergang in den Grundzustand übergehen. 233Pa wurde noch nicht direkt in der Natur beobachtet, aber sowohl das Mutterisotop 237Np als auch das weitere Zerfallsprodukt 225Ac. Daraus wurde geschlossen, dass sich durch Neutroneneinfang 237U natürlich bilden kann, das dann über die Neptunium-Reihe und damit auch 233Pa zerfällt.
Aristid von Grosse isolierte im Jahre 1927 aus Abfällen der Radiumherstellung 2 Milligramm Protactinium(V)-oxid (Pa2O5). Im Jahre 1934 isolierte er erstmals elementares Protactinium aus 0,1 Milligramm Pa2O5. Dazu wandte er zwei unterschiedliche Verfahren an: Zum einen wurde Protactiniumoxid mit 35 keV-Elektronen im Vakuum bestrahlt. Zum anderen wurde das Oxid zu den Halogeniden (Chlorid, Bromid oder Iodid) umgesetzt und diese dann im Vakuum an einem elektrisch beheizten Draht reduziert.
Später stellte er auch metallisches Protactinium aus Protactinium(V)-iodid (PaI5) dar.
In den Jahren 1959 und 1961 wurden von der United Kingdom Atomic Energy Authority (UKAEA) 125 Gramm Protactinium mit einer Reinheit von 99,9 Prozent aus 60 Tonnen abgebrannter Kernbrennstäbe in einem 12-stufigen Prozess extrahiert; die Kosten betrugen etwa 500.000 US-Dollar. Für viele Jahre war dies die einzig weltweit verfügbare Quelle für Protactinium, von der jeweils verschiedene Laboratorien für wissenschaftliche Untersuchungen versorgt wurden.
Im Periodensystem steht das Protactinium mit der Ordnungszahl 91 in der Reihe der Actinoide, sein Vorgänger ist das Thorium, das nachfolgende Element ist das Uran. Sein Analogon in der Reihe der Lanthanoide ist das Praseodym.
Protactinium ist silbrig metallisch und wird supraleitend unterhalb von 1,4 K.
Protactinium kommt hauptsächlich in zwei Oxidationsstufen vor, +4 und +5, sowohl in Festkörpern als auch in Lösung.
Wegen seiner Seltenheit, hohen Radioaktivität und Giftigkeit findet Protactinium außer in der Forschung keine praktische Anwendung.
In Protactinium 231Pa, das beim Zerfall von Uran 235U entsteht und sich in Kernreaktoren auch durch die Reaktion 232Th + n → 231Th + 2n und anschließenden Betazerfall bildet, kann möglicherweise eine nukleare Kettenreaktion zustande kommen, die prinzipiell auch zum Bau von Atomwaffen genutzt werden könnte. Die kritische Masse beträgt nach Angabe von Walter Seifritz 750±180 kg. Andere Autoren kommen zum Schluss, dass eine Kettenreaktion selbst bei beliebig großer Masse in Protactinium 231Pa nicht möglich ist.
Protactinium 233Pa ist ein Zwischenprodukt im Brutprozess von Thorium 232Th zu Uran 233U in Thorium-Hochtemperaturreaktoren.
Seit der Verfügbarkeit moderner, sehr sensibler Massenspektrometer ist eine Anwendung des 231Pa beispielsweise als Tracer in der Paläozeanographie möglich geworden.
→ Kategorie: Protactiniumverbindung
Protactinium(IV)-oxid (PaO2) ist ein schwarzes, kristallines Pulver. Protactinium(V)-oxid (Pa2O5) ist ein weißes, kristallines Pulver. Beide weisen ein kubisches Kristallsystem auf.
Protactinium(V)-chlorid (PaCl5) bildet gelbe monokline Kristalle und besitzt eine Kettenstruktur bestehend aus 7-fach koordinierten pentagonalen Bipyramiden.
Einstufungen nach der GHS-Verordnung liegen nicht vor, weil diese nur die chemische Gefährlichkeit umfassen, die eine völlig untergeordnete Rolle gegenüber den auf der Radioaktivität beruhenden Gefahren spielt. Auch Letzteres gilt nur, wenn es sich um eine dafür relevante Stoffmenge handelt.