
Domenico Puligo (eigentlich Domenico di Bartolomeo Ubaldini; * 1492 in Florenz; † kurz nach dem 12. September 1527 ebenda) war ein italienischer Maler der Florentiner Renaissance. Er arbeitete zunächst in der Werkstatt von Ridolfo Ghirlandaio und orientierte sich später vor allem an Andrea del Sarto. Sein erhaltenes Werk umfasst vor allem religiöse Tafelbilder, Madonnenbilder, Heiligendarstellungen und Porträts. Zu seinen wenigen urkundlich gesicherten monumentalen Arbeiten gehören Altarbilder und eine Wandmalerei in Florenz.
Domenico di Bartolomeo Ubaldini wurde 1492 in Florenz als Sohn des Schmieds Bartolomeo di Domenico und dessen Ehefrau Apollonia, einer Tochter des Goldschmieds Antonio di Giovanni, geboren. Die Familie führte den Namen Ubaldini; die Herkunft des Beinamens Puligo, der Domenico während seines gesamten Lebens begleitete, ist nicht geklärt.
Domenico Puligo wurde in der Werkstatt von Ridolfo Ghirlandaio ausgebildet. Dort ist er spätestens bis November 1513 nachweisbar. Zu den weiteren Künstlern aus diesem Umfeld gehörten unter anderem Baccio Ghetti, Toto del Nunziata, Mariano Graziadei, Antonio del Ceraiolo und Michele Tosini. Neben seiner Ausbildung bei Ridolfo Ghirlandaio beschäftigte sich Domenico Puligo intensiv mit der Malerei Andrea del Sartos. Laut Vasari stand er mit Andrea del Sarto in engem Kontakt und konnte dessen Zeichnungen und Arbeiten während ihrer Entstehung studieren. Die Forschung sieht in Andrea del Sarto einen der wichtigsten künstlerischen Bezugspunkte Puligos.
Domenico Puligo begann spätestens in der zweiten Hälfte der 1510er Jahre, selbstständig zu arbeiten. Als eines seiner frühesten urkundlich beziehungsweise lokal überlieferten Werke gilt die Kreuzabnahme für die Compagnia della Croce in Anghiari, die bereits für das Jahr 1515 dokumentiert ist und sich heute in der dortigen Propositura befindet. Im Jahr 1522, inzwischen im Bereich der Kirche San Pier Scheraggio wohnhaft, vermietete Domenico Puligo das Haus und die väterliche Werkstatt. 1525 wurde er in die Florentiner Compagnia di San Luca aufgenommen. Er war außerdem Mitglied der Compagnia del Paiuolo, einer Florentiner Künstler- und Geselligkeitsgesellschaft, deren Umfeld mit Andrea del Sarto, Francesco d’Agnolo Lanfranchi und dem Bildhauer Giovanfrancesco Rustici verbunden war.

Ein wichtiger Auftrag ist durch einen Vertrag vom 21. Dezember 1525 überliefert. Domenico Puligo verpflichtete sich darin gegenüber den Genueser Malern Cristoforo Grasso und Agostino di Marziano Calvo zur Ausführung zweier Altarbilder für die Kirchen Santa Caterina und San Benigno in Genua. Ob diese Werke tatsächlich ausgeführt wurden, ist nicht bekannt. Im Jahr 1526 erhielt er den Auftrag für ein Altarbild mit den Stigmata des heiligen Franziskus für die Kapelle der Familie del Giocondo in der Basilika della Santissima Annunziata in Florenz. Das Gemälde ist nicht erhalten. Ein im Louvre aufbewahrtes Blatt wurde jedoch mit einem Entwurf zu dem verlorenen Altarbild in Verbindung gebracht.
Am 12. September 1527 errichtete Puligo in Florenz sein Testament. Zu diesem Zeitpunkt lebte er im Quartier San Remigio und war von der Pest betroffen. Als Erben wurden seine Ehefrau Felice Silvani sowie seine Kinder Bartolomeo, Margherita und Apollonia genannt. Domenico Puligo verfügte, dass er in der Basilica di San Lorenzo bestattet werden solle. Er starb kurze Zeit später. Ein genaues Todesdatum ist nicht überliefert.
Domenico Puligos erhaltenes Werk besteht überwiegend aus religiösen Bildern für die private Andacht, darunter Madonnenbilder, Heiligendarstellungen und Darstellungen der Heiligen Familie. Hinzu kommen Porträts und weibliche Halbfiguren. Monumentale Altarbilder bilden einen vergleichsweise kleinen Teil seines Œuvres. Die Zuschreibung einzelner Werke ist teilweise problematisch, da die Malweise Domenico Puligos mit derjenigen Andrea del Sartos und anderer Florentiner Künstler verwechselt wurde. Charakteristisch für die ihm sicher zugeschriebenen Werke ist die starke Verwendung von Hell-Dunkel-Effekten und weichen Übergängen. Vasari beschrieb diese Malweise mit dem Bild eines nebligen Übergangs zwischen Figuren und Hintergrund. Die ältere kunsthistorische Literatur interpretierte diese Eigenart teilweise als charakteristisches Stilmittel Puligos.

Zu den wichtigsten erhaltenen Werken gehört die Vision des heiligen Bernhard im Walters Art Museum in Baltimore. Das um 1520 datierte Tafelbild zeigt den Zisterzienserabt Bernhard von Clairvaux an einem Lesepult vor einer Landschaft während einer Erscheinung der Gottesmutter mit zwei Engeln. Das Gemälde befindet sich seit 1902 in der Sammlung des Museums und gelangte 1931 durch ein Vermächtnis dorthin. Eine besondere Bedeutung besitzt die Kreuzabnahme für die Compagnia della Croce in Anghiari. Das Werk ist bereits für das Jahr 1515 dokumentiert und befindet sich heute in der dortigen Propositura. Es gehört somit zu den frühesten gesicherten monumentalen Arbeiten Puligos.
Domenico Puligo arbeitete bereits früh für die Zisterzienser in der Badia di Settimo bei Florenz. Giorgio Vasari erwähnte einen heute verlorenen Freskenzyklus mit Visionen des Grafen Ugo von der Toskana im Kreuzgang der Abtei. Erhalten ist hingegen das Gemälde Madonna mit dem Kind und den Heiligen Quintinus und Placidus, das ursprünglich einer Kapelle der Abteikirche gehörte und sich heute im John and Mable Ringling Museum of Art in Sarasota befindet. Zu Domenico Puligos späteren Arbeiten gehört die 1526 entstandene Mystische Vermählung der heiligen Katharina von Alexandrien mit dem Jesuskind in Gegenwart des heiligen Petrus Martyr. Das für die Compagnia del Bigallo ausgeführte Wandbild befindet sich an einem Tabernakel an der Ecke der Via delle Ruote und der Via San Zanobi in Florenz. Es gilt als die einzige erhaltene Wandmalerei Puligos.
Im selben Jahr schuf er das große Altarbild für die Kapelle des Paolo da Romena in der Kirche Santa Maria Maddalena dei Pazzi, dem ehemaligen Cestello, in Florenz. Darauf sind die Madonna mit dem Kind sowie mehrere Heilige dargestellt, darunter Johannes der Täufer, Petrus, Bernhard von Clairvaux, Paulus und Katharina von Alexandrien. Die Identifizierung eines weiteren Heiligen als Markus ist nicht gesichert. Das Gemälde befindet sich weiterhin in der Kirche. Als seine letzte bekannte Altararbeit gilt die Darstellung der Darbringung Mariens im Tempel mit den Heiligen Antoninus von Florenz, Vinzenz Ferrer, Helena, Lucia und Katharina von Siena für die Florentiner Nonnen von Santa Maria degli Angiolini. Die Bezahlung erfolgte nach Puligos Tod an seine Erben.

Domenico Puligo war auch als Porträtmaler tätig. Zu den wichtigsten erhaltenen Bildnissen gehört das Porträt des Pietro Carnesecchi in den Uffizien. Der Uffizienkatalog führt das Gemälde als Werk Domenico Puligos. Weitere Porträts beziehungsweise als Porträts konzipierte Halbfiguren befinden sich in Firle Place in Sussex. Dazu gehören ein schreibender Mann, der als einziges erhaltenes Porträt Puligos mit einer Jahreszahl versehen ist und auf das Jahr 1523 datiert wird, sowie der sogenannte Fattore di San Marco und die sogenannte Barbara Fiorentina. Ein weiteres Bildnis eines jungen Mannes mit einer Ansicht von Florenz befindet sich in einer Privatsammlung in Oakley Park in Shropshire. Ein Frauenbildnis in der Gestalt der heiligen Maria Magdalena wird in der National Gallery of Canada in Ottawa aufbewahrt. Die Identifizierung der dargestellten Personen ist bei mehreren dieser Werke nicht gesichert. Dies betrifft insbesondere die traditionell als Barbara Fiorentina bezeichnete Frau. Vasari bezeichnete Barbara als eine bekannte Florentinerin, doch lässt sich aus dieser historischen Überlieferung keine sichere Identifizierung der dargestellten Person ableiten.
Domenico Puligo wurde bereits von Giorgio Vasari in den Vite behandelt. Vasari hob insbesondere seine Porträts und seine religiösen Gemälde hervor und bezeichnete die Vision des heiligen Bernhard als sein bedeutendstes Werk. Die erhaltene Tafel befindet sich heute im Walters Art Museum in Baltimore. Die kunsthistorische Bewertung Puligos war lange Zeit durch zahlreiche Zuschreibungen an Andrea del Sarto geprägt. Eine systematischere Rekonstruktion seines Œuvres erfolgte durch die Forschungen des 20. Jahrhunderts sowie durch den im Jahr 2002 erschienenen Ausstellungskatalog Domenico Puligo (1492–1527). Un protagonista dimenticato della pittura fiorentina. Die neuere Forschung hat dabei sowohl Werke aus Puligos Œuvre ausgeschieden als auch weitere Gemälde seiner Hand identifiziert.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Puligo, Domenico |
| ALTERNATIVNAMEN | Ubaldini, Domenico di Bartolomeo |
| KURZBESCHREIBUNG | italienischer Maler der Florentiner Renaissance |
| GEBURTSDATUM | 1492 |
| GEBURTSORT | Florenz |
| STERBEDATUM | nach 12. September 1527 |
| STERBEORT | Florenz |