Dora Bourla

Porträtaufnahme von Dora Bourla (rechts) mit ihrer Freundin Dora, ca. 1950

Dora Bourla (griechisch Ντόρα Μπουρλά), auch Dora Bourla-Handeli (* 1928 in Naoussa (Imathia)), ist eine griechische jüdische Widerstandskämpferin im Zweiten Weltkrieg.

Leben

Familie und Herkunft

Dora Bourla wuchs als Jüngstes von sechs Kindern (Regina, Jolanda, Sarika, Moisis und Solomon) in einer jüdischen Arbeiterfamilie in Thessaloniki auf und genoss eine liberale Erziehung. Ihre Eltern waren Leon, der in einer Bäckerei arbeitete, und Esther Bourla (geb. Suhami). Weil in Doras Elternhaus griechisch und nicht Ladino, der spanische Dialekt der sephardischen jüdischen Gemeinde Thessalonikis, gesprochen wurde, besuchte sie dort eine griechischsprachige Schule.

Widerstandskampf

Unter der deutschen Besatzung Thessalonikis wurden die jüdischen Einwohner Anfang 1943 zum Umzug in Ghettos gezwungen, im März begannen die Deportationen in das Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau. Doras Familie zog zunächst ins Ghetto in der Syngrou-Straße. Mithilfe von Widerstandskämpfern gelang ihr – auf Lastwagen versteckt – die Flucht nach Naoussa. Dort hatte die Familie lange gewohnt und verfügte über viele Kontakte. Ihre Eltern versteckten sich in den Bergen.

Die gerade 15-jährige Dora und ihre Geschwister Jolanda, Sarika, Moisis und Salomon schlossen sich der griechischen Widerstandsorganisation ELAS und deren politischem Arm EAM an. Dora trat auch der Jugendorganisation EPON bei. Eine ihrer ersten Aktivitäten bestand darin, weitere jüdische Personen aus Thessaloniki herauszubringen und für den Widerstand anzuwerben. Dora kämpfte als bewaffnete Partisanin im Bataillon von Hauptmann Kapetan Mavros im makedonischen Vermio-Gebirge. Zu dieser Einheit gehörte auch Isaac Moisis, ein Jude, der auch Kitsos genannt wurde. Die Identität der Kämpfer blieb jedoch in der Regel geheim und so war Dora nicht bekannt, ob weitere jüdische Partisanen zu ihrer Einheit gehörten.

Dora war eine beliebte Rednerin. Sie klärte die Dorfbewohner über die aktuelle Situation und den Kampf gegen die Besatzung auf, stärkte ihre Moral und warb für die landwirtschaftliche und soziale Entwicklung der Dörfer nach sowjetischem Vorbild. Zu ihrem Schutz trat sie unter verschiedenen Kampfnamen auf und nutzte dafür verschiedene Ausweise. Einer ihrer Spitznamen lautete Tarzan, weil sie von kräftiger Statur und eine gute Späherin war. Dora entging mehrfach der Gefangennahme durch deutsche Truppen, weil sie durch Dorfbewohner getarnt und versteckt wurde.

Rückkehr

Nach der Befreiung kehrte Dora mit ihren Eltern, ihrem Bruder Moisis und ihrer Schwester Jolanda, die als Krankenschwester im Widerstand gewesen war, nach Thessaloniki zurück. Ihre Wohnung war jedoch bewohnt und ihr Besitz von den Deutschen versteigert worden. Gemeinsam mit anderen jüdischen Widerstandskämpfern, darunter Dick Benveniste und Isaak Rousso, kamen sie zunächst in einem leerstehenden und ehemals von Juden bewohnten Haus unter, bevor die Familie eine andere Unterkunft fand. Dora setzte ihre politische Tätigkeit fort, indem sie illegale Zeitschriften an Soldaten verteilte.

Nach dem Abkommen von Varkiza wurden die Widerstandskämpfer, die der EAM angehört hatten, als Kommunisten verfolgt und auf Inseln verbannt. Doch anders als ihr Bruder Moisis entging Dora der Gefangenschaft.

Emigration

Nach der Befreiung lernte Dora ihren Mann Albertos Handalis, der ebenfalls aus Thessaloniki stammte, in einem dortigen jüdischen Jugendbund kennen. Im Jahr 1950 emigrierte das Paar nach Israel. Aus der Ehe ging die Tochter Maria hervor. Auch ihr Bruder Moisis und ihre Schwester Jolanda gingen nach Israel. Ihr Vater Leon starb 1976 in Thessaloniki, ihre Mutter Esther überlebte die Shoah und starb 1965 in Haifa.

Drei Geschwister überlebten den Krieg und die Shoah nicht. Doras Bruder Salomon wurde am 20. Oktober 1944 im Ort Stavros nahe der Stadt Veroia von den sich bereits zurückziehenden Deutschen erschossen. Ihre Schwestern Regina und Sarika, die wegen einer persönlichen Beziehung nicht im Widerstand geblieben war, wurden im Juni 1943 ins Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau deportiert. Regina wurde dort ermordet, Sarika verstarb wenige Tage nach der Befreiung.

Dora Bourla trat als Zeitzeugin auf und berichtete über ihr Überleben der Shoah.

Hintergrund

→ Jüdischer Widerstand in Griechenland

Siehe auch

Literatur

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 4 5 6 7 Interview mit Dora Bourla-Handeli, Archiv Erinnerungen an die Okkupation in Griechenland, (Video, griechisch).
  2. 1 2 3 4 5 Interview mit Moshe Bourla, Centropa, (Biographie, englisch).
  3. ↑ Steven Bowman: Η Αντίσταση των Εβραίων στην κατοχική Ελλάδα. Κεντρικό Ισραηλίτικο Συμβούλιο Ελλάδος. Aus dem Englischen von Isaak Benmayor, Athen 2012, ISBN 978-960-99200-1-8.
  4. 1 2 Ιάσονας Χανδρινός: Συναγωνιστής. Έλληνες Εβραίοι στην εθνική αντίσταση. Μία έκθεση του εβραϊκού μουσείου Ελλάδος. (Broschüre zur Ausstellung des Jüdischen Museums Griechenlands vom 16.04.2013–25.04.2014), Athen 2013, S. 9, (griechisch), zuletzt abgerufen am 3. August 2026.
  5. ↑ Greek resistance During World War II. (The Shalvi/Hyman Encyclopedia of Jewish Women), zuletzt abgerufen am 4. August 2026.
  6. ↑ Anna Maria Droumbouki: "Die schlimmen Zeiten sind nicht vorbei": Jüdisches Leben in Nachkriegsgriechenland 1945 – Mitte der 1980er Jahre. Henrich & Hentrich, Leipzig 2026, ISBN 978-3-95565-763-5, S. 66.
  7. ↑ Yad Vashem Collections
  8. ↑ Yad Vashem Collections
Personendaten
NAME Bourla, Dora
ALTERNATIVNAMEN Bourla, Dora; Bourla-Handeli, Dora; Μβουρλά Ντόρα (griechisch)
KURZBESCHREIBUNG griechische jüdische Widerstandskämpferin im Zweiten Weltkrieg
GEBURTSDATUM 1928
GEBURTSORT Naoussa (Imathia)