
Fanny Florentin (griechisch Φανή Φλώρα Φλωρεντίν, auch Fanny (Flora) Florentin oder Fanny (Gracia) Matalon; * 24. April 1920 in Thessaloniki; † 4. Juni 2010 in Seattle) war eine griechische jüdische Widerstandskämpferin im Zweiten Weltkrieg.
Fanny (Flora) Florentin wuchs in Thessaloniki in einer jüdischen Familie auf. Ihre Eltern waren Irene und Moise Florentin. Sie besuchte die dortige Schule der Mission Laique Francaise. Während des Griechisch-Italienischen Krieges (Oktober 1940 bis April 1941) war sie freiwillige Krankenschwester beim griechischen Roten Kreuz in einem Feldkrankenhaus in Albanien.

Unter dem Eindruck der im März 1943 beginnenden Deportationen der Jüdischen Gemeinde Thessalonikis durch die deutsche Besatzung heiratete sie im April 1943 ihren langjährigen Freund Leon Matalon (griechisch Λεών Ματαλόν), der ebenfalls aus einer dort ansässigen jüdischen Familie stammte. Einige Tage nach ihrer Hochzeit schlossen sie sich einer Gruppe von Andarten (Widerstandskämpfern) der Widerstandsorganisation ELAS an, die im Paiko-Gebirge in Zentralmakedonien operierte.
Als Krankenschwester in der 10. Division versorgte Fanny Kranke und Verwundete und bildete junge Frauen aus den Dörfern zu Schwesterngehilfinnen aus. Sie arbeitete u. a. mit einem jüdischen Arzt, Dr. Yanni, zusammen. Fanny galt als unermüdliche Kämpferin: „Sie spornte erschöpfte Nachzügler an, indem sie ihnen Wasser aus einer großen Feldflasche reichte, die sie an ihrem Sanitätsrucksack trug. Sie ging am Ende der Kolonne, um denjenigen aufzuhelfen, die vor Erschöpfung zurückgefallen waren“, schrieb der Widerstandskämpfer Joseph Matsas über sie.
Im Juni 1944 geriet Fanny in deutsche Gefangenschaft, als deutsche Truppen die Berge bei Spileo (griechisch: Σπήλαιο, Region Grevena) durchkämmten, wo sich ihr Feldkrankenhaus befand. Obwohl die Andarten frühzeitig gewarnt wurden und sich Ärzte und Krankenschwestern mit den Kranken und Verwundeten in einer Grotte verstecken konnten, wurden sie entdeckt und gefangen genommen. Um als Jüdin der drohenden Exekution durch die Deutschen zuvorzukommen, gab ihr ein Hauptmann der Andarten, Kapetanios Ypsilantis, seine Waffe und riet ihr zur Selbsttötung, was Fanny jedoch nicht befolgte. Die Deutschen brachten sie zunächst in die Stadt Ioannina, wo sie inhaftiert und durch die SS befragt wurde. Über Trikala wurde sie schließlich ins berüchtigte NS-Polizeihaftlager Pavlos Melas in Thessaloniki gebracht. Die Nachricht über ihre Inhaftierung erreichte ihre Schwester Maddy, die Fannys Verbindungen beim Internationalen Roten Kreuz zur Kommunikation mit ihr nutzte. Als bekannt wurde, dass Fanny hingerichtet werden sollte, wurde sie von Widerstandskämpfern, die die Gefängniswachen bestochen hatten, befreit. Sie entging somit der Exekution im Konzentrationslager Pavlos Melas, wo allein am 6. Juni 1944 110 Häftlinge erschossen wurden.
Im Oktober 1944 wurde Fanny Florentin mit ihrem Ehemann Leon Matalon wiedervereint, der nach dem Sieg über die Deutsche Besatzung nach Thessaloniki zurückkehrte. Zunächst versuchte das Paar wieder dort Fuß zu fassen, doch die ehemals florierende jüdische Gemeinde der Stadt war nahezu zerstört. In der Zwischenzeit waren Wohnungen, Mobiliar und Besitz durch die deutsche Besatzungsmacht zumeist an christliche Einwohner versteigert worden. Nahezu die gesamte jüdische Bevölkerung Thessalonikis war in Konzentrationslager deportiert und vernichtet worden. Von den einst ca. 56.000 jüdischen Einwohnern kehrten nur ca. 2.000 dorthin zurück. Weniger als 5 Prozent überlebten die Shoah. Auch Fannys Eltern wurden im April 1943 ins Konzentrationslager Auschwitz deportiert und dort ermordet.
Im Oktober 1951 schifften sich Fanny Florentin, Leon Matalon und ihre 1947 in Thessaloniki geborene Tochter Irene auf dem Schiff „Argentina“ nach New York ein und ließen sich anschließend in Seattle nieder. Dort wurde ihr Sohn Stephen geboren.
Fanny Florentin trat als Zeitzeugin auf und berichtete über ihr Überleben der Shoah.
Im Widerstand gegen die deutsche Besatzung Griechenlands kämpften nach Schätzungen zwischen 30.000 und 60.000 Andarten, darunter waren zwischen 1.000 und 3.000 jüdischer Herkunft. Namentlich bekannt sind rund 80 weibliche jüdische Partisaninnen, die als bewaffnete Kämpferinnen, Krankenschwestern, Kurierinnen oder Kontaktpersonen tätig waren. In den geschlechtergemischten Kampfgruppen, die unter kommunistischer Führung der Widerstandsorganisation EAM standen, wurde die Emanzipation der Frau aus der patriarchalisch geprägten griechischen Gesellschaft propagiert. Obwohl dieser Einfluss während des griechischen Bürgerkriegs, der auf das Ende der deutschen Besatzung folgte, zurückgedrängt wurde, hielten die Frauen, die im Widerstand gekämpft hatten, an ihren neu gewonnenen Überzeugungen und Rechten fest.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Florentin, Fanny |
| ALTERNATIVNAMEN | Florentin, Fanny Flora; Matalon, Fanny Gracia; Φλωρεντίν, Φανή Φλώρα (griechisch) |
| KURZBESCHREIBUNG | jüdische Widerstandskämpferin in Griechenland |
| GEBURTSDATUM | 24. April 1920 |
| GEBURTSORT | Thessaloniki |
| STERBEDATUM | 4. Juni 2010 |
| STERBEORT | Seattle |