Friedhelm Ptok
Leben
Friedhelm Ptok absolvierte als junger Mann nach dem Willen seines Vaters eine Buchdruckerlehre, bevor er allerdings gegen dessen Wunsch eine private Schauspielausbildung absolvierte. Nach der Abschlussprüfung trat er 1957 sein erstes Engagement an der Niederdeutschen Bühne der Stadt Flensburg an.
Von 1959 bis 1962 war er am Theater Ulm unter Kurt Hübner beschäftigt und spielte dort unter der Regie von Peter Zadek 1960 Maß für Maß von Shakespeare, danach gehörte er bis 1965 zum Ensemble des Theaters der Freien Hansestadt Bremen, wo er, wieder unter der Regie von Zadek, 1962 Die Geisel von Brendan Behan, 1963 Ein Sommernachtstraum von Shakespeare, 1963 Luther von John Osborne und 1964 Held Henry nach Shakespeares Heinrich V. spielte. Von 1965 bis 1969 agierte er an den Münchner Kammerspielen, von 1969 bis 1972 am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg. 1972 wurde er von den Staatlichen Schauspielbühnen Berlin unter Vertrag genommen. 2008 spielte Ptok nach vierzig Jahren nochmal unter Peter Zadek am St. Pauli Theater in Hamburg in Nackt von Luigi Pirandello. Ptok wirkte als Schauspieler von 1964 bis 2022 in über 110 Film-und-Fernsehproduktionen mit.
Als Synchronsprecher lieh er unter anderem Ralph Bellamy (Orchid, der Gangsterbruder), John Cleese (Frankenstein), Derek Fowlds (Yes Minister), Joel Grey (Dallas), Jeremy Irons (Betrug), James Mason (Pandora und der Fliegende Holländer), Ian McDiarmid (als Imperator bzw. Kanzler/Senator Palpatine in fünf der Star-Wars-Filme) und dem depressiven Roboter Marvin in dem Film Per Anhalter durch die Galaxis seine Stimme. In V wie Vendetta synchronisierte er den von John Standing gespielten Bischof Anthony James Lilliman.
Friedhelm Ptok sprach die Figur des Palpatine auch unter anderem in den Animationsserien Star Wars: Clone Wars, Star Wars: The Clone Wars, Star Wars Rebels, Star Wars: The Bad Batch, den Videospielen Star Wars: The Force Unleashed und Star Wars Battlefront II, und in den Hörspiel-Umsetzungen von James Lucenos Romanen Labyrinth des Bösen und Dunkler Lord: Der Aufstieg des Darth Vader.
In einem Interview gab Ptok an, dass ihm das Schauspiel am meisten Freude bereite, wobei er daran vor allem den gemeinschaftlichen Aspekt zwischen Ensemblemitgliedern und die Beziehung zwischen Darstellern und Publikum schätze.
Ptok war mit der 33 Jahre jüngeren Schauspielerin Sabine Falkenberg liiert. Das Paar lernte sich bei der gemeinsamen Theaterarbeit kennen und hat eine Tochter.
Friedhelm Ptok starb am 13. Februar 2026 im Alter von 92 Jahren.
Filmografie (Auswahl)
- 1964: Hafenpolizei (Fernsehserie, 1 Folge)
- 1966: Das Tempelchen
- 1966: Elektra
- 1967: Bäume sterben aufrecht
- 1967: Das Kriminalmuseum: Die Zündschnur (Fernsehreihe)
- 1968: Die schwarze Sonne
- 1971: Hamburg Transit (Fernsehserie, 1 Folge)
- 1972–1973: Die Melchiors (Fernsehserie)
- 1976: Direktion City (Fernsehserie, 1 Folge)
- 1978: Die seltsamen Methoden des Franz Josef Wanninger (Fernsehserie, 1 Folge)
- 1978: Zwischen zwei Kriegen
- 1978: Stalins letzter Bourgeois – Die allmähliche Vernichtung des Michail Bulgakow
- 1979: Kommissariat 9 (Fernsehserie, 1 Folge)
- 1980: Kaltgestellt
- 1986: Christian Rother – Bankier für Preußen
- 1987: Die Menagerie von Sanssouci
- 1988: Ein Fall für zwei (Fernsehserie, Folge: Wer Gewalt sät…)
- 1990: Kartoffeln mit Stippe
- 1992: Unser Lehrer Doktor Specht (Fernsehserie, 1 Folge)
- 1993: Immer wieder Sonntag (Fernsehserie, 1 Folge)
- 1994: Ihre Exzellenz, die Botschafterin (Fernsehserie, 6 Folgen)
- 1995–1997: Liebling Kreuzberg (Fernsehserie, 3 Folgen)
- 1996: Alarmcode 112 (Fernsehserie, 1 Folge)
- 1998: Das Traumschiff (Fernsehreihe, 1 Folge)
- 1999: Der Landarzt (Fernsehserie, 1 Folge)
- 1999: Der Clown (Fernsehserie, 1 Folge)
- 2000: Alarm für Cobra 11 – Die Autobahnpolizei (Fernsehserie, 1 Folge)
- 2000: Die Motorrad-Cops – Hart am Limit (Fernsehserie, 1 Folge)
- 2003–2004: Für alle Fälle Stefanie (Fernsehserie, 10 Folgen)
- 2003: Der letzte Zeuge (Fernsehserie, 1 Folge)
- 2003: Alphateam – Die Lebensretter im OP (Fernsehserie, 1 Folge)
- 2003: Dr. Sommerfeld – Neues vom Bülowbogen (Fernsehserie, 2 Folgen)
- 2004: Delphinsommer
- 2005–2006: Julia – Wege zum Glück (Fernsehserie, 131 Folgen)
- 2005: M.E.T.R.O. – Ein Team auf Leben und Tod (Fernsehserie, 1 Folge)
- 2006: Inga Lindström: Die Frau am Leuchtturm
- 2006: Löwenzahn (Fernsehreihe, 2 Folgen)
- 2007: Schloss Einstein (Fernsehserie, 4 Folgen)
- 2007: Unser Charly (Fernsehserie, 3 Folgen)
- 2008–2009: Rote Rosen (Fernsehserie, 18 Folgen)
- 2009: Stubbe – Von Fall zu Fall: In den Nebel (Fernsehreihe)
- 2009: Ein Hausboot zum Verlieben
- 2009–2011: Die Rosenheim-Cops (Fernsehserie, 4 Folgen)
- 2010: Danni Lowinski (Fernsehserie, Folge: Klassenkampf)
- 2010: Bei manchen Männern hilft nur Voodoo
- 2014: Heiter bis tödlich: Hauptstadtrevier (Fernsehserie, Folge: Die lieben Kollegen)
- 2014: Mein Lover, sein Vater und ich!
- 2015: Nord bei Nordwest – Der wilde Sven (Fernsehreihe)
- 2017: SOKO Köln (Fernsehserie, 2 Folgen)
- 2020: Ein Sommer an der Moldau
- 2020: Tatort: Ein paar Worte nach Mitternacht (Fernsehreihe)
- 2022: Blutige Anfänger (Fernsehserie, Folge: Treibjagd)
Hörbücher (Auswahl)
- Paul Maar: Lippels Traum, Oetinger audio, 1984
- Erich Kästner: Fabian – Die Geschichte eines Moralisten, Deutsche Grammophon Literatur, 1998.
- Georges Simenon: Maigret und die alte Dame, Diogenes Verlag, 2006
- Georges Simenon: Maigret und der gelbe Hund, Diogenes Verlag, 2006
- Georges Simenon: Maigret kämpft um den Kopf eines Mannes, Diogenes Verlag, 2006
- Georges Simenon: Maigret und die Keller des „Majestic“, Diogenes Verlag, 2008
- Georges Simenon: Fünf Fälle für Maigret, Diogenes Verlag, 2009
- Timo Parvela: Ella in der Schule, Igel-Records, 2008
- Timo Parvela: Ella in der zweiten Klasse, Igel-Records, 2009
- Timo Parvela: Ella auf Klassenfahrt, Igel-Records, 2009
- James Krüss: Die Fabelinsel (Gekürzte Lesung), Der Audio Verlag, 2010
- Timo Parvela: Ella und der Superstar, Igel-Records, 2010
- Timo Parvela: Ella in den Ferien, Igel-Records, 2011
- Märchen der Brüder Grimm, Igel-Records, 2011
- James Krüss: Die Weihnachtsmaus (Gekürzte Lesung), Der Audio Verlag, 2011
- Timo Parvela: Ella und die falschen Pusteln, Igel-Records, 2012
- Katharina Neuschaefer: Die schönsten Sagen aus aller Welt, Igel-Genius, 2012
- Theodor Storm: Mondschein über dem Deich, Igel-Records, 2012
- Timo Parvela: Ella und der Neue in der Klasse, Igel-Records, 2013
- Timo Parvela: Ella und das große Rennen, Igel-Records, 2013
- Paul Maar: Lippel, träumst du schon wieder! Oetinger audio, 2014
- Agatha Christie: Mord im Orientexpress, der Hörverlag, 2014 (Audible), ISBN 978-3-8445-1482-7 (Hörbuch-Download)
- Theodor Storm: Immensee und Pole Poppenspäler, Der Audio Verlag, 2015
- Jenny Erpenbeck: Gehen, ging, gegangen, Hörbuch Hamburg, 2015
- Anke Kranendonk: Käpt'n Kalle, Sauerländer Audio, 2016
- Una McCormack: Die letzte und einzige Hoffnung: Star Trek – Picard (Hörbuch-Download), Lübbe Audio, 2020, ISBN 978-3-8387-9479-2
- Octave Uzanne: Das Ende der Bücher (gemeinsam mit Jochen Hörisch), Argon Verlag 2021, ISBN 978-3-8398-1891-6
- 2022: Liz Kessler: Als die Welt uns gehörte, Argon Verlag, ISBN 978-3-8398-4403-8 (mit Julian Greis, Fritzi Haberlandt & Walter Kreye)
- 2023: Aharon Appelfeld: Geschichte eines Lebens, Der Audio Verlag, ISBN 978-3-7424-2857-8
Hörspiele und Features (Auswahl)
Anfänge und frühe Hörspielarbeit (1960er–1970er Jahre)
- 1963: Herbert Timm: Der Lokalredakteur (Originalhörspiel – Radio Bremen / HR)
- 1963: Brendan Behan: Die Geisel (Hörspielbearbeitung – SFB)
- 1963: Edzard Schaper: Strenger Abschied (Originalhörspiel – WDR/RB)
- 1965: Günter Herburger: Der Topf (Originalhörspiel – SR/RB)
- 1967: Thornton Wilder: Die Heiratsvermittlerin (Hörspielbearbeitung – RIAS Berlin)
- 1967: Cornell Woolrich: Charlie geht heute abend aus (Kriminalhörspiel – BR)
- 1967: Manfred Bieler: Karriere eines Klaviers (Originalhörspiel – BR)
- 1967: Val Gielgud: Die Sache mit dem Fernsehboß (Kriminalhörspiel, Mehrteiler – BR)
- 1968: Erasmus Schöfer: Denkmal Pfeiffer (Originalhörspiel – BR/RB)
- 1969: Wolfgang Röhrer: Die Teilruine (Originalhörspiel – BR)
- 1971: Horst M.: Lebenslänglich (Hörspiel – RB)
- 1971: Nikolai von Michalewsky: Der Überläufer (Kriminalhörspiel – RB)
- 1972: Bloke Modisane: Alle Söhne Gaikas (Hörspielbearbeitung – RB)
- 1972: Günther Hoffmann-Guben / Günter Guben: Haus-Programm (Originalhörspiel – RB)
- 1972: Rolf Schneider: Strafsache gegen Göppler (Originalhörspiel – WDR)
- 1972: Wilhelm Genazino: Longplay (Hörspiel – BR)
- 1973: Gert Hofmann: John Jacob Astors letzte Fahrt (Originalhörspiel – RIAS/SDR)
- 1973: Michael Koser: Ach und Krach (Science-Fiction-Hörspiel – RIAS Berlin)
- 1974: Ludwig Harig: Zeit und Raum verschwinden mit den Dingen (Originalhörspiel – NDR)
- 1975: Thomas Andresen: Fünf Männer mit Maske (Kriminalhörspiel, Mehrteiler – WDR)
Etablierung im Rundfunk (1980er Jahre)
- 1981: R. D. Wingfield: Der Maulwurf (Kriminalhörspiel – SDR)
- 1984: Alfred Behrens: Die Betelnuss im Kopf (Originalhörspiel – HR/NDR)
- 1984: J. Monika Walter: Archivars Traum (Originalhörspiel – WDR)
- 1985: Elfriede Czurda: Autobahn. Jede Gesellschaft macht ihre Mörder (Originalhörspiel – RB/ORF)
- 1985: Arthus C. Caspari: Das Verhör des Spinoza (Originalhörspiel – RIAS Berlin)
Ausbau und Profilbildung (1990er Jahre)
- 1990: Peter Zeindler: Die Meisterpartie (Kriminalhörspiel – SWF)
- 1990: Franziska Kusch: Kaba (Kurzhörspiel – Radio Bremen)
- 1992: Rodney David Wingfield: Viel Frust für Frost (Kriminalhörspiel – WDR)
- 1992: Ivor Wilson: Gefährliche Erbschaft (Kriminalhörspiel – WDR)
- 1992: Gabriele Wohmann: In Odessa nämlich (Hörspiel – SWF/BR)
- 1994: Helmut Bez: Nützliche Erhebung (Originalhörspiel – DeutschlandRadio Berlin)
- 1994: Horst Bosetzky: Volles Risiko (Kriminalhörspiel – DLR)
- 1995: Kaj Nissen: Die Heysel-Fuge (Originalhörspiel – WDR/SR)
- 1995: Norman Lindsay: Der Zauberpudding (Kinderhörspiel, Mehrteiler – RB)
- 1995: Svend Åge Madsen: Der Kopist (Hörspielbearbeitung – WDR)
- 1997: Robert Louis Stevenson: Dr Jekyll and Mr. Hyde (Hörspiel – WDR)
- 1998: Simone Schneider: Malaria. (Hörspiel – DLR)
- 1999: Alexander Kluge: Pieta´
Literaturadaptionen und große Produktionen (2000er Jahre)
Radio-Tatort, Serien und späte Arbeiten (2010er–2020er Jahre)
Literatur
- Hermann J. Huber: Langen Müller’s Schauspielerlexikon der Gegenwart. Deutschland. Österreich. Schweiz. Albert Langen • Georg Müller Verlag GmbH, München • Wien 1986, ISBN 3-7844-2058-3, S. 776.
- C. Bernd Sucher (Hrsg.): Theaterlexikon. Autoren, Regisseure, Schauspieler, Dramaturgen, Bühnenbildner, Kritiker. Von Christine Dössel und Marietta Piekenbrock unter Mitwirkung von Jean-Claude Kuner und C. Bernd Sucher. 2. Auflage. Deutscher Taschenbuch-Verlag, München 1999, ISBN 3-423-03322-3, S. 549.