Germergewächse

Germergewächse

Weißer Germer (Veratrum album),
Illustration aus Koehler 1887

Systematik
Abteilung: Gefäßpflanzen (Tracheophyta)
Unterabteilung: Samenpflanzen (Spermatophytina)
Klasse: Bedecktsamer (Magnoliopsida)
Monokotyledonen
Ordnung: Lilienartige (Liliales)
Familie: Germergewächse
Wissenschaftlicher Name
Melanthiaceae
Batsch ex Borkh.

Die Germergewächse (Melanthiaceae), auch Schwarzblütengewächse genannt, sind eine Pflanzenfamilie in der Ordnung der Lilienartigen (Liliales). Die 13 bis 17 Gattungen mit etwa 196 Arten sind hauptsächlich in den gemäßigten Gebieten der Nordhalbkugel (Holarktis) verbreitet. Nur wenige Arten werden durch den Menschen genutzt.

Beschreibung

Illustration des Mexikanischen Läusekrautes (Schoenocaulon officinale) aus Koehler 1887
Blüte von Trillium erectum mit deutlich verschiedenen Blütenhüllblättern
Tribus Chionographideae: Blütenstände von Chamaelirium luteum
Tribus Heloniadeae: Helonias bullata
Tribus Heloniadeae: Heloniopsis orientalis
Tribus Melanthieae: Blütenstand von Toxicoscordion paniculatum
Tribus Melanthieae: Verzweigter Blütenstand von Veratrum stamineum
Tribus Parideae: Paris quadrifolia
Tribus Parideae: Paris japonica
Tribus Parideae: Großblütige Waldlilie (Trillium grandiflorum)
Tribus Xerophylleae: Bärengras (Xerophyllum tenax)

Erscheinungsbild und Laubblätter

Es handelt sich um immergrüne oder saisongrüne, meistens ausdauernde krautige Pflanzen. Sie bilden häufig Rhizome oder Knollen als Überdauerungsorgane. Das Hypokotyl ist meist kurz.

Die wechselständig, schraubig oder in Wirteln am Stängel angeordneten Laubblätter sind einfach, flach, und ganzrandig. Die Blattadern verlaufen entweder parallel, wie bei den Einkeimblättrigen üblich, oder bei den Parideae netzartig.

Blütenstände und Blüten

Es werden meistens verzweigte, traubige, ährige oder rispige Blütenstände gebildet. Bei den Parideae ist nur eine Blüte je Stängel vorhanden.

Die Blüten sind fast immer zwittrig und meist radiärsymmetrisch, bei Chionographis zygomorph. Wie fast alle einkeimblättrigen Pflanzen haben auch die Melanthiaceae meistens dreizählige Blüten. Davon weicht die Gattung Einbeeren (Paris) mit ihren vier- bis elfzähligen Blüten ab. Es sind zwei Kreise mit meist drei Blütenhüllblättern vorhanden; sie sind in den beiden Kreisen unterschiedlich oder gleichgestaltet, dann sind es also Tepalen und bilden ein Perigon; sie können frei oder verwachsen sein. Die Farben der Blütenhüllblätter reichen von weiß über grün, von gelb bis bräunlich und von rot über rosa- bis purpurfarben. Es sind meist zwei Kreise mit je drei Staubblättern vorhanden. Die meist drei oberständigen Fruchtblätter sind frei oder zu einem Fruchtknoten verwachsen. In jeder Blüte gibt es meist drei freie Griffel.

Früchte und Samen

Meistens werden Balgfrüchte oder Kapselfrüchte gebildet; einige Einbeeren-Arten bilden Beeren mit wenigen bis vielen Samen in jedem der drei Fruchtfächer. Die hellgefärbten Samen sind oft geflügelt oder mit Anhängseln.

Inhaltsstoffe und Chromosomen

An Inhaltsstoffen sind giftige Alkaloide, Flavonoide und Steroidsaponine häufig. Es werden Calciumoxalat-Kristalle eingelagert.

Die Chromosomen sind 1 bis 6 µm lang. Die Chromosomengrundzahlen betragen bei den Parideae x = 5, Melianthieae oft x = 8, bei den Chionographideae oft x = 12, bei den Xerophylleae x = 15 und bei den Helionadeae x = 17.

Systematik und Verbreitung

Die Areale der Taxa liegen hauptsächlich in den gemäßigten Gebieten der Nordhalbkugel (Holarktis). Verbreitungsschwerpunkte sind Ostasien und das östliche Nordamerika. Eine Ausnahme stellt die Gattung Schoenocaulon dar, die auch in Peru, Venezuela und im Karibischen Raum vorkommt. In Mitteleuropa gibt es die Einbeere (Paris quadrifolia) und den Weißen Germer (Veratrum album).

Der Familienname Melanthiaceae wurde 1797 durch August Johann Georg Karl Batsch in Moritz Balthasar Borkhausen: Botanisches Wörterbuch, Band 2, Seite 8 veröffentlicht. Die Typusgattung Melanthium wurde 1753 durch Carl von Linné in Species Plantarum, Band 1, Seite 339 veröffentlicht, deren Gattungsname aus den griechischen Wörtern melas für „schwarz“ und anthos für „Blüte“ abgeleitet ist und sich auf die schwärzlichen Blütenhüllblätter bezieht (daher auch der Trivialname Schwarzblütengewächse). Bei Zomlefer et al. 2006 wurde auf Grund molekulargenetischer Untersuchungen die Familie um die Taxa der Trilliaceae und Xerophyllaceae erweitert und ergibt dann ein monophyletisches Taxon.

Die Taxa der früher eigenständigen Familien: Chionographidaceae Takht., Heloniadaceae J.Agardh, Paridaceae Dum., Trilliaceae Chevall., Veratraceae Salisb. und Xerophyllaceae Takht. werden in die Familie der Germergewächse (Melanthiaceae Batsch ex Borkh.) eingeordnet. Taxa dieser Familie wurden früher auch zur Familie der Liliengewächse (Liliaceae) gestellt, beispielsweise als Melanthioideae.

Zur Familie der Germergewächse (Melanthiaceae) gehören 13 bis 17 Gattungen mit etwa 196 Arten. Die Familie Melanthiacea wird in fünf Tribus gegliedert:

Gattungen, die früher hier eingeordnet waren:

Nutzung

Von mehreren Veratrum-Arten wurden die medizinischen und insektiziden Wirkungen untersucht; beachte die hohe Giftigkeit. Blätter und junge Pflanzen werden von Chionographis japonica gegessen. Die medizinischen Wirkungen von Chamaelirium luteum wurden untersucht. Die Cherokee verwendeten Amianthium muscitoxicum bei Stichen und es wurden die Wirkungen auf die Haut untersucht. Die unterirdischen Pflanzenteile von Melanthium virginicum wurde gegen Endoparasiten eingesetzt, deshalb wurden die medizinischen Wirkungen untersucht. Die unterirdischen Pflanzenteile von Xerophyllum tenax werden gegart gegessen.

Von einigen Trillium-Arten gibt es Sorten, die als Zierpflanzen in schattigen Bereichen von Parks und Gärten verwendet werden.

Quellen

Literatur

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 Melanthiaceae. In: POWO = Plants of the World Online von Board of Trustees of the Royal Botanic Gardens, Kew: Kew Science, abgerufen am 24. Oktober 2026.
  2. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 Changkyun Kim, Sang-Chul Kim, Joo-Hwan Kim: Historical Biogeography of Melanthiaceae: A Case of Out-of-North America Through the Bering Land Bridge. In: Frontiers in Plant Science, Volume 10, 2019, S. 1–12. doi:10.3389/fpls.2019.00396
  3. 1 2 Melianthaceae im Germplasm Resources Information Network (GRIN), USDA, ARS, National Genetic Resources Program. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland.
  4. ↑ Wendy B. Zomlefer, W. Mark Whitten, Norris H. Williams, Walter S. Judd: Infrageneric phylogeny of Schoenocaulon (Liliales: Melanthiaceae) with clarification of cryptic species based on ITS sequence data and geographical distributions. In: American Journal of Botany, Volume 93, Issue 8, 2006, S. 1178–1192. doi:10.3732/ajb.93.8.1178
  5. ↑ Wendy B. Zomlefer, W. Mark Whitten, Norris H. Williams, Walter S. Judd: An overview of Veratrum s.l. (Liliales: Melanthiaceae) and an infrageneric phylogeny based on ITS sequence data. In: American Journal of Botany, Volume 90, 2003, S. 250–269.
  6. ↑ W.-J. Liao, Y.-M. Yuan, D.-Y. Zhang: Biogeography and evolution of flower color in Veratrum (Melanthiaceae) through inference of a phylogeny based on multiple DNA markers. In: Plant Systematics and Evolution, Volume 267, 2007.
  7. ↑ Wendy B. Zomlefer, Norris H. Williams, W. Mark Whitten, Walter S. Judd: Generic circumscription and relationships in the tribe Melanthieae (Liliales, Melanthiaceae), with emphasis on Zigadenus: evidence from ITS and trnL-F sequence data, Volume 88, Issue 9, 2001, S. 1657–1669. doi:10.2307/3558411
  8. ↑ Susan B. Farmer, Edward E. Schilling: Phylogenetic Analyses of Trilliaceae based on Morphological and Molecular Data, in Systematic Botany, Volume 27, Issue 4, 2002, S. 674–692: (PDF; 545 kB).
  9. ↑ Yunheng Ji, Peter W. Fritsch, Heng Li, Tiaijiang Xiao, Zheku Zhou: Phylogeny and Classification of Paris (Melanthiaceae) Inferred from DNA Sequence Data, In: Annals of Botany, Volume 98, Issue 1, 2006, S. 245–256: Online. doi:10.1093/aob/mcl095
  10. ↑ Veratrum album, Veratrum californicum, Veratrum nigrum und Veratrum viride bei Veratrum-Arten bei Plants for A Future. (engl.)
  11. ↑ Chionographis japonica bei Plants for A Future. (engl.)
  12. ↑ Chamaelirium luteum bei Plants for A Future. (engl.)
  13. ↑ Amianthium muscitoxicum bei Plants for A Future. (engl.)
  14. ↑ Melanthium virginicum bei Plants for A Future. (engl.)
  15. ↑ Xerophyllum tenax bei Plants for A Future. (engl.)
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