Morcote

Morcote
Wappen von Morcote
Staat: Schweiz Schweiz
Kanton: Kanton Tessin Tessin (TI)
Bezirk: Bezirk Luganow
Kreis: Kreis Paradiso
BFS-Nr.: 5203i1f3f4
Postleitzahl: 6922
Koordinaten: 714607 / 87012Koordinaten: 45° 55′ 30″ N, 8° 54′ 58″ O; CH1903: 714607 / 87012
Höhe: 272 m ü. M.
Höhenbereich: 270–822 m ü. M.
Fläche: 2,79 km²
Einwohner: 681 (1. Januar 2026)
Einwohnerdichte: 244 Einw. pro km²
Ausländeranteil:
(Einwohner ohne
Schweizer Bürgerrecht)
42,1 %
(1. Januar 2026)
Gemeindepräsident: Giacomo Caratti (FDP)
Website: www.morcote.ch
Morcote
Morcote
Lage der Gemeinde
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Karte von Morcote
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Fahne

Morcote (im lombardischen Ortsdialekt Murcò [murˈkɔ]) ist eine politische Gemeinde im Schweizer Kanton Tessin. Sie gehört zum Kreis Paradiso beziehungsweise zum Bezirk Lugano.

Der früher wichtige, von einer Renaissancekirche und einer Burgruine überragte Handelsort ist heute mit seiner schönen Lage am Luganersee, seinen Palazzi, einer monumentalen Kirchentreppe mit 404 Stufen, dem berühmten Friedhof, den Arkaden an der Uferstrasse und dem Parco Scherrer nicht nur ein touristisches Ziel, sondern mit dem Ortsteil Arbostora seit über dreissig Jahren ein gesuchtes, sich bis an seine naturbestimmten Grenzen ausdehnendes Wohngebiet.

Geographie

Morcote liegt zehn Kilometer südwestlich von Lugano am südlichen Luganersee am Fusse des 822 Meter hohen Monte Arbòstora, gegenüber dem italienischen Porto Ceresio.

Die Nachbargemeinden sind im Norden Lugano und Vico Morcote, im Osten Brusino Arsizio, im Süden Porto Ceresio (IT-VA) und im Westen Brusimpiano (IT-VA).

Geschichte

Luftbild aus 100 Metern von Walter Mittelholzer (1929)
Historisches Luftbild von Werner Friedli (1964)

Erstmals urkundlich erwähnt findet sich Morcote im Jahr 926 in der Phrase habitator in Murcao. Der Ortsname geht vermutlich auf das lateinische Adjektiv muricatum «gemauert, mit einer Mauer umgürtet» zurück.

Die über Morcote gelegene, heute noch als Ruine existierende Burg diente im Hochmittelalter der Überwachung des Seeverkehrs. 1422 erhielt die Gemeinde vom Herzog von Mailand das Selbstverwaltungsrecht (Wahl des Podestaten), Fischerei- und Marktrechte sowie die Befreiung von gewissen Zollsteuern. Im Pestjahr 1432 überlebten am Ort nur gerade sieben Familien.

1517 wurde Morcote von den Eidgenossen erobert und der Vogtei Lugano zugeteilt; seine gerichtliche und steuerliche Autonomie sowie das Fischereirecht auf dem ganzen See blieben aber unangetastet. Eine selbständige Pfarrei wurde Morcote 1583. 1623 gründete der Architekt Giuseppe Fossati die Scuola dei comacini morcotesi, die 1902 durch eine kommunale Zeichenschule abgelöst wurde. Bei einem Erdrutsch 1862 versanken sieben Häuser im See. Im ausgehenden 19. Jahrhundert gründete Franchina Rusca (1837–1901), ab 1864 mit Giovanni Caccia († 1877) verheiratet, in Morcote das Istituto Caccia-Rusca, ein Altersheim für die Einwohner von Morcote und Umgebung sowie von Bioggio.

Seine wirtschaftliche Grundlage im Spätmittelalter und in der Frühen Neuzeit waren Fischerei, Landwirtschaft und Seehandel sowie die Geldüberweisungen der nach Italien ausgewanderten Künstler. Bis zum Bau des auch als Ponte Diga bekannten Seedamms von Melide im Jahr 1847 war Morcote ein wichtiger Warenumschlagsplatz und der grösste Hafen am Luganersee. Die Waren auf der Verbindungsroute zwischen dem Kanton Tessin und Norditalien wurden in Morcote auf Schiffe umgeladen und über den See gebracht. Seit dem 19. Jahrhundert lebt Morcote zunehmend vom Tourismus, wozu noch Kunsthandwerk und Weinbau kommen.

2016 wurde Morcote zum «schönsten Dorf der Schweiz» gewählt. 2023 wurde Morcote (neben Saint-Ursanne JU) von der Weltorganisation für Tourismus der Vereinten Nationen in die Liste der «besten Tourismusdörfer» (englisch Best Tourism Villages) aufgenommen.

Bevölkerung

Einwohnerzahlen: Volkszählungsdaten (für 1970 keine Zahl eingetragen; die diesbezügliche Angabe des BFS stimmt wahrscheinlich nicht)

Infrastruktur

Verkehr

Morcote liegt an einer Nebenstrasse zwischen dem Luganer Quartier Barbengo und Vico Morcote, die dem Seeufer entlang führt. Die nächsten Autobahnanschlüsse der A2 sind Melide/Bissone sowie Lugano-Sud bei Noranco.

Die nächste Haltestelle der Gotthardbahn befindet sich in Melide. Der nächste Flughafen ist der rund 9 km nordwestlich gelegene Flughafen Lugano.

Sehenswürdigkeiten

Das kompakte Dorfbild mit seinen sich dem See entlangziehenden Laubengängen, dem inneren Wegnetz, der über dem Dorf gelegenen Pfarrkirche und den sich nördlich und westlich des Dorfs anschliessenden Villen aus dem frühen 20. Jahrhundert ist im Inventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz (ISOS) als schützenswertes Ortsbild der Schweiz von nationaler Bedeutung eingestuft.

Bilder

Persönlichkeiten

Literatur

Commons: Morcote – Sammlung von Bildern
Panorama Morcotes von Santa Maria del Sasso
Panorama Morcotes von Santa Maria del Sasso

Einzelnachweise

  1. ↑ Geographische Kennzahlen – Suche. Gemeindestand 06.04.2025. In: Applikation der Schweizer Gemeinden (admin.ch). Bundesamt für Statistik (BFS), abgerufen am 29. August 2025 (bei späteren Gemeindefusionen wurden die Höhenbereiche zum Stand 1. Januar 2025 zusammengefasst).
  2. ↑ Geographische Kennzahlen – Suche. Gemeindestand 06.04.2025. In: Applikation der Schweizer Gemeinden (admin.ch). Bundesamt für Statistik (BFS), abgerufen am 29. August 2025 (bei späteren Gemeindefusionen wurden die Flächen zum Stand 1. Januar 2025 zusammengefasst).
  3. ↑ Bilanz der ständigen Wohnbevölkerung nach Bezirken und Gemeinden, 1991-2025. In: bfs.admin.ch. Bundesamt für Statistik, abgerufen am 22. August 2026 (bei späteren Gemeindefusionen Einwohnerzahlen aufgrund Stand 2025 zusammengefasst).
  4. ↑ Ständige Wohnbevölkerung nach Staatsangehörigkeit 2010-2025. Bei späteren Gemeindefusionen Einwohnerzahlen aufgrund Stand 2025 zusammengefasst. Abruf am 22. August 2026
  5. 1 2 Lexikon der schweizerischen Gemeindenamen. Hrsg. vom Centre de Dialectologie an der Universität Neuenburg unter der Leitung von Andres Kristol. Huber, Frauenfeld und Payot, Lausanne 2005, S. 615.
  6. ↑ Celestino Trezzini: Franchina Rusca. In: Historisch-Biographisches Lexikon der Schweiz, Band 5: Retornaz – Saint Didier. Attinger, Neuenburg 1929, S. 761 (PDF Digitalisat), abgerufen am 9. Oktober 2017.
  7. ↑ UNWTO names its Best Tourism Villages 2023. 19. Oktober 2023, abgerufen am 21. Oktober 2023 (englisch).
  8. ↑ Morcote und Saint-Ursanne von der UNWTO als «Beste Tourismusdörfer» ausgezeichnet. In: admin.ch. Bundesrat, 19. Oktober 2023, abgerufen am 21. Oktober 2023.
  9. ↑ Martin Schuler: Cantone Ticino – L’effettivo della popolazione a livello locale prima del 1850. (CSV; 34 KB) Bundesamt für Statistik, Neuchâtel, 16. Juni 2023, abgerufen am 12. Januar 2025.
  10. ↑ Daten der Eidgenössischen Volkszählungen ab 1850 nach Gemeinden. (XLSX; 10 MB) Bundesamt für Statistik, Neuchâtel, 12. Juli 2024, abgerufen am 12. Januar 2025 (Öffnung in Excel nur über "Anhang/Excel-Datensatz" möglich).
  11. ↑ Corpo Pompieri Melide
  12. ↑ Corpo Pompieri Melide in portal.dnb.de (abgerufen am: 2. Mai 2016.)
  13. ↑ Morcote. Bundesamt für Kultur BAK, Bern, 2005, abgerufen am 12. Januar 2025 (italienisch).
  14. ↑ Kunstführer durch die Schweiz. Vollständig neu bearb. Ausgabe. Hrsg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte. Band 2. GSK, Bern 2005, ISBN 3-906131-96-3, S. 750–754, hier S. 750–753.
  15. ↑ Pfarrkirche Santa Maria del Sasso (PDF; 56 kB)
  16. ↑ Kunstführer durch die Schweiz. Vollständig neu bearb. Ausgabe. Hrsg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte. Band 2. GSK, Bern 2005, ISBN 3-906131-96-3, S. 750–754, hier S. 751 f.
  17. ↑ Oratorium Sant’Antonio da Padova, Pfarrhaus und Freitreppe (PDF; 49 kB)
  18. 1 2 3 Kunstführer durch die Schweiz. Vollständig neu bearb. Ausgabe. Hrsg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte. Band 2. GSK, Bern 2005, ISBN 3-906131-96-3, S. 750–754, hier S. 752.
  19. ↑ Kapelle Sant’Antonio Abate mit Freitreppe (PDF; 11 kB)
  20. ↑ Monumentalfriedhof (PDF; 47 kB)
  21. 1 2 3 4 5 6 7 Kunstführer durch die Schweiz. Vollständig neu bearb. Ausgabe. Hrsg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte. Band 2. GSK, Bern 2005, ISBN 3-906131-96-3, S. 750–754, hier S. 753.
  22. ↑ Kunstführer durch die Schweiz. Vollständig neu bearb. Ausgabe. Hrsg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte. Band 2. GSK, Bern 2005, ISBN 3-906131-96-3, S. 750–754, hier S. 753 f.
  23. ↑ Parco Scherrer
  24. ↑ Parco Scherrer (PDF; 9 kB)
  25. ↑ Parco Scherrer auf ticino.ch
  26. ↑ Kunstführer durch die Schweiz. Vollständig neu bearb. Ausgabe. Hrsg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte. Band 2. GSK, Bern 2005, ISBN 3-906131-96-3, S. 750–754, hier S. 754.