| RPG-29 Wampir | |
|---|---|
| Allgemeine Information | |
| Militärische Bezeichnung | RPG-29 Wampir, 6G20, TKB-0175 |
| Einsatzland | Sowjetunion, Russland u. a. |
| Entwickler/Hersteller | NPO Basalt |
| Entwicklungsjahr | 1983 |
| Produktionszeit | 1989 bis heute |
| Waffenkategorie | Rückstoßfreie Panzerabwehrhandwaffe |
| Ausstattung | |
| Gesamtlänge | 1850 mm |
| Gewicht (ungeladen) | 12,1 kg |
| Technische Daten | |
| Kaliber | 105 mm |
| Kadenz | 4–6 Schuss/min |
| Feuerarten | Einzelfeuer |
| Visier | Offene Visierung |
| Listen zum Thema | |
Die RPG-29 Wampir (russisch РПГ-29 Вампир) ist eine in der Sowjetunion entwickelte rückstoßfreie Panzerabwehrhandwaffe mit Kaliber 105 mm. Im GRAU-Index wird die Waffe 6G20 bezeichnet und der Herstellerindex lautet TKB-0175.
Die Entwicklung des RPG-29 bei NPO Basalt startete im Jahr 1983. Die Waffe wurde zur Bekämpfung von Panzerfahrzeuge mit Verbundpanzerung und/oder Reaktivpanzerung konzipiert. Im Jahr 1986 begann die Serienfertigung und 1989 wurde die Waffe bei der Sowjetarmee eingeführt. Die RPG-29 wurde 1993 auf der Rüstungsmesse IDEX erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt. In Russland wurde die Waffe bis Anfang der 2000er-Jahre produziert. Daneben wird die Waffe u. a. in Brasilien, Bulgarien, Mexiko, Vietnam sowie im Iran bis heute im Lizenzbau hergestellt und exportiert. Im Jahr 2026 wurde auf der Rüstungsmesse WDS in Riad die Ausführung RPG-29M mit neuen Raketenmodellen vorgestellt.
Die RPG-29 ist eine rückstoßfreie Panzerabwehrhandwaffe zur Bekämpfung von Panzerfahrzeugen, Feldbefestigungen und Gebäudestrukturen. Die Waffe besteht aus einem Abschussrohr (Kaliber 105 mm) mit Visier und Abzug sowie verschiedenen Raketentypen, die von hinten in das Abschussrohr geschoben werden. Die RPG-29 hat schussbereit eine Länge von 1,85 m und wiegt 18,8–20 kg. Die Waffe wird von einem Trupp aus Schütze und Ladeschütze bedient. Der Schütz trägt die schussbereite RPG-29 und der Ladeschütze trägt 3–4 Raketen. Ein geübter Trupp kann 4–6 Raketen pro Minute abfeuern. Um die RPG-29 feuerbereit zu machen, werden rund 35 Sekunden benötigt und nach dem Abfeuern kann innerhalb weniger Sekunden eine weitere Rakete ins Abschussrohr geschoben werden. Fahrzeuge können auf eine Distanz von 500–600 m bekämpft werden. Bei der Bekämpfung von Gebäuden und Feldbefestigungen beträgt die maximale Einsatzdistanz im Direktschuss rund 700 m. Im Indirekten Feuer können Ziele auf bis zu 2 km beschossen werden. Die minimale Schussdistanz liegt bei 50 m.
Das Abschussrohr ist aus glasfaserverstärktem Kunststoff hergestellt. Zum Transport wird es in zwei Teile zerlegt und hat dann eine Länge von 1,0 m. Zusammengesetzt und feuerbereit beträgt die Länge 1,85 m. Unbeladen hat das Abschussrohr ein Gewicht von 12,1 kg. Auf der Unterseite befindet sich eine Schulterauflage, die ein präzises Zielen erleichtert, davor ein Pistolengriff mit dem Abzug. Weiter kann die Waffe auch auf ein Dreibein ausgesetzt werden. Das Abschussrohr hat eine Lebensdauer von 300 Schuss. Ab Werk wird das Abschussrohr mit dem PGO-29-Klappvisier mit Kimme und Korn ausgeliefert. Ergänzend kann an das Abschussrohr das 1P38-Zielfernrohr mit Strichplatte und 2,7facher Vergrößerung montiert werden. Für Nachtgefechte kann das 1P38-Zielfernrohr durch ein 1PN51-1/2, 1PN110 oder 1PN113-Zielfernrohr mit Restlichtverstärker ersetzt werden. Beim Einsatz ab dem Dreibein kann auf die Waffe die 2S35 (35Ts1000)-Zieleinrichtung mit Nachtsichtgerät sowie Laserentfernungsmesser montiert werden. Diese Zieleinrichtung wiegt rund 3 kg und erhöht die praktische Schussdistanz auf über 600 m.

Die Raketen werden von hinten in das Abschussrohr geschoben und dort elektrisch gezündet. Eine Rakete bestehen aus einem Feststoffraketentriebwerk und acht ausklappbaren Stabilisierungsflächen am Heck. Auf das Raketentriebwerk ist der Gefechtskopf mit dem Aufschlagzünder montiert. Das Raketentriebwerk verwendet einen schnell abbrennenden Raketentreibstoff auf der Basis von Pyroxylinpulver. Dieser Treibstoff ist bereits komplett abgebrannt, wenn die Rakete das Abschussrohr verlässt. Dabei beträgt die Mündungsgeschwindigkeit 230–255 m/s. Beim Verlassen des Abschussrohrs entfalten sich die Stabilisierungsflächen und die Rakete wird in langsame Drehung um die Längsachse versetzt. Von NPO Basalt und weiteren Herstellern werden verschiedene Raketentypen für die RPG-29 angeboten:
Die Rakete PG-29W wird bei der Bekämpfung von Kampfpanzern und anderen Panzerfahrzeugen verwendet. Als Gefechtskopf wird eine Tandemhohlladung verwendet. Diese kann über 750 mm Panzerstahl oder rund 1500 mm Stahlbeton durchschlagen. Die Rakete ist 1,1 m lang und hat ein Gewicht von 6,7 kg. Die praktische Schussdistanz gegen fahrende Ziele beträgt rund 300 m und gegen stehende Fahrzeuge rund 500 m.
Die Rakete PG-29WM wurde 2026 vorgestellt und wird bei der Bekämpfung von Kampfpanzern und anderen Panzerfahrzeugen verwendet. Als Gefechtskopf wird eine Tandemhohlladung verwendet. Die Rakete ist 1,05 m lang und hat ein Gewicht von 9 kg. Die praktische Schussdistanz beträgt rund 700 m.
Die Rakete TBG-29W kommt bei der Bekämpfung von Feldbefestigungen, Gebäudestrukturen und leicht gepanzerten Fahrzeugen zur Anwendung. Verwendet wird ein thermobarer Gefechtskopf. Der Gefechtskopf hat einen Wirkungsradius von über 5 m gegen lebende Ziele. Die Rakete ist 0,82 m lang und hat ein Gewicht von 2,65 kg. Die praktische Schussdistanz gegen Fahrzeuge beträgt rund 300 m und gegen Gebäude bis zu 1000 m.
Die Rakete TBG-29WM wurde 2026 vorgestellt und kommt bei der Bekämpfung von Feldbefestigungen, Gebäudestrukturen sowie leicht gepanzerten Fahrzeugen zur Anwendung. Verwendet wird ein thermobarer Gefechtskopf. Die Rakete ist 1,05 m lang und hat ein Gewicht von 9 kg. Die praktische Schussdistanz beträgt rund 1000 m.
Diese Rakete wird für den Einsatz gegen Feldbefestigungen und Infanterieziele verwendet. Es wird ein thermobarer Gefechtskopf mit Splittermantel verwendet. Der Gefechtskopf hat einen Wirkungsradius von rund 12 m gegen lebende Ziele. Die Rakete ist 1,25 m lang und hat ein Gewicht von 4,45 kg. Die praktische Schussdistanz gegen Infanterieziele beträgt rund 300 m und gegen Feldbefestigungen bis zu 1000 m.
Diese Rakete kommt bei der Bekämpfung von Infanteriezielen zum Einsatz. Verwendet wird ein Splitter-Gefechtskopf mit über 2000 Stahlkugeln der vor dem Ziel (Air Burst) oder mit Aufschlagzünder im Ziel detoniert. Der Gefechtskopf hat einen Wirkungsradius von rund 12 m gegen lebende Ziele. Die Rakete ist 0,92 m lang und hat ein Gewicht von 2,4 kg. Die praktische Schussdistanz beträgt 500 m.
Dieser Raketentyp kommt bei der Bekämpfung von Bunkern und Gebäudestrukturen zur Anwendung. Der Gefechtskopf besteht aus einer Vorhohlladung und einem anschließenden thermobaren Sprengkopf. Die Vorhohlladung kann rund 100 mm Stahl oder 300 mm Stahlbeton durchschlagen. Der thermobare Sprengkopf folgt durch die entstandene Öffnung und detoniert im Gebäudeinneren. Die Rakete ist 0,985 m lang und hat ein Gewicht von 4,45 kg. Die praktische Schussdistanz beträgt 500 m.
Dieser Raketentyp wurde 2026 vorgestellt und kommt bei der Bekämpfung von Bunkern und Gebäudestrukturen zur Anwendung. Der Gefechtskopf besteht aus einer Vorhohlladung und einem anschließenden thermobaren Sprengkopf. Die Vorhohlladung kann Stahl und Beton durchschlagen. Der thermobare Sprengkopf folgt durch die entstandene Öffnung und detoniert im Gebäudeinneren. Die Rakete ist 1,05 m lang und hat ein Gewicht von 9 kg. Die praktische Schussdistanz beträgt 1000 m.
Die RPG-29 wurde bei Konflikten wie der Zweite Tschetschenienkrieg (1999–2009), Irakkrieg (2003), Huthi-Konflikt (seit 2004), Libanonkrieg (2006) Syrische Bürgerkrieg (seit 2011), Aufstand im Irak (2011–2013), Bürgerkrieg im Irak (2013–2017), Operation Protective Edge (2014) sowie im Krieg in Israel und Gaza (seit 2023) eingesetzt. Dabei konnten mit der RPG-29 u. a. Kampfpanzer der Typen T-72, T-80, T-90, Merkava, Challenger 2 sowie M1 Abrams außer Gefecht gesetzt bzw. zerstört werden.
Neben den offiziellen Nutzerstaaten befinden, bzw. befanden sich eine unbekannte Anzahl der Waffen in den Händen von Paramilitärs und Widerstandsgruppen im Irak sowie in Afghanistan und Syrien. Weiter haben die Terrororganisationen Islamischer Staat, Hisbollah, Hamas und die Taliban die RPG-29 in ihren Beständen.