| RPG-18 Mucha | |
|---|---|
| Allgemeine Information | |
| Militärische Bezeichnung | RPG-18 Mucha, 6G12, TKB-076 |
| Einsatzland | Sowjetunion, Russland u. a. |
| Entwickler/Hersteller | NPO Basalt |
| Entwicklungsjahr | 1967 |
| Produktionszeit | 1972 bis 1993 |
| Waffenkategorie | Rückstoßfreie Panzerabwehrhandwaffe |
| Ausstattung | |
| Gesamtlänge | 1050 mm |
| Lauflänge | 1050 mm |
| Technische Daten | |
| Kaliber | 64 mm |
| Munitionszufuhr | Einweg-Waffe |
| Feuerarten | Einzelfeuer |
| Visier | Offene Visierung |
| Listen zum Thema | |
Die RPG-18 Mucha (russisch РПГ-18 „Муха“, deutsch Fliege) ist eine in der Sowjetunion entwickelte rückstoßfreie Panzerabwehrhandwaffe mit Kaliber 64 mm. Im GRAU-Index wird die Waffe 6G12 bezeichnet und der Herstellerindex lautet TKB-076. Die Abkürzung RPG steht für rutschnoi protiwotankowij granatomjot, zu deutsch etwa „von Hand bedienbarer Panzerabwehr-Granatwerfer“.
Die RPG-18 wurde ab 1967 von den leitenden Konstrukteuren W. Baraboschkin und I. Rogosin bei NPO Basalt entwickelt. Sie entstand als Gegenstück zur U.S. amerikanischen M72 LAW. Nach der Truppenerprobung 1971, wurden die ersten Waffen 1972 an die Sowjetarmee ausgeliefert. Bis zum Produktionsende im Jahr 1993 wurden rund 1,5 Mio. RPG-18 in der Sowjetunion hergestellt. Daneben wurde die Waffe in verschiedenen Staaten im Lizenzbau produziert. So auch in Jugoslawien, wo Ende der 1970er-Jahre ausgehend von der RPG-18 die M80 Zolja entstand. In der Sowjetarmee wurde die RPG-18 ab 1981 durch die verbesserte RPG-22 ersetzt.
Die RPG-18 ist eine Einweg-Panzerabwehrhandwaffe; das leergeschossene Abschussrohr wird nach Gebrauch weggeworfen. Die Waffe besteht aus einer Rakete in einem Abschussrohr. Die RPG-18 hat ein Kaliber von 64 mm und wiegt schussbereit 2,6 kg. Sie hat in Transportstellung eine Länge von 0,705 m und schussbereit 1,05 m. Das zylindrische Abschussrohr ist ein Teleskoprohr mit zwei Teilröhren. Das äußere Rohr besteht aus einem lackierten Verbundwerkstoff (GFK), das innere aus schwarzeloxiertem Aluminium. In Transportstellung sind die Rohrenden durch lackierterte Aluminiumkappen mit Moosgummidichtungen wasserdicht verschlossen.
Die PG-18-Rakete (GRAU-Index 7P11) hat ein Gewicht von 1,4 kg. Der Gefechtskopf besteht aus einer lackierten Aluminiumhülle mit der eingepressten Hohlladung. Über diese Hülle, den inneren Aluminiumkegel und den Reinst - Kupfertrichter wird die Zündspannung vom WP-16GSch-Piezoelement an den WP-18-Bodenzünder übertragen. Hinter dem Kupfertrichter ist 312 g Sprengstoff eingepresst. Anfänglich wurde A-IX-1 verwendet, welcher später durch OKFOL ersetzt wurde. Der WP-18-Bodenzünder zündet dann die Hohlladung mit einem 20-g-Detonator aus Nitropenta, der sich unter dem Kupfertrichter und einer Kunststofflinse befindet. Gefechtskopf und Triebwerk sind verschraubt und mit Gummidichtmasse abgedichtet. Das Raketentriebwerk besteht aus einem gehärteten Stahlrohr mit einem Brennkammerkopf aus festem, eloxierten Aluminium und einer Lavaldüse mit vier Stabilisierungsflügeln aus dem gleichen Material. Als Raketentreibstoff wird eingepresstes PPK-5-Pulver auf Basis von Cellulosenitrat verwendet. Dieser Treibstoff brennt bei maximal −50 Grad Celsius 12 ms – der Brennschluss ist vor Verlassen des Abschussrohrs, was die Sicherheit des Schützen gewährleistet und Verbrennungen durch die Treibgase verhindert. Der gesamte Aufbau ist dicht verschraubt und mit Epoxy verklebt. Das Raketentriebwerk wird mit einem Anzündhütchen mit einer Schwarzpulvertablette über einen Kunststoffschlauch gezündet. Das heißt die Verbrennungsgase der Schwarzpulvertablette entzünden ein auf der Treibladung vor der Austrittsdüse befindliches Schwarzpulversäckchen, welches einem Kaffeepad ähnelt. Die Düse ist mit einer Stopfenkombination und die vier für den Drall nötigen Austrittsöffnungen im Brennkammerkopf mit Plättchen und Lack abgedichtet.

In der Sowjetarmee wurde die RPG-18 zusammen mit der RPG-7 eingesetzt, um die Panzerabwehrdichte unmittelbar (etwa 100 m) vor den eigenen Stellungen deutlich zu erhöhen. Aufgrund ihres geringen Gewichtes und den kleinen Abmessungen wurde die Waffe auch bei der sowjetischen Marineinfanterie sowie bei den Gebirgs- und Luftlandetruppen verwendet. Die optimale Schussdistanz liegt zwischen 50 und 150 m, danach nimmt die Streuung zu und die Treffererwartung sinkt deutlich.
Damit eine richtige Bedienung der RPG-18 auch durch nicht oder kaum ausgebildete Personen erfolgen kann, ist eine einfache Bedienungsanleitung (Text und Bilder) auf der Waffe aufgebracht. Um die RPG-18 gefechtsbereit zu machen, muss das Teleskoprohr auseinandergezogen werden. Dabei wird hinten am Rohrende ein Sicherungs-Splint gezogen und das Teleskoprohr nach hinten herausgezogen. Dadurch öffnet sich die vordere Kunststoffkappe, und Klappvisiere springen in vertikale Position. Das hintere Klappvisier ist gleichzeitig die Waffensicherung. Ein erneutes Zusammenschieben des Abschussrohrs ist nicht vorgesehen. Für den Stellungswechsel kann die RPG-18 durch Herunterklappen des hinteren Klappvisiers gesichert werden. Von versierten Schützen kann die Waffe aber ohne Weiteres entspannen und wieder zusammengeschoben werden. Durch das Herunterziehen des Spannhebels ist die Waffe schussbereit. Die Leistung des Raketentriebwerks unterliegt temperaturbedingten Schwankungen. Daher sind bei dem hinteren Klappvisier übereinander zwei Diopter montiert; das obere für die Verwendung bei Minustemperaturen und das untere für Plustemperaturen. Der Einsatz in Gebäuden ist wegen des nach hinten austretenden Abgasstrahls nicht möglich.
Unmittelbar nach dem Abschuss wird die Rakete in langsame Drehung versetzt und die Stabilisierungsflügel klappen auf. Bei einer Temperatur von +15 °C hat die Rakete Mündungsgeschwindigkeit von etwa 114 m/s. Der Zünder wird etwa 10 m nach dem Verlassen des Abschussrohres scharf (sogen. Vorrohrsicherung). Beim Auftreffen auf das Ziel wird die Hohlladung durch den Bodenzünder oder beim Verfehlen des Zieles durch eine im Bodenzünder enthaltene pyrotechnische Selbstzerstörungseinrichtung nach ca. 6 Sekunden Flugzeit gezündet. Letzteres geschieht, um bei Fehlschüssen Blindgänger zu vermeiden. Der Hohlladungsstachel (auch „gebündelter kumulativer Explosionsstrahl“ genannt) hat eine Durchschlagsleistung von 300 bis 375 mm Panzerstahl, 0,5 m Stahlbeton oder 1 m Mauerwerk. Im Fokus (Auftreffpunkt) ist die Fläche des Hohlladungsstachels etwa 1 cm² groß.
Daten aus:
Neben den offiziellen Nutzerstaaten befinden, bzw. befanden sich eine unbekannte Anzahl RPG-18 in den Händen von Paramilitärs, Widerstandsgruppen und Terrororganisationen.