| RPG-26 Aglen | |
|---|---|
| Allgemeine Information | |
| Militärische Bezeichnung | RPG-26 Aglen, 6G19 |
| Einsatzland | Sowjetunion, Russland u. a. |
| Entwickler/Hersteller | NPO Basalt |
| Entwicklungsjahr | 1980 |
| Produktionszeit | 1985 bis jetzt |
| Waffenkategorie | Rückstoßfreie Panzerabwehrhandwaffe |
| Ausstattung | |
| Gesamtlänge | 770 mm |
| Lauflänge | 770 mm |
| Technische Daten | |
| Kaliber | 72,5 mm |
| Munitionszufuhr | Einweg-Waffe |
| Feuerarten | Einzelfeuer |
| Visier | Offene Visierung |
| Listen zum Thema | |
Die RPG-26 Aglen (russisch РПГ-26 Аглень) ist eine in der Sowjetunion entwickelte rückstoßfreie Panzerabwehrhandwaffe mit Kaliber 72,5 mm. Im GRAU-Index wird die Waffe 6G19 bezeichnet.
Die RPG-26 entstand als eine Weiterentwicklung der RPG-22. Ziel war es, die Handhabung der Waffe zu Vereinfachen und die Durchschlagskraft zu erhöhen. Die RPG-26 wurde ab 1980 vom leitenden Konstrukteur W. Tokarew bei NPO Basalt entwickelt. Nach den Abnahmetests durch die Staatsbehörde 1983 und der Truppenerprobung 1984, wurden die ersten Waffen im Mai 1985 an die Sowjetarmee ausgeliefert. Die RPG-26 wird noch heute in Russland produziert und in Georgien und Jordanien im Lizenzbau hergestellt. Weiter wurde auch die Trainingsvariante PUI-26 entwickelt, die eine Unterkaliberrakete aus Kunststoff verschießt. Daneben entstand auf Basis der RPG-26 die RSchG-2 mit einem thermobaren Gefechtskopf.
Die RPG-26 ist eine Einweg-Panzerabwehrhandwaffe zur Bekämpfung von Kampfpanzern und Panzerfahrzeugen. Die Waffe hat ein Kaliber von 72,5 mm, wiegt schussbereit 2,9 kg und hat eine Länge von 0,77 m.
Die Waffe besteht aus einer Rakete in einem Abschussrohr. Dieses muss vor Gebrauch nicht mehr wie bei den Vorgängermodellen RPG-18 und RPG-22 auseinandergezogen werden. Das Abschussrohr ist aus glasfaserverstärktem Kunststoff gefertigt. Oben auf dem Rohr befinden sich eine Spannstange, der unter Gummischutz liegende Abschussknopf sowie die Klappvisiere. Diese bestehen aus einem hinten liegenden Diopter sowie einer vorne angebrachten Zielmarke (Korn bzw. Rahmenvisier). In letzterer sind Entfernungsmarkierungen für 50, 150 und 250 m vorhanden. Seitlich am Abschussrohr ist ein Tragriemen angebracht, sowie eine Anleitung mit Bildfolge und Text, zum Bedienen der Waffe. Die Rohrenden sind mit Kunststoffkappen wasserdicht verschlossen.
Im Abschussrohr befindet sich die PG-26W-Rakete (GRAU-Index 7P27) mit einem Gewicht von 1,8 kg. Die Rakete besteht aus dem überkalibrigen Gefechtskopf (Durchmesser 72,5 mm) im vorderen Teil sowie dem dahinter verbauten Feststoffraketentriebwerk. Das Raketentriebwerk verwendet einen schnell abbrennenden Raketentreibstoff auf der Basis von Cellulosenitrat (Pyroxylinpulver), welches in röhrenförmigen Bündeln verbaut ist. Dieser Treibstoff ist bereits komplett abgebrannt, wenn die Rakete das Abschussrohr verlässt. Hinten am Raketentriebwerk sind neben der Lavaldüse vier federgespannte Stabilisierungsflügel montiert. Als Gefechtskopf wird eine Hohlladung verwendet. In dieser befindet sich vorne eine Einlage bzw. Auskleidung (englisch Liner) aus Kupfer und dahinter ist 570 g OKFOL eingepresst. Hinten in der Sprengstofffüllung ist eine kleine Verstärkerladung mit Nitropenta einlaboriert. Dahinter aufgesetzt ist der piezoelektrische WP-26-Aufschlagzünder.

Bei der Bekämpfung von fahrenden Fahrzeugen hat die RPG-26 eine Effektive Reichweite von etwa 170 m. Stehende Fahrzeuge können auf eine maximale Distanz von 250 m bekämpft werden.
Die RPG-26 kann von einem einzelnen Soldaten getragen und eingesetzt werden. Die Waffe kann geschultert, liegend, kniend oder stehend abgefeuert werden. Aufgrund der nach hinten austretenden Verbrennungsgase besteht hinter der Waffe in einem Winkel von 90° ein Gefahrenbereich von 30 m Länge, der beim Abschuss nicht betreten werden darf. Auch kann aufgrund des Abgasstrahls die RPG-26 nicht aus kleinen, geschlossenen Räumen abgefeuert werden. Um die RPG-26 feuerbereit zu machen, werden 5 bis 8 Sekunden benötigt. Dazu klappt der Schütze vorne das Korn und hinten den Diopter hoch. Jetzt muss er vorne, unterhalb des Diopters, noch den Sicherungs-Splint herausziehen, womit die Waffe schussbereit und entsichert ist. Da sich die Raketenflugbahn temperaturabhängig ändert, wird am Diopter durch drehen die entsprechende Höhe eingestellt: „+“ für +15 °C, „±15“ für −15 °C, bis +15 °C und „–“ für Temperaturen unter +15 °C. Mit dem Herunterklappen des Diopters kann die Waffe wieder gesichert werden. Durch das Drücken des Abschussknopfes auf der entsicherten Waffe, wird mit einem Perkussionszünder die PG-26W-Rakete abgefeuert. Dabei beträgt die Mündungsgeschwindigkeit 143 bis 145 m/s. Beim Verlassen des Abschussrohrs entfalten sich die Stabilisierungsflügel und die Rakete wird in langsame Drehung um die Längsachse versetzt. Nach einer Flugdistanz von 15 m ist der Zünder scharf. Beim Auftreffen im Ziel wird durch den WP-26-Aufschlagzünder die Hohlladung zur Detonation gebracht. Diese hat eine Durchschlagsleistung von rund 440 mm Panzerstahl, 1 m Stahlbeton oder 1,5 m Mauerwerk. Wird das Ziel verfehlt, wird die Hohlladung 3,5 bis 6,5 Sekunden nach dem Abschuss mit einem Zeitzünder zur Explosion gebracht (Selbstzerstörung). Das leergeschossene Abschussrohr wird nach Gebrauch weggeworfen.
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