| RPG-27 Tawolga | |
|---|---|
| Allgemeine Information | |
| Militärische Bezeichnung | RPG-27 Tawolga, 6G22, TKB-0174 |
| Einsatzland | Sowjetunion, Russland u. a. |
| Entwickler/Hersteller | NPO Basalt |
| Entwicklungsjahr | 1983 |
| Produktionszeit | 1989 bis jetzt |
| Waffenkategorie | Rückstoßfreie Panzerabwehrhandwaffe |
| Ausstattung | |
| Gesamtlänge | 1.135 mm |
| Lauflänge | 1.135 mm |
| Technische Daten | |
| Kaliber | 105 mm |
| Munitionszufuhr | Einweg-Waffe |
| Feuerarten | Einzelfeuer |
| Visier | Offene Visierung |
| Listen zum Thema | |
Die RPG-27 Tawolga (russisch РПГ-27 Таволга) ist eine in der Sowjetunion entwickelte rückstoßfreie Panzerabwehrhandwaffe mit Kaliber 105 mm. Im GRAU-Index wird die Waffe 6G22 bezeichnet und der Herstellerindex lautet TKB-0174.
Die RPG-27 wurde entwickelt, um Kampfpanzer mit Verbundpanzerung und Reaktivpanzerung zu bekämpfen. Entwickelt wurde die Waffe ab 1983 bei NPO Basalt. Nach den Abnahmetests durch die Staatsbehörde und der Truppenerprobung im August 1988, wurden die ersten Waffen 1989 an die Sowjetarmee ausgeliefert. Die RPG-27 wird noch heute in Russland produziert und in Jordanien und im Iran im Lizenzbau hergestellt. Weiter wurde auch die Trainingsvariante PUI-27 entwickelt, die eine Unterkaliberrakete aus Kunststoff verschießt. Daneben entstand auf Basis der RPG-27 die RSchG-1 mit einem thermobaren Gefechtskopf sowie die RMG mit einem Mehrzweckgefechtskopf.
Die RPG-27 ist eine Einweg-Panzerabwehrhandwaffe zur Bekämpfung von Kampfpanzern und Panzerfahrzeugen. Die Waffe hat ein Kaliber von 105 mm, wiegt schussbereit 8,3 kg und hat eine Länge von 1,135 m.
Die Waffe besteht aus einer Rakete in einem Abschussrohr. Das Rohr ist aus glasfaserverstärktem Kunststoff gefertigt. Oben auf dem Rohr befinden sich eine Spannstange, der unter Gummischutz liegende Abschussknopf sowie die Klappvisiere. Diese bestehen aus einem hinten liegenden Diopter sowie einer vorne angebrachten Zielmarke (Korn bzw. Rahmenvisier). In letzterer sind Entfernungsmarkierungen für 50, 100, 150 und 200 m vorhanden. Seitlich am Abschussrohr ist ein Tragriemen angebracht, sowie eine Anleitung mit Bildfolge und Text, zum Bedienen der Waffe. Die Rohrenden sind mit Kunststoffkappen wasserdicht verschlossen.
Im Abschussrohr befindet sich die PG-27W-Rakete (GRAU-Index 7P30) mit einem Gewicht von 5 kg. Die Rakete besteht aus dem überkalibrigen Gefechtskopf im vorderen Teil sowie dem dahinter verbauten Feststoffraketentriebwerk. Das Raketentriebwerk verwendet einen schnell abbrennenden Raketentreibstoff auf der Basis von Cellulosenitrat (Pyroxylinpulver), welches in röhrenförmigen Bündeln verbaut ist. Dieser Treibstoff ist bereits komplett abgebrannt, wenn die Rakete das Abschussrohr verlässt. Hinten am Raketentriebwerk sind neben der Lavaldüse sechs federgespannte Stabilisierungsflügel montiert. Als Gefechtskopf wird eine Tandemhohlladung verwendet. Diese besteht aus einem Abstandsdorn mit Durchmesser 64 mm, in welchem die Vorhohlladung mit dem K-728-Zünder verbaut ist. Die Haupt-Hohlladung hat einen Durchmesser von 105 mm. In dieser befindet sich vorne eine Einlage bzw. Auskleidung (englisch Liner) aus Kupfer und dahinter ist 1,79 kg OKFOL eingepresst. Hinten in der Sprengstofffüllung ist der piezoelektrische W-728-Aufschlagzünder verbaut.
Bei der Bekämpfung von fahrenden Fahrzeugen hat die RPG-26 eine Effektive Reichweite von 140 bis 150 m. Stehende Fahrzeuge können auf eine maximale Distanz von 200 m bekämpft werden. Die maximale Schussdistanz beträgt 600 m.
Die RPG-26 kann von einem einzelnen Soldaten getragen und eingesetzt werden. Die Waffe kann geschultert, liegend, kniend oder stehend abgefeuert werden. Aufgrund der nach hinten austretenden Verbrennungsgase besteht hinter der Waffe in einem Winkel von 90° ein Gefahrenbereich von 30 m Länge, der beim Abschuss nicht betreten werden darf. Auch kann aufgrund des Abgasstrahls die RPG-26 nicht aus kleinen, geschlossenen Räumen abgefeuert werden. Um die RPG-26 feuerbereit zu machen, werden 5 bis 8 Sekunden benötigt. Dazu klappt der Schütze vorne das Korn und hinten den Diopter hoch. Jetzt muss er vorne, unterhalb des Diopters noch den Sicherungs-Splint rauzuziehen, womit die Waffe schussbereit und entsichert ist. Da sich die Raketenflugbahn temperaturabhängig ändert, wird am Diopter durch drehen die entsprechende Höhe eingestellt: „+“ für +15 °C, „±15“ für −15 °C, bis +15 °C und „–“ für Temperaturen unter +15 °C. Mit dem Herunterklappen des Diopters kann die Waffe wieder gesichert werden. Durch das Drücken des Abschussknopfes auf der entsicherten Waffe, wird mit einem Perkussionszünder die PG-26W-Rakete abgefeuert. Dabei beträgt die Mündungsgeschwindigkeit 120–130 m/s. Beim Verlassen des Abschussrohrs entfalten sich die Stabilisierungsflügel und die Rakete wird in langsame Drehung um die Längsachse versetzt. Nach einer Flugdistanz von 15 m ist der Zünder scharf. Beim Auftreffen im Ziel wird durch den Aufschlagzünder die Tandemhohlladung zur Detonation gebracht. Diese hat eine Durchschlagsleistung von rund 750 mm Panzerstahl bzw. 600 mm Panzerstahl nach dem Durchschlagen von Reaktivpanzerung. Weiter können 1,5 m Stahlbeton oder 2 m Mauerwerk durchschlagen werden. Wird das Ziel verfehlt, wird die Hohlladung rund 6 Sekunden nach dem Abschuss mit einem Zeitzünder zur Explosion gebracht (Selbstzerstörung). Das leergeschossene Abschussrohr wird nach Gebrauch weggeworfen.
Daten aus: