Durch das Pfarrdorf fließt der Rösgraben, ein rechter Zufluss des Schreinermühlbachs, der wiederum ein linker Zufluss der Altmühl ist. Im Westen grenzt der Steinbachforst an, 0,75km nordwestlich liegt das Röther Holz. Im Süden liegt das Flurgebiet Am Judenweg, 0,75km südwestlich liegt der Schulberg (429mü.NHN). 1km westlich bei dem Tieffeld gibt es einen Modellflugplatz.
Geschichte
Aus dem Grundwort des Ortsnamens „-zell“ kann geschlossen werden, dass der Ort von einem Kloster gegründet wurde. In Frage kommt hierfür das Herriedener Benediktinerkloster St.Vitus. Da das Kloster nur von 797 bis 888 bestand, muss der Ort in diesem Zeitraum gegründet worden sein. Das Bestimmungswort des Ortsnamens „Rauh“ verweist auf die Herstellung von Rauhwaren.
Im Geographischen statistisch-topographischen Lexikon von Franken (1801) wird der Ort folgendermaßen beschrieben:
„Rauenzell,Eichstättisches Pfarrdorf im Fraischbezirke des AnsbachischenOberamts Ansbach, liegt eine kleine Stunde von Herrieden etwas südöstlich entfernt, im Altmühlgrunde an einem Bache, der zwischen den gegen Osten stehenden 2 Bergen herkömmt, die Rös- und Kugelmühle vor, die Dorfsmühle aber an dem Dorfe Rauenzell, durch welchen Ort er lauft, und darnach noch eine Mühle am Koeweyher treibt, zwischen Rauenzell und Leutenbuch noch eine andere Quelle, die nordöstlich zwischen dem Roeser Holz und Ebersberg herkömmt, aufnimmt, und, damit vereinigt, bey Seligendorf in die Altmühl fällt. Zum Ober- und Stadtvogteyamte Wahrberg-Herrieden gehört die Dorfs- und Gemeindsherrlichkeit, der Hirtenstab, der Frevel inner Etters und auf der Gasse, das alte und neue Umgeld, der Kirchweyhschutz und der Kirchensatz mit allen 35 Unterthanen, bis auf einen, der zum auch fürstlich Eichstättischen Steueramte des Kollegiatstiftes Herrieden gehörig ist. Nebst dem Pfarr- Gottes- und Schulhause sind 1 Forsthaus, 2 Hirtenhäuser, eine Gemeindsbadstube und 2 Wirthshäuser allda. 15 Haushaltungen allda haben Holztheile zu 1, anderthalb, auch 3 Klafter. Rauenzell war ehedem ein Filial von Burgoberbach. Bey dem bekannten Mangel an Priestern wurden beyde Kirchen, so wie jene zu Großenried, durch [Sp.433] einen Kanoniker von Herrieden aus versehen, der in jedem dieser 3 Orte celebrirte. Als aber im 14Jahrhunderte die berühmte Wallfahrt zu St.Salvator im Steinbach (s. St. Salvator, wovon das Mehrere davon samt der ganzen Entstehungsgeschichte zu finden ist), aufgekommen ist, und durch die dahin gebrachten Opfer die Kirchengüter so zugenommen haben, daß Rauenzell zu einer eignen Pfarre erhoben und genugsam dotiert werden konnte, wurde sie selbstständig, von Burgoberbach getrennt und am 11. Oktober 1452 vom Eichstättischen Bischoffe, JohannIII von Eych, als eine eigne Pfarre bestätigt. Dieses Dorf hat nebst der Pfarrkirche zu U. L. Fr. noch 2 Kapellen, als jene des Johann Baptist auf dem Gottesacker und die Salvatorskapelle im Walde Steinbach, welches die älteste Wallfahrt im ganzen Bisthume Eichstätt ist. Eingepfarrt sind nach Rauenzell: 1) Velden, 2) Winkel, 3) Dietersdorf und 4) Röß mit der Röß- Kugel- Rauenzeller Dorfs- und Koeweyhermühle.“
In der Nähe des Ortes stehen die Reste der ehemaligen Wallfahrtskirche St.Salvator. In Rauenzell gibt es die katholische Pfarrei Mariä Heimsuchung mit Kirche, Friedhof und Kindergarten.
Am Judenweg; Veldener Straße: Bildstock, historisierend, 1923; am Ortsausgang Richtung Velden.
Am Schutz 32: Ausleger mit Wirtshausschild, wohl späteres 18. Jahrhundert
Bodenwiesen; St 2249: Wegkreuz, gusseisernes Kruzifix mit Marienfigur auf Sandsteinsockel, um 1880/90; 500 Meter außerhalb an der Straße nach Herrieden
Breitfeld: Bildstock, achtseitiger Pfeiler mit viergiebeligem Aufsatz, spätmittelalterlich, daneben freistehender Steinaltar, wohl gleichzeitig; am Fußweg nach Herrieden, etwa 900 m westlich außerhalb des Ortes
Eisenfeld: Wegkreuz, gusseisernes Kruzifix auf Sandsteinsockel, zweite Hälfte 19. Jahrhundert, 1,4 Kilometer vor dem Ortsausgang in Richtung Rös
Fuchsloch: Wegkreuz, gusseisernes Kruzifix auf Sandsteinsockel, spätes 19. Jahrhundert, 2 Kilometer vor dem Ortsausgang in Richtung Rös
Nähe Veldener Straße: Wegkapelle, kleiner massiver Satteldachbau, Natursteinquader, mit Muttergottesfigur, bezeichnet 1848, am südlichen Ortsrand bei Veldener Straße 6
Röser Straße 2: Relief Heilige Anna Selbdritt, im Giebel eingemauert, zweite Hälfte 16. Jahrhundert, von der abgegangenen Wallfahrtskirche.
Steinbach-Trüdinger Forst: Bildstock, massiv, vorkragendes Giebelgehäuse mit Satteldachabschluss und Rundbogennischen, wohl spätmittelalterlich, im Steinbachwald, etwa 500 Meter südöstlich der Pfarrkirche
Steinbach-Trüdinger Forst: Bildstock, spätmittelalterlich, vorkragendes Giebelgehäuse und Rundbogennischen; im Steinbachwald, etwa 1000 Meter südöstlich der Pfarrkirche
Zum Steinbachwald 4: Bildstock, Steinpfeiler mit Blechkreuz, 18. Jahrhundert, an der Hauptstraße nördlich der Brücke
Zum Steinbachwald 21: Katholische Friedhofskapelle St. Johann, quadratischer, außen achteckiger gewölbter Raum, 15. Jahrhundert, verändert im 17. und 18. Jahrhundert, langhausartiger Westvorbau 1950, mit Ausstattung
Zum Steinbachwald 21: Friedhof, ummauerte ehemalige Wehranlage, Grabdenkmäler, 19./20. Jahrhundert Gusseisenkruzifixus, um 1900, bei der Kirche
Zum Steinbachwald 21: Katholische Pfarrkirche Mariä Heimsuchung, einschiffiger flachgedeckter Bau mit eingezogenem Chor, 14./15. Jahrhundert, Westturm 1748, Verlängerung nach Osten 1821, Vorzeichen und Ölbergnische mit volkstümlichen Figuren, wohl 17. Jahrhundert nach Vorbild des 15. Jahrhunderts, mit Ausstattung; Gusseisenkruzifix, neben der Kirche, um 1900; katholische Friedhofskapelle St. Johann, quadratischer, außen achteckiger gewölbter Raum, 15. Jahrhundert, verändert im 17. und 18. Jahrhundert, langhausartiger Westvorbau 1950; Friedhofsummauerung, ehemalige Wehranlage, wohl spätmittelalterlich, Veränderungen 19./20. Jahrhundert
Zum Steinbachwald 23: Pfarrscheune, Fachwerkbau, mit massivem Erdgeschoss, 18. Jahrhundert, im Inneren Bauteile und Balkenkonstruktion, 1616
Zum Steinbachwald 23: Pfarrhaus, zweigeschossiges Gebäude mit Mansardwalmdach, nach Plänen von Anton Meyer, 1788; Scheune, eingeschossiger Bau mit Halbwalmdach, in Teilen Fachwerk, 18. Jahrhundert, im Inneren Bauteile und Balkenkonstruktion, 1616; erhaltene Teile der Einfriedung, gusseiserner Zaun und Steinpfeiler, um 1900
Der Ort ist römisch-katholisch geprägt und Sitz der Pfarrei Mariä Heimsuchung. Die Einwohner evangelisch-lutherischer Konfession waren ursprünglich nach Sommersdorf gepfarrt, seit Mitte des 20.Jahrhunderts ist die Pfarrei Christuskirche (Herrieden) zuständig.
Josef Göppel:Rauenzell – Die Wallfahrt im Wald. In: Stadt Herrieden (Hrsg.): Herrieden. Stadt an der Altmühl. Fritz Majer & Sohn, Leutershausen 1982, ISBN 3-922175-08-2, S.280–303.