Rimella

Rimella
Rimella (Italien)
Rimella (Italien)
Staat Italien
Region Piemont
Provinz Vercelli (VC)
Koordinaten 45° 54′ N, 8° 11′ OKoordinaten: 45° 54′ 0″ N, 8° 11′ 0″ O
Höhe 1176 m s.l.m.
Fläche 26,27 km²
Einwohner 139 (31. Dez. 2025)
Fraktionen Chiesa (zar Chiljchu), Grondo (Grund), Pianello (en d Aggu), Prati (en Matte), Riva (Rivu), Roncaccio Inferiore (en du Nidru), Roncaccio Superiore (en dun Obru), San Gottardo (Rund), Sant’Anna (Tossu), Sant’Antonio (zun Gràziànu), Sella (Ŝchàttàl), Villa Inferiore (Nìderdörf), Villa Superiore (Oberdörf) 
Postleitzahl 13020
Vorwahl 0163
ISTAT-Nummer 002113
Bezeichnung der Bewohner Rimellesi
Schutzpatron San Michele
Website Gemeinde Rimella

Lage von der Gemeinde Rimella in der Provinz Vercelli

Rimella (walserdeutsch Remmalju, piemontesisch Rimela) ist eine Walsergemeinde in der italienischen Provinz Vercelli (VC), Region Piemont.

Lage und Einwohner

Geographie

Die Gemeinde Rimella liegt rund 92 Kilometer von der Provinzhauptstadt Vercelli im Val Mastallone, einem Seitental des oberen Valsesia-Flusses, der bei Varallo ins Haupttal mündet.

Das Gemeindegebiet umfasst die Talkessel des Landwassers und des Enderwassers (Henderwassers) und hat kein eigentliches Ortszentrum, sondern umfasst 15 Weiler, über die sich die 139 Einwohner (Stand 31. Dezember 2025) verteilen, so weit sie überhaupt noch ständig bewohnt sind.

Die Nachbargemeinden sind Bannio Anzino, Calasca-Castiglione, Cravagliana, Fobello und Valstrona. Rimella ist die nördlichste Gemeinde der Provinz Vercelli und grenzt an die Provinz Verbano-Cusio-Ossola.

Bevölkerungsentwicklung

Aufgrund seiner schwachen Wirtschaftsstruktur ist die Bergbauerngemeinde Rimella heute akut von Entvölkerung bedroht. Seit der Volkszählung 1871 ist die Bevölkerung um 90 % zurückgegangen.

Verkehrsanbindung

Rimella ist mit der Strada provinciale SP9 und ab Varallo die SP299 nach 54 Kilometer mit der Autobahn A26 bei Ghemme verbunden. Über Omegna ist Verbania (65 km) und Domodossola (87 km) zu erreichen.

Im 22 Kilometer entfernten Varallo ist die Endstation der Bahnstrecke Novara–Varallo. Sie wird derzeit nur als Touristenbahn und für den Güterverkehr auf dem Abschnitt Novara – Romagnano Sesia genutzt. Die Wiedereröffnung für den Regionalverkehr ist jedoch bis 2026 geplant. Die Modernisierungsarbeiten zur Vorbereitung auf die Wiederaufnahme des Regionalverkehrs begannen im Januar 2024.

Ab Varallo gibt es täglich 4 bis 5 Verbindungen auf der Buslinie Varallo – Cravagliana – Fobello – Rimella (außer sonntags).

Blick auf Rimella, Ortsteil Chiesa / Chiljchu
Ortsteil Sella / Ŝchàttàl
Ortsteil San Gottardo / Rund
Alpe Pianello / Bédemje

Geschichte und Sprache

Zweisprachiges Begrüßungsschild («Willkommen in Rimella, im Land der Walserleute»)
Zweisprachige Wegweiser in Italienisch und Tittschu (Rimelladeutsch)

Das Kloster San Giulio in Orta besaßen im Mittelalter große Alpflächen im obersten Val Mastallone und im Valstrona. Die Alp Rimella wird erstmals 1011 und erneut 1228 in Urkunden der Klöster genannt.

1255 wurden die damaligen Alpen Rimella und Rotunda von drei Männern aus dem schweizerischen Wallis, nämlich Johannes aus Visperterminen sowie Ancelmus Sohn des Johannis de monte und Guillelmus aus Saas-Balen vom Kapitel San Giulio d’Orta gepachtet. Bereits ein gutes Jahr später gesellten sich zu diesen drei ersten Pächtern neun weitere, mit einer Ausnahme ebenfalls aus dem Wallis stammende Familienoberhäupter. In einer dritten Urkunde von 1270 waren die am Pachtvertrag Beteiligten schon so zahlreich, dass nun in Gruppen zusammengefasste Personengemeinschaften durch ihre Vertreter unterschrieben.

Noch in den 1970er Jahren war Rimella deshalb eine ausschließlich walserdeutschsprachige Gemeinde, wobei Verwaltungs-, Schul- und Kirchensprache schon seit langem Italienisch sind.

Infolge des Bevölkerungsrückgangs sind inzwischen alle drei Grundschulen geschlossen: diejenige in Sant'Antonio seit 1959, die in San Gottardo seit 1975 und diejenige in Chiesa seit 1993.

Persönlichkeiten

Film

In der Dokumentation Peak – Über allen Gipfeln aus dem Jahr 2011 werden einige Bewohner Rimellas und ihre Lebenssituation geschildert. Hinzu kommen Filmprojekte von Studierenden der Universität Potsdam, in denen die Einwohner von Rimella und ihr Leben vorgestellt werden.

Literatur

Commons: Rimella – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ Bilancio demografico e popolazione residente per sesso al 31 dicembre 2025. ISTAT. (Bevölkerungsstatistiken des Istituto Nazionale di Statistica, Stand 31. Dezember 2025).
  2. ↑ Marco Bauen: Sprachgemischter Mundartausdruck in Rimella (Valsesia, Piemont). Zur Syntax eines südwalserischen Dialekts im Spannungsfeld der italienischen Landes- und Kultursprache (= Sprache und Dichtung. N. F. Band 28). Bern/Stuttgart 1978, S. 22.
  3. ↑ Museumsbahn Varallo, auf fondazionefs.it
  4. ↑ Silke La Rose: Walser Recht ennetbirgen – Ein Beitrag zu Ursprung und Verlaufsbedingungen der Walserwanderung. Teil II: Rimella und Alagna. In: Wir Walser 1 (2006) 7–17.
  5. ↑ Marco Bauen: Sprachgemischter Mundartausdruck in Rimella (Valsesia, Piemont). Zur Syntax eines südwalserischen Dialekts im Spannungsfeld der italienischen Landes- und Kultursprache. Bern und Stuttgart 1978.
  6. ↑ Silvia Dal Negro (Hrsg.): Parlare walser in Piemonte. Archvio sonoro delle parlate walser. Mercurio, Vercelli 2006, S. 13.
  7. ↑ Casimiro Debiaggi: Dizionario degli artisti valsesiani dal secolo XIV al XX. Società conservazione opere arte monumenti Valsesia, Varallo 1968, S. 40.
  8. ↑ Peak – Über allen Gipfeln auf cinefacts.de, abgerufen am 3. Februar 2015.
  9. ↑ Zum Beispiel Randzonen der Verstädterung auf uni-potsdam.de, abgerufen am 24. September 2021. Dort findet sich auch das Audio-Feature Ein Leben jenseits der Idylle, entstanden 2020, und der Film Rimella. Erlebte Erinnerung – Erinnerungen erleben, entstanden 2021.