Der Yang-Stil (chinesisch 楊式 / 杨式, Pinyin Yángshì oder 楊氏 / 杨氏, Yángshì bzw. 楊家 / 杨家, Yángjiā) der chinesischen Kampfkunst Taijiquan ist der zweitälteste der fünf „Familienstile“. Der Yang-Stil in seinen verschiedenen Ausprägungen ist der weltweit verbreitetste Stil. Der Name bezieht sich auf die Familie Yang oder Yeung a, die diesen Stil über Generationen entwickelt hat. Yang-Stil Taijiquan zeichnet sich durch besonders weiche und gleichmäßig fließende Bewegungen aus.
Der Begründer des Yang-Stils, Yang Luchan (chinesisch 楊露禪, Pinyin Yáng Lùchán, W.-G. Yang Lu-ch’an, 1799–1872), lernte Taijiquan von Chen Changxing (陳長興, Chén Zhǎngxìng, Ch’en Chang-hsing; * 1771; † 1853) in Chenjiagou (陳家溝). Einige seiner Schüler wurden zu den Gründern anderer Familienstile.
Nach der mündlichen Tradition der Yang-Familie hat Chen Changxing seine Kunst von einem Fremden, Jiang Fa (蔣法, Jiǎng Fǎ, Chiang Fa), einem Tofumacher aus Xi’an (Shaanxi), gelernt, der dafür zwei Jahre lang in Chenjiagou blieb. Jiang Fa's Traditionslinie soll bis zu Zhang Sanfeng (張三豐, Zhāng Sānfēng, Chang San-Feng) zurückreichen.
Yang Lu-chan hatte drei Söhne; der erste verstarb früh, die beiden anderen, die bereits als Kinder eine sehr intensive Taijiquan-Ausbildung bei ihrem Vater bekommen hatten, wurden auch berühmte Meister:
Bekannt als die „Yang-Brüder“ waren sie für ihre Fähigkeiten in ganz China berühmt und wurden – genau wie ihr Vater – voll Ehrerbietung „Unbesiegbarer Yang“ genannt. Man sagt, Yang Banhou sei temperamentvoll gewesen, Yang Chienhou dafür von ruhigem, sanftem Charakter. Als der Ältere erhielt Yang Pan-hou die Position seines Vaters am kaiserlichen Hof.
In dieser Generation sind verschiedene Formen bekannt: Schnelle, langsame, mit großen oder kleinen Bewegungen (großer/kleiner Rahmen). Außerdem verschiedene Höhen der Ausführung: hoch (Kranich), mittel (Tiger), niedrig (Schlange). In der niedrigen Version konnte die ganze Form unter einem Tisch ausgeführt werden.
Yang Luchan hatte 3 Schüler in der kaiserlichen Leibgarde, denen man großes Können nachsagt: Wan Chun (萬春), Chan Ling (凌山) und Wu Quanyou (吳全佑). Da Yang Luchan andere Schüler mit hohen militärischen Rängen hatte, mussten diese 3 Schüler seines Sohnes, Pan-hou, werden. Ob sie offiziell als Meisterschüler gelten, ist nicht bekannt.
Über Yang Pan Hou's Sohn Zhao Peng (* 1872; † 1930) ist wenig bekannt. Yang Chienhou hatte drei Söhne, zwei davon wurden berühmte Tai Chi Chuan Meister:
Yang Cheng-fu hatte drei Söhne:
Yang Cheng-fu hatte laut Yang Shou Chung 5 Meisterschüler, leider sind die überlieferten Namen nicht eindeutig, daher kann man sich nur bei den ersten beiden sicher sein:
Yang Cheng-fu's ältester Sohn Yang Shou-chung (Yang Zhenming) hatte 3 Töchter, Tai-yee, Ma-lee und Yee-li, aber keine Söhne, Yang Ma-lee betreibt noch heute in Hongkong eine Schule für Taijiquan
Darüber hinaus hat Yang Shou-chung 3 Meisterschüler ausgebildet.
| Yang Luchan (1799–1872) | |||||||||||||||||||||
| Yang Banhou (1837–1892) | Yang Jianhou (1839–1917) | ||||||||||||||||||||
| Yang Shaohou (1862–1930) | Yang Chengfu (1883–1936) | ||||||||||||||||||||
| Yang Zhenming (1910–1985) | Yang Zhenji (1921–2007) | Yang Zhenduo (1926–2020) | |||||||||||||||||||
| Yang Jun (* 1968) Enkel von Yang Zhenduo | |||||||||||||||||||||
Meisterschüler von Ip Tai Tak:
Chu Gin-Soon:
Meisterschüler von Chu King Hung:
Der Tradition der chinesischen Kampfkünste (Wushu) folgend, wurde die Kunst des Taijiquan nur an die männlichen Nachkommen innerhalb der eigenen Familie weitergegeben. Damit sollte verhindert werden, dass eine Kampfkunst mit destruktivem Potential aus dem Einflussbereich der eigenen Familie und damit außer Kontrolle gerät. Zu Lebzeiten Yang Luchans gab es in China über hundert verschiedene Kampfkünste, und es gab unter diesen nur wenige, die nicht strengster Geheimhaltung unterlagen. Yang Luchans Position als Lehrer des Kaisers und der Prinzen (die überdies Mandschus waren) sowie als oberster Ausbilder der kaiserliche Leibgarde stand in Konflikt mit dieser Tradition.
Es wird gesagt, dass er und seine Nachkommen zwar Formen und Anwendungen mit ihren Schülern trainierten, aber viele Geheimnisse zurückhielten: Sie gaben die nur unter großer Mühe erlernbaren inneren Bewegungsprinzipien nicht weiter. Nur sehr wenige Schüler von Meistern der Yang-Familie erlangten den Status eines Meisterschülers, der garantierte, dass sie den Stil so lernten, wie er auch in der Familie weitergegeben wurde.
Der große Unterschied in der Art der Ausführung der Yang-Stile und verwandter Familienstile liegt aber auch in der Didaktik begründet: dem Schüler wird das beigebracht, was in seinem aktuellen Entwicklungsstadium förderlich ist, auch wenn diese Praktik zu einem späteren Zeitpunkt wieder aufgegeben werden muss. Bedenkt man, dass das vollständige Erlernen des Stils einige Jahrzehnte in Anspruch nehmen kann und viele eine wesentlich kürzere Ausbildung erhalten hatten, sind die Unterschiede nicht verwunderlich.
Manche Varianten des Yang-Stils tragen inzwischen andere Namen, nach der Familie, in der sie weitergegeben werden, so ist zum Beispiel der Tung-Stil nach Tung Ying Chieh benannt, der Fu-Stil nach Fu Zhongwen und der Ip-Stil nach Ip Tai Tak. Auch die beiden Wu-Stile sind auf diese Weise entstanden und stellten wahrscheinlich nicht einen Versuch dar, etwas Neues zu kreieren. Allerdings unterscheiden sie sich inzwischen stark vom Yang-Familienstil.
Die Verbreitung des Yang-Stil Taijiquan ging vor allem von den Schülern von Yang Chengfu aus. Allerdings tauchen immer mehr Traditionslinien auf, die sich auf ein anderes Familienmitglied der Yangs berufen.
Die im Yang-Stil gebräuchlichen Waffen sind
Yang Luchan war berühmt für seinen meisterlichen Umgang mit dem Langstock.
Allgemein zum Yang-Stil:
Yang-Stil-Meisterschüler: