Die AgustaWestland AW109 (früher: Agusta A109) ist ein leichter achtsitziger Mehrzweckhubschrauber mit zwei Wellentriebwerken von Agusta. Durch Fusionen des Herstellers wurde er zeitweise von AgustaWestland produziert und kommt jetzt vom italienischen Rüstungskonzern Leonardo. Die AW109 wird sowohl für zivile als auch militärische Zwecke verwendet.
Varianten
A109 PowerA109 K2 der Schweizer Rettungsflugwacht beim Abseilen eines LuftrettersAW109 in der militärischen Ausführung im Flug über Kapstadt in Südafrika
Zahlreiche Polizei- und Zivilschutzorganisationen in aller Welt verwenden den Hubschrauber in einer Vielzahl von Versionen, die sich teilweise nur durch kleine Modifikationen unterscheiden. Militärische Varianten sind unter anderem in Argentinien, Belgien, Ghana, Lettland, Paraguay, Peru, Südafrika, Schweden und Großbritannien im Einsatz. Am weitesten verbreitet sind die zivilen Versionen der AW109.
A109A
Erste in Serie produzierte Version mit zwei Allison-250-C20-Triebwerken. Der Erstflug war am 4. August 1971.
Verlängerte und verbesserte Version der A109E „Power“
A109S Grand
Verlängerte und verbesserte zivile Version mit P&W-207-Triebwerken. Mit dieser Maschine erflogen die beiden Amerikaner Scott Kasprowicz und Steve Sheik im August 2008 einen neuen Weltrekord für die schnellste Weltumrundung in einem Hubschrauber. Sie legten die Strecke von 38.890 km mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 275km/h zurück. Den bisherigen Weltrekord hielt seit 1996 eine Bell 430.
A109S Grand Da-Vinci
Diese Variante der Grand ist für Rettungseinsätze in den Schweizer Bergen optimiert. So bietet sie bei einem Stückpreis von 10,2Mio. Schweizer Franken neben FLIR und MFD-Cockpit-Layout eine verstärkte Seilwinde für bis zu 270kg.
A109SP
VIP-Version
A109 Grand New
Diese erweiterte Version der A109 Grand wird in einer viersitzigen VIP- sowie einer sechssitzigen Normalausführung angeboten. Die Sitze bieten bei einem Absturz erhöhte Überlebenschancen. Der Rumpf besteht zum großen Teil aus Verbundwerkstoffen. Das Cockpit ist mit 4-Achsen-Autopilot, MFD und EFIS ausgerüstet.
A109N
Variante mit Elementen der LUH, Elite und Grand.
A109 Trekker
Variante mit Landegestell anstelle des Einziehfahrwerkes.
MH-68 „Stingray“
Die Agusta A109 Grand wird unter der Bezeichnung MH-68A Stingray auch von der United States Coast Guard eingesetzt.
Technische Daten
Dreiseitenriss
Kenngröße
A109E
GrandAnm.
Typ
Leichter Mehrzweckhubschrauber
Besatzung
1–2 Besatzung und 6–7 Passagiere
Gesamtlänge
13,04 m
12,96 m
Rumpflänge
11,45 m
11,56 m
Rotordurchmesser
11,00 m
10,83 m
Höhe
3,50 m
3,44 m
Leermasse
1576 kg
1660 kg
max. Startmasse
2850 kg
3175 kg (Beladung/Gewichte innen)
Höchstgeschwindigkeit
285km/h
287km/h
Dienstgipfelhöhe
5974 m
4940 m
Steigrate
9,80m/s
9,30m/s
Einsatzradius
948km (Standard bei 233km/h)
889km (ohne Reserve, bei 634kg Treibstoff auf 5000 ft)
Bewaffnung bis zu 600kg an zwei Außenlaststationen
Luft-Luft-Lenkflugkörper
4 × Doppel-Lenkwaffenwerfer ATAS (Air To Air Stinger) für je 2 × Raytheon AIM-92 „Stinger“ RMP Block I – selbstzielsuchend mit Infrarotsensor für Kurzstrecken
2 × Doppel-Lenkwaffenwerfer für je 2 × MBDA „Mistral II“ (AATCP) – selbstzielsuchend mit Infrarotsensor für Kurzstrecken
2 × MG-Behälter FN-Herstal RMP LC je einem 12,7-mm-FN-Maschinengewehr FN Browning HP mit 250 Schuss Munition sowie drei Startrohren für je eine 70-mm-(2,75")-Rakete
2 × Behälter mit Selbstverteidigungssensoren (Raketenanflugwarner, Radarwarner, Laserwarner, Täuschkörperwerfer und IR-Störgerät)
Zwischenfälle
Am 16. Januar 2013 kollidierte eine A109E Power (LuftfahrzeugkennzeichenG-CRST) bei schlechter Sicht mit einem auf dem St George Wharf Tower (London) stehenden Baukran, woraufhin der Hubschrauber auf die Straße nahe der Vauxhall Bridge stürzte. Der Pilot des Hubschraubers sowie eine Person am Boden starben bei dem Unfall. Es ist anzunehmen, dass der Pilot die Distanz zu dem Gebäude falsch einschätzte und den Kran nicht oder zu spät sah, um einen Zusammenstoß noch vermeiden zu können.
Am 17. Juli 2019 kollidierte ein A109K2-Rettungshubschrauber (OM-ATB) der Air Transport Europe auf dem Weg zu einem Einsatz im Nationalpark Slowakisches Paradies mit einer Hochspannungsleitung und stürzte in eine Schlucht, wobei alle vier Insassen, der Pilot, ein Rettungssanitäter, ein Notarzt und ein Bergführer, ums Leben kamen.
Am 20. August 2019 kollidierte eine A109C (SX-HTO) vor der Insel Poros mit einer Hochspannungsleitung und stürzte in den Saronischen Golf. Bei dem Absturz starben der griechische Pilot sowie die beiden russischen Passagiere. Des Weiteren fiel die Stromversorgung der Insel für mehr als 24 Stunden vollständig aus.
Am 5. November 2022 verunfallte eine A109E Power (I-PIKI) im Raum Apricena nahe Foggia bei schlechtem Wetter. Alle sieben Insassen, beide Piloten, ein Arzt und eine vierköpfige Touristenfamilie, starben dabei. Der Untersuchungsbericht benennt einen Controlled flight into terrain (CFIT) als Unfallursache.
Populärkultur
Prominent in Erscheinung tritt ein AW109 im Film Jurassic Park.