Jägersprache

Die Jägersprache, auch Waidmannssprache oder Weidmannssprache, ist die traditionelle Fach- und Sondersprache der Jäger. Sie setzt sich aus Fachwörtern aus dem Bereich der Jagd zusammen und wird von Jägern zur exakten Verständigung untereinander sowie als Teil des jagdlichen Brauchtums benutzt. Neben der Exaktheit lassen sich durch die Jägersprache oftmals Zustände und Ereignisse während der Jagd viel einfacher und kürzer beschreiben als mit der konventionellen Sprache. Insofern wird sie Nichtjägern gegenüber dann nicht verwendet, wenn Verständnisprobleme entstehen könnten.

Die Jägersprache ist im deutschen Sprachraum ab dem 19. Jahrhundert zunehmend vereinheitlicht worden; die regionale Terminologie ist heute – jedenfalls in der deutschen Schweiz – weitestgehend einer gemeindeutschen gewichen. Viele Ausdrücke der Jägersprache sind schon etliche Jahrhunderte in Gebrauch. Einige sind auch in die Umgangssprache übernommen worden, zum Beispiel in den Redewendungen „jemandem eins hinter die Löffel geben“, „zur Strecke bringen“ und „durch die Lappen gehen“.

Geschichte

Die Jägersprache hat ihre Ursprünge zum einen in der präzisen Beschreibung von Naturbeobachtungen und Zeichen des zu erlegenden Wildes als Fachsprache bis heute, zum anderen historisch gesehen in der bewussten Absetzung des Adels vom „gemeinen Volk“ (insbesondere den weniger zur Verklärung neigenden „Bauernjägern“). Eine wesentliche Entwicklung durchlief die Sprache ab dem 12. Jahrhundert als Zunftsprache der Berufsjäger. Zu dieser Zeit beschränkte sie sich jedoch auf Bereiche der Rotwildjagd bzw. der Hochwildjagd, der Jagdhunde, der Falknerei und des Vogelfangs. Erst im 17. und 18. Jahrhundert wurden verstärkt Begriffe aus der Niederwildjagd aufgenommen.

Abgrenzung

Nicht mit der Jägersprache zu verwechseln ist das mit dem Seemannsgarn vergleichbare Jägerlatein. Darunter versteht man, dass ein Jäger eine übertriebene Erlebnisgeschichte schildert, um zu prahlen oder unkundige Zuhörer zum Scherz in die Irre zu führen. Fabelhafte Wildarten wie unter anderem der Rasselbock oder der Wolpertinger gehören in den Bereich des Jägerlateins.

Ebenfalls nicht zur Jägersprache zählen traditionelle Bezeichnungen aus Tierfabeln und Märchen wie etwa Reineke Fuchs oder kurz Reineke für den Fuchs, Meister Lampe für den Hasen oder Malepartus für den Bau des Fuchses.

Durch eine zunehmende Technisierung der Jagd, z. B. bei der Optik oder den Jagdwaffen, ist heute eine Abgrenzung zu anderen Fachbereichen fließend.

Beispiele

A

B

C

D

E

F

G

H

I

J

K

L

M

N

O

P

Q

R

S

T

U

V

W

Z

Siehe auch

Literatur

Wissenschaftliche Literatur

Jagdlexika und Wörterbücher

19. Jahrhundert

20. Jahrhundert

21. Jahrhundert

Sonstige Sachliteratur

Wiktionary: Jägersprache – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
Wiktionary: Verzeichnis:Deutsch/Jägersprache – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 4 5 6 7 Beide Schreibweisen – Waid… und Weid… – sind laut Duden möglich. Weitere Hinweise siehe Jäger#Wortherkunft und Schreibweise von weid bzw. waid.
  2. ↑ Duden online: Jägersprache
  3. ↑ Jägersprache. In: DWDS. Abgerufen am 17. Januar 2019.
  4. ↑ Peter Ott: Zur Sprache der Jäger in der deutschen Schweiz. Ein Beitrag zur Terminologie der Sondersprachen (= Beiträge zur schweizerdeutschen Mundartforschung. Band 18). Huber, Frauenfeld 1970, S. 385.
  5. ↑ Weitere Bedeutungen bei Haseder, S. 16.
  6. ↑ www.vpnk.de.
  7. ↑ Haseder S. 41
  8. ↑ Numßen, S. 14.
  9. ↑ JAEGERSPRACHE, WEIDMANNSSPRACHE von A bis Z ein Bericht im Suedtiroler Jagdportal, BRIXEN. Ehemals im Original (nicht mehr online verfügbar); abgerufen am 15. Januar 2019. (Seite nicht mehr abrufbar. Suche im Internet Archive)
  10. ↑ Jagdlexikon bail - das interaktive jagdliche Nachschlagewerk. Abgerufen am 17. August 2024.
  11. ↑ Denis Marschallek u. v. a.: Auf der Nachsuche: Deutschlands bekannteste Nachsuchenführer erzählen; packende Erzählungen über die Erlebnisse von Hundeführern mit ihren Schweißhunden auf der Roten Fährte. Hrsg.: Frank Rakow. KOSMOS Verlag, 2024, ISBN 978-3-440-18029-7.
  12. ↑ Zeiß, S. 31.
  13. ↑ Numssen S. 28.
  14. ↑ Judith Arlt: Am Wattenmeer: Burgfrieden. In: Am Wattenmeer. 5. Juni 2014, abgerufen am 4. Juli 2021.
  15. ↑ Julia Numßen: Handbuch Jägersprache. Gräfe Und Unzer, München 2017, ISBN 978-3-8354-6241-0, Durchgehschütze (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  16. ↑ Wolf – Wiktionary
  17. 1 2 Duden, Stichwort: 'Fähe'.
  18. ↑ I. Haseder, G. Stinglwagner S. 201 I; Carl Zeiss, Fritz Dobschova S. 63.
  19. ↑ Haseder, S. 202.
  20. ↑ Numssen S. 47
  21. ↑ Numssen S. 48
  22. ↑ Haseder, S. 230.
  23. 1 2 Ernst Winkelmann: Erklärung von 20.000 Fremdwörtern und technischen Ausdrücken welche in der deutschen Sprache gebräuchlich sind. Paul Neff, Stuttgart 1863, S. 322.
  24. ↑ Waidwissen: Rotwild - Wissen für die Jägerprüfung. 3. Oktober 2023, abgerufen am 25. August 2024.
  25. ↑ Haseder S. 268.
  26. ↑ Haseder S. 282
  27. ↑ Haseder S. 284
  28. ↑ Pierer’s Universal-Lexikon. Band 7. Altenburg 1859, S. 269.
  29. ↑ Georg Ludwig Hartig: Lexikon für Jäger und Jagdfreunde; oder waidmännisches Konversations-Lexikon. Nicolaische Buchhandlung, Berlin 1861, S. 220 Scan in der Google-Buchsuche.
  30. ↑ Haseder S. 913
  31. ↑ Haseder, S. 297.
  32. ↑ Haseder, S. 301
  33. ↑ https://www.dwds.de/wb/Grind, abgerufen am 26. Februar 2019.
  34. ↑ Wiktionary: Grind, abgerufen am 30. März 2024
  35. ↑ Wett-Röhren: Wie der Hirsch auf der Lichtung. In: SPIEGEL ONLINE.
  36. ↑ Haseder S. 368
  37. ↑ tschwenen: Auszeichnung der Jägerschaft für ehemaligen Umweltminister. In: Deutsche Jagdzeitung. 22. August 2022, abgerufen am 6. Juni 2024 (deutsch).
  38. ↑ thomasdillenberger: 373 JVG - Mitpächter unheilbar zerstritten. In: WILD UND HUND. 12. Dezember 2017, abgerufen am 6. Juni 2024 (deutsch).
  39. ↑ Jagdherr | Rechtschreibung, Bedeutung, Definition, Herkunft. In: Duden. Abgerufen am 1. Dezember 2020.
  40. ↑ Haseder S. 305
  41. ↑ Haseder S. 459.
  42. ↑ Haseder, S. 460.
  43. ↑ Haseder S. 463
  44. ↑ Sigrid Schwenk: Die Jagd im Spiegel mittelalterlicher Literatur und Jagdbücher. In: Werner Rösener (Hrsg.): Jagd und höfische Kultur im Mittelalter (= Veröffentlichungen des Max-Planck-Instituts für Geschichte. Nr. 135). Vandenhoeck & Ruprecht, 1997, ISBN 978-3-525-35450-6, ISSN 0436-1180, S. 460 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche [abgerufen am 25. Januar 2020]).
  45. ↑ Symbolische Jagd. In: Schweizerische Gesellschaft für Symbolforschung. Archiviert vom Original am 25. Januar 2020; abgerufen am 25. Januar 2020.
  46. ↑ Haseder S. 465.
  47. ↑ Haseder, S. 469.
  48. ↑ Hirschgerechte Zeichen.
  49. ↑ Ernst Winkelmann: Erklärung von 20.000 Fremdwörtern und technischen Ausdrücken welche in der deutschen Sprache gebräuchlich sind. Paul Neff, Stuttgart 1863, S. 491.
  50. ↑ Haseder S. 154.
  51. ↑ Gottlob Heinrich Heinse: Enzyklopädisches Wörterbuch oder alphabetische Erklärung aller Wörter aus fremden Sprachen, die im Deutschen angenommen sind. Band 5. Wilhelm Wabel, Zeitz/Naumburg 1802, S. 2.
  52. ↑ Wolfsjagd in Russland - Jagdreisen. Abgerufen am 30. September 2026.
  53. ↑ Haseder S. 540.
  54. ↑ Waldschnepfe. Abgerufen am 28. Februar 2026.
  55. ↑ Waidwissen: Waidwissen: Suche. Abgerufen am 15. August 2023.
  56. ↑ Julia Numßen, Handbuch der Jägersprache, S. 119
  57. ↑ Neue | Rechtschreibung, Bedeutung, Definition, Herkunft. In: Duden. Abgerufen am 1. Dezember 2020.
  58. ↑ Haseder, S. 565.
  59. ↑ Hermann Julius Meyer: Das große Konversations-Lexikon für die gebildeten Stände. 2. Abteilung, Band 5. Druck und Verlag des Bibliographischen Instituts, Hildburghausen 1850, S. 789.
  60. ↑ Jagdhunde - Riemenarbeit. Abgerufen am 25. August 2024.
  61. ↑ Siebern, Werner. In: deutsches-jagd-lexikon.de, abgerufen am 5. März 2016.
  62. ↑ Haseder, S. 657.
  63. ↑ Ilse Haseder S. 675.
  64. ↑ Walter Krämer, Wolfgang Sauer: Lexikon der populären Sprachirrtümer: Mißverständnisse, Denkfehler und Vorurteile von Altbier bis Zyniker. Piper Taschenbuch, 2003, ISBN 3-492-23657-X.
  65. ↑ Haseder S. 36 Stichwort: alte Schachtel
  66. ↑ Jagdkynologische Begriffe. 3. Juli 2017, ehemals im Original (nicht mehr online verfügbar); abgerufen am 6. Juni 2022. (Seite nicht mehr abrufbar. Suche im Internet Archive)
  67. ↑ Haseder, S. 694.
  68. ↑ Haseder S. 388, Stichwort: 2. Ansitzeinrichtungen b. Schirme.
  69. ↑ Wolfsspuren erkennen. In: wolfswandern.de, abgerufen am 26. Februar 2018 (private Webseite von Stephan Kaasche).
  70. ↑ Haseder S. 715.
  71. ↑ Haseder, S. 127.
  72. ↑ Haseder S. 749.
  73. ↑ Knauers Großes Jagdlexikon S. 621
  74. ↑ Carl Zeiß, Fritz Dobschova: Lexikon der Waidmannssprache.
  75. ↑ Haseder, S. 774.
  76. ↑ Brauchtum Jagd. Archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 5. März 2022; abgerufen am 5. März 2022 (deutsch).
  77. ↑ Wann sagt man waidmannsheil? Abgerufen am 5. März 2022.
  78. ↑ Haseder S. 792.
  79. ↑ Ilse Haseder, Gerhard Stinglwagner: Knaurs Großes Jagdlexikon. Weltbild, Augsburg 2000, ISBN 3-8289-1579-5, S. 831.
  80. ↑ Julia Numssen S. 174
  81. ↑ Weichschuß. Abgerufen am 31. Juli 2023.
  82. ↑ Jagdkunde - Widergang. Abgerufen am 25. August 2024.
  83. ↑ Zeiß S. 219
  84. ↑ Wörterbuchnetz. Abgerufen am 31. Juli 2023.