Die Jägersprache, auch Waidmannssprache oder Weidmannssprache, ist die traditionelle Fach- und Sondersprache der Jäger. Sie setzt sich aus Fachwörtern aus dem Bereich der Jagd zusammen und wird von Jägern zur exakten Verständigung untereinander sowie als Teil des jagdlichen Brauchtums benutzt. Neben der Exaktheit lassen sich durch die Jägersprache oftmals Zustände und Ereignisse während der Jagd viel einfacher und kürzer beschreiben als mit der konventionellen Sprache. Insofern wird sie Nichtjägern gegenüber dann nicht verwendet, wenn Verständnisprobleme entstehen könnten.
Die Jägersprache ist im deutschen Sprachraum ab dem 19. Jahrhundert zunehmend vereinheitlicht worden; die regionale Terminologie ist heute – jedenfalls in der deutschen Schweiz – weitestgehend einer gemeindeutschen gewichen. Viele Ausdrücke der Jägersprache sind schon etliche Jahrhunderte in Gebrauch. Einige sind auch in die Umgangssprache übernommen worden, zum Beispiel in den Redewendungen „jemandem eins hinter die Löffel geben“, „zur Strecke bringen“ und „durch die Lappen gehen“.
Geschichte
Die Jägersprache hat ihre Ursprünge zum einen in der präzisen Beschreibung von Naturbeobachtungen und Zeichen des zu erlegendenWildes als Fachsprache bis heute, zum anderen historisch gesehen in der bewussten Absetzung des Adels vom „gemeinen Volk“ (insbesondere den weniger zur Verklärung neigenden „Bauernjägern“). Eine wesentliche Entwicklung durchlief die Sprache ab dem 12.Jahrhundert als Zunftsprache der Berufsjäger. Zu dieser Zeit beschränkte sie sich jedoch auf Bereiche der Rotwildjagd bzw. der Hochwildjagd, der Jagdhunde, der Falknerei und des Vogelfangs. Erst im 17. und 18.Jahrhundert wurden verstärkt Begriffe aus der Niederwildjagd aufgenommen.
Abgrenzung
Nicht mit der Jägersprache zu verwechseln ist das mit dem Seemannsgarn vergleichbare Jägerlatein. Darunter versteht man, dass ein Jäger eine übertriebene Erlebnisgeschichte schildert, um zu prahlen oder unkundige Zuhörer zum Scherz in die Irre zu führen. Fabelhafte Wildarten wie unter anderem der Rasselbock oder der Wolpertinger gehören in den Bereich des Jägerlateins.
Ebenfalls nicht zur Jägersprache zählen traditionelle Bezeichnungen aus Tierfabeln und Märchen wie etwa Reineke Fuchs oder kurz Reineke für den Fuchs, Meister Lampe für den Hasen oder Malepartus für den Bau des Fuchses.
Durch eine zunehmende Technisierung der Jagd, z.B. bei der Optik oder den Jagdwaffen, ist heute eine Abgrenzung zu anderen Fachbereichen fließend.
Abkommen (siehe auch: das Absehen): Visiereinrichtung im Zielglas
abkommen: 1. das Ziel bei Abgabe des Schusses erfassen – „Ich bin gut abgekommen“ heißt, der Schuss ging dahin, wo er hin sollte; 2. in schlechte Gesundheit geraten; abgekommen: in schlechter körperlicher Verfassung; 3. die Fährte verlieren, vom Jagdhund, z.B. bei der Nachsuche
abliebeln: einen Hund für gute Arbeit loben und streicheln
abnicken (siehe auch: abfangen): veraltete Methode, verletztes Wild mit einer blanken Waffe (Jagdmesser = Nicker oder Knicker) durch Stich ins Hinterhauptloch (Genick) zu töten; dazu wurde der Kopf nach vorne gedrückt, daher der Ausdruck „Abnicken“
anfallen: die richtige Fährte finden und arbeiten, vom Schweißhund
anhalsen: dem Jagdhund das Halsband (Halsung) anlegen
ankirren: Wild an einer bestimmten Stelle durch Auslegen von Futter anlocken
annehmen: 1. angreifen, vom Wild. Wenn ein Jäger von einem Stück Wild angegriffen wird, sagt man, „der Keiler hat mich angenommen.“; 2. Beginn der Nutzung von etwas durch Wild („Das Schwarzwild hat die Kirrung angenommen“, „Das Reh hat den Pirschpfad als Wechsel angenommen“)
ansprechen: Wild nach Art, Geschlecht, Alter und Zustand erkennen und klassifizieren. Wird auch auf Pflanzen angewandt: einen Baum ansprechen = Art und Zustand des Baumes identifizieren
anstellen: bei der Jagd den Schützen feste Plätze durch den Ansteller zuweisen
Ansteller: revierkundiger Jäger, der den Jagdgästen einen festen Platz, Stand, Sitz, Kanzel zuweist.
anwarten: über dem Falkner oder über dem Hund in Erwartung der Beute kreisen, vom Falken
anzeigen: der Jagdhund zeigt durch sein Benehmen an, dass er etwas gefunden hat; der Vorstehhund steht vor
aufbaumen: 1) sich auf einen erhöhten Platz wie z.B. auf einen Ast setzen oder niederlassen, von Federwild und Raubwild; 2) seinen Hochsitz besteigen, vom Jäger
aufbrechen: ausweiden, d.h. das „zur Strecke gebrachte“ Wildes zur Entnahme des „Aufbruchs“ aufschneiden, dabei wird das Schloss (Becken) gebrochen
Aufbrechpause: Pause, die bei länger andauernden Gesellschaftsjagden aus wildbrethygienischen Gründen eingelegt wird
Basse: ein starkes, altes, männliches Wildschwein (Keiler)
Bast: sehr gut durchblutete Schutzhaut über dem im Wachstum befindlichen Geweih oder Gehörn
Bau, der (die Baue): Behausung eines Tieres (Fuchsbau, Dachsbau, Kaninchenbau)
befahren: einen Bau (siehe oben) bewohnen. Ob ein Bau befahren ist, erkennt man an den Spuren bei der Einfahrt
Behang: 1) die herabhängenden Ohren von diversen Jagdhunden; 2) Altersbezeichnung bei Jagdhunden: „im 1. Behang“ = im 2. Lebensjahr
Beize, die (von beißen) oder Beizjagd: das Jagen mit dem abgetragenen Beizvogel ist eine der ältesten Jagdarten, z.B. tötet der Falke mit dem Falkenzahn die Beute mit einem Biss ins Genick
beschlagen: das Begatten bei allem Schalenwild, z.B. eines brunftigen Tieres durch den Hirsch; das Tier, welches sich beschlagen lässt, „steht“ bei diesem Vorgang
bestätigen (auch bestatten): Feststellen und Ansprechen von Wild, Standorten etc. besonders bei Rotwild durch Hirschgerechte Zeichen
Blattzeit: Paarungszeit beim Rehwild. Der Begriff leitet sich ab von der zu dieser Zeit möglichen Lockjagd durch Pfeifen auf einem Buchenblatt oder Blatter
Bruch oder Gebräch: Stelle, an der Schwarzwild nach Fressen gegraben hat
Bruch oder Bruchzeichen: Informationszeichen, die zwischen Jägern verwendet werden; es handelt sich regelmäßig um abgebrochene, belaubte bzw. benadelte Zweige bestimmter Bäume
Brunft oder Brunst: Paarungszeit bei Schalenwild außer Wildschweinen
brünftig/brünstig: in der Brunft/Brunst sein, paarungsbereit
Brunftkugeln: die Hoden beim Schalenwild, Steine beim Keiler
Brunftrute: das männliche Geschlechtsteil beim Schalenwild, außer Reh- und Schwarzwild (hier Pinsel)
Büchsenlicht: bezeichnet zur Jagd ausreichende Lichtverhältnisse, d.h. Kimme und Korn auf dem Büchsenlauf sind im Ziel noch erkennbar
doppeln: zwei Schüsse lösen sich unbeabsichtigt, gleichzeitig aus einer mehrläufigen Waffe, z.B. Drilling
Drahle: meist aus rostfreiem Metall gefertigtes Drehgelenk und Verbindungsstück zwischen Geschühriemen und Langfessel; Teil des Geschühs bei Beizvögeln
Dublette: 1. Erlegung von zwei Stück Wild aus derselben Waffe in zeitlich unmittelbarer Abfolge; 2. Beschießen von zwei gleichzeitig gestarteten Tontauben beim Tontaubenschießen
Ehrenlauf: der rechte Vorderlauf des parforce gejagten Hirsches. Galt früher als Trophäe und wurde dem würdigsten Jagdgast überreicht
Eichelmast: Die Früchte der Eichen (Stiel- und Traubeneiche), die insbesondere dem Schwarzwild als Nahrung dienen.
einfahren: Beschreibt das Verhalten baubewohnender Wildarten, die in ihren Bau hineinkriechen.
Einfahrt: Der Eingang eines Baues. Er ist entweder befahren oder nicht befahren.
einfallen: auf Boden, Baum oder Wasser niederlassen, vom Federwild
eingehen: Wild, das auf natürliche Weise (z.B. Krankheit) ohne Fremdeinwirkung umkommt, Fallwild.
Einlauf: 1. Öffnung in einem Gatter, durch die das Wild zwar hinein-, aber nicht mehr hinauslaufen kann, Einsprung; 2. das morgendliche Einrücken des Hasen in den Wald
Fallbaum: auch Hakbaum, auf dem Federwild sitzt, z.B. Krähen bei der Lockjagd
Fallensteig: hergerichteter Pfad, auf dem sich eine Falle befindet: glatter Gang, guter Fang
Fallwild: Wild, das eines natürlichen Todes gestorben ist, es fällt
Fang: 1. die Schnauze von Raubtieren, auch des Hundes; 2. die Füße (Krallen) von Greifvögeln sowie die Hände (Krallen) von Falkenartigen, siehe: Vogelfuß
Fangschuss: derjenige Schuss, der abgegeben wird, um waidwundes, also nicht unmittelbar tödlich getroffenes oder angefahrenes Wild zu töten
fegen: den „Bast“ von den ausgebildeten Geweihen und Gehörnen an Bäumen und Sträuchern abreiben, vom Rot- und Rehwild
Feistzeit: Zeit vor der Brunft, also die Zeit vor der Fortpflanzung – sie dient Hirschen dazu, sich für die folgende, kräfteraubende Zeit Fettreserven zuzulegen
Feld: Altersbezeichnung für Vorstehhunde (Jagdhunde, die insbesondere zum Vorstehen verwendet werden): „im 1.Feld stehen“ = sich im 2.Lebensjahr befinden
ferm (auch firm): ein fertig ausgebildeter Jagdhund bzw. auch ein gut ausgebildeter Jäger
Feuchtblatt: das äußere weibliche Geschlechtsteil beim Schalenwild
Feuchtglied: das männliche Geschlechtsteil bei Haarraubwild und beim Hund
Finger gerade lassen: nicht schiessen
flüchtig: ein Wildtier, das nach einer Beunruhigung im Schritt oder im Trab davonzieht. Galoppierend fliehende Tiere nennt man hochflüchtig.
forkeln: gegen einen Nebenbuhler, Mensch oder Hund kämpfen bzw. stoßen, vom Geweih- oder Gehörnträger
Gescheide (mundartlich auch Geschlinge): Eingeweide von allem Wild; Magen: großes Gescheide, Gedärm: kleines Gescheide
Geschleif: Eingänge zum Dachs-, Fuchs- oder Biberbau
Geschleppe (vgl. Schleppe): Köderfleisch an einer Leine, mit der man eine Spur zum Schieß- oder Fangplatz des Raubwildes zieht und dort gegen Wegnahme zugänglich befestigt
Geschröte: Hoden mit Hodensack von Hunden und Haarraubwild
Gesperre: Gesamtheit der Küken und Altvögel einer Brut bei den Fasanenartigen
Gestell: schneisenartig ausgehauenes Waldstück, ursprünglich zum Stellen des Jagdzeugs (Netze, Lappen), heute meist zum Abtransport geschlagenen Holzes (vgl. Adlergestell)
Gewaff, auch Waffen: Eckzähne beim Keiler (männliches Wildschwein); im Unterkiefer Gewehre oder Hauer, im Oberkiefer Haderer
Geweih: der „Kopfschmuck“ von männlichen Tieren, die zu den Cerviden gerechnet werden
Härte: angeborene Fähigkeit von Jagdhunden sehr unempfindlich gegen körperliche und belastende seelische Reizwirkungen zu sein
Häsin: Bezeichnung für den weiblichen Hasen und für das weibliche Kaninchen
Hasenklage (auch Hasenquäke): Lockinstrument für Raubwild
Hassen: Verhalten von verschiedenen Vogelarten, das zur Lockjagd ausgenutzt wird
Hatz: historische, heute verbotene Jagdart, bei der schwere Hunde auf schweres, lebendes Wild (Schwarzwild, Bären) gehetzt werden, um dieses zu stellen und zu binden
Haube: Lederkappe, die dem Beizvogel die Sicht nimmt und ihn auf diese Weise beruhigt sowie eine Fokussierung auf unerwünschte Beute verhindert
Haupt: Kopf beim Schalenwild, ausgenommen beim Schwarzwild, dort Kopf
Hetze: falls erforderlich, ein Hetzen und Stellen des kranken Wildes am Ende einer Nachsuche
Hetzjagd: mit Windhunden auf leichtes Wild, mit Packern auf grobes Wild; in Deutschland heute verboten
Hexenringe: Spuren, die der treibende Rehbock und die brunftige Ricke bzw. das Schmalreh im Getreide hinterlassen
Himmelszeichen, vgl. Hirschgerechte Zeichen: Spuren des Rothirschgeweihs, die beim Durchwechseln an Bäumen im Ast- und Blattwerk in Geweihhöhe entstehen, auch abgestreifter Schnee kann ein solches Zeichen sein
im Feuer liegen: beschossenes Wild bricht im Schuss zusammen
Inbesitznahmebruch: ein Bruch, der den rechtlichen Besitz eines erlegten Stücks Wild am Ort der Erlegung anzeigt
Infanterist: laufender Fasan; der Schuss auf ebensolchen gilt als verpönt
innehaben: Trächtigkeit bei Hasen, Kaninchen und kleinem Haarraubwild
Insiegel: Fährtenzeichen, das beim Ziehen durch weichen lehmigen Boden oder bei Schnee entsteht. Reste von Lehm oder Schnee lösen sich erst später aus den Schalen des Schalenwildes. Insiegel ist ein hirschgerechtes Zeichen.
J
Jagdbetrieb: alle Tätigkeiten der praktischen Jagdausübung
Krone: 1. alle über der Mittelsprosse sitzenden Enden (außer Wolfsspross) im Geweih des Rothirsches; 2. beim Rehbock das ganze Gehörn; 3. Schmuckfedern auf dem Kopf mancher Vögel; 4. Kuppe der Grandeln
kröpfen: Nahrung in den Kropf aufnehmen (fressen), vom Greifvogel und Falkenartigen
kudern: das „Knurren“ des Birkhahnes, auch Nachahmung des Birkhahnes durch den Jäger (wahrscheinlich nicht mehr in Gebrauch)
Kugelfang, natürlicher: Geländegegebenheiten, die bei der Jagd das Ziel durchschlagende oder fehlgehende Geschosse sicher abfangen können; wird im flachen Gelände durch die erhöhte Position auf Hochsitz, Drückjagdbock u.ä. gewährleistet, die es ermöglicht relativ steil in den Boden zu schießen
Kugelschlag: Geräusch beim Auftreffen des Geschosses auf den Wildkörper, vgl. Schusszeichen
Laut: Gebell der Jagdhunde, sie geben oder werden laut: Weid-, Spur-, Baulaut, Stand-, Hetzlaut
Lappjagd: Schnüre mit Lappen werden um ein Treiben gespannt; das Wild geht – normalerweise – nicht unter den Lappen durch und kann so zielgerichtet getrieben werden
Lappstadt: Von Lappen eingegrenzter Bezirk der Lappjagd
nachprellen, auch vor- oder losprellen: Wild aufschrecken, von einem ungehorsamen Jagdhund – ein unerwünschtes Verhalten insbesondere von Vorstehhunden
Pinsel: Bezeichnung für das längere Haarbüschel am Penis des Schalenwildes
Pirsch: Einzeljagd, bei der der Jäger vorsichtig und leise im Revier gegen den Wind „pirscht“ bzw. schleicht, um unbemerkt möglichst nahe ans Wild zu kommen. Dazu ist gute Revierkenntnis erforderlich. Ebenso saubere Pirschpfade
Pirschzeichen: Blut, Knochensplitter, Fleischstücke usw. von angeschossenem Wild
ringeln: 1. neue, hygienische Methode beim Aufbrechen; 2. Entrinden durch Eichhörnchen
ringholen: in der Thermik nahezu ohne Flügelschläge kreisend nach oben steigen, von vielen Greifvogelarten und Falkenartigen
rollieren, radschlagen: sich nach Erhalt der Kugel oder der Schrote überschlagen, vom flüchtigen Wild (manchmal zu beobachten)
Rose: 1. kranzförmiger Sockel am Grund der Stangen eines Geweihes mehrjähriger Hirschartiger; 2. nackte Hautstellen am Kopf von Hühnervögeln, z.B. Balzrosen beim Birkhahn
Rosenstock: knöcherner Stirnzapfen, auf dem die Geweihstange sitzt
Rudel: Gruppe von mehreren Tieren einer Schalenwildart, außer Schwarzwild, und von Wölfen
rudeln: 1. Tiere sammeln sich, um ein Rudel zu bilden; 2. seinen Laut äußern, vom Birkhahn
Rütteln: Turmfalke (Rüttelfalke) steht mit schnellem Flügelschlag in der Luft
Rute: 1. Schwanz bei Hunden, allem Haarraubwild, außer Fuchs (Lunte), Dachs und Bär (Bürzel); 2. Penis bei Schalenwild (Brunftrute), Raubwild und Hund (Feucht- oder Fruchtglied), Hase, Kaninchen und Murmeltier (Brunftrute)
Saufeder: eine lange, zweischneidige Klinge, die auf einem bis zu zwei Meter langen Hartholzstiel montiert und zum Abfangen von annehmendem Schwarzwild verwendet wird
Sauwetter: gutes Wetter zur Jagd auf Schwarzwild, aus der Sicht des Menschen ein eher schlechtes Wetter
Schadhirsch: auch Mörderhirsch, weil er als meist älterer, zurückgesetzter Rothirsch mit Stangen ohne ausgebildete Enden andere Hirsche forkeln (erstechen) kann
schädelecht: Gehörn oder Geweih, das nicht abgeworfen wurde (Abwurfstangen), sondern beim Erlegen des Tieres fest mit dem Schädelknochen verbunden war
Schachtel: alte, weibliche Tiere des Reh-, Gams- oder Rotwildes, die keine Jungen mehr führen. Hieraus ist der Begriff „Alte Schachtel“ abgeleitet.
Schärfe (Wildschärfe): angewölfte (genetisch bestimmte) Eigenschaft von Jagdhunden, sich zum Kampf zu stellen (Wildschärfe, Raubwild- und Raubzeugschärfe, Mannschärfe)
Scherenfalle: ein früher gebräuchliches, heute in Deutschland verbotenes Fanggerät, das aus Knüppeln gebaut wurde und sich besonders zum Fang von Mardern eignete
Schild, der oder das: 1. Verdickung der Schwarte auf den Schulterblättern der männlichen Wildschweine (Keiler); 2. Brustfleck bei Hühnervögeln; 3. weitere, veraltete Bedeutungen bei Haseder
Schnitthaar: bei Eintritt des Geschosses in den Wildkörper abgeschnittenes Haar
schnüren: Gangart Rotfuchs, Wolf oder Luchs, bei der die Pfoten in einer geraden Linie hintereinander den Boden berühren, wobei die Hinterpfoten in die Spuren der Vorderpfoten derselben Körperseite gesetzt werden, im Gegensatz zum Schränken
Schof: Ente mit Jungenten bzw. Gans mit Gössel
schöpfen: Wild und Federwild schöpfen, wenn sie trinken
Schweiß: das Blut des Wildes und des Jagdhundes, sobald es aus dem Tierkörper austritt
Schweißhund: Jagdhund, der darauf spezialisiert ist, krankes (verletztes), schweißendes (blutendes) Schalenwild im Rahmen der Nachsuche zu suchen, zu finden und zu stellen
Seher, die: Augen des Haarraubwildes wie Fuchs sowie von Hase, Kaninchen und Murmeltier
Setzen, das: das Gebären beim Schalenwild außer Schwarzwild (frischen), sowie bei Hase, Kaninchen und Murmeltier
Sicheln: nach außen gebogene, äußere Stoßfedern des Birkhahns (jeweils zwei bis vier Stück)
sichern: 1. bei Wild: die Umgebung mit allen Sinnesorganen prüfen; 2. bei der Waffe: die geladene Waffe mittels Sicherung sichern oder entsichern
Spiegel: 1. die helle Fellfärbung am Hinterteil der Cerviden (Hirschartigen), z.B.: beim männlichen Reh nierenförmig, beim weiblichen Reh herzförmig mit zusätzlicher, heller Behaarung über dem Feuchtblatt, welche auch Schürze genannt wird 2. weißer Fleck auf der Schwingenbeuge bei Auer- und Birkhahn
Steine: 1) Hoden des Keilers; 2) Besonders große Perlen an Geweihen
stellen: 1. der Hund stellt das Wild, wenn er es zum Stehen bringt, z.B. bei einer Hetze nach der Nachsuche; 2. Beizvogel lässt sich nieder; 3. Falle fängisch stellen
Strecke, Jagdstrecke: alle erlegten Tiere einer (Gesellschafts-)Jagd, nach einer festgelegten Ordnung in Reihen ausgelegt („die Strecke legen“, „zur Strecke bringen“)
Strich: regelmäßig eingehaltene Flugbahn von Vögeln („Federwild“) von und zu Rastplätzen oder Nahrungsplätzen, oder bei der Balz, z.B. Schnepfenstrich
Stück: allgemeiner Zahlklassifikator für Dinge und Tiere (ohne Plural, also z.B. zwei Stück Rehwild), insbesondere weil man jagdlich nicht das Reh oder das Tier sagt, sondern von einem Stück spricht.
Suchenheil! oder „Suchen Heil!“: Traditionelle Wunsch- und Gratulationsformel für Nachsucheführer zur Nachsuche auf angebleites Wild mit brauchbarem Jagdhund.
Suchendank! oder „Suchen Dank!“: Dank des Nachsucheführers für die Gratulation „Suchenheil!“
überfallen: Schalenwild überfällt Hindernisse, d.h. überspringt diese
übergehen: 1. z.B. Fährte oder Pirschzeichen übersehen, 2. z.B. an einem sich drückenden Hasen vorbeigehen, 3. ein weibliches Stück Schalenwild wird nicht beschlagen (begattet), so dass es im folgenden Jahr nicht führt, d.h. keinen Nachwuchs hat
Überhege: führt zu erhöhter Population und Wildschaden
überjagen: ein Jagdhund verlässt den zu bejagenden Bezirk oder jagt über die Reviergrenze hinaus
Überläufer: junges Wildschwein im Alter zwischen 12 und 24 Monaten (ursprünglich: in dem auf die Geburt folgenden Jagdjahr)
überrollen: bei der Baujagd gelangen Fuchs oder Dachs über den vorliegenden Hund ins Freie
unterladen: Patronen in das Magazin laden, den Verschluss dann aber so schließen, dass keine Patrone in das Patronenlager gelangt, bei allen Schusswaffen mit abnehmbarem Magazin
Vorstehhunde: Jagdhunderassen, die die Eigenschaft des „Vorstehens“ ausgeprägt aufweisen, d.h., sie zeigen dem Jäger entdecktes Wild durch „Vorstehen“ an
verwittern: 1) bei Fallen den menschlichen Geruch überlagern (Pferdemist); 2) eine Stelle mit Geruchsmarken verstänkern (gegen Wildschaden)
Waidmannsdank! (oder Weidmannsdank!): Antwort auf ein als Gratulation gedachtes „Waidmannsheil!“ (Weidmannsheil)
Waidmannsheil! (oder Weidmannsheil!): Traditionelle Begrüßungs-, Verabschiedungs- oder Gratulationsformel unter Jägern
waidwund (oder weidwund): von einem Schuss in die Eingeweide (Gescheide) getroffen
Wechselwild: Schalenwild, das nicht als Standwild in einem bestimmten Revier oder Gebiet vorhanden ist, sondern aus bestimmten Gründen, wie z.B. Brunft oder Äsungsangebot einwechselt und das Revier oder Gebiet bald wieder verlässt
Wimpelschlagen, ein Himmelszeichen: ist das Auseinanderwerfen von Ameisenhaufen, das die Rothirsche mit dem Geweih bewirken; die Schäden werden auch als Wimpelschäden bezeichnet
winden: mit dem Geruchssinn etwas wahrnehmen, riechen; beim Wild und beim Hund gebraucht
windgerecht, auch: windrecht (Windgerechtigkeit / Windrechtheit): im Gegenwind oder halben Wind, vom Anlaufen des Wildes, Übertrag aus der Seemannssprache in die Jägersprache
Witterung: Geruchssinn oder Geruch („Witterung aufnehmen“, schnuppern)
wölfen (auch werfen): gebären bei Wolf, Fuchs und Hund
Wolfsspross: zusätzliches Ende am Geweih zwischen Mittelspross und Krone
worgen (auch wörgen, würgen, kröpfen): knarrende bzw. würgende Laute eines Auerhahnes, wenn er auf seinem (Schlaf-)Baum aufgebaumt hat (sitzt)
Wundbett: Stelle, an der sich ein verletztes Stück Schalenwild niedertut, das heißt niederlegt
Z
Zain, der oder das: veraltet für 1) den Schwanz des Dachses (heute Bürzel); 2) die Brunftrute des Hirsches
Zeichnen: Reaktion des Wildes auf den Schuss durch Bewegung und Lautäußerung
zerwirken: Wild zu Wildbret bzw. in küchenfertige Teile zerlegen, siehe Auslösen
ziehen: 1. sich ruhig fortbewegen, vom Schalenwild; 2) fliegen, von Vögeln
Zielwasser: Alkohol, der dabei helfen soll, von ruhiger Hand zu zielen
Ziemer oder Zimmer: Rückenbraten vom Wildbret von zerlegtem Rot-, Dam-, Reh- und Schwarzwild, der wieder in Wedel- oder Blumenziemer, Mittelziemer und Vorder- oder Blattziemer unterschieden wird
Zugschnepfe: nur vorübergehend im Revier anzutreffende Schnepfe (Zugvogel)
Zukunftsbock bzw. -hirsch: junge, gut veranlagte maskuline Cerviden
zurücksetzen: eine schwächere Entwicklung des Geweihs oder Gehörns gegenüber dem Vorjahr aufweisen
zusammenbrechen: niederstürzen, vom Schalenwildes nach dem Schuss
Peter Ott: Zur Sprache der Jäger in der deutschen Schweiz. Ein Beitrag zur Terminologie der Sondersprachen (=Beiträge zur schweizerdeutschen Mundartforschung. Band 18). Huber, Frauenfeld 1970 (Digitalisat).
Rolf Roosen: Vom Gedruckten zum Ungedruckten – Die Jägersprache und ihr Forschungsdesiderat. In: Symposium des Landesjagdverbandes Bayern e.V. und der Bayerischen Akademie für Tierschutz, Umwelt- und Jagdwissenschaften. Jagdkultur – gestern, heute, morgen. 18. und 19. Juni 2008 in Rosenheim (=Schriftenreihe des Landesjagdverbandes Bayern e.V. Band 17). Feldkirchen 2009, S.89–98 (PDF).
Katrin Josephine Wagner: Die Sprache der Jäger. Ein Vergleich der Weidmannssprache im deutsch- und englischsprachigen Raum (=Forum für Fachsprachen-Forschung. Band 143). Frank & Timme, Berlin 2018, ISBN 978-3-7329-0455-6 (Digitalisat).
Jagdlexika und Wörterbücher
19. Jahrhundert
Georg Ludwig Hartig: Anleitung zur Forst- und Weidmanns-Sprache; oder, Erklärung der älteren und neueren Kunstwörter beym Forst- und Jagdwesen. 2. Auflage. Cotta, Stuttgart/Tübingen 1821 (Digitalisat).
Georg Ludwig Hartig: Lexikon für Jäger und Jagdfreunde oder waidmännisches Conversations-Lexikon. Berlin 1836. Neudruck: Osnabrück 1979.
Joseph und Franz Kehrein: Wörterbuch der Weidmannssprache für Jagd- und Sprachfreunde. Aus den Quellen bearbeitet. Chr.Linbarth, Wiesbaden 1871. Reprint: M.Sändig, Wiesbaden 1969.
Ernst Ritter von Dombrowski: Deutsche Weidmannssprache mit Zugrundelegung des gesamten Quellenmaterials für den praktischen Jäger. J.Neumann, Neudamm 1897, 1913; 4.Auflage 1939.
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Riesenthals Jagdlexikon, Nachschlage- und Handbuch für Jäger und Jagdfreunde. Neudamm 1916. Reprint: Weltbild Verlag, Augsburg 1999, ISBN 3-8289-4143-5
David Dalby: Lexicon of the mediaeval German hunt. A lexicon of Middle High German terms (1050–1500), associated with the chase, hunting with bows, falcony, trapping and fowling. Berlin 1965.
Hans-Dieter Willkomm: Die Weidmannssprache. Begriffe, Wendungen und Bedeutungswandel des weidmännischen Sprachgutes. Deutscher Landwirtschaftsverlag, Berlin 1990, ISBN 3-331-00434-0.
↑Peter Ott: Zur Sprache der Jäger in der deutschen Schweiz. Ein Beitrag zur Terminologie der Sondersprachen (= Beiträge zur schweizerdeutschen Mundartforschung. Band 18). Huber, Frauenfeld 1970, S.385.
↑Denis Marschallek u.v.a.:Auf der Nachsuche: Deutschlands bekannteste Nachsuchenführer erzählen; packende Erzählungen über die Erlebnisse von Hundeführern mit ihren Schweißhunden auf der Roten Fährte. Hrsg.: Frank Rakow. KOSMOS Verlag, 2024, ISBN 978-3-440-18029-7.
12Ernst Winkelmann: Erklärung von 20.000 Fremdwörtern und technischen Ausdrücken welche in der deutschen Sprache gebräuchlich sind. Paul Neff, Stuttgart 1863, S. 322.
↑Georg Ludwig Hartig: Lexikon für Jäger und Jagdfreunde; oder waidmännisches Konversations-Lexikon. Nicolaische Buchhandlung, Berlin 1861, S. 220 Scanin der Google-Buchsuche.
↑Sigrid Schwenk:Die Jagd im Spiegel mittelalterlicher Literatur und Jagdbücher. In: Werner Rösener (Hrsg.): Jagd und höfische Kultur im Mittelalter (=Veröffentlichungen des Max-Planck-Instituts für Geschichte. Nr.135). Vandenhoeck & Ruprecht, 1997, ISBN 978-3-525-35450-6, ISSN0436-1180, S.460 (eingeschränkte Vorschauin der Google-Buchsuche [abgerufen am 25.Januar 2020]).
↑Symbolische Jagd.In:Schweizerische Gesellschaft für Symbolforschung.ArchiviertvomOriginalam25.Januar 2020;abgerufen am 25.Januar 2020.
↑Ernst Winkelmann: Erklärung von 20.000 Fremdwörtern und technischen Ausdrücken welche in der deutschen Sprache gebräuchlich sind. Paul Neff, Stuttgart 1863, S. 491.
↑Gottlob Heinrich Heinse: Enzyklopädisches Wörterbuch oder alphabetische Erklärung aller Wörter aus fremden Sprachen, die im Deutschen angenommen sind. Band 5. Wilhelm Wabel, Zeitz/Naumburg 1802, S. 2.
↑Hermann Julius Meyer: Das große Konversations-Lexikon für die gebildeten Stände. 2. Abteilung, Band 5. Druck und Verlag des Bibliographischen Instituts, Hildburghausen 1850, S. 789.
↑Walter Krämer, Wolfgang Sauer:Lexikon der populären Sprachirrtümer: Mißverständnisse, Denkfehler und Vorurteile von Altbier bis Zyniker. Piper Taschenbuch, 2003, ISBN 3-492-23657-X.