Die Gemeinde liegt am Westhang auf der rechten Seite der Moesa und besteht aus dem Dorf und den Fraktionen Cabbiolo im Norden und Sorte 46.2929889.184863 im Süden. Nachbargemeinden sind Soazza, Calanca, Grono, Cama (alle Kanton Graubünden) sowie Gordona in der italienischen Provinz Sondrio.
Geschichte
Pfarrkirche Sankt Giorgio
Die älteste erhaltene Urkunde datiert 1219, darin wurde das Dorf Lostallo genannt. Im HochgerichtMisox gehörte Lostallo zur Squadra di mezzo und zum VikariatMesocco. Die in den vergangenen Jahrhunderten jeweils am 25. April abgehaltene Centena, die öffentliche Versammlung des Hochgerichts Misox, fand 2000 zum letzten Mal statt. Die 1219 erstmals erwähnte Pfarrkirche S. Giorgio wurde im 17. Jahrhundert umgebaut und 1939 bis 1941 renoviert; die Karl-Borromäus-Kapelle stammt von 1633, die Kapelle S. Maria Assunta in Sorte von 1611.
In der Gemeinde wird noch heute Ackerbau und Viehzucht betrieben; es sind auch einige Unternehmen ansässig, u.a. Baufirmen und Schreinereien. Ein Wasserkraftwerk mit einem Speichersee im Val d'Arbola 46.3110649.233712 nutzt die linken Zuflüsse der Moesa. Bekannt und geschätzt sind die Grotti in Lostallo.
In der Nacht zum 22. Juni 2024 ereignete sich nach starken Niederschlägen am Wildbach Riale Molera ein Murgang, der durch die westliche Gebäudegruppe des Ortsteils Sorte strömte, das Gebiet und die Hauptstrasse 13 mit Schutt zudeckte und Häuser zerstörte. Beim Naturereignis kamen drei Menschen ums Leben. Am gleichen Tag riss ein Hochwasser der Moesa alle vier Spuren der Autobahn A13 nördlich der Buffalora-Brücke fort, nachdem Geröll aus dem Val d’Orbel die Moesa aufgestaut hatte. Wegen des Unwetterws waren alle vier Ausgleichsbecken der Gemeinde voller Geschiebe und mussten ausgebaggert werden. Die Kläranlage wurde zerstört.
Wappen
Wappen von Lostallo
Blasonierung: «In rot ein stehender geflügelter goldener (gelber) Markuslöwe mit silbernem (weissem) Nimbus und Spruchband»
Am Markustag fand alljährlich in Lostallo die Centena statt, die Einwohnerversammlung der Täler Misox und Calanca, verbunden mit einer Prozession. Rot und Gold sind die Farben der Herren von Sax-Misox.
Bevölkerung
Bevölkerungsentwicklung
Jahr
1802
1850
1900
1950
2000
2010
2020
Einwohner
212
363
372
424
656
707
840
Von den Ende 2004 670 Bewohnern waren 606 (=90,45%) Schweizer Staatsangehörige.
Luftbild von Werner Friedli von 1953Alte Betkapelle Madonna d’Aquate
Verkehr
Lostallo wird von der Hauptstrasse 13 durchquert. Der Anschluss Lostallo der im Osten vorbeiführenden Autobahn A13 liegt etwa einen Kilometer nordöstlich des Dorfzentrums.
Mit dem öffentlichen Verkehr ist Lostallo seit dem Jahr 1972 mit dem Postauto zu erreichen (Linie Bellinzona – Mesocco). Das Postauto ersetzte die aufgehobene Misoxerbahn, die seit 1907 verkehrte und Bahnhöfe in Lostallo und im Ortsteil Cabbiolo bediente. Im Ortsteil Sorte befand sich eine Haltestelle.
Schalenstein (Zeichenstein), genannt El Sass di Strion, auf der Alp de Groven (1880m ü.M.) und andere sechs Schalensteine
Schalenstein an der Grenze zur Gemeinde Soazza im Ortsteil Ara 46.3407289.215153 (525m ü.M.)
Wasserfälle Cascate de Groven
Sonstiges
Lostallo hat eigenen Angaben zufolge die mit 430m längste RC-Car-Strecke der Welt, auf deren Kurs regelmässig Europa- und Weltmeisterschaften durchgeführt werden. Zudem gibt es eine Lachsfarm, in der Fische in einem geschlossenen Kreislaufsystem aufgezogen werden.
Alljährlich findet hier das Psychedelic-Trance-Musikfestival Shankra statt.
Persönlichkeiten
Giuseppe Jacomella aus Lostallo
Familie Tonella aus Cabbiolo
Franco Binda (* 1925 in Lostallo; † 23. August 2019 in Locarno), gründete den Museo della Valle Verzasca, Forscher, Lokalarchäolog, Publizist
Gerry Mottis (* 14. Oktober 1975 in Locarno), Dozent in Giubiasco und Roveredo GR, Dichter, Schriftsteller und Dramaturg, wohnt in Lostallo und Rivera TI
Fabiana Mottis (* 9. August 2003), Volleyballspielerin (Rookie of the Year 2021), Nomination zur «Bündner Sportlerin des Jahres» 2022, aufgewachsen in Lostallo
Literatur
Die Gemeinden des Kantons Graubünden. Chur/Zürich 2003, ISBN 3-7253-0741-5.
Valeria Farinati: Centrali idroelettriche d’autore. In: Arte&Storia. Il Ticino dell’acqua. Dalla formazione geologica del Cantone alle attività economiche, Edizioni Ticino Management, anno 12, numero 54, aprile-luglio 2012. Lugano 2012.