Castaneda GR

GR ist das Kürzel für den Kanton Graubünden in der Schweiz. Es wird verwendet, um Verwechslungen mit anderen Einträgen des Namens Castanedaf zu vermeiden.
Castaneda
Wappen von Castaneda
Staat: Schweiz Schweiz
Kanton: Kanton Graubünden Graubünden (GR)
Region: Moesa
BFS-Nr.: 3805i1f3f4
Postleitzahl: 6540
Koordinaten: 731179 / 124374Koordinaten: 46° 15′ 29″ N, 9° 8′ 24″ O; CH1903: 731179 / 124374
Höhe: 750 m ü. M.
Höhenbereich: 386–1790 m ü. M.
Fläche: 3,96 km²
Einwohner: 262 (1. Januar 2026)
Einwohnerdichte: 66 Einw. pro km²
Ausländeranteil:
(Einwohner ohne
Schweizer Bürgerrecht)
15,3 %
(1. Januar 2026)
Gemeindepräsident: Attilio Savioni
Website: www.castaneda.ch
Castaneda GR
Castaneda GR
Lage der Gemeinde
Karte von CastanedaComer SeeLago di MezzolaLago di MontesplugaLago di LeiLago d'IsolaLago de BusenoSufnerseeZervreilaseeItalienKanton TessinRegion ViamalaRegion MalojaRegion SurselvaBusenoCalancaCastaneda GRRossa GRSanta Maria in CalancaLostalloMesoccoSoazzaCama GRGronoGronoRoveredo GRSan Vittore GRSan Vittore GR
Karte von Castaneda
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Castaneda ist eine Ortschaft und eine politische Gemeinde im italienischsprachigen Teil des Schweizer Kantons Graubünden. Sie gehört zur Region Moesa.

Geographie

Castaneda mit dem gelben Schulhaus und der Kirche
Grundschule Castaneda

Castaneda liegt auf einer Terrasse im südlichen Calancatal 500 Meter über der Einmündung der Calancasca in die Moesa. Das Dorf ist die erste Gemeinde am Eingang des Calancatales. Vom gesamten Gemeindegebiet von 394 ha sind 302 ha von Wald und Gehölz bedeckt. Weitere 61 ha sind unproduktive Fläche, meist Gebirge. Nur 15 ha sind landwirtschaftliche Nutzfläche und 16 ha Siedlungsfläche.

Castaneda grenzt an Buseno, Grono, Roveredo, Santa Maria in Calanca und Verdabbio.

Geschichte

Castaneda im Januar 2010

Castaneda ist ein Flurname und leitet sich von lateinisch *castanetum ‚bei den Kastanienbäumen‘ ab.

Urgeschichte

Ein seit Mitte des 19. Jahrhunderts bekanntes eisenzeitliches Gräberfeld und Siedlungsspuren im Umkreis der Kirche von Castaneda wurden ab 1928 wiederholt systematisch untersucht. 1978 bis 1980 fanden sich in Pian del Remit Welt-Icon, nordwestlich der Kirche, unter einer eisenzeitlichen Kulturschicht neolithische Siedlungs- und Pflugspuren: eine rechteckige Grube mit umgebenden Pfostenlöchern, Feuerstellen, Keramikkonzentrationen sowie ein reichhaltiges Silex- und Bergkristallinventar. Typologisch steht der Fund anderen Komplexen aus dem Tessin (z. B. Arbedo-Castione, Giubiasco) und der Lombardei nahe. Bis zu 5 Meter lange und sich kreuzende Pflugspuren sind nach neuesten C-14-Analysen (Ergebnis: 2800–1500 v. Chr.) dem Neolithikum und der Frühbronzezeit zuzuweisen. Mehrphasige Trockenmauern in Pian del Remit sind nicht genau datierbar (Eisenzeit bis Neuzeit) und in ihrer Funktion (Gebäudegrundrisse, Terrassierungsmauern, Weidgrenzen) noch nicht näher zu bestimmen.

Vom eisenzeitlichen Gräberfeld sind rund 100 Gräber dokumentiert, wohl kaum die Hälfte des ursprünglichen Umfangs. Nachgewiesen sind gestreckte Skelettbestattungen in Steinkammergräbern, darüber Steinmonumente. Da im säurehaltigen Boden Skelettreste nur in Ausnahmefällen erhalten blieben, sind Geschlecht und Graborientierung nur anhand von Ausstattung bzw. Fundverteilung innerhalb des Grabes möglich. Die beigabenreichen Gräber enthielten pro Bestattung zum Beispiel ein bis zwei Gefässe, verschiedene Fibelformen, bronzenen Ohr- und Armschmuck, Anhänger, Gürtelhaken, Bernstein- und Glasperlen, ferner Bronzesitulen (Gefässe), Holzbecher, Eisenmesser und Schwerter. Bemerkenswert sind unter anderem etruskische Schnabelkannen, darunter ein lokal gefertigtes Exemplar mit einer Inschrift im Alphabet von Sondrio. Innerhalb des Gräberfeldes sind verschiedene Belegungsphasen räumlich zu unterscheiden. Die Dauer der Belegung umfasst die Zeit vom späten Golasecca bis zum Mittellatène (erstes Viertel 5. Jahrhundert bis erste Hälfte 2. Jahrhundert v. Chr.); verschiedene Einzelobjekte deuten einen früheren Belegungsbeginn (6. Jahrhundert v. Chr.) an. Die Gräber der älteren Eisenzeit gehören zum tessinisch-lombardischen Kulturbereich (Golaseccakultur). In den Gräbern der jüngeren Eisenzeit finden sich neben lokalen Formen auch keltische Objekte. Die Funde sind im Rätischen Museum in Chur, im Landesmuseum Zürich und im Britischen Museum in London.

Neuzeit

Castaneda teilte die Geschicke der Calanca und wurde wie die andern Talsiedlungen erst 1851 eine selbstständige Gemeinde. Die 1544 erwähnte Kirche San Salvatore bzw. später Santo Stefano wurde um 1633 barockisiert, 1932 bis 1933 renoviert. Sie war zunächst Filialkirche von Santa Maria in Calanca, ab 1848 Pfarrkirche. Nennenswert ist das sich in schlechtem Zustand befindliche Herrschaftshaus des Ritters Giovanni Antonio Gioiero, der in den Bündner Wirren eine Rolle spielte.

Seit 1982 steht in Castaneda die Primarschule für das gesamte Calancatal. 1986 errichtete der Migros-Genossenschaftsbund nach dem Willen von Adele Duttweiler, der Witwe Gottlieb Duttweilers, oberhalb von Castaneda die Kurklinik für Komplementärmedizin Al Ronc, die 2001 umfassend erneuert wurde. Von der einst wichtigen Landwirtschaft war 1999 ein Bauernbetrieb übrig geblieben, daneben bestanden einige Bauunternehmen. Im neuen Gemeindehaus wurde 1999 eine permanente Ausstellung zur Urgeschichte in Castaneda eingerichtet.

Wappen

Wappen von Castaneda GR
Wappen von Castaneda GR
Blasonierung: «In Gold auf grünem Dreiberg grüner Kastanienbaum mit Früchten»

Bevölkerung

Bevölkerungsentwicklung
Jahr180818501860190019501960200020102020
Einwohner129188232178182151221233278

Von den Ende 2004 230 Bewohnern waren 211 (= 91,74 %) Schweizer Bürger.

Politik

Castaneda und Santa Maria in Calanca, Luftbild von Werner Friedli (1954)

Der Gemeindepräsident ist seit 1980 Attilio Savioni (Stand 2025).

Sehenswürdigkeiten

Persönlichkeiten

Literatur

Commons: Castaneda GR – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

  1. ↑ Geographische Kennzahlen – Suche. Gemeindestand 06.04.2025. In: Applikation der Schweizer Gemeinden (admin.ch). Bundesamt für Statistik (BFS), abgerufen am 29. August 2025 (bei späteren Gemeindefusionen wurden die Höhenbereiche zum Stand 1. Januar 2025 zusammengefasst).
  2. ↑ Geographische Kennzahlen – Suche. Gemeindestand 06.04.2025. In: Applikation der Schweizer Gemeinden (admin.ch). Bundesamt für Statistik (BFS), abgerufen am 29. August 2025 (bei späteren Gemeindefusionen wurden die Flächen zum Stand 1. Januar 2025 zusammengefasst).
  3. ↑ Bilanz der ständigen Wohnbevölkerung nach Bezirken und Gemeinden, 1991-2025. In: bfs.admin.ch. Bundesamt für Statistik, abgerufen am 22. August 2026 (bei späteren Gemeindefusionen Einwohnerzahlen aufgrund Stand 2025 zusammengefasst).
  4. ↑ Ständige Wohnbevölkerung nach Staatsangehörigkeit 2010-2025. Bei späteren Gemeindefusionen Einwohnerzahlen aufgrund Stand 2025 zusammengefasst. Abruf am 22. August 2026
  5. 1 2 3 4 5 Patrick Nagy, Cesare Santi: Castaneda. In: Historisches Lexikon der Schweiz.
    Diese Abschnitte basieren weitgehend auf dem Eintrag im Historischen Lexikon der Schweiz (HLS), der gemäss den Nutzungshinweisen des HLS unter der Lizenz Creative Commons – Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 International (CC BY-SA 4.0) steht.
  6. ↑ Ehre, wem Ehre gebührt - Attilio Savioni: der dienstälteste Gemeindepräsident der Schweiz. In: srf.ch. 8. November 2025, abgerufen am 8. November 2025.
  7. 1 2 Simona Martinoli u. a.: Guida d’arte della Svizzera italiana. Hrsg. Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte, Edizioni Casagrande, Bellinzona 2007, S. 515, ISBN 978-88-7713-482-0
  8. ↑ 19 — Scuola elementare della Valle Calanca, Castaneda : 52 Beste Bauten Graubünden. Abgerufen am 8. April 2021.
  9. ↑ Kantonsbibliothek Graubünden. Schulhaus Castaneda (Foto) (Memento vom 11. April 2021 im Internet Archive)
  10. ↑ Aldo Crivelli: La necropoli di Castaneda. In: Rivista Storica Ticinese, Anno 9, N. 1-6, Gennaio-Dicembre 1946, Istituto Editoriale Ticinese, Bellinzona 1946, S. 1230.
  11. ↑ Franco Binda, Locarno 2013, S. 132.
  12. ↑ Giovanni Pietro Giovanelli, doi:10.5169/seals-52908#173 auf e-periodica.ch (abgerufen am 9. Januar 2017).
  13. ↑ Giovanni Battista Giovanelli, doi:10.5169/seals-52908#173 auf e-periodica.ch (abgerufen am 9. Januar 2017).
  14. ↑ Emilio Cerroti. In: Sikart