Musikantenstadl

Fernsehsendung
Titel Musikantenstadl (1981–2015)
Stadlshow (2015)
Silvesterstadl (1984, 1989–2014, 2016–2023)
Produktionsland Osterreich Österreich
Deutschland Deutschland
Schweiz Schweiz
Originalsprache Deutsch
Genre Musiksendung
Länge 140 (Silvester: 255) Minuten
Episoden 210
Ausstrahlungs­turnus bis 2015: mehrmals pro Jahr
2016 bis 2023: jährlich
Produktions­unternehmen Österreichischer Rundfunk (1981–2021)
Bayerischer Rundfunk
Schweizer Radio und Fernsehen
Regie Kurt Pongratz
Premiere 5. März 1981 auf FS2
Moderation
Karl Moik (2011)
Andy Borg (2010)
Francine Jordi (2014)

Der Musikantenstadl (Kurzbezeichnung Stadl, Titel von 1981 bis 2015 Musikantenstadl, 2015 Stadlshow, 2016 Silvesterstadl, 2017 bis 2021 Die Silvestershow mit Jörg Pilawa, von 2022 bis 2023 Die große Silvestershow) ist eine ehemalige meist live ausgestrahlte Unterhaltungssendung im öffentlich-rechtlichen Fernsehen mit volkstümlicher Musik, Blasmusik, populärer Klassik, deutschen Schlagern und internationaler Unterhaltungsmusik. Die Sendung war eine Koproduktion im Rahmen der Eurovision und tourte durch Veranstaltungsorte in Österreich, Deutschland, der Schweiz und Südtirol sowie fallweise in nicht deutschsprachigen Ländern. Produzent war der ORF in Zusammenarbeit mit dem Bayerischen Rundfunk und dem Schweizer Radio und Fernsehen.

Konzeption

Der Name der als Musikantenstadl gestarteten Sendung leitet sich von Stadel her, dem bairisch-österreichischen Wort für Scheune. Die als 120-minütige Unterhaltungssendung konzipierte Musikshow beruht auf zwei Komponenten: leicht eingängige Musik und Smalltalk. Von September bis Dezember 2015 lautete der Name der Sendung Stadlshow.

Die Produktion war nicht auf einen festen Standort beschränkt. Die Sendung wurde überwiegend in verschiedenen Städten Österreichs, Deutschlands und der Schweiz produziert. Gelegentlich wurden Sendungen auch aus Südtirol, zum Teil auch außerhalb Europas aufgezeichnet. Innerhalb des deutschen Sprachraums besuchte man dabei nicht nur die großen, sondern auch kleinere Städte. Voraussetzung für einen Besuch war allerdings die Existenz einer geeigneten Stadt- oder Sporthalle für die Show.

Den Eindruck einer Scheune erzeugten Tische mit Sitzbänken, auf denen Gäste Platz nehmen konnten, und drumherum angeordnete, etwa zwei Meter hohe Kulissen, die den Eindruck von Scheunenwänden mit verschiedenen Dekorationen wie beispielsweise zum Trocknen aufgehängten Maiskolben erwecken sollten. In der Sendung spielte lange Jahre die Wolfgang-Lindner-Band, die sämtliche eingeladene Künstler begleitete. Neben der Musik nahmen Wortbeiträge einen nahezu ebenso großen Raum ein. Dazu gehörten humoristische Einlagen durch Hias, bei denen auch Karl Moik mitwirkte, und Gespräche mit den Gästen, wobei stets der Bürgermeister und die bedeutenden Persönlichkeiten der jeweiligen Stadt zu Wort kamen.

Mit der Übernahme des Stadls durch Andy Borg im Jahr 2006 wurde dieses Konzept leicht adaptiert, aber nicht wesentlich verändert.

Weitere Eigenarten stellte der Fernsehwastl – ein Stoffhund, den die Gäste nach ihrer Darbietung zum Dank und als Erinnerung überreicht bekamen – und der Beginn einer jeden Sendung dar, bei dem Karl Moik in einem Einspielfilm die betreffende Stadt kurz vorstellte. Als musikalisches Intro erklang lange Jahre das Trompetenecho von Slavko Avsenik und seinen Original Oberkrainern. Zwischen 2006 und seinem Abschied 2015 in Pula eröffnete Andy Borg jede Sendung mit der eigenkomponierten Stadlzeit.

Erich Mathias Mayer, alias Hias, trat von 1981 bis 1991 im Musikantenstadl auf und verließ danach die Show. Zum 20-jährigen Bestehen der Sendereihe und in Karl Moiks letzter Sendung am 31. Dezember 2005 in Klagenfurt war er jedoch als Gast vertreten. Von 2006 bis 2015 sorgten Martin Rassau und Volker Heißmann als Waltraud & Mariechen für lustige Einlagen.

Präsentation

Moderation

Moderator der Sendung war ab dem Sendestart Karl Moik. Ihm zur Seite standen mit Sketchen und Wortspielen der als Bauernbursche auftretende Sänger Hias und ein Maskottchen, der Dackel Wastl.

Andy Borg, Musikantenstadl-Tournee 2010

Moiks Vertrag lief Ende Dezember 2005 aus, als Moik 67 Jahre alt war, und wurde von ORF und ARD nicht verlängert. Die Moderation der Ausgabe zum 25. Sendungsjubiläum im März 2006, die Moik angetragen worden war, lehnte er ab.

Als Nachfolger moderierte seither Andy Borg den Musikantenstadl. Nach dessen Premiere in der 145. Folge am 23. September 2006 aus Wiener Neustadt sahen die darauffolgende Sendung aus Graz über 7,5 Millionen Fernsehzuschauer in der Schweiz, Österreich und in Deutschland.

Im Februar 2015 gaben ARD, ORF und SRF bekannt, dass Borg am 27. Juni 2015 die Sendung zum letzten Mal moderieren werde. Seine Nachfolger waren der Moderator Alexander Mazza sowie die Schweizer Sängerin Francine Jordi. Das Format sollte künftig ein jüngeres Publikum ansprechen, weshalb das Konzept der Show grundlegend überarbeitet wurde. Es kam jedoch nur noch zu einer regulären Ausgabe und einer Silvesterausgabe 2015 mit den beiden.

Im Mai 2016 wurde bekannt, dass Mazza in den einzig verbliebenen Silvestersendungen als männlicher Moderationspart durch Jörg Pilawa ersetzt wird.

Wie Anfang 2022 bekannt wurde, wechselt Pilawa zum Privatsender Sat.1. Die Nachfolge von Pilawa trat Hans Sigl an, der an der Seite von Francine Jordi moderierte. Beide gaben 2024 ihren Abschied von der Sendung bekannt. Im Oktober 2024 wurde bekannt, dass Florian Silbereisen einmalig den Sendeplatz an Silvester mit einer Ausgabe des von Jürgens TV produzierten Schlagerbooms moderieren werde.

Orchester

Wolfgang Lindner jr, Musikantenstadl-Tournee 2010.

Ab 1984 war die Wolfgang-Lindner-Band als Begleit-Orchester unter dem Namen Wolfgang Lindner und seine Original Stadlmusikanten fixer Bestandteil des Musikantenstadls mit Karl Moik. Als 2005 Wolfgang Lindner aus gesundheitlichen Gründen seine Arbeit beenden musste, übergab er die Leitung an seinen Sohn Wolfgang Lindner junior, der noch die letzten Fernsehsendungen mit Karl Moik begleitete.

Mit dem Moderationswechsel 2006 wechselte auch die Band, nicht aber der musikalische Leiter. Seither begleiteten Wolfgang Lindner jr. und die jungen Stadlmusikanten die auftretenden Künstler durch die Sendungen und Tournee-Konzerte.

Sonderausgaben

Übertragungen aus dem Ausland

Die Sendung gastierte bereits in mehreren nicht-deutschsprachigen Ländern. Schon Ende August 1985 wurde der Stadl aus Portorož im damaligen Jugoslawien ausgestrahlt. Dieser Stadl war auch der erste, der nicht in einer Halle, sondern als Open-Air-Veranstaltung im Hafen des an der Adria gelegenen Ferienortes stattfand.

Durch eine Zusammenarbeit der produzierenden Rundfunkanstalten mit dem sowjetischen Rundfunk gelang es, im September 1988 eine Sendung aus Moskau zu organisieren. Als Co-Moderatorin fungierte dabei Tatjana Wedenejewa, eine bekannte russische Fernsehansagerin.

Einige Wochen nach dem Mauerfall wurde am 17. Dezember 1989 live aus der Stadthalle Cottbus gesendet, in Zusammenarbeit mit dem Fernsehen der DDR.

Ab Mitte der 1990er Jahre bis 2001 gab es vermehrt Übertragungen aus dem Ausland. Karl Moik gastierte in der Coliseum Arena im Exhibition Palace im kanadischen Toronto (1994), im Flinders Park von Melbourne (1995), in Kapstadt (1996), in Disneyworld (Orlando) (1998) sowie auf dem Platz vor dem Mittagstor in der Verbotenen Stadt in Peking (1999). Im November 2000 wurde der Stadl in New York, New Orleans und der Karibik aufgezeichnet. Etwa 3.500 Personen fuhren mit dem Kreuzfahrtschiff Carnival Triumph zum Aufzeichnungsort. Das Fernsehpublikum sah einen Zusammenschnitt der Reise im Februar 2001. Auf persönliche Einladung des Scheichs von Dubai durfte Moik im Oktober 2001 seinen Stadl in den Vereinigten Arabischen Emiraten aufzeichnen. Diese letzte Auslandsreise Moiks wurde zwei Monate später im Dezember 2001 gezeigt.

Nach einer zehnjährigen Unterbrechung führte am 7. Mai 2011 Andy Borg durch seinen ersten Auslands-Musikantenstadl live aus Poreč in Kroatien.

Silvesterstadl

Erstmals fand im Jahr 1984 eine als Silvesterstadl benannte Sonderausgabe in der Nacht vom 31. Dezember 1984 auf den 1. Jänner 1985 statt. Ab 1989 wurde jährlich eine solche Sendung ausgestrahlt. Der Silvesterstadl 2005 war gleichzeitig die letzte von Karl Moik moderierte Sendung. Seit 2016 sind keine regulären Ausgaben mehr vorgesehen.

30 Jahre Musikantenstadl

Am 12. März 2011 sollte eine Jubiläumsfolge zum 30-jährigen Bestehen der Sendung aus Freiburg im Üechtland gesendet werden. Wegen der am Vortag erfolgten Erdbebenkatastrophe in Japan und dem damit verbundenen Nuklearunfall im Kernkraftwerk Fukushima entschieden ARD und ORF, die Liveübertragung zugunsten von Sondersendungen über dieses Ereignis auszusetzen. Die Jubiläums-Ausgabe wurde schließlich am 26. März 2011 ausgestrahlt.

Ausstrahlung und Rezeption

Die erste Sendung am 5. März 1981 war noch allein vom ORF produziert und kam aus der oberösterreichischen Stadt Enns. Ab dem 16. April 1983 wurde der Musikantenstadl auch in Deutschland bundesweit ausgestrahlt. 1986 erhielt sie den Sendeplatz um 20:15 Uhr am Samstagabend. Die 50. Folge wurde am 4. Februar 1989, die 100. Folge am 15. Februar 1997 gesendet, zeitgleich mit der Erstausgabe der Stadlpost. Das zehnjährige Bestehen am 4. April 1991 sowie das 20. Jubiläum am 10. März 2001 wurden jeweils in der Wiener Stadthalle gefeiert. Da die letzte von Karl Moik moderierte Sendung am 31. Dezember 2005 lief, gab es im Jahr 2006 keine Gala zum 25-jährigen Bestehen des Stadls. Am 12. Januar 2016 gab der ORF bekannt, wegen sinkender Einschaltquoten ab 2016 keine regulären Sendungen mehr produzieren zu wollen. Zwischen den Jahren 2016 und 2019 fand jedoch die Silvesterausgabe statt. Seit 2009 (ab Folge 157) wurde die Show mit Untertiteln für Hörgeschädigte gesendet.

Ähnlich wie andere Sendungen der volkstümlichen Musik war der Musikantenstadl häufig Ziel von Parodien und Satiren, z. B. von Matthias Schriefls Band Mutantenstadl. Die Erste Allgemeine Verunsicherung bezieht sich in ihrem Stück „Mutantenstadl“ auf Karl Moik und den Musikantenstadl.

Folgen und Veranstaltungsorte

1981

1982

1983

1984

1985

1986

1987

1988

1989

1990

1991

1992

1993

1994

1995

1996

1997

1998

1999

2000

2001

2002

2003

2004

2005

2006

2007

2008

2009

2010

2011

2012

2013

2014

2015

Folgen der Stadlshow:

2016

2017

2018

2019

2020

2021

2022

2023

Weitere Produktionen

Francine Jordi und Andy Borg, Musikantenstadl-Tournee 2010.

Neben den Fernsehsendungen und den damit verbundenen Merchandising-Produkten (Kleidungsstücke, Taschen, Tassen u. ä.) werden unter der Dachmarke Musikantenstadl auch eine Reihe weiterer Produktionen vermarktet. Im Rahmen des ab 2006 veranstalteten Stadl-Nachwuchswettbewerbs traten Gruppen, Kapellen und Einzelinterpreten auf, deren Jahressieger beim Silvesterstadl mit dem Stadl-Stern ausgezeichnet wurde. Ab 2008 fand einmal im Jahr eine Musikantenstadl-Tournee mit einer Reihe von aus den Sendungen bekannten Musikern statt, die von Andy Borg moderiert wurde. 2009 gab es erstmals eine Stadl-Kreuzfahrt mit Konzerten auf einem Kreuzfahrtschiff.

Der Schlager-Spaß mit Andy Borg, der seit 2018 in regelmäßigem Turnus im SWR, SR, MDR und BR Fernsehen ausgestrahlt wird, wird aufgrund der Präsentation des langjährigen Musikantenstadl-Moderators Borg sowie der ähnlichen Konzeption als inoffizielle Nachfolgesendung des herkömmlichen Musikantenstadls angesehen.

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ „Musikantenstadl Regisseur Kurt Pongratz wurde Professor“ schlagerportal.com
  2. ↑ Die „Silvestershow mit Jörg Pilawa“ – live am 31. Dezember in ORF 2, das Erste und SRF – der.ORF.at. In: der.ORF.at. (orf.at [abgerufen am 12. September 2017]).
  3. ↑ Jochen Voß: Nicht besser, nur anders: Der neue Stadl. In: DWDL.de. 24. September 2006, abgerufen am 3. März 2023.
  4. ↑ Thomas Lückerath: "Musikantenstadl": ARD hat Nachfolger für Karl Moik gefunden. In: DWDL.de. 21. Februar 2006, abgerufen am 2. Dezember 2022.
  5. ↑ Jörg Pilawa übernimmt den "Silvesterstadl". Abgerufen am 2. September 2022.
  6. ↑ Medien – Sat.1 bestätigt: Jörg Pilawa wechselt zum Privatsender. Abgerufen am 13. Januar 2022.
  7. ↑ ARD-Silvestershow verliert fast eine Million Zuschauer. In: t-online.de. 1. Januar 2023, abgerufen am 1. Januar 2023.
  8. ↑ ARD ändert Silvesterprogramm: Florian Silbereisen moderiert den Jahreswechsel live. In: t-online.de. T-Online, 17. Oktober 2024, abgerufen am 13. November 2024.
  9. ↑ Thomas Lückerath: Information statt Unterhaltung – ARD verzichtet auf Ausstrahlung des „Musikantenstadl“. DWDL.de, 12. März 2011, abgerufen am 14. Dezember 2014.
  10. ↑ Jubiläums-"Musikantenstadl" läuft am 26. März. 15. März 2011, abgerufen am 2. September 2022.
  11. ↑ Aus für reguläre „Stadlshow“. In: oesterreich.orf.at. 12. Januar 2016, abgerufen am 22. Oktober 2017.
  12. ↑ Stadl-Nachwuchswettbewerb, kulturpreise.de
  13. ↑ ARD, ORF und SF präsentieren neuen "Musikantenstadl", beta.blickpunktfilm.de, 10. August 2006: „So werde es auf seine Anregung hin einen ganzjährigen "Stadl"-Nachwuchswettbewerb geben.“
  14. ↑ Andy Borg präsentiert großes Staraufgebot beim SILVESTERSTADL live aus Innsbruck, presseportal.de, 22. November 2006 „Außerdem dabei sind die beiden Sieger aus dem Nachwuchswettbewerb: der Schweizer Hackbrett-Virtuose Nicolas Senn (17) und die Akkordeon-Spezialistin Alexandra Schmied, 16 Jahre jung und aus Amberg / Oberpfalz. Beim SILVESTERSTADL wird der Jahressieger gekürt, als Preis gibt es den "Stadl-Stern 2006".“
  15. ↑ Peter Vogel: Der Musikantenstadl lebt im „Schlagerspa0 mit Andy Borg“ weiter. In: schlagerfieber.de. 30. März 2023, abgerufen am 27. Mai 2023 (deutsch).
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