| Mussidan | ||
|---|---|---|
| Staat | ||
| Region | Nouvelle-Aquitaine | |
| Département (Nr.) | Dordogne (24) | |
| Arrondissement | Périgueux | |
| Kanton | Vallée de l’Isle | |
| Gemeindeverband | Isle et Crempse en Périgord | |
| Koordinaten | 45° 2′ N, 0° 22′ O | |
| Höhe | 42–106 m | |
| Fläche | 3,85 km² | |
| Einwohner | 2.771 (1. Januar 2023) | |
| Bevölkerungsdichte | 720 Einw./km² | |
| Postleitzahl | 24400 | |
| INSEE-Code | 24299 | |
| Website | www.mussidan.fr | |
Rathaus (Mairie) | ||
Mussidan (Aussprache [mysiˈdɑ̃], okzitanisch Moissídan) ist eine französische Stadt mit 2771 Einwohnern (Stand: 1. Januar 2023) im Département Dordogne in der Region Nouvelle-Aquitaine. Sie gehört zum Arrondissement Périgueux und zum Gemeindeverband Communauté de communes Isle et Crempse en Périgord. Die Einwohner werden Mussidanais und Mussidanaises genannt.
Die Gemeinde erhielt 2025 die Auszeichnung „Zwei Blumen“, die vom Conseil national des villes et villages fleuris (CNVVF) im Rahmen des jährlichen Wettbewerbs der blumengeschmückten Städte und Ortschaften verliehen wird.

Mussidan liegt etwa 32 Kilometer südwestlich von Périgueux, etwa 69 Kilometer westnordwestlich von Sarlat-la-Canéda und etwa 23 Kilometer nordnordwestlich von Bergerac am Übergang der Landschaft des Landais zur Double, im touristisch benannten Périgord blanc. Das Gemeindegebiet befindet sich im Einzugsgebiet der Dordogne und wird entwässert von der Isle, die es im Norden begrenzt, und von der Crempse, die im Norden in die Isle mündet.
Das Département Dordogne liegt auf der Nordplatte des Aquitanischen Beckens und grenzt im Nordosten an einen Rand des Zentralmassivs. Es weist eine große geologische Vielfalt auf. Das Gelände ist in der Tiefe in regelmäßigen Schichten angeordnet, die von der Sedimentation auf dieser alten Meeresplattform zeugen. Das Département lässt sich daher geologisch in vier Stufen unterteilen, die sich nach ihrem geologischen Alter unterscheiden. Mussidan liegt auf der vierten Stufe von Nordosten, einem Plateau aus Kieselsandsteinablagerungen und lakustrischen Kalksteinen aus dem Tertiär. Die im Gemeindegebiet hervortretenden Schichten bestehen aus Oberflächenformationen aus dem Quartär und aus Sedimentgesteinen, teils aus dem Känozoikum, andere aus dem Mesozoikum.
Das Gebiet von Mussidan erstreckt sich über eine kaum bewaldete, gewellte Landschaft, die durch das breite Tal der Isle begrenzt wird und deren Erhebungen Höhen über 100 m selten überschreiten. Der topografisch höchste Punkt liegt mit 106 m im äußersten Südwesten an der Grenze zur Nachbargemeinde Saint-Médard-de-Mussidan, der tiefste Punkt mit 42 m im äußersten Norden beim Austritt der Isle aus dem Gemeindegebiet. Das Rathaus liegt auf etwa 58 m Höhe.
Rund 55 % der Fläche der Gemeinde sind bebaute Gebiete, rund 33 % werden landwirtschaftlich, in erster Linie heterogen, genutzt, rund 10 % sind bewaldet, rund 2 % entfallen auf Industrie-, Gewerbe- und Verkehrsflächen (Stand: 2018).
Das Zentrum von Mussidan teilen sich das Quartier de la Halle und das Quartier de la Gare sowie das dazwischenliegende Quartier Beaupuy. Am Ortsrand liegen die Quartiere Seguinou, La Clède und La Freunie.
Umgeben wird Mussidan von den fünf Nachbargemeinden:
| Saint-Front-de-Pradoux | Sourzac | |
| Saint-Médard-de-Mussidan | ||
| Les Lèches | Bourgnac |
Die Gemeinde Mussidan besitzt ein abgeschwächtes ozeanisches Klima (Cfb-Klima nach Köppen und Geiger), das sich durch folgende Parameter auszeichnet:
|
Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschläge für Mussidan
Quelle: Klimadaten Mussidan von Climate-Data.org | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
Die Angaben von Temperatur, Niederschlag, Regentag und Luftfeuchtigkeit basieren auf Daten von 1991 bis 2021, Sonnenstunden auf Daten von 1999 bis 2019.
In Mussidan ist das ganze Jahr über Niederschlag zu verzeichnen, und selbst im trockensten Monat Juli gibt es noch erhebliche Niederschläge. Die durchschnittliche Jahrestemperatur beträgt 13,6 °C. Jedes Jahr liegt die Niederschlagsmenge bei etwa 821 mm. Der Monat mit der höchsten relativen Luftfeuchtigkeit ist der Januar (83 %). Die Monate mit der niedrigsten relativen Luftfeuchtigkeit sind der Juli und der August (62 %).
Für die Zukunft können die für 2030, 2050 und 2100 nach verschiedenen Szenarien geschätzten Klimaparameter der Gemeinde auf einer speziellen Website eingesehen werden, die von Météo-France im November 2022 veröffentlicht wurde.
Es gibt zahlreiche Belege des Namens der Stadt in latinisierten Formen zwischen dem neunten und dreizehnten Jahrhundert. Mulcedonum (830) wurde zu Dux (deutsch Herzogtum) Moxedanensis gegen 1038 und Castrum (deutsch Burg) de Muxidanii. Die Buchstabengruppe -ulc führt normal zu -ox, -ux, das -uis oder -ois dann -us wurde mit Muissida im Jahre 1094, Moisedanum im Jahr 1100 und Mussidanum im Jahr 1210. Ausgehend von Mulc- gibt es auch Varianten mit Musch- und Moys-. Das 16. Jahrhundert lieferte Mucidan, das 18. fügte ein finales -t an mit Mussidant (1732). Die erste Form, Mulcedonum, löst zwei sehr verschiedene Interpretationen aus. In der Endung -donum wird das gallische °dunum- (deutsch Hügel) gesehen wie in zahlreichen Toponymen mit -dun, beispielsweise Verdun. Der erste Teil würde von einem Personennamen gallischen Ursprungs, Melissos, stammen. Eine zweite Hypothese schlägt vor, in der ersten Form das lateinische mulcedo (deutsch bezaubernd) zu erkennen, ein Ort, der nach einem der typischen Merkmale benannt ist, der ihm verliehen wurde.



Im Tal der Isle wurden um das Jahr 3000 v. Chr. Menschen sesshaft. Um 830 dürfte sich an der Stelle, die Tonvorkommen aufwies und sich für den Weinbau eignete, um ein Landgut herum bereits ein kleiner Marktflecken entwickelt haben.
Im 12. Jahrhundert unterstützten die Herren von Mussidan Eleonore von Aquitanien und damit die Engländer während ihres langen Konflikts mit der französischen Krone. Fast 300 Jahre lang blieben sie Gegner der Grafen des Périgord, die Vasallen der französischen Könige waren. Erst in der Mitte des 15. Jahrhunderts, am Ende des Hundertjährigen Kriegs, wechselten sie ins französische Lager.
Im Jahr 1497 führten die Rochefoucauld, damals Herren von Mussidan, die bis heute samstags abgehaltenen Märkte ein. Mit dem Adelsgeschlecht Gramont verbreiteten sich Anfang des 16. Jahrhunderts von Mussidan aus protestantische Ideen. In der Folge wurde der Ort während der Hugenottenkriege zu einem Zentrum der Auseinandersetzungen im Périgord. Im 16. Jahrhundert wurde er, geteilt in Katholiken und Hugenotten, wiederholt belagert (z. B. in den Essais de Montaigne 1569 erwähnt), eingenommen, zurückerobert und geplündert. Im Jahr 1624 wurden die Kirche Notre-Dame du Roc und die Burg, 1687 die protestantische Kirche zerstört. Die Aufhebung des Edikts von Nantes, das den Protestanten 1598 religiöse Toleranz gebracht hatte, durch das Edikt von Fontainebleau des Jahres 1685, zwang die örtlichen Protestanten, entweder zum katholischen Glauben zu konvertieren oder aus Frankreich zu fliehen. Die Burggrafschaft Mussidan ging an die Herzöge von La Force.
Am Vorabend der Französischen Revolution war Mussidan ein bedeutender Marktflecken an der königlichen Straße von Bordeaux nach Périgueux. Er blühte dank seiner Messen, auf denen mit Rindern, Maultieren, Schmiede-, Töpfer- und Glaswaren sowie Erzeugnissen aus der Landwirtschaft und den Wäldern gehandelt wurde. Noch musste die Isle aber gebührenpflichtig auf einer Fähre gequert werden. Eine erste Holzbrücke, die über den Fluss führte, wurde 1820 errichtet. Sie wurde 1840 durch die existierende steinerne Brücke ersetzt.
Ende des 19. Jahrhunderts verschwanden die Öl- und Getreidemühlen an der Isle, Webereien sowie Ton- und Schamottemühlen traten an ihre Stelle. Bedeutung gewannen die Verarbeitung von Wachs zu Kerzen und die Herstellung von Schuhen, Kisten und Metallwaren. Hilfreich waren die verkehrsgünstige Lage an zwei Eisenbahnstrecken und ab 1895 die Versorgung mit elektrischem Strom durch die Mühlen am Fluss.
Im Zweiten Weltkrieg lag der Ort zunächst in der „Freien Zone“ am Rand der Demarkationslinie, die Frankreich in einen von den Deutschen besetzten Teil und das vom Vichy-Regime regierte Gebiet teilte. In Mussidan formierten sich Gruppen von Widerstandskämpfern, die der deutschen Wehrmacht zusetzten. Nachdem die Deutschen im November 1942 auch die Südzone besetzt hatten, wurde die Demarkationslinie im Februar 1943 aufgehoben. Am 11. Juni 1944 erschoss ein Trupp der SS 52 Personen in Mussidan als Vergeltung für eine versuchte Sabotage der Eisenbahn durch die Résistance, darunter Raoul Grassin, den Bürgermeister der Stadt. An dem Massaker beteiligt war auch die sogenannte SS Mohamed, eine Brigade von in Nordafrika geborenen, mit den deutschen Besatzern kollaborierenden Franzosen unter Führung von Alexandre Villaplane.
In den 1950er Jahren war Mussidan ein wichtiges Industriezentrum im Département Dordogne. Nach einer Zeit der Krise erlebt die Stadt nun einen Aufschwung dank der Autobahn A 89, deren Anschlussstelle Mussidan-Sud knapp vier Kilometer südlich der Innenstadt angelegt wurde.
| Mussidan: Einwohnerzahlen von 1793 bis 2020 | ||||
|---|---|---|---|---|
| Jahr | Einwohner | |||
| 1793 | 1.286 | |||
| 1800 | 1.176 | |||
| 1806 | 1.411 | |||
| 1821 | 1.630 | |||
| 1831 | 1.700 | |||
| 1836 | 1.953 | |||
| 1841 | 1.744 | |||
| 1846 | 1.862 | |||
| 1851 | 1.919 | |||
| 1856 | 2.028 | |||
| 1861 | 1.917 | |||
| 1866 | 2.070 | |||
| 1872 | 1.980 | |||
| 1876 | 2.062 | |||
| 1881 | 2.025 | |||
| 1886 | 2.037 | |||
| 1891 | 2.206 | |||
| 1896 | 2.215 | |||
| 1901 | 2.284 | |||
| 1906 | 2.350 | |||
| 1911 | 2.416 | |||
| 1921 | 2.453 | |||
| 1926 | 2.449 | |||
| 1931 | 2.416 | |||
| 1936 | 2.653 | |||
| 1946 | 3.018 | |||
| 1954 | 3.006 | |||
| 1962 | 3.024 | |||
| 1968 | 3.048 | |||
| 1975 | 3.235 | |||
| 1982 | 3.236 | |||
| 1990 | 2.985 | |||
| 1999 | 2.843 | |||
| 2006 | 2.829 | |||
| 2013 | 2.847 | |||
| 2020 | 2.788 | |||
| Quelle(n): EHESS/Cassini bis 1999, INSEE ab 2006 Anmerkung(en): Ab 1962 offizielle Zahlen ohne Einwohner mit Zweitwohnsitz | ||||
Die Gemeinde verfügt über
| Mussidan | Département | Metropolitan-Frankreich | ||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Gesamt | Männer | Frauen | Gesamt | Männer | Frauen | Gesamt | Männer | Frauen |
| 68,9 % | 69,6 % | 68,2 % | 74,8 % | 75,9 % | 73,7 % | 75,7 % | 78,2 % | 73,3 % |
Die Beschäftigungsrate der Gemeinde ist niedriger als die des Départements Dordogne und die von Metropolitan-Frankreich. Die meisten Beschäftigten der Bewohner arbeiteten 2023 außerhalb von Mussidan (70,0 %), 8,9 % mehr als in 2017. Dabei benutzten sie zur Arbeitsstelle 2023 zu 79,8 % ein Auto, einen Last- oder Lieferwagen, nur 5,3 % ein öffentliches Verkehrsmittel.
| Mussidan | Département | Metropolitan-Frankreich | |||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Gesamt | 15–24 | 25–54 | 55–64 | Gesamt | 15–24 | 25–54 | 55–64 | Gesamt | 15–24 | 25–54 | 55–64 |
| 18,3 % | 28,9 % | 15,7 % | 19,2 % | 11,2 % | 21,7 % | 10,1 % | 9,5 % | 11,0 % | 21,9 % | 9,8 % | 9,0 % |
Die Arbeitslosenquote ist bei allen Werten höher im Vergleich zum gesamten Département und zu Metropolitan-Frankreich. Im Vergleich zu 2017 fiel die Gesamtarbeitslosenquote der Gemeinde allerdings um 4,2 %, in der Altersklasse von 15- bis 24-Jährigen um 8,0 %.
274 nicht-landwirtschaftliche Gewerbebetriebe waren im Jahr 2024 in Mussidan wirtschaftlich aktiv:
| Branche | Anzahl | % |
|---|---|---|
| Fertigung, Bergbau und andere Industrien | 24 | 8,8 % |
| Baugewerbe | 20 | 7,3 % |
| Groß- und Einzelhandel, Verkehr, Beherbergung und Gastronomie | 60 | 21,9 % |
| Information und Kommunikation | 2 | 0,7 % |
| Finanzen und Versicherungen | 10 | 3,6 % |
| Immobilien | 10 | 3,6 % |
| Fachbezogene, wissenschaftliche und technische Tätigkeiten sowie administrative und unterstützende Dienstleistungstätigkeiten | 37 | 13,5 % |
| Öffentliche Verwaltung, Bildung, menschliche Gesundheit und soziales Handeln | 72 | 26,3 % |
| Andere Dienstleistungen | 39 | 14,2 % |
| Gesamt | 274 |
Im Jahr 2020 lag die technisch-ökonomische Ausrichtung der Landwirtschaft der Gemeinde mit dem Fokus auf Polykulturen und/oder Mischbetriebe in der Tierhaltung. Die Zahl der aktiven landwirtschaftlichen Betriebe in der Gemeinde stieg von 6 bei der Landwirtschaftszählung von 1988 auf 7 im Jahr 2000, sank auf 6 im Jahr 2010 und auf 4 im Jahr 2020, insgesamt ein Rückgang von 33,3 % in 32 Jahren. Die landwirtschaftlich genutzte Fläche verkleinerte sich von 102 Hektar im Jahre 1988 auf 14 Hektar im Jahre 2020. Die genutzte Fläche pro Betrieb verminderte sich in diesem Zeitraum von 17 Hektar auf 3,5 Hektar.
Die zur Departementsstraße D 709 herabgestufte ehemalige Nationalstraße N 709 von Mussidan nach Bergerac umfährt das Gemeindegebiet. Die von ihr abzweigende D 709E1 durchquert es hingegen.
Mussidan verfügt über einen Bahnhof an der Bahnstrecke Coutras–Tulle, der am 20. Juli 1857 von der Compagnie du chemin de fer de Paris à Orléans (PO) eröffnet wurde. Im Jahr 1888 kam eine Zweigstrecke nach Bergerac hinzu, 1890 eine weitere nach Ribérac (1894 bis Magnac-Touvre verlängert, Bahnstrecke Magnac-Touvre–Marmande), womit der Bahnhof Mussidan zum Kreuzungsbahnhof wurde. Bereits 1939 wurde der Personenverkehr von Magnac-Touvre über Mussidan nach Bergerac wieder eingestellt. Das Gleis nach Bergerac wurde 1942 von den deutschen Besatzern abgebaut. Zwischen Mussidan und Magnac-Touvre endete 1951 auch der Güterverkehr.
Der Bahnhof von Mussidan wird von Zügen von drei Linien des TER Nouvelle-Aquitaine, einer Regionalbahn der staatlichen SNCF, im Auftrag der Region Nouvelle-Aquitaine, angefahren, die die Stadt mit Bordeaux-Saint-Jean und mit Ussel über Périgueux und Brive-la-Gaillarde, mit Limoges über Périgueux und mit dem Lieu-dit Niversac in der Gemeinde Boulazac Isle Manoire über Périgueux verbinden.