Calw

Wappen Deutschlandkarte
Calw
Deutschlandkarte, Position der Stadt Calw hervorgehoben
Basisdaten
Koordinaten: 48° 43′ N, 8° 44′ OKoordinaten: 48° 43′ N, 8° 44′ O
Bundesland:Baden-Württemberg
Regierungsbezirk: Karlsruhe
Landkreis: Calw
Höhe: 347 m ü. NHN
Fläche: 59,88 km²
Einwohner: 24.750 (31. Dez. 2025)
Bevölkerungsdichte: 413 Einwohner je km²
Postleitzahl: 75365
Vorwahlen: 07051, 07053Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/Vorwahl enthält Text
Kfz-Kennzeichen: CW
Gemeindeschlüssel: 08 2 35 085
Stadtgliederung: 13 Stadtteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Marktplatz 9
75365 Calw
Website: calw.de, rathauscalw.de
Oberbürgermeister: Florian Kling (SPD)
Lage der Stadt Calw im Landkreis Calw
KarteOstelsheimEnzkreisLandkreis KarlsruheLandkreis KarlsruheLandkreis BöblingenLandkreis TübingenLandkreis RastattLandkreis FreudenstadtPforzheimBad HerrenalbDobelHöfen an der EnzUnterreichenbachSchömberg (Landkreis Calw)Oberreichenbach (Schwarzwald)Bad LiebenzellAlthengstettCalwBad Teinach-ZavelsteinBad WildbadEnzklösterleNeuweilerSimmersfeldAltensteigRohrdorf (Landkreis Calw)EgenhausenHaiterbachNagoldWildberg (Schwarzwald)EbhausenNeubulachGechingenOstelsheimSimmozheimSimmozheim
Karte

Calw [kalf] ist eine Mittelstadt in Baden-Württemberg, etwa 18 Kilometer südlich von Pforzheim und 33 Kilometer westlich von Stuttgart gelegen. Die Kreisstadt, zugleich die größte Stadt im Landkreis Calw, bildet ein Mittelzentrum für die umliegenden Gemeinden. Seit 1. Januar 1976 ist Calw Große Kreisstadt. Sie gehört zur Region Nordschwarzwald und zur Randzone der europäischen Metropolregion Stuttgart.

Geographie

Marktplatz mit Fachwerkhäusern
Geburtshaus von Hermann Hesse am Marktplatz
Salzkasten von 1696 (ehemaliges Salzlager, heute Teil der Stadtverwaltung)

Lage

Calw liegt im Tal der Nagold im Nordschwarzwald in einer Höhe zwischen 330 und 630 Meter ü. NHN. Die Altstadt befindet sich westlich des Flusses, die neueren Stadtteile entwickeln sich an den Hängen. Weitere Gewässer im Stadtgebiet: Tälesbach, Ziegelbach, Wurstbrunnenbach, Schießbach, Schlittenbach und Schweinbach. Im nördlichen Stadtgebiet am westlichen Hang des Nagoldtals liegt die Bruderhöhle.

Nachbargemeinden

Die folgenden Städte und Gemeinden grenzen an die Stadt Calw (im Uhrzeigersinn, beginnend im Norden): Bad Liebenzell, Althengstett, Gechingen, Wildberg, Neubulach, Bad Teinach-Zavelstein und Oberreichenbach (alle Landkreis Calw).

Stadtgliederung

Das Stadtgebiet Calws gliedert sich in die 13 Stadtteile Altburg, Oberriedt, Speßhardt, Spindlershof, Weltenschwann, Calw, Alzenberg, Heumaden, Wimberg, Hirsau, Ernstmühl, Holzbronn und Stammheim. Die offizielle Benennung der Stadtteile erfolgt in der Form „Calw, …“, die räumlichen Grenzen der Stadtteile sind die der früheren Gemeinden oder der Ortsteile der früheren Gemeinden. Das Stadtgebiet gliedert sich in die fünf Wohnbezirke im Sinne der baden-württembergischen Gemeindeordnung Wohnbezirk I (mit den Stadtteilen Altburg, Oberriedt, Speßhardt, Spindlershof und Weltenschwann), Wohnbezirk II (mit den Stadtteilen Calw, Alzenberg, Heumaden und Wimberg), Wohnbezirk III (mit den Stadtteilen Hirsau und Ernstmühl), Wohnbezirk IV (der Stadtteil Holzbronn) und Wohnbezirk V (der Stadtteil Stammheim). In den Grenzen der Wohnbezirke mit Ausnahme des Wohnbezirks II sind Ortschaften im Sinne der baden-württembergischen Gemeindeordnung mit jeweils eigenem Ortschaftsrat und Ortsvorsteher als dessen Vorsitzendem eingerichtet.

In den Grenzen des Wohnbezirks I liegen das Dorf Altburg und die Weiler Oberriedt, Speßhardt, Spindlershof und Weltenschwann. In den Grenzen des Wohnbezirk II liegen die Stadt Calw, das Dorf Alzenberg, die Orte Heumaden, Schützenhaus und Wimberg und die Häuser Tanneneck. In den Grenzen des Wohnbezirks III liegen der Luftkurort Hirsau mit dem gleichnamigen ehemaligen Kloster Hirsau und die Ortschaft Ernstmühl, die Orte Bleiche (Kurhaus) und Lützenhardt und die Häuser Kleinmuldbach sowie die Wüstung Gumprechtsweiler. In den Grenzen des Wohnbezirks IV liegen das Dorf Holzbronn und die Häuser und Bahnstation Talmühle. In den Grenzen des Wohnbezirks V liegen das Dorf Stammheim, die Orte Station Teinach, Baumwollspinnerei Calw, die Höfe Hof Dicke und Hof Waldeck und die Häuser Obere Mühle, Öländerle, Ölmühle, Rehgrundklinge und Untere Mühle sowie die Wüstung Thuma.

Raumplanung

Calw bildet ein Mittelzentrum innerhalb der Region Nordschwarzwald, deren Oberzentrum die Stadt Pforzheim ist. Zum Mittelbereich Calw gehören neben der Stadt Calw noch die Städte und Gemeinden Althengstett, Bad Liebenzell, Bad Teinach-Zavelstein, Gechingen, Neubulach, Neuweiler, Oberreichenbach, Ostelsheim, Simmozheim und Unterreichenbach des Landkreises Calw. Mit der Gemeinde Oberreichenbach hat die Stadt Calw eine vereinbarte Verwaltungsgemeinschaft.

Schutzgebiete

Calw hat Anteil an zwei Naturschutzgebieten: den Gültlinger und Holzbronner Heiden um den Stadtteil Holzbronn und dem Würm-Heckengäu um den Stadtteil Stammheim. Beide sind von gleichnamigen Landschaftsschutzgebieten umgeben. An der Nagold, die das Stadtgebiet von Süden nach Norden durchfließt, befindet sich das Landschaftsschutzgebiet Nagoldtal. Westlich von Hirsau befindet sich das Landschaftsschutzgebiet Schweinbachtal. Zudem hat Calw Anteil an zwei Fauna-Flora-Habitat-Gebieten, dem Kleinenztal und Schwarzwaldrandplatten und dem Calwer Heckengäu. Das gesamte Stadtgebiet liegt zudem im Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord.

Geschichte

Reste der Calwer Stadtmauer

Etymologie und Aussprache

Der Name kommt von mittelhochdeutsch kalwe, althochdeutsch chalawa „kahle Stelle“. Calw wurde früher [kalp] ausgesprochen und verschiedentlich auch Kalb geschrieben. Heute spricht man [kalf], jedoch [v] in dem Adjektiv / der Einwohnerbezeichnung Calwer. Im Schwäbischen hält sich die Aussprache [kalb].

Mittelalter

Im 11. Jahrhundert entstand Calw, das vermutlich 1037 als Calewa (Echtheit umstritten), spätestens 1075 als Chalawa erstmals urkundlich erwähnt wurde, als Siedlung um eine Burg der Hirsauer Klostervögte, in deren Nachfolge die Grafen von Calw stehen. Nach dem Aussterben der Grafen kam die Herrschaft der Stadt über zwei Erbtöchter an die Grafen von Berg-Schelklingen und die Pfalzgrafen von Tübingen. Erstere verkauften ihre Hälfte bereits 1308, die Tübinger 1345 an Württemberg. Im Mittelalter war Calw eine bedeutende Handelsstadt, insbesondere mit Tuch- und Lederhandel.

Württembergische Zeit

Calw 1681 im Kieserschen Forstlagerbuch

1345 kam die Stadt zur Grafschaft Württemberg und wurde bald Sitz eines Amtes. Bereits vor 1459 wurde eine Lateinschule eingerichtet. Ab 1500 lag Calw als Teil des Herzogtums Württemberg im Schwäbischen Reichskreis. Im 16. Jahrhundert war die Stadt Sommerresidenz der württembergischen Herzöge. Johann Valentin Andreae wurde 1620 Superintendent in Calw, wo er die Reform des Schul- und Sozialwesens sowie die Armenpflege erfolgreich anging. Calw war damals mit etwa 3.500 Einwohnern halb so groß wie Stuttgart und durch seine florierende Wollproduktion eine der wirtschaftlich bedeutendsten Städte des alten Württemberg. Gleichzeitig herrschte unter der ärmeren Bevölkerung verbreitet soziale Not. Andreae überzeugte die reichen Calwer Handelsherrn von der Notwendigkeit der Gründung „einer christlichen, gottliebenden Gesellschaft“ zur Unterstützung der Armen, Kranken und der Jugend. So entstand aus einem Kreis von 13 Männern und 7.100 Gulden Grundvermögen die sogenannte Calwer Färberstiftung, eine soziale Einrichtung, die bis 1923 Bestand hatte.

Im Dreißigjährigen Krieg wurde Calw nach der Niederlage der mit Württemberg verbündeten Schweden in der Schlacht bei Nördlingen 1634 von kaiserlichen Truppen besetzt und zerstört. Eine erneute Besetzung erfolgte 1692 während des Pfälzischen Erbfolgekriegs durch die Franzosen.

Nach Ende des Dreißigjährigen Krieges stieg die Calwer Zeughandlungskompagnie, ein im Verlagssystem organisiertes Unternehmen für Wollprodukte, zum bedeutendsten Exporteur Altwürttembergs auf. Im 18. Jahrhundert kam es durch den Holzhandel (Flößerei) wieder zu einer wirtschaftlichen Blütezeit. 1807, ein Jahr nach der Gründung des Königreichs Württemberg, wurde das alte württembergische Oberamt Calw mit dem Klosteramt Hirsau vereinigt und später mehrfach verändert.

Im 18. Jahrhundert wurden in Calw durch Joseph Gottlieb Kölreuter, Joseph Gärtner und dessen Sohn Karl Friedrich wichtige Forschungen auf dem Gebiet der Botanik betrieben. Mit der Errichtung der Schwarzwaldbahn erhielt Calw 1872 Anschluss an das Streckennetz der Königlich Württembergischen Staats-Eisenbahnen.

NS-Zeit

Lederstraße (Fußgängerzone)

1938 wurde das Oberamt Calw mit den meisten Gemeinden der Oberämter Nagold und Neuenbürg in den Landkreis Calw umgewandelt.

Im August 1941 wurde die 17-jährige Calwerin Erna Brehm aufgrund ihrer Liebesbeziehung mit einem polnischen Zwangsarbeiter, welche als solche nach der Verordnung zur Ergänzung der Strafvorschriften zum Schutz der Wehrkraft des Deutschen Volkes als „wehrfeindliche Verbindung“ unter Strafe gestellt worden war, auf dem Marktplatz öffentlich kahlgeschoren. Nach Absitzen einer achtmonatigen Haftstrafe in Calw und Stuttgart wurde sie wegen des Vorwurfs der Rassenschande ins KZ Ravensbrück deportiert, aus dem sie im April 1944 als lagerunfähig entlassen wurde. Im August 1951 starb sie an den Folgen der Haftbedingungen.

Im Januar 1945 wurde in Calw ein Nebenlager des Konzentrationslagers Natzweiler-Struthof eingerichtet, in dem rund 200 jüdische Frauen, von denen die meisten aus Polen oder Ungarn stammten, Zwangsarbeit verrichten mussten. Am 15. April wurde Calw nach kurzem Kampf von Kräften der französischen 1ere armée befreit.

Nachkriegszeit

Blick in die Salzgasse

Nach dem Zweiten Weltkrieg fiel Calw in die Französische Besatzungszone und kam 1947 zum neu gegründeten Land Württemberg-Hohenzollern. 1952 ging das provisorische Nachkriegsland im Regierungsbezirk Südwürttemberg-Hohenzollern auf und gehört seither zum neuen Bundesland Baden-Württemberg.

1957 wurde der Ortsteil Heumaden gegründet. Bei der Kreisreform zum 1. Januar 1973 erhielt der Landkreis Calw seine heutige Ausdehnung. Er wurde Teil der neu gegründeten Region Nordschwarzwald, die zugleich dem neu umschriebenen Regierungsbezirk Karlsruhe zugeordnet wurde. Damit wird die ehemals württembergische Stadt nunmehr auch von der ehemals badischen Hauptstadt Karlsruhe aus verwaltet. Im Rahmen der Gebietsreform wurde bereits am 1. Mai 1972 die Gemeinde Holzbronn nach Stammheim eingemeindet. Am 1. Januar 1975 wurde Calw mit den Gemeinden Altburg, Hirsau und Stammheim zur Stadt Calw-Hirsau vereinigt. Mit dieser Vereinigung überschritt die Einwohnerzahl der Stadt die 20.000-Einwohner-Grenze. Daraufhin stellte die Stadtverwaltung den Antrag auf Erhebung zur Großen Kreisstadt, dem die baden-württembergische Landesregierung mit Wirkung vom 1. Januar 1976 zustimmte. An diesem Tag erhielt die neue Stadt den (alten) Namen Calw.

Am 25. Mai 2009 erhielt die Stadt den von der Bundesregierung verliehenen Titel „Ort der Vielfalt“.

Eingemeindungen

Hirsau mit Kloster 1907

Die folgenden Gemeinden wurden nach Calw eingegliedert oder mit der Stadt Calw zusammengeschlossen:

Einwohnerentwicklung

Einwohnerzahlen nach dem jeweiligen Gebietsstand; die Zahlen sind Schätzungen, Volkszählungsergebnisse (¹) oder amtliche Fortschreibungen der jeweiligen Statistischen Ämter (nur Hauptwohnsitze):

Einwohnerentwicklung von Calw nach nebenstehender Tabelle. Oben von 1525 bis 2017. Unten ein Ausschnitt ab 1871
Jahr / DatumEinwohner
1525ca. 1.500
16222.545
17021.896
18033.199
18494.529
1. Dezember 18715.582
1. Dezember 1880 ¹4.662
1. Dezember 1890 ¹4.522
1. Dezember 1900 ¹4.943
1. Dezember 1910 ¹5.595
16. Juni 1925 ¹5.681
16. Juni 1933 ¹5.478
17. Mai 1939 ¹6.160
19466.795
Jahr / DatumEinwohner
13. September 1950 ¹7.416
6. Juni 1961 ¹9.690
27. Mai 1970 ¹13.075
31. Dezember 197521.561
31. Dezember 198023.165
27. Mai 1987 ¹21.018
31. Dezember 199022.668
31. Dezember 199523.709
31. Dezember 200023.357
31. Dezember 200523.828
31. Dezember 201023.230
31. Dezember 201523.232
31. Dezember 202023.716

¹ Volkszählungsergebnis

Konfessionen und Religionen

Stadtkirche

Evangelische Kirche

Calw gehörte ursprünglich zum Landkapitel Weil der Stadt im Archidiakonat Trinitatis des Bistums Speyer. Ab 1534 wurde in Calw wie im gesamten damaligen Herzogtum Württemberg die Reformation eingeführt. Calw wurde 1555 Sitz eines Dekanats. Zunächst gehörte es zur Generalsuperintendentur Maulbronn, ab 1823 zu Tübingen und heute zur Prälatur Reutlingen. Der ehemalige Kirchenbezirk Calw fusionierte zum 1. Januar 2019 mit dem ehemaligen Kirchenbezirk Nagold zum neuen Kirchenbezirk Calw-Nagold der Evangelischen Landeskirche in Württemberg. Dekan in Calw, seit 2019 auch für den Kirchenbezirk Calw-Nagold, ist seit 2004 Erich Hartmann. Im Stadtgebiet Calws gibt es die Gesamtkirchengemeinde Calw, bestehend aus der Innenstadtgemeinde (Stadtkirche Calw), der Bergkirchengemeinde Wimberg/Alzenberg und der Versöhnungskirchengemeinde Heumaden. Die beiden letztgenannten Kirchengemeinden sind erst durch Zuzug von Heimatvertriebenen nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden. Ferner gibt es selbständige Kirchengemeinden in den Stadtteilen Altburg, Hirsau, Holzbronn und Stammheim.

Katholische Kirche

Kreidezeichnung von 1919: Blick vom Kaffeehaus (oberes Westfenster) zur Stadtkirche

Im 19. Jahrhundert zogen auch wieder Katholiken nach Calw. Sie gründeten 1885/1886 die Pfarrei St. Josef, die später Sitz eines Dekanats innerhalb des Bistums Rottenburg (heute Diözese Rottenburg-Stuttgart) wurde. Die Pfarrei St. Josef ist heute für das gesamte Stadtgebiet und für einige Umlandgemeinden zuständig und bildet zusammen mit der Pfarrei St. Lioba Bad Liebenzell die Seelsorgeeinheit 2 Calw-Bad Liebenzell innerhalb des Dekanats Calw.

Andere christliche Konfessionen

Neben diesen beiden Kirchen gibt es in Calw auch Freikirchen, darunter das Jesus-Zentrum (Bund Freikirchlicher Pfingstgemeinden) im Stammheimer Feld, eine Adventgemeinde (gegründet 1914) und eine Gemeinde der Evangelisch-methodistischen Kirche in Stammheim.

Auch die Neuapostolische Kirche ist in den Stadtteilen Heumaden, Holzbronn, und Stammheim vertreten.

Der Stadtteil Wimberg beheimatet ein Konferenzzentrum der Internationalen Schule des Goldnen Rosenkreuzes, Lectorium Rosicrucianum.

Islam

Im Stadtteil Hirsau gibt es eine türkische Moschee der DITIB. In Heumaden existiert seit 1995 eine bosnische Moschee der IGBD.

Politik

Gemeinderat

Der Gemeinderat der Stadt Calw hat seit der Wahl 2024 insgesamt 26 Mitglieder, die den Titel Stadträtin/Stadtrat führen. Außerdem gehört ihm als Vorsitzender der Oberbürgermeister mit Sitz und Stimme an. Bei der Kommunalwahl am 9. Juni 2024 kam es zu folgendem Ergebnis:

Rathaus Calw
Partei / ListeStimmenanteil+ / − %pSitze+ / −
Gemeinsam für Calw32,4 %+ 1,78± 0
FW27,2 %− 0,77± 0
CDU14,9 %− 2,14± 0
Neue Liste Calw–− 14,1–− 4
SPD8,1 %+ 0,22± 0
LINKE2,0 %− 0,31± 0
AfD7,7 %+ 7,72+ 2

Die Wahlbeteiligung lag 2024 bei 55,5 Prozent.

Bürgermeister

An der Spitze der Stadt Calw stand schon im 15. Jahrhundert ein Bürgermeister, der vom Gericht alle zwei Jahre gewählt wurde. Ein Rat ist seit 1433 nachweisbar. Seit der Erhebung zur Großen Kreisstadt 1976 trägt das Stadtoberhaupt den Titel Oberbürgermeister. Sein Stellvertreter ist der Erste Beigeordnete mit der Amtsbezeichnung Bürgermeister.

Bürgermeister bis 1971
  • 1799–1802: Ernst Friedrich Wagner
  • 1802–1809: Ernst Bernhard Wagner
  • 1809–1817: Johann Gottfried Konrad und Johann Naschold
  • 1817–1820: Carl Friedrich von Gärtner
  • 1820–1826: Johann Jakob Hess
  • 1826–1835: Johann Friedrich Dreiß
  • 1835–1884: Christian Friedrich Schuldt
  • 1884–1902: Hermann Haffner
  • 1902–1918: Eduard Conz
  • 1918–1946: Otto Göhner
  • 1946–1948: Oskar Blessing
  • 1948–1965: Reinhold Seeber
  • 1965–1971: Karl-Heinz Lehmann
Oberbürgermeister ab 1971

Wappen

Wappen von Calw
Wappen von Calw
Blasonierung: „In Gold auf blauem Dreiberg ein stehender blaubezungter, blau gekrönter roter Löwe.“
Wappenbegründung: Der Löwe auf dem Dreiberg ist das Wappen der Grafen von Calw, der früheren Ortsherren der Stadt. Um 1250 wurden Calw die Stadtrechte verliehen, aus derselben Zeit stammt auch das früheste Siegel. Das Wappen hat sich im Grunde nie verändert, außer dass der Dreiberg mal drei, mal vier Gipfel hat. Die Farben sind seit 1535 bekannt. Es wurde auch von der im Rahmen der Gebietsreform der 1970er Jahre neu gebildeten Stadt übernommen. Dabei wurde es am 20. Juli 1976 vom Regierungspräsidium Karlsruhe neu verliehen.

Die Stadtflagge ist rot-gelb.

Städtepartnerschaften

Mit folgenden Gemeinden hat Calw eine Städtepartnerschaft geschlossen:

Wirtschaft und Infrastruktur

Betriebe

Verkehr

Calwer Ortseingangsschild
Modell der Stadt Calw auf dem Marktplatz
Lederstraße (Fußgängerzone)
Pavillon und Fachwerkhäuser an der Nagold

Calw liegt an den Bundesstraßen 295, 296 und 463. Die B 296 hat aus dem Nagoldtal bergauf in Richtung Stuttgart zwei Fahrstreifen (Stuttgarter Straße bis Abzweig Heinz-Schnaufer-Straße, gegen Ende B 295). Der 2,7 km lange Abschnitt erleichtert somit in zwei Serpentinen das Überholen von langsameren Fahrzeugen.

Alter Bahnhof Calw
Der Bahnhof vor der Erweiterung für die Hermann-Hesse-Bahn, über dem Parkhaus

Calw hat insgesamt vier Bahnstationen. Zwei davon liegen an der Nagoldtalbahn von Pforzheim nach Hochdorf, darunter der direkt beim zentralen Omnibusbahnhof gelegene Haltepunkt Calw sowie der Haltepunkt Hirsau. Die anderen beiden, der Bahnhof Calw HHB und der Haltepunkt Calw-Heumaden liegen an der in Richtung Stuttgart führenden württembergischen Schwarzwaldbahn. Der alte, außerhalb des Stadtzentrums gelegene Bahnhof Calw diente früher als Verknüpfungsbahnhof der beiden Strecken und wurde 1989 aufgelassen. Das repräsentative Empfangsgebäude dient heute anderen Zwecken. Der Streckenabschnitt Althengstett–Calw wurde seit 1983 nicht mehr befahren. Seit seiner Übernahme durch den Landkreis Calw im Jahr 1994 bemühte sich dieser um die Reaktivierung im Zuge des Projekts Hermann-Hesse-Bahn (HHB), die zum 1. Februar 2026 erfolgte.

Den übrigen öffentlichen Personennahverkehr bedienen mehrere Buslinien der Unternehmen Däuble, Pflieger, Rexer/BVN, Teinachtal-Reisen, Volz und SüdwestBus innerhalb der Verkehrsgesellschaft Bäderkreis Calw (VGC). Neben der Erschließung der Städte und Gemeinden im Landkreis Calw bestehen auch überregionale Buslinien nach Böblingen, Herrenberg und Weil der Stadt.

Durch Alltagsrouten aus dem Radnetz Baden-Württemberg ist Calw

Zudem verläuft als Landes-Radfernweg der Heidelberg-Schwarzwald-Bodensee-Radweg entlang der Nagold durch Calw, der insgesamt von Heidelberg nach Radolfzell führt.

Behörden, Gericht und Einrichtungen

Calw ist Sitz des Landratsamts des Landkreises Calw. Ferner gibt es ein Finanzamt und ein Amtsgericht, das zum Gerichtsbezirk des Landgerichts Tübingen und dem des OLG Stuttgart gehört.

Die Stadt ist Sitz des Kirchenbezirks Calw der Evangelischen Landeskirche in Württemberg und des Dekanats Calw der Diözese Rottenburg-Stuttgart.

1866 bis 1934 war Calw Sitz der Industrie- und Handelskammer Calw.

Militär

Das Kommando Spezialkräfte (KSK) der Bundeswehr ist seit 1996 in der Graf-Zeppelin-Kaserne bei Calw-Heumaden stationiert. Von 1961 bis zu ihrer Auflösung im September 1996 war die Luftlandebrigade 25 (LLBrig 25), bis 1971 unter dem Namen Fallschirmjägerbrigade 25, in Calw stationiert.

Medien

Logo des Schwarzwälder Boten

Für das Calwer Stadtgebiet existierten seit 1826 die von Adam Friedrich Rivinius gegründeten Wöchentlichen Nachrichten für die Oberamtsbezirke Calw und Neuenbürg, die 1850 unter Adolf Oelschläger im Calwer Wochenblatt und 1912 unter dessen Schwiegersohn Paul Adolff im Calwer Tagblatt aufgingen (das im Dritten Reich zwischen 1934 und 1945 unter dem Titel Schwarzwald-Wacht als alleiniges Amtsblatt für die Stadt und den Oberamtsbezirk Calw firmierte). Seit 1968 erscheint das Calwer Tagblatt als Regionalteil im Mantel der Kreisnachrichten des Schwarzwälder Boten als einzige Calwer Tageszeitung. Von September bis Dezember 1947 bediente zudem die Schwäbische Zeitung mit einer „Ausgabe Calw/Freudenstadt“ das Calwer Stadtgebiet.

Bildung

Kultur, Kunst und Sehenswürdigkeiten

Nikolausbrücke mit Hermann-Hesse-Standbild (rechts)
Brunnen auf dem Hermann-Hesse-Platz, links die Nikolausbrücke

Die Altstadt von Calw blieb von Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg weitgehend verschont. Von vielen Gästen besucht werden der Marktplatz der Stadt und die Nikolausbrücke.

In den 1970er Jahren wurde ein Teil der historischen Innenstadt durch ein Einkaufszentrum ersetzt, die Innenstadt bald darauf durch die Einrichtung einer Fußgängerzone normiert und abgeriegelt. Gebäude mit Waschbeton-Fassaden (Busbahnhof, Parkhaus) prägen seit einigen Jahren den der Nagold zugewandten Teil. Ein um die Jahrtausendwende gebautes weiteres Einkaufszentrum begrenzt die Altstadt nach Norden.

Zu den Höhepunkten des Calwer Kulturjahrs gehört der Calwer Hermann-Hesse-Preis. Mit ihm werden alle zwei Jahre Literaturzeitschriften und Übersetzer ausgezeichnet, die sich um das Werk von Hesse verdient gemacht haben; das Hermann-Hesse-Kolloquium, aktuelle Fragen zum Thema Hermann Hesse werden hier von internationalen Fachleuten diskutiert.

Jedes Jahr finden in der Ruine des Benediktiner-Klosters St. Peter und Paul die Festspiele zum „Calwer Klostersommer in Hirsau“ statt, die 2008 die traditionsreichen Klosterspiele Hirsau ablösten. Hermann Hesses Gerbersauer Erzählungen sind der Stoff für den jährlich stattfindenden „Gerbersauer Lesesommer“. Aus über drei Dutzend Erzählungen und Betrachtungen Hesses über das Leben in Gerbersau, sein literarisches Pseudonym für Calw, werden Geschichten und Anekdoten vorgetragen. Ein besonders Merkmal der Lesereihe bilden dabei die oftmals originalen Schauplätze.

Einen kulturellen Schwerpunkt der Hesse-Stadt bildet die Musik; genannt seien die Aurelius-Sängerknaben, deren Renommee weit über die Grenzen Baden-Württembergs hinausreicht. Weitere musikalische Akzente werden von den Konzertreihen in der Evangelischen Stadtkirche und in der St.-Aurelius-Kirche gesetzt.

Seit 2004 wird einmal jährlich auf dem Marktplatz das Classic-Rock-Festival Calw rockt veranstaltet.

Theater

Mit den traditionsreichen Klosterspielen Hirsau werden Theater, Musik und Lesungen unter freiem Himmel dargeboten. 1959 stand zur 900-Jahr-Feier von Hirsau zum ersten Mal eine Bühne im Kreuzgang.

Museen

Hermann-Hesse-Museum
Palais Vischer
Nikolauskapelle, vom Hermann-Hesse-Platz gesehen

Im Calw befinden sich mehrere Museen. In dem 1813/1814 errichteten Stadtpalais „Haus Schüz“ sind seit 1990 das Hermann-Hesse-Museum und die Galerie der Stadt Calw mit der Stiftung Gunter Böhmer untergebracht. Das Hesse-Museum ist dem Leben und Schaffen des großen Sohnes der Stadt gewidmet und besitzt die umfangreichste Sammlung über den Literaturnobelpreisträger von 1946. Die interaktive Ausstellung „Weltflechtwerk“ öffnet einen anderen Blick auf Hesses Werk und lädt zur thematischen Auseinandersetzung ein.

Das Museum der Stadt im 1787/1791 erbauten Palais Vischer gibt Einblick in die gehobene Wohnkultur des 18. Jahrhunderts und zeigt in 18 Räumen Sehenswertes zur Stadtgeschichte.

Weitere Museen sind das (derzeit geschlossene) Spielzeugmuseum, das Gerbereimuseum und im Stadtteil Altburg das Bauernhausmuseum sowie das Klostermuseum im Stadtteil Hirsau. Im zweijährigen Turnus findet eine „Lange Nacht der Museen“ statt, in der alle Museen geöffnet sind.

Bauwerke

Calwer Schafott

Gedenkstätten

Auf dem Friedhof an der Bischofsstraße erinnert eine Gedenktafel an alle Opfer des NS-Regimes. Mit einem Gedenkrelief des Künstlers Wolfram Eisele in einer Werkstatt des Unternehmens Bauknecht wird seit 1990 der jüdischen Zwangsarbeiterinnen und KZ-Häftlinge gedacht, die hier von Januar bis April 1945 für die Luftfahrtgeräte GmbH (Lufag) Zwangsarbeit im Flugzeugbau verrichten mussten.

Sport und Vereinsleben

Derzeit ist der größte Sportverein der seit 1846 bestehende TSV Calw mit 15 Sportarten, der Kindersportschule und einem Fitness-Studio-artigen Sportzentrum. Der Tischtennisverein TTC Calw stieg innerhalb von sieben Jahren von der Kreisklasse in die Tischtennis-Bundesliga auf. Dieser gehörte er von 1976 bis 1981 an. Die beste Platzierung erreichte er in der Saison 1977/78 mit der Vizemeisterschaft. Hauptsponsor war die Firma Jägermeister, weshalb der Verein 1977 in TTC Jägermeister Calw umbenannt wurde. 1981 wurde die Profiabteilung aufgelöst. Der bekannteste Spieler war Dragutin Šurbek. Daneben gibt es noch den Calwer Tauchclub, den Fußballverein Calw, den Tanzsportverein Calw und viele weitere Vereine. Hier wären der Schwarzwaldverein, Ortsverein Calw, die Narrenzunft Calw e. V. und die 1. Calwer Narrenzunft 04 e. V. zu nennen.

„Die Hermann-Hesse-Stadt“

Hessegarten

Calw bezeichnet sich als „Die Hermann-Hesse-Stadt“ und nutzt dieses Attribut seit 2013 zugleich als Claim zur selbstbewussten Eigenwerbung. Der 1946 mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnete Hermann Hesse wurde 1877 in Calw geboren – er gehört bis heute zu den weltweit meistgelesenen deutschsprachigen Schriftstellern. Am Calwer Marktplatz informiert das Hermann-Hesse-Museum über Leben und Werk des berühmtesten Sohnes der Stadt.

Im Januar 2022 wurde der Stadt durch den Baden-Württembergischen Innenminister Thomas Strobl die Zusatzbezeichnung „Hermann-Hesse-Stadt“ auch offiziell verliehen.

Udo-Lindenberg-Stiftung

Zu Calw gehört auch die am 10. Dezember 2006 gegründete Udo-Lindenberg-Stiftung. Die kulturpolitische Stiftung will Leben und Werk des Dichters Hermann Hesse mit moderner Musik verbinden. Sie fördert junge Texter und Musiker mit Wettbewerben, um „neue Wege gegen das Mitmarschieren in der Masse zu suchen, provokant zu schreiben und sich nicht anzupassen“, so der sich mit Hermann Hesse verbunden fühlende Stifter und Initiator Udo Lindenberg. Die Stiftung bietet talentierten Musikern und Nachwuchsbands eine öffentliche Plattform für mehr Bekanntheit und für den angestrebten künstlerischen Durchbruch. Die Geschäftsführung der Udo-Lindenberg-Stiftung verantwortet die Sparkasse Pforzheim Calw.

Persönlichkeiten

Hermann-Hesse-Skulptur auf der Nikolausbrücke Zwischen Verweilen und Aufbruch

Ehrenbürger

Die Stadt Calw hat den folgenden Personen das Ehrenbürgerrecht verliehen:

Söhne und Töchter der Stadt

Personen, die in Calw gelebt und gewirkt haben

Literatur

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Einzelnachweise

  1. ↑ Statistisches Landesamt Baden-Württemberg – Tabellengruppe 12411: Fortschreibung des Bevölkerungsstandes zum 31. Dezember 2025 (Hilfe dazu).
  2. ↑ Hauptsatzung der Großen Kreisstadt Calw vom 21. Juli 2005 (Memento vom 18. Juli 2011 im Internet Archive) (PDF; abgerufen am 20. August 2008)
  3. ↑ Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band V: Regierungsbezirk Karlsruhe Kohlhammer, Stuttgart 1976, ISBN 3-17-002542-2. S. 492–498
  4. ↑ Daten- und Kartendienst der LUBW
  5. ↑ Deutsches Ortsnamenbuch, S. 110
  6. ↑ Deutschland beschrieben von Galletti, S. 100
  7. ↑ Karl Bohnenberger: Die Mundarten Württembergs. Verlag Silberburg, Stuttgart 1928, S. 31.
  8. 1 2 Vgl. Verwaltungsraum Calw. In: Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden, Bd. V: Regierungsbezirk Karlsruhe. Hrsg. von der Landesarchivdirektion Baden-Württemberg, Stuttgart 1976, S. 494.
  9. ↑ Werner Müller: NS-Geschichte von unten: Verbotene Liebe. In: Die Zeit. Nr. 6, 1985 (zeit.de).
  10. ↑ Internetpräsenz des ehem. KZ Struthof, Liste der Nebenlager (Memento vom 21. November 2008 im Internet Archive) (abgerufen am 3. November 2008)
  11. ↑ Landkreis Calw: Jüdische Häftlingsfrauen verrichteten in Calw Zwangsarbeit. Abgerufen am 26. April 2025.
  12. ↑ Schwarzwälder Bote: Calw: Eine Woche des Schreckens begann. Abgerufen am 26. April 2025.
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