Der Friedebert-Tuglas-Novellenpreis ist ein estnischer Literaturpreis, der von Friedebert Tuglas 1969 gestiftet wurde und jeweils am 2. März eines Jahres für die beiden besten estnischen Novellen des Vorjahres verliehen wird.
Friedebert Tuglas äußerte im Februar 1969 Paul Rummo gegenüber seinen Wunsch, 10.000 Rubel aus seinem Privatvermögen für einen Novellenpreis zur Verfügung zu stellen. Angesichts der in seinen Augen nicht sehr hohen Stiftungssumme sagte er dazu: „Du weißt ja, dass der finnische Schriftstellerverband mich gemeinsam mit Under für den Nobelpreis vorgeschlagen hat. Das wird natürlich nichts, aber sollte dies Wunder geschehen, dann würde auch dieses Geld in die Stiftungssumme für den Preis einfließen.“ Zunächst blieb das Anliegen im Räderwerk der sowjetischen Bürokratie stecken, die offenbar nicht wusste, wie sie mit einem solchen Präzedenzfall umgehen sollte. Nach einem Jahr Funkstille zog der erkrankte und verbitterte Tuglas sein Angebot enttäuscht zurück. Daraufhin erhielt er hohen Besuch von diversen Funktionären, die den Autor umstimmten, so dass der Preis erstmals am 2. März 1971, Tuglas’ 85. Geburtstag, verliehen werden konnte. Die Jury tagte auf Tuglas’ Wunsch bei ihm zu Hause. Nach der Auswahl der ersten beiden Preisträger, Jaan Kross und Paul Kuusberg, sagte Tuglas, dass auch er für die Novelle von Jaan Kross gestimmt hätte, die von Paul Kuusberg jedoch nicht kenne.
Die ursprüngliche Dotierung des Preises betrug 600 (1. Preis) und 400 (2. Preis) Rubel. Heute werden jedoch jährlich zwei gleichberechtigte Preise verliehen und die Autoren stets in alphabetischer Reihenfolge genannt. Die Jury wird jährlich vom Estnischen Schriftstellerverband und der Estnischen Akademie der Wissenschaften eingesetzt.