| Wappen | Deutschlandkarte | |
|---|---|---|
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| Basisdaten | ||
| Koordinaten: | 47° 55′ N, 9° 15′ O | |
| Bundesland: | Baden-Württemberg | |
| Regierungsbezirk: | Tübingen | |
| Landkreis: | Sigmaringen | |
| Höhe: | 654 m ü. NHN | |
| Fläche: | 90,5 km² | |
| Einwohner: | 13.496 (31. Dez. 2025) | |
| Bevölkerungsdichte: | 149 Einwohner je km² | |
| Postleitzahl: | 88630 | |
| Vorwahlen: | 07552, 07558 | |
| Kfz-Kennzeichen: | SIG, SLG, STO, ÜB | |
| Gemeindeschlüssel: | 08 4 37 088 | |
| Adresse der Stadtverwaltung: |
Kirchplatz 1 88630 Pfullendorf | |
| Website: | www.pfullendorf.de | |
| Bürgermeister: | Ralph Gerster (CDU) | |
| Lage der Stadt Pfullendorf im Landkreis Sigmaringen | ||

Pfullendorf ist eine Kleinstadt im baden-württembergischen Landkreis Sigmaringen. Pfullendorf erhielt 1220 das Stadtrecht und war von 1282 bis 1803 Freie Reichsstadt.

Die Stadt Pfullendorf liegt in topographischer Hanglage, rund 20 Kilometer nördlich des Bodensees im hügeligen Gelände des Linzgaus.
Das Pfullendorfer Gemeindegebiet liegt auf der Europäischen Hauptwasserscheide zwischen Rhein und Donau. Der Andelsbach fließt vom Höchsten (838 m ü. NHN) in die Ablach und von dort in die Donau. Die Linzer Aach fließt in den Bodensee (Rhein). Die Wasserscheide verläuft durch Straß, südlich des Pfullendorfer Teilortes Denkingen, nach Aftholderberg auf einem Moränenwall der äußeren Würmendmoräne. Die Wasserscheide kreuzt anschließend die Straße Pfullendorf – Aach-Linz und verlässt nördlich von Aach-Linz das Gemeindegebiet.
Pfullendorf befindet sich an einem Molassehang. Die Moränenlandschaft ist durch verschiedene Eiszeiten entstanden.
Pfullendorfs Nachbargemeinden sind Krauchenwies im Norden, Ostrach im Osten, Illmensee im Südosten, Heiligenberg im Süden, Herdwangen-Schönach im Südwesten sowie Wald im Westen.
Pfullendorf bildet ein Mittelzentrum des Regionalverbands Bodensee-Oberschwaben. Der Mittelbereich umfasst die südwestlichen Gemeinden des Landkreises Sigmaringen, im Einzelnen die Städte und Gemeinden (in alphabetischer Folge) Herdwangen-Schönach, Illmensee, Leibertingen, Meßkirch, Pfullendorf, Sauldorf und Wald.
Die Stadt Pfullendorf unterscheidet die Kernstadt Pfullendorf (mit der Stadt Pfullendorf, dem Weiler Brunnhausen, der Siedlung Am Galgenbühl, den Höfen Im Galgenteich, St. Ruhe, Schönbrunnerhof und Vorderstock und den Häusern Am Andelsbach, Maria Schray und Theuerbach) sowie die Ortschaften Aach-Linz (mit dem Ort Aach-Linz, dem Dorf Sahlenbach, dem Weiler Reute, den Höfen Mittlere Mühle, Schallerhof, Schlegelhof und Untere Mühle und den Häusern Auf der Haige, Buchschoren, Klein-Karlsruhe und Steinbruch), Denkingen (mit den Dörfern Denkingen, Langgassen und Straß, den Weilern Andelsbach und Hilpensberg und den Häusern Forsthaus und Straßmühle), Gaisweiler (mit dem Dorf Gaisweiler, dem Weiler Tautenbronn und dem Gehöft Bethlehem), Großstadelhofen (mit dem Dorf Großstadelhofen, den Weilern Kleinstadelhofen, Sylvenstal und Wattenreute, den Höfen Egelsee und Krähenried und dem Haus Furtmühle), Mottschieß (mit dem Dorf Mottschieß), Otterswang (mit dem Dorf Otterswang, den Weilern Litzelbach und Weihwang und den Höfen Hilarihof und Sägmühle) und Zell am Andelsbach (mit den Dörfern Zell am Andelsbach und Schwäblishausen).
| Wappen | Stadtteil | Einwohner (Stand: Mai/Juni 2015) | Fläche |
|---|---|---|---|
| Pfullendorf (Kernstadt) | 9709 | ? | |
| Aach-Linz | 1258 | ? | |
| Denkingen | 935 | ? | |
| Gaisweiler | 121 | 366 ha | |
| Großstadelhofen | 412 | 1003 ha | |
| Mottschieß | 131 | 155 ha | |
| Otterswang | 195 | 529 ha | |
| Zell am Andelsbach | 251 | ? |
In Pfullendorf gibt es mit den Gebieten Egelsee-Ried, Kreuzäcker und Taubenäcker insgesamt drei Naturschutzgebiete. Daneben hat Pfullendorf einen kleinen Anteil am Landschaftsschutzgebiet Ruhestettener Ried. Abgesehen von den Kreuzäckern gehören alle genannten Gebiete zum FFH-Gebiet Riede und Gewässer bei Mengen und Pfullendorf.
Bereits in vor- und frühgeschichtlicher Zeit fanden sich in der Gegend um Pfullendorf Siedlungsspuren. Etwa einen Kilometer nördlich von Ruhestetten, einem Teilort der Nachbargemeinde Wald und rund fünf Kilometer westlich von Pfullendorf, findet sich im Wald ein Grabhügel. Südlich davon im Gewann Gertholz befinden sich die Reste einer Viereckschanze an der Straße von Aach-Linz nach Herdwangen. Diese Schanze aus der späten La-Tène-Zeit dürfte aus der Zeit um 100 v. Chr. stammen und könnte mit den spätlatènezeitlichen Streufunden (mögliche Siedlung) im Gewann Thiergarten zusammenhängen. Ebenfalls bei Aach-Linz, im Wald Remser Holz befinden sich die Reste einer vor- oder frühgeschichtlichen Wallanlage.
Römische Mauerreste einer Villa Rustica im Gewann Maueräcker (Aach-Linz) weisen auf eine spätere gallorömische Besiedlung hin. Diese Villa Rustica wie auch die entfernter liegenden in Mettenbuch und Burgweiler wurde möglicherweise im späten 3. Jahrhundert n. Chr. von einfallenden Germanenhorden zerstört oder aufgegeben.
Die Besiedlung des oberen Linzgaus erfolgte durch die hier von den Franken angesiedelten Alamannen erst nach 500 n. Chr. Das Dorf Pfullendorf (Dorf am Pfuhl = Sumpf) dürfte im 9. Jahrhundert n. Chr. gegründet worden sein, und zwar am Ort der heute so genannte „Vorstadt“. Östlich und unabhängig davon gründeten Bürger um die etwa 1150/55 auf einem Molassehügel errichtete Burg des Grafen Rudolf von Pfullendorf in deren Schutz, oberhalb der Senke des heutigen Stadtweihers, ihre Niederlassung. Sie entwickelte sich im 12. Jahrhundert zu einer Marktsiedlung, deren Häuser 1219 einer Feuersbrunst zum Opfer fielen.
Die Grafen von Pfullendorf werden erstmals gegen Ende des 11. Jahrhunderts erwähnt. Rudolf von Pfullendorf war wohl der mächtigste, aber auch letzte von ihnen; er besaß Ländereien und Besitzrechte im Linzgau und rund um den Bodensee. Er war der Schwiegersohn von Herzog Welf VI. Seine Frau Elisabeth (* um 1130/35; † 1164/80) war eine Cousine von Herzog Heinrich dem Löwen und von Kaiser Friedrich I. Barbarossa. Weil Rudolf keinen männlichen Erben hatte, setzte er Barbarossa als Erben ein. Rudolfs Tochter Ita (* 1150/52; † vor 1191) wurde mit dem Grafen Albrecht III. von Habsburg vermählt, genannt „der Reiche“. Über Ita von Pfullendorf stammen die späteren Habsburger Könige und Kaiser cognatisch (in weiblicher Linie) von den Welfen ab.

Die abgebrannte Marktsiedlung soll den damaligen Pfullendorfer Ortspfarrer Ulrich zum Bittgang bei König Friedrich II. veranlasst haben. Friedrich II. erhob Pfullendorf bei einem Reichstag in Frankfurt am Main Ende April 1220 zur königlich-staufischen Stadt, was am 2. Juni 1220 in Worms beurkundet wurde. Pfullendorf gehört zu den wenigen Städten, deren Stadterhebungsurkunde noch im Original erhalten ist. Es wurden vier Stadttore mit Wehrtürmen und eine Stadtmauer errichtet. Nachdem die Staufer 1268 in männlicher Linie ausgestorben waren, zog König Rudolf von Habsburg im Jahre 1282 die Stadt unmittelbar an das Reich. Von da an bis zum Jahre 1803 war Pfullendorf eine Reichsstadt. Noch heute führt die Stadt den Reichsadler im Wappen.
In Pfullendorf gab es zwei Frauenklöster. Die frommen Frauen des III. Ordens der Dominikanerinnen erhielten von den Dominikanern aus Konstanz deren Herberge als ersten Besitz und Urzelle ihres dann später ausgedehnten Klosters in der Stadt. Diese Herberge war die frühere Burg der Grafen von Pfullendorf, die nach deren Aussterben an ihre Ministerialen von Ramsberg gekommen war, die sie im Jahre 1255 den Dominikanern aus Konstanz überließen. Nach ihrem Kleid wurden sie „Weiße Nonnen“ genannt, und so auch das Kloster. Erst 1683 erhielt das Kloster eine Kirche „Maria zu den Engeln“, so dass man das Kloster auch „Gotteshaus Maria der Engeln“ nannte. Die Franziskanerinnen, auch anfangs eine fromme Frauengemeinschaft und seit dem 14. Jahrhundert dem III. Orden des Hl. Franziskus angehörig, bekamen im Jahre 1403 ein eigenes Kloster neben der Stadtkirche, das im 18. Jahrhundert sehr umfangreich inmitten der Stadt erweitert wurde. Nach dem Gewand dieser Nonnen wurde es das „graue Kloster“ genannt.
1257 wird erstmals in einem Lehensbrief des „magister hospitalis“ (Spitalpflegers) das Pfullendorfer Heilig-Geist-Spital erwähnt. Es gehört somit zu den ältesten Spitälern im Bodenseeraum und wurde wohl am Anfang des 13. Jahrhunderts kurz nach der Stadterhebung gestiftet. Das in der Stadtmitte gelegene erste Spitalgebäude brannte 1285 ab, wurde jedoch gleich darauf neu errichtet. Das Spital erhielt durch fromme Stiftungen und Erbschaften über die Jahre viele Gebäude, Wälder, Felder, Rechte und Kapitalien, die ihm die Erfüllung seiner Aufgaben in der Armen- und Krankenfürsorge ermöglichten. Das Spital, das unter Aufsicht des Bistums Konstanz weitgehend selbständig wirtschaftete, verschaffte der ansonsten wenig begüterten kleinen Reichsstadt Pfullendorf als größter Grundbesitzer der Region die Mittel, um politisch agieren zu können.
Im Jahre 1434 verlieh Kaiser Sigismund der Reichsstadt die „Hohe Gerichtsbarkeit“, den Blutbann. Nunmehr war Pfullendorf keinem Fürsten mehr hörig und nur noch dem Kaiser und Gott untertan. Seine Bürger lebten von Handwerk, zahlreichen Märkten und Viehhaltung.
Schon im Jahre 1383 hatten die Handwerker in der Stadt so viel Einfluss, dass eine Zunftverfassung beschlossen wurde. Diese übertrug die meiste Macht den Zünften. Pfullendorf regierte sich mit dieser „demokratischen“ Zunftverfassung selbst. Sie sah die jährliche Wahl eines Bürgermeisters vor. Die ausübende Gewalt besaß der ebenfalls jährlich neu zu wählende „Kleine Rat“ von 17 Mitgliedern unter Vorsitz des Bürgermeisters. Es gab daneben noch den politisch wenig einflussreichen „Großen Rat“ von 50 gewählten Mitgliedern. Diese Zunftverfassung galt bis 1551 und erneut, wenngleich in abgeschwächter Form, von 1559 bis zum Ende der Reichsstadtzeit Pfullendorfs im Jahre 1803.
Im 14. und 15. Jahrhundert gehörte Pfullendorf zahlreichen Städtebündnissen an, die die Freiheiten der Reichsstädte gegen die Fürsten verteidigten. So gehörte Pfullendorf z. B. 1431 und 1441 mit Überlingen und Ravensburg dem Bund der Seestädte an. Im Jahr 1492 war Pfullendorf z. B. Mitglied des Schwäbischen Bundes gegen Herzog Albrecht von Bayern. Pfullendorf stellte vier Mann, sechs Pferde, vier Wägen und acht Zelte für den Feldzug.
In der Zeit des Humanismus um 1530 identifizierte der Lateinlehrer Johann Susenbrot Pfullendorf fälschlich mit dem auf der Tabula Peutingeriana, einer antiken Straßenkarte, genannten römischen Ort Juliomagus, woraufhin dieser Name in den kommenden Jahrhunderten oft als lateinischer Name für Pfullendorf gebraucht wurde.
In der Zeit der Hexenverfolgung wurden in Pfullendorf 15 Frauen bei Hexenprozessen zwischen 1598 und 1635 enthauptet.

Während des Dreißigjährigen Kriegs brach im September 1628 in Pfullendorf die Pest aus. Ihr fielen 559 Menschen zum Opfer, mehr als ein Drittel der Bevölkerung. Durch diese Katastrophe verschwanden 40 alteingesessene Familien für immer und 144 Häuser standen leer. Am 6. Juli 1632 zogen die Schweden unter dem Kommandanten Oberstleutnant Max von Rählingen mit tausend Reitern in Pfullendorf ein, nachdem die Stadt fünf Stunden umkämpft war und die Wallfahrtskirche Maria Schray in Brand gesteckt wurde. Sie brannte bis auf den gotischen Chor nieder.
Während des Spanischen Erbfolgekrieges wurde Pfullendorf im Mai 1704 von einer bayrisch-französischen Armee besetzt, wurde aber nicht verbrannt.
Vor allem im 18. und 19. Jahrhundert gab es in Pfullendorf alljährlich einen Kindermarkt für sogenannte „Schwabenkinder“. Das waren Kinder aus dem heutigen Vorarlberg, Nord- und Südtirol, sowie der Schweiz, die vom Frühjahr bis zum Herbst zum Viehhüten oder zur Arbeit hauptsächlich in der Landwirtschaft ins Schwäbische geschickt wurden. Eine Vermutung besagt, sie hätten den Fasnachtsbrauch des „Schnellens“ nach Pfullendorf gebracht. Der als Fuhrmann aus dem 19. Jahrhundert gekleidete Schneller mit seiner Karbatsche begleitet die Pfullendorfer Fasnet bereits seit der Mitte des 19. Jahrhunderts.
Mit dem Reichsdeputationshauptschluss von 1803 wurde Pfullendorf, das ab 1500 zum Schwäbischen Reichskreis gehörte, wie fast alle anderen Reichsstädte mediatisiert. Hieraus resultiert der Verlust der herausgehobenen Stellung als „Reichsstadt“. Pfullendorf wurde ein Bestandteil von Baden und blieb bis 1936 Amtssitz eines badischen Bezirksamtes. 1806 übernahm das Großherzogtum Baden auch die Aufsicht über das Spital, das in der Folge viele Ländereien und andere Vermögenswerte verkaufen musste. Chronist Johann Georg Heilig sprach in diesem Zusammenhang vom „badischen Joch“.
Das alte Spitalgebäude in der Stadtmitte wurde verkauft (heute befindet sich darin das Restaurant „Deutscher Kaiser“), und 1845 wurde ein neues Spital und Krankenhaus auf den Grundmauern eines ehemaligen Klosterhofs der Reichsabtei Salem am Oberen Tor eröffnet. Von 1858 bis 1971 führten die Barmherzigen Schwestern des hl. Vincenz von Paul den Krankenhausbetrieb, ab 1963 in einem neu errichteten Krankenhaus. Der Spitalfonds besteht noch heute und unterstützt sozial und nachhaltig bedürftige Einwohner. Neben dem Krankenhaus gehören ihm unter anderem Hofgüter, der Spitalwald sowie Wohn- und Geschäftsgebäude. Die spitälischen Hofgüter sind „Wattenreute“ (seit 1880, 50,99 ha, Gemarkung Großstadelhofen), „Lichtenegg“ (seit 1412, 67,6 ha, Gemarkung Illmensee) und „Mariahilf“ (seit 1899, 68,55 ha, Gemarkung Illmensee).
Von 1873 bis 1875 erhielt Pfullendorf Anschluss an das Eisenbahnnetz. Hier trafen sich die Strecke Schwackenreute–Pfullendorf der Badischen Staatsbahnen und die Strecke Altshausen–Pfullendorf der Württembergischen Staatsbahnen.
Am Ende des Ersten Weltkriegs waren in Pfullendorf 116 Gefallene und Vermisste zu beklagen.

1917 gab die Stadt Pfullendorf aufgrund Kleingeldmangels im Stadtgebiet erstmals Notgeld (50-Pfennig-Scheine) aus. Nachdem die Währung in den Folgejahren immer weiter verfiel, wurden bis 1923 weitere Notgeld-Ausgaben veranlasst, anfangs in Wertstufen ab 50 Pfennig, zur Zeit der Hochinflation bis zu 1 Billion Mark. Auf ihnen sind die Unterschriften von (Ernst Reinhard) Vollmar (Bürgermeister 1908 bis 1933), (Hugo) Gress (Buchhalter) und/oder dem Stadtrechner F(riedrich) Winkler zu finden. 1923 wurde das Pfullendorfer Notgeld mit Einführung der Rentenmark wieder abgeschafft.
1936 wurde das badische Bezirksamt Pfullendorf Teil des Landkreises Überlingen.
Pfullendorf war im Zweiten Weltkrieg kein Primärziel. Das Ziel der alliierten Bombenangriffe war damals Friedrichshafen mit seinen Rüstungswerken. Auf dem Rückflug entluden jedoch die Bomber immer wieder ihre explosive Fracht auch über Pfullendorf. Die ersten Bomben fielen am 18. März 1944, an einem Nachmittag, als ein Flieger Brandkanister und Stabbrandbomben abwarf. Menschen wurden bei dem Angriff nicht verletzt, aber vier Wochen später, am Karfreitag, explodierte in der Fuchshalde ein Blindgänger und tötet den 13-jährigen Alois Abberger. Am 23. Februar 1945 wurde um 8:30 Uhr der Bahnhof Pfullendorf bombardiert. Beim Luftangriff wurde die genossenschaftliche Lagerhalle zerstört, aber kein Einwohner getötet. Bei den insgesamt vier Luftangriffen wurden glücklicherweise nur wenige Menschen getötet.
Am 22. April 1945 marschierten gegen 13 Uhr, aus Richtung Gaisweiler her kommend, französische Truppen in die Stadt ein und besiegelten damit für Pfullendorf das Ende des Zweiten Weltkriegs. Die Übergabe der Stadt erfolgte unter Bürgermeister Hermann Duttlinger kampflos, was Pfullendorf größere Verluste an Menschenleben und Sachwerten ersparte. Jedoch kam es dann zu einer Zeit der Plünderungen, auch Gewaltexzessen sowie legaler wie illegaler Requirierungen. Die Truppen der französischen Besatzungsmacht wurden in Häuser einquartiert. Die Versorgungslage der Bevölkerung war über Jahre unzulänglich, wie eine Notiz vom Juni 1947 belegt, wonach die verteilte Tagesration 810 kcal betrug. Aber die Menschen ließen sich nicht unterkriegen – schon 1946 war der „Adlersaal“ wieder Schauplatz vieler Theateraufführungen, Konzerten und Filmvorführungen. Im selben Jahr erlaubten die Franzosen, dass wieder Fasnet gefeiert werden durfte.
Der Zweite Weltkrieg kostete 121 Pfullendorfern das Leben, 65 Männer wurden vermisst. Allerdings hatte die Stadt im Jahr 1950 gerade mal 3100 Einwohner.
Die Stadt Pfullendorf kam 1973 im Rahmen der Kreisreform zum Landkreis Sigmaringen. Im Zuge der Gemeindegebietsreform in Baden-Württemberg wurden die bis dahin selbstständigen Gemeinden Otterswang (am 1. Juli 1972), Denkingen, Großstadelhofen, Mottschieß und Zell am Andelsbach (am 1. Januar 1973) sowie Aach-Linz und Gaisweiler (am 1. Januar 1975) nach Pfullendorf eingemeindet.
Von 1962 bis 1997 wurden in Pfullendorf und dessen Umgebung an 18 Förderstellen 391.000 Tonnen Erdöl und 116 Millionen Kubikmeter Erdgas gefördert. Das Vorkommen begrenzte sich auf eine sieben Kilometer lange und etwa 600 bis 2000 Meter breite Stubensandsteinformation, die sich von Südwest nach Nordost zog.
Seit 1983 ist die Altdeponie Pfullendorf komplett verfüllt, geschlossen und renaturiert. Die umzäunte Deponie befindet sich in der sogenannten „Nachsorgephase“, das heißt die Deponie wird begangen und in regelmäßigen Abständen werden Bodenproben entnommen. Sie kann zwischen 30 und 100 Jahre dauern.
In der Stadt Pfullendorf und ihren Stadtteilen leben 13.012 Einwohner (Stand: Juni 2015). Davon leben 9.602 in der Kernstadt, 64 Am Andelsbach und 43 in Brunnhausen. In Summe: 9.709 Einwohner. Dabei sei darauf hingewiesen, dass Pfullendorf 1910: 2.822, 1939: 2.990 und 1950: 3.000 Einwohner hatte. Die Einwohnerzahl hat sich, gestärkt durch fremden Zuzug und wirtschaftlichen Aufschwung, mehr als vervierfacht.
Die Bevölkerung Pfullendorfs ist überwiegend römisch-katholischer Konfession. Die Seelsorgeeinheit ist über das Dekanat Sigmaringen-Meßkirch und die Region Bodensee-Hohenzollern der Erzdiözese Freiburg zugehörig. Daneben gibt es in Pfullendorf eine Evangelische Kirchengemeinde. In ihrer Struktur spiegelt sich die Zerrissenheit der politischen Landschaft des süddeutschen Raums vor der Gründung des Deutschen Reichs wider. Die freie Reichsstadt Pfullendorf wurde 1805 Baden zugeschlagen und gehört deshalb heute zur Evangelischen Landeskirche in Baden. Diese gehört zum Kirchenbezirk Überlingen-Stockach (benannt nach den alten badischen Landkreisen Überlingen und Stockach).
Des Weiteren gibt es in der Stadt Gemeinden der Mennoniten, der Neuapostolischen Kirche, der Siebenten-Tags-Adventisten, der Zeugen Jehovas und von Suryoye mit ca. 600 Mitgliedern (auch bekannt als Assyrer, Aramäer oder Chaldäer).
Die Anzahl der Muslime ist nicht genau bekannt, da diese nicht von einer öffentlichen Religionsgemeinschaft erfasst sind. Eine statistische Berechnung nach Herkunftsländern der Pfullendorfer mit Migrationshintergrund auf Grundlage der Volkszählung 2011 schätzt den Anteil der Muslime in Pfullendorf auf 9,77 Prozent der Bevölkerung. Dabei wird neben anderen Unsicherheitsfaktoren darauf hingewiesen, dass in Pfullendorf der Anteil der Muslime möglicherweise zu hoch angesetzt ist, weil in Pfullendorf überproportional viele Einwohner türkischer Herkunft keine Muslime, sondern z. B. Aramäer sind.
Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte bei einer Wahlbeteiligung von 51,5 % (- 1,5 %) zu dem in den Diagrammen dargestellten Ergebnis.
Am 23. Oktober 2022 wurde Ralph Gerster (CDU) mit 77,1 Prozent der Stimmen zum Bürgermeister gewählt. Er wurde Nachfolger von Thomas Kugler (CDU), der nach zwei Amtszeiten nicht mehr antrat. Gerster, der davor 13 Jahre lang Bürgermeister der Gemeinde Herdwangen-Schönach war, trat sein Amt am 19. Januar 2023 an.
| Blasonierung: „In Gold ein rot bewehrter schwarzer Adler.“ | |
| Wappenbegründung: In dem vielleicht noch der Zeit vor 1250 entstammenden, 1271 im Abdruck bekannten Stadtsiegel erscheint im Dreieckschild der einköpfige Reichsadler, als Zeichen der freien Reichsstadt, der auch in allen späteren Siegeln und Wappenabbildungen keine Änderung erfuhr. In dem seit dem 17. Jahrhundert benutzten größeren Siegel steht der schon vor 1618 vor allem in päpstlichen Urkunden verwendete lateinische Stadtname „Juliomagus“ (= Marktplatz des Julius Caesar) außerhalb des Schildes mit dem Adler. |
Die Stadtflagge ist Rot – Weiß wegen der alten Reichsfarben.

Pfullendorf ist Station der Oberschwäbischen Barockstraße, der Deutschen Fachwerkstraße und der Hohenzollernstraße. Eine Entwicklung, die erst durch staatlich geförderte Sanierungsprogramme in den 1980er und 1990er Jahren ermöglicht wurde. Seit 2008 gibt es einen etwa neun Kilometer langen Wanderweg, der entlang der landschaftlichen exponierten Wasserscheide Rhein-Donau von Straß nach Aftholderberg führt. Die Stadt Pfullendorf bildet zusammen mit den Gemeinden Illmensee, Ostrach, Wald und Wilhelmsdorf die 1999 gegründete Ferienregion „Nördlicher Bodensee“.


Viele Wohn- und Geschäftshäuser in der Altstadt sind als Kulturdenkmal der Denkmalschutzkategorie 2 eingetragen:



Natürliche Steilhänge schützten die mittelalterliche Marktsiedlung um die um 1155 bezogene Festung des Grafen Rudolf im Osten und Westen. Jedoch geht aus vorhandenen Dokumenten über die staufische Zeit hervor, dass Friedrich II. gebot, die Stadt mit Toren und einem Mauerring zu befestigen. Die ursprünglichen 1230 Meter lange Stadtmauer der umlaufenden Stadtbefestigung wurde immer wieder bis zu eineinhalb Meter Dicke verstärkt, verläuft konisch, besaß Schießscharten und einen hölzernen Wehrgang. Sie ist heute mit 696 Meter noch über die Hälfte erhalten und an vielen Stellen mehr oder weniger sichtbar.
Ursprünglich zählte die mittelalterliche Stadtbefestigung vier Stadttore, von denen nur noch eines erhalten geblieben ist. Wer von auswärts kam, musste durch eines von ihnen. Sie lagen in einem Abstand von jeweils 380 Meter von einem zum anderen auseinander, waren wohl nach dem Sonnenstand ausgerichtet und sämtlich durch Schießscharten, Fallbrücken und Fallgitter gesichert:



Baugeschichtliche Besonderheit der Altstadt ist, dass alle Häuser in die Molasse getriebene Naturkeller aufweisen. Diese Keller und Gewölbe waren teilweise durch hunderte Meter lange Gänge miteinander verbunden. Am bekanntesten ist der 1730 erstmals erwähnte Felsenkeller unter dem heutigen Hotel „Adler“, er ist der Öffentlichkeit zugänglich. Weitere Keller sind die an der alten Stadtmauer, wo sich einst die Brauerei zum „Grünen Baum“ befand, der Bierkeller in der Lammgasse, sowie unterhalb der Grundschule „Am Härle“. Bis in die 1960er Jahre wurden sie noch mit Eis, das man im Winter an sogenannten Eisgalgen gewann, temperiert. Unbekannter sind jedoch die Keller unter dem „Buchenwasen“ an der heutigen Aftholderberger Straße. Wann die vier miteinander verbundenen Keller in den Hang gegraben wurden, ist nicht bekannt, doch wurden sie schon 1910 nicht mehr benutzt. Im Zweiten Weltkrieg dienten die Keller als Luftschutzkeller.
Am 8. April 2005 wurde angeregt durch Donata Höffer auf dem Gehweg an der Ecke Mühlensteigle/Zum Eichberg von Gunter Demnig ein Stolperstein verlegt, um an das Schicksal des ermordeten 23-jährigen polnischen Zwangsarbeiters Jan Kobus zu erinnern. Dieser wurde am 5. April 1941 an dieser Stelle, an einem Baum im damaligen Gewann „Sieben Linden“ außerhalb der Stadt wegen Rassenschande mit einer 20-jährigen Deutschen gehängt. Beide hatten auf einem Bauernhof in Ruschweiler gearbeitet, waren eine Liebesbeziehung eingegangen, aus der ein Kind hervorging. Die Hinrichtung fand vor den Augen der örtlichen NS-Formationen, Pfullendorfern Bürgern sowie hunderten polnischen Kriegsgefangenen und Zwangsarbeiter aus der Umgebung zur Abschreckung und unter militärischer Bewachung statt. Die schwangere Frau war nach drei Monaten versetzt worden und gebar ihr Kind im Gestapo-Gefängnis in Konstanz, wo sie zuvor nach vielen Verhören den Namen des Vaters preisgab. Nach dem Krieg errichteten ehemalige polnische Zwangsarbeiter an der Mordstätte eine von einem polnischen Steinmetz gestaltete obeliskartige, schwarze Marmorsäule, mit einer Inschrift in Deutsch, französisch und polnisch. Im Zuge der baulichen Erschließung für das neue Wohngebiet am Eichberg in den Jahren 1962/1963 wurde dieser Gedenkstein in den Alten Friedhof gebracht, wo er bleibend an der Mauer, gegenüber dem Eingang vom Krankenhaus steht.
Der Seepark Linzgau liegt am westlichen Stadtrand Pfullendorfs. Er entstand 2001 im Rahmen des landesweit ersten Grünprojekts „Natur in Stadt und Land“ auf dem Gelände, das zum alten Baggersee gehörte. Peter Lenk steuerte einen Brunnen mit Graf Bernadotte als Motiv bei. In der Anlage befinden sich zwei Kinderspielplätze, der sogenannte Seeungeheuer-Spielplatz und der Bachspielplatz, ein Strandbad mit Liegewiese und Ballsportanlagen und ein großes Restaurant. Auf dem Planetenweg wird das Sonnensystem im Maßstab 1:1,4 Milliarden dargestellt, hier kann man den See entlang zum Bienenschauhaus wandern, dort steht auch eine Weidenkapelle. Nach der kleinen Landesgartenschau 2001 entwickelte sich der innerhalb der Ferienregion Nördlicher Bodensee gelegene Seepark zu einem beliebten Ausflugsziel.
Seit 2005 gibt es im Seepark den Wasserskipark Pfullendorf, eine Wasserski- und Wakeboardanlage. Sie war im Jahr 2006 Austragungsort der Deutschen Wakeboard-Meisterschaften.
Im Mai 2007 wurde „Deutschlands verrückteste Abenteuer-Golfanlage“ durch das gemeinnützige Beschäftigungsprojekt Werkstättle eröffnet, die aus achtzehn aufwändigen Adventure-Golfbahnen und zwei Übungsbahnen auf Kunstrasen mit viel Wasser und technischen Überraschungen auf über 6400 m² besteht. Die Bahnen haben eine Länge zwischen 10 und 30 Metern und wurden mit dem Preis „Deutschland – Land der Ideen“ ausgezeichnet. In der Saison 2009 wurden 45.000 Besucher gezählt.
Im Juli 2012 wurde eine Fußballgolfanlage mit 30.000 Quadratmetern und achtzehn Bahnen mit einer Länge zwischen 30 und 130 Metern direkt beim Parkplatz West des Seeparks eröffnet. Dort befand sich auch der 2018 geschlossene Erlebnistierpark Jägerhof.
Seit Juni 2015 gibt es eine Tauchbasis mit Tauchschule und geführten Tauchgängen im Seepark.

In der Stadtmitte gegenüber dem Sparkassenbau befindet sich der Stadtsee, mit einer kleinen Insel und Springbrunnen. Er ist Überbleibsel von den während der letzten Eiszeit durch den Rheingletscher geschaffenen Weihern (sogenannte Pfuhlen), an denen die Siedlungsgeschichte von Pfullendorf ihren Anfang nahm. Er ist ein beliebter Aufenthaltsort, besonders ältere Menschen schätzen den Rundweg, die vielen Bänke laden zum Verweilen ein.
1872 wurde der Waschweiher, auch Rossweiher genannt, abgelassen. Grund war der Ausbau der Verlängerungsteilstrecke der Badischen Eisenbahn ins württembergische Altshausen, gewaltige Erdbewegungen waren notwendig und mit dem Aushub von rund 1 Million Kubikmeter Material wurde der Weiher aufgefüllt. Auf einem Teilstück entstand der heutige Stadtgarten mit einem Mahnmal, das der Opfer von Gewalt, Krieg und Willkürherrschaft gedenkt. Der Stadtgarten wurde im Wandel der Zeit mehrfach umgestaltet und beherbergt heute einen Kinderspielplatz. Ebenso ist er Haltestelle der seit 2018 sogenannten Räuberbahn. Da die meisten Wohnhäuser der Innenstadt über keinen Garten verfügen, ist der Stadtgarten gewissermaßen die „grüne Lunge“ der Stadt. Der Stadtgartenvorplatz dient heute als Parkplatz.
Es gibt Kirchenchöre in Pfullendorf, Aach-Linz, Denkingen, Otterswang und Zell, Musikvereine in Pfullendorf („Stadtmusik“), Aach-Linz, Denkingen und Otterswang, in Pfullendorf einen Posaunenchor und den Männergesangsverein und in Aach-Linz ein Akkordeonorchester.
Der weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannte Sportclub Pfullendorf spielte 21 Jahre lang in dritthöchsten Ligen und 16 Jahre lang in Viertklassigkeit. Seinen größten Erfolg feierte der Verein im Jahr 2000 unter dem damaligen Trainer Frank Wormuth, als er sich als Zweitplatzierter der Regionalliga Süd für die Aufstiegsrunde zur 2. Bundesliga qualifizierte. Der Aufstieg wurde aber nach einem 1:1 zuhause gegen den späteren Aufsteiger LR Ahlen sowie einer 1:3-Niederlage beim 1. FC Union Berlin verpasst. Außerdem schlug der Verein den damaligen Bundesligisten Arminia Bielefeld in der 1. Runde des DFB-Pokals 2006/2007 mit 2:1 und zog dadurch in die zweite Runde ein. Aktuell spielt der Verein in der sechstklassigen Verbandsliga Südbaden.
In der Teilgemeinde Denkingen gibt es den „SV Denkingen 1969 e. V.“, der seit Jahren in der Landesliga spielt und in Aach-Linz den „TSV Aach-Linz 1910 e. V.“ mit breitgefächertem Sport- und Freizeitangebot.
Der zweitgrößte Verein in Pfullendorf ist nach dem Turnverein die Sektion Pfullendorf des Deutschen Alpenvereins mit 1738 Mitgliedern (Stand: 31. Dezember 2021). Neben dem umfangreichen Jahresprogramm mit Wandern, Bergsteigen, Skibergsteigen, Langlauf, Ski- und Snowboardschule und Klettern wird auch ein Kletterturm mit Boulderwand im Tiefenthal betrieben.
Mit der Bergwald-Loipe verfügt Pfullendorf über einen, durch vereinseigenes Gerät gespurten Rundkurs für klassische Technik mit vier Kilometer Länge und einem Höhenunterschied von 40 Meter und einer gewalzten Skatingstrecke für Langläufer, die den Schlittschuschritt bevorzugen, mit 1,2 Kilometer Länge und rund 25 Meter Höhenunterschied. Der Einstieg befindet sich am Stadtrand gegenüber der Flugplatz-Gaststätte, wo auch geparkt werden kann.
Des Weiteren gibt es in Pfullendorf noch den Tennisclub TC Pfullendorf, sowie den im Jahr 1860 gegründeten Turnverein TV Pfullendorf, der mit knapp 1600 Mitgliedern der größte Verein der Stadt ist.

Die Stadt liegt an keiner Bundesstraße. Auf der Landesstraße 194 zwischen Pfullendorf und Aach-Linz sorgen über 11.000 Fahrzeuge täglich mit einem großen Transitanteil für eine hohe Verkehrsbelastung.
Pfullendorf ist in den Verkehrsverbund Neckar-Alb-Donau (NALDO) und seit dem 1. Januar 2009 auch im Bodensee-Oberschwaben Verkehrsverbund (bodo) eingebunden. Im innerstädtischen Verkehr wird ein Bürgerbus eingesetzt, der zwei Linien bedient.
Der Bahnhof der Stadt, der am 11. August 1873 eröffnet wurde, lag an der Bahnstrecke Altshausen–Schwackenreute. Die Strecke von Pfullendorf nach Schwackenreute wurde 1983, diejenige nach Altshausen 2004 stillgelegt. Seit 1971 gab es keinen Personenverkehr mehr; bis ins Jahr 2002 wurden die Schienen nach Altshausen noch für Transporte der großen Firmen genutzt. Am 31. Dezember 2009 wurde die 6,5 Hektar große Bahnbrache für 2,4 Millionen Euro von der Stadt gekauft und umgestaltet.
Seit 2009 fungiert die Stadt als Eisenbahninfrastrukturunternehmen für die reaktivierte Strecke im Abschnitt Altshausen – Ostrach – Pfullendorf. Sie wird seit 2011 wieder im Freizeitpersonenverkehr als „Räuberbahn“ befahren: An Samstagen, Sonn- und Feiertagen zwischen Mai und Oktober verkehren hier Radexpress-Züge. Auch im Güterverkehr wird die Strecke wieder genutzt; neben dem Pfullendorfer Containerterminal stehen Ladestellen in Burgweiler, Ostrach und Altshausen zur Verfügung. Das ehemalige Empfangsgebäude von 1926 (Franz-Xaver-Heilig-Straße 2), ein denkmalgeschützter, eingeschossiger verputzter Bau mit Mittelrisalit und Walmdach, beherbergt seit 2018 ein Restaurant.
Über Alltagsrouten aus dem Radnetz Baden-Württemberg ist Pfullendorf über den Ortsteil Otterswang mit Krauchenwies und in der anderen Richtung über den Ortsteil Aach-Linz und über Herdwangen mit Überlingen verbunden.
Südlich der Stadt liegt der Flugplatz Pfullendorf (47° 55′ N, 009° 15′ O) auf 702 m ü. NN. Der seit 1968 öffentliche Verkehrslandeplatz Pfullendorf (ICAO: EDTP) verfügt über eine 609 m lange und 30 m breite Start- und Landebahn aus Gras. Sie ist ziemlich genau von Nord nach Süd ausgerichtet (01/19).
Die Stadt ist Zwischenziel der Via Beuronensis, einem Abschnitt des Jakobswegs nach Spanien.
Der Pfullendorfer Anzeiger, von 1881 bis 1936 durch die Verlegerfamilie List-Steiner gedruckt, war das Verkündigungsblatt für die Stadt und den Amtsbezirk Pfullendorf, das dreimal pro Woche erschienen ist. In der Zeit des Nationalsozialismus verlor dieses Organ im Zuge der Pressegleichschaltung seine Selbständigkeit. Der Anzeiger nahm dieselbe Funktion des Südkuriers ein, der nach dem Zweiten Weltkrieg die regionale Berichterstattung übernahm. 1952 hatte dann der Buch- und Verlagsdruckmeister Ernst Anton Schmidt die stillgelegte Druckerei bis 2008 übernommen. Für seine Tageszeitung betreibt die Südkurier Medienhaus GmbH in Pfullendorf eine Lokalredaktion. Rund 20 Jahre war die Schwäbische Zeitung mit einer Geschäftsstelle und einer Lokalredaktion in Pfullendorf vertreten, die zum Jahresende 2017 geschlossen wurden.
Im Jahre 1876 brauten die elf Brauereien Pfullendorfs insgesamt 8.370 Hektoliter Bier, das überwiegend in den Brauereigaststätten konsumiert wurde. Die größte Brauerei hatte der „Grüne Baum“ mit einem jährlichen Ausstoß von 227.000 Liter, die kleinste der „Mohren“ mit 32.000 Litern. Den größten Umsatz erzielten die Gaststätten an den Markttagen, wenn die Besucher vom Land in die Stadt strömten, darum befanden sie sich meist in unmittelbarer Nähe zum Marktgeschehen:
Am Mühlesteigle oberhalb der Eisenbahnbrücke gab es einen Hopfengarten.
Die Stadt war bäuerlich geprägt, bis in den 1950er Jahren städtisches und spitalisches Vermögen eingesetzt wurde, um Industriebetriebe anzusiedeln. Alte Pfullendorfer Familien betrieben neben der Landwirtschaft auch Handwerksbetriebe. In Pfullendorf beträgt die Gesamtzahl der Beschäftigten 6194 (Stand: November 2010). Das neue Industriegebiet „Mengener Straße“ verfügt über 13 Hektar. Die größten Arbeitgeber vor Ort sind:
Ursprünglich die Werkstatt des Möbelschreiners Albert Nothdurft, beschäftigte Alno in den Glanzzeiten rund 2500 Menschen. 2021 stellte das Unternehmen endgültig den Betrieb ein, das Unternehmen wurde liquidiert.
1952 übernahm der Buch- und Verlagsdruckmeister Ernst Anton Schmidt (1920–2008) die stillgelegte Druckerei List in Pfullendorf und verlegte dort ab den 1970er Jahren unter anderem die Ortschroniken von Pfullendorf und andere lokalhistorische Werke von Josef Groner. (Siehe Literatur.) 2000 stellte Schmidt den Verlags- und Druckereibetrieb ein.
Am Ort ist die international agierende Orgelbaufirma Glatter-Götz ansässig.
Ein weiteres wichtiges Standbein für die Stadt Pfullendorf ist der Tourismus. Pfullendorf gehört zur Ferienregion „Nördlicher Bodensee“. Im Jahr 2014 verzeichneten Pfullendorf und seine Teilorte 24.619 Übernachtungen.
Das 1963 erbaute Krankenhaus Pfullendorf, das zur 1996 gegründeten Kliniken Landkreis Sigmaringen GmbH gehörte, wurde 2022 geschlossen. Das Krankenhaus gehörte im Gegensatz zum Kreiskrankenhaus Sigmaringen und dem Krankenhaus Bad Saulgau nicht dem Landkreis Sigmaringen, sondern dem Spitalfonds Pfullendorf. Im ehemaligen Krankenhaus befindet sich die sogenannte Betesdakapelle.
In der Staufer-Kaserne in Pfullendorf sind folgende Einheiten untergebracht:
Insgesamt sind dort rund 1000 Soldaten und Zivilisten stationiert oder angestellt. In den Hochzeiten waren es rund 2000. Am Ausbildungszentrum Spezielle Operationen (bis 2003: Internationale Fernspähschule) werden Soldaten aus Deutschland – vor allem für die Division Schnelle Kräfte (DSK) und das Kommando Spezialkräfte (KSK) – sowie aus acht weiteren Nationen ausgebildet.
Das Waldbad genannte Freibad existiert seit 1884. Heute ist es eine moderne Freizeiteinrichtung.
Das Bildungsangebot in Pfullendorf besteht aus folgenden Einrichtungen: