Beit Chaggai

Beit Chaggai
Gebiet: Westjordanland
Regionalverwaltung: Har Chevron
Gegründet: 1984
Koordinaten: 31° 30′ N, 35° 5′ OKoordinaten: 31° 29′ 35″ N, 35° 4′ 51″ O
Einwohner: 596 (2017)
Website:
Beit Chaggai (Palästinensische Autonomiegebiete)
Beit Chaggai (Palästinensische Autonomiegebiete)
Beit Chaggai

Beit Chaggai (hebräisch בֵּית חַגַּי) ist eine israelische Siedlung im Westjordanland. Die Siedlung wurde 1984 gegründet und gehört zur Regionalverwaltung Har Chevron. Sie liegt südlich von Hebron.

Name

Der Name der Siedlung setzt sich aus den Anfangsbuchstaben der Vornamen von drei jüdischen Jungen zusammen, die 1980 in Hebron ermordet wurden: Chanan Krauthammer (hebräisch חנן קרוטהמר), Gerschon Klein (hebräisch גרשון קליין) und Jaakow Zimmerman (hebräisch יעקב צימרמן). Diese drei Buchstaben ergeben gleichzeitig in Hebräisch auch den Namen des Propheten Chaggai.

Völkerrechtlicher und administrativer Status

Beit Chaggai liegt im seit dem Sechstagekrieg von 1967 von Israel besetzten Westjordanland. Gemäß dem 1995 im Rahmen des Oslo-Friedensprozesses geschlossenen Interimsabkommens (Oslo II) befindet sich die Siedlung im sogenannten Gebiet C, in dem Israel die ausschließliche zivile Administration und militärische Sicherheitskontrolle ausübt.

Der Bau und die fortdauernde Präsenz der israelischen Siedlungen verstoßen nach international vorherrschender Rechtsauffassung gegen das Völkerrecht. Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) sowie der Internationale Gerichtshof (IGH) stufen das Westjordanland als besetztes Gebiet ein, auf das die Bestimmungen der IV. Genfer Konvention Anwendung finden. Gemäß Art. 49 Abs. 6 dieser Konvention ist es der Besatzungsmacht untersagt, Teile ihrer eigenen Zivilbevölkerung in das besetzte Gebiet zu transferieren.

Diese Rechtsauffassung wurde unter anderem im Dezember 2016 durch die Resolution 2334 des UN-Sicherheitsrates bekräftigt, in der festgestellt wird, dass israelische Siedlungsaktivitäten keine Rechtsgültigkeit besitzen und eine eklatante Verletzung des Völkerrechts darstellen. Die israelische Regierung bestreitet die Anwendbarkeit von Art. 49 Abs. 6 GK IV auf das Westjordanland unter Berufung darauf, dass das Gebiet vor 1967 unter keiner international anerkannten Souveränität gestanden habe und die Siedler freiwillig dorthin zögen. Diese Rechtsauffassung wird von den Vereinten Nationen, dem Internationalen Gerichtshof sowie den Vertragsparteien der Genfer Konventionen nahezu einhellig zurückgewiesen, und steht im Widerspruch zu internen Dokumenten der israelischen Regierung von 1967.

Geschichte

Beit Chaggai wurde 1984 von ehemaligen Klassenkameraden der Opfer und ihren Familien mit Unterstützung von Amana, einer Organisation, die mit Gusch Emunim in Verbindung steht, gegründet.

1991 gewährte Beit Chaggai eine 49-jährige Pacht für den Betrieb des größten Steinbruchs im Westjordanland. Die Pachteinnahmen machen fast 80 % der Einnahmen der Gemeinde aus.

2006 wurde die Ortschaft erweitert. Unter anderem siedelten sich Familien aus Kfar Darom an, die aus dem Gazastreifen evakuiert wurden.

Am 31. August 2010 wurden die vier Einwohner, Yitzhak und Tali Ames, Kochava Even Chaim und Avishai Schindler von palästinensischen Terroristen erschossen, als sie in der Nähe der Siedlung in einem Auto fuhren.

Jugenddorf

Das Jugenddorf wurde 1989 gegründet, als die Siedlung erweitert und neue Wohnhäuser gebaut wurden. In den freigewordenen Häusern und Einrichtungen der Gründungszeit wurde das Jugenddorf eingerichtet. Das Jugenddorf Beit Chaggai ist Heimat für etwa 50 Jungen im Alter zwischen zwölf und 18 Jahren, die aus schwierigen familiären und sozialen Verhältnissen kommen.

Einwohner

Das israelische Zentralbüro für Statistik gibt bei den Volkszählungen vom 4. November 1995 und vom 28. Dezember 2008 für Beit Chaggai folgende Einwohnerzahlen an:

Jahr der Volkszählung19952008
Anzahl der Einwohner240552

Einzelnachweise

  1. ↑ Beit Haggai - wo Kinder ein Zuhause finden. In: Israelnetz.de. 7. März 2002, abgerufen am 26. Juli 2019.
  2. ↑ Legal Consequences arising from the Policies and Practices of Israel in the Occupied Palestinian Territory. Internationaler Gerichtshof, 19. Juli 2024, S. Rn. 65 f., abgerufen am 22. Oktober 2026 (englisch).
    Vergleiche medico international: Was sind die C-Gebiete? 2. Juli 2020, abgerufen am 22. Oktober 2026.
  3. ↑ Bundeszentrale für politische Bildung: Naher Osten: Westjordanland. In: Informationen zur politischen Bildung. 2021 (bpb.de [PDF; abgerufen am 22. Oktober 2026]).
  4. ↑ Legal Consequences of the Construction of a Wall in the Occupied Palestinian Territory – Advisory Opinion. In: UNISPAL. Internationaler Gerichtshof, 9. Juli 2004, abgerufen am 22. Oktober 2026 (englisch).
  5. ↑ Legal Consequences Arising from the Policies and Practices of Israel in the Occupied Palestinian Territory, including East Jerusalem – Summary of the Advisory Opinion of 19 July 2024. (PDF; 350 kB) In: UNISPAL. Internationaler Gerichtshof, 19. Juli 2024, abgerufen am 22. Oktober 2026 (englisch).
  6. ↑ Legal Consequences of the Construction of a Wall in the Occupied Palestinian Territory. Internationaler Gerichtshof, 9. Juli 2004, S. Rn. 120, abgerufen am 22. Oktober 2026.
  7. ↑ Legal Consequences arising from the Policies and Practices of Israel in the Occupied Palestinian Territory. Internationaler Gerichtshof, 19. Juli 2024, S. Rn. 111–115, abgerufen am 22. Oktober 2026 (englisch).
  8. ↑ Resolution 2334 (2016). Sicherheitsrat der Vereinten Nationen, 23. Dezember 2016, abgerufen am 22. Oktober 2026 (englisch).
  9. ↑ Israeli Settlements and International Law. Israel Ministry of Foreign Affairs, 30. November 2015, abgerufen am 22. Oktober 2026 (englisch).
  10. ↑ Protecting civilians in good faith: The Updated Commentary on the Fourth Geneva Convention. In: icrc.org. 8. November 2025, abgerufen am 22. Oktober 2026 (englisch).
  11. ↑ un.org - Conference of High Contracting Parties to the Fourth Geneva Convention: Declaration. Geneva, 5 December 2001
  12. ↑ David Kretzmer (2017): Settlements in the Supreme Court of Israel ("The UN Security Council, the International Court of Justice (ICJ), and the International Committee of the Red Cross, as well as many states, have declared that by establishing civilian settlements in the OPT Israel violates Article 49(6) of the Fourth Geneva Convention, which prohibits an occupying power from transferring part of its civilian population into the occupied territory. Notwithstanding this legal consensus...")
  13. ↑ Yoram Dinstein: The International Law of Belligerent Occupation. 2. Auflage. Cambridge University Press, Cambridge 2019, ISBN 978-1-108-49811-1, S. 289–292 (englisch).
  14. ↑ Legal Consequences of the Construction of a Wall in the Occupied Palestinian Territory. Internationaler Gerichtshof, 9. Juli 2004, S. Rn. 90–101, 120, abgerufen am 22. Oktober 2026.
  15. ↑ Memorandum from Theodor Meron, Legal Adviser, Ministry of Foreign Affairs of Israel to Director General, Prime Minister's Office on Geneva Convention: Blasting Homes and Deportation (Mar. 12, 1968), translation provided by HaMoked: Center for the Defence of the Individual, PDF on militarycourtwatch.org. Discussed by the Autor himself in Theodor Meron: "The West Bank and International Humanitarian Law on the Eve of the Fiftieth Anniversary of the Six-Day War", Cambridge University Press,10 May 2017.
  16. ↑ Rabbi at Terror Victims’ Funeral: Jews Want Peace, Evildoers Seek to Destroy Us (Memento des Originals vom 20. Februar 2015 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. Haaretz, 1 September 2010
  17. ↑ Beit Haggai - wo Kinder ein Zuhause finden. In: Israelnetz.de. 7. März 2002, abgerufen am 26. Juli 2019.
  18. ↑ Israelisches Zentralbüro für Statistik