Kedumim ist eine israelische Siedlung im Westjordanland, westlich von Nablus. Der Ort liegt auf mehreren Anhöhen verteilt und erstreckt sich über rund drei Kilometer in südwest-nordöstlicher Richtung.
Völkerrechtlicher und administrativer Status
Kedumim liegt im seit dem Sechstagekrieg von 1967 von Israel besetzten Westjordanland. Gemäß dem 1995 im Rahmen des Oslo-Friedensprozesses geschlossenen Interimsabkommens (OsloII) befindet sich die Siedlung im sogenannten GebietC, in dem Israel die ausschließliche zivile Administration und militärische Sicherheitskontrolle ausübt.
Der Bau und die fortdauernde Präsenz der israelischen Siedlungen verstoßen nach international vorherrschender Rechtsauffassung gegen das Völkerrecht. Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) sowie der Internationale Gerichtshof (IGH) stufen das Westjordanland als besetztes Gebiet ein, auf das die Bestimmungen der IV. Genfer Konvention Anwendung finden. Gemäß Art.49 Abs.6 dieser Konvention ist es der Besatzungsmacht untersagt, Teile ihrer eigenen Zivilbevölkerung in das besetzte Gebiet zu transferieren.
Diese Rechtsauffassung wurde unter anderem im Dezember 2016 durch die Resolution 2334 des UN-Sicherheitsrates bekräftigt, in der festgestellt wird, dass israelische Siedlungsaktivitäten keine Rechtsgültigkeit besitzen und eine eklatante Verletzung des Völkerrechts darstellen. Die israelische Regierung bestreitet die Anwendbarkeit von Art.49 Abs.6 GKIV auf das Westjordanland unter Berufung darauf, dass das Gebiet vor 1967 unter keiner international anerkannten Souveränität gestanden habe und die Siedler freiwillig dorthin zögen. Diese Rechtsauffassung wird von den Vereinten Nationen, dem Internationalen Gerichtshof sowie den Vertragsparteien der Genfer Konventionen nahezu einhellig zurückgewiesen, und steht im Widerspruch zu internen Dokumenten der israelischen Regierung von 1967.
Geschichte
Kedumim wurde 1975 gegründet. Seit 1991 ist der Ort eine eigenständige Gemeindeverwaltung (מועצה מקומית קדומים).
1996 fanden die ersten Wahlen zum Amt des Bürgermeisters statt. Daniella Weiss wurde die erste Bürgermeisterin von Kedumim.
Es wohnen dort 4.571 Siedler (Stand: Januar 2022). 2016 betrug die Einwohnerzahl 4.323. In Kedumim befinden sich mehrere Jeschiwot, darunter die Yeshivat Bnei Chayil, Shomron (ישיבת בני חיל, שומרון).
Das israelische Zentralbüro für Statistik gibt bei den Volkszählungen vom 4. Juni 1983, 4. November 1995 und vom 28. Dezember 2008 für Kedumim folgende Einwohnerzahlen an:
↑Bundeszentrale für politische Bildung: Naher Osten: Westjordanland. In: Informationen zur politischen Bildung. 2021 (bpb.de[PDF; abgerufen am 22.Oktober 2026]).
↑David Kretzmer (2017): Settlements in the Supreme Court of Israel ("The UN Security Council, the International Court of Justice (ICJ), and the International Committee of the Red Cross, as well as many states, have declared that by establishing civilian settlements in the OPT Israel violates Article 49(6) of the Fourth Geneva Convention, which prohibits an occupying power from transferring part of its civilian population into the occupied territory. Notwithstanding this legal consensus...")
↑Yoram Dinstein: The International Law of Belligerent Occupation. 2. Auflage. Cambridge University Press, Cambridge 2019, ISBN 978-1-108-49811-1, S.289–292 (englisch).
↑Christian Meier: Die Zeit der Wunder. Radikale Siedler träumen von einem Israel vom Mittelmeer bis zum Jordan – und darüber hinaus. Daniella Weiss ist eine ihrer Galionsfiguren. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12. Juli 2024, S. 6.