Kedumim

Kedumim
קדומים
Gebiet: Westjordanland
Gemeindeverwaltung: Kedumim
Koordinaten: 32° 13′ N, 35° 9′ OKoordinaten: 32° 12′ 56″ N, 35° 9′ 30″ O
Höhe: 405 m
Fläche: 2.313 km²
Einwohner: 4.571 (31. Jan. 2022)
Bevölkerungsdichte: 2 Einwohner je km²
Bürgermeister: Chanan'el Dorani
Website:
Kedumim (Palästinensische Autonomiegebiete)
Kedumim (Palästinensische Autonomiegebiete)
Kedumim

Kedumim ist eine israelische Siedlung im Westjordanland, westlich von Nablus. Der Ort liegt auf mehreren Anhöhen verteilt und erstreckt sich über rund drei Kilometer in südwest-nordöstlicher Richtung.

Völkerrechtlicher und administrativer Status

Kedumim liegt im seit dem Sechstagekrieg von 1967 von Israel besetzten Westjordanland. Gemäß dem 1995 im Rahmen des Oslo-Friedensprozesses geschlossenen Interimsabkommens (Oslo II) befindet sich die Siedlung im sogenannten Gebiet C, in dem Israel die ausschließliche zivile Administration und militärische Sicherheitskontrolle ausübt.

Der Bau und die fortdauernde Präsenz der israelischen Siedlungen verstoßen nach international vorherrschender Rechtsauffassung gegen das Völkerrecht. Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) sowie der Internationale Gerichtshof (IGH) stufen das Westjordanland als besetztes Gebiet ein, auf das die Bestimmungen der IV. Genfer Konvention Anwendung finden. Gemäß Art. 49 Abs. 6 dieser Konvention ist es der Besatzungsmacht untersagt, Teile ihrer eigenen Zivilbevölkerung in das besetzte Gebiet zu transferieren.

Diese Rechtsauffassung wurde unter anderem im Dezember 2016 durch die Resolution 2334 des UN-Sicherheitsrates bekräftigt, in der festgestellt wird, dass israelische Siedlungsaktivitäten keine Rechtsgültigkeit besitzen und eine eklatante Verletzung des Völkerrechts darstellen. Die israelische Regierung bestreitet die Anwendbarkeit von Art. 49 Abs. 6 GK IV auf das Westjordanland unter Berufung darauf, dass das Gebiet vor 1967 unter keiner international anerkannten Souveränität gestanden habe und die Siedler freiwillig dorthin zögen. Diese Rechtsauffassung wird von den Vereinten Nationen, dem Internationalen Gerichtshof sowie den Vertragsparteien der Genfer Konventionen nahezu einhellig zurückgewiesen, und steht im Widerspruch zu internen Dokumenten der israelischen Regierung von 1967.

Geschichte

Kedumim wurde 1975 gegründet. Seit 1991 ist der Ort eine eigenständige Gemeindeverwaltung (מועצה מקומית קדומים).

1996 fanden die ersten Wahlen zum Amt des Bürgermeisters statt. Daniella Weiss wurde die erste Bürgermeisterin von Kedumim.

Es wohnen dort 4.571 Siedler (Stand: Januar 2022). 2016 betrug die Einwohnerzahl 4.323. In Kedumim befinden sich mehrere Jeschiwot, darunter die Yeshivat Bnei Chayil, Shomron (ישיבת בני חיל, שומרון).

Der rechts-religiöse, fundamentalistische Politiker Bezalel Smotrich, Vorsitzender der religiös-zionistischen Partei Mafdal – HaTzionut HaDatit, lebt mit seiner Familie in Kedumim. Im August 2023 fanden Demonstrationen gegen Smotrich nahe dessen Haus statt.

Einwohner

Das israelische Zentralbüro für Statistik gibt bei den Volkszählungen vom 4. Juni 1983, 4. November 1995 und vom 28. Dezember 2008 für Kedumim folgende Einwohnerzahlen an:

Jahr der Volkszählung198319952008
Anzahl der Einwohner9102. 2003.463

Bürgermeister

Commons: Kedumim – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ POPULATION IN LOCALITIES WITH 2,000 RESIDENTS OR MORE/REGIONAL COUNCILS - PRELIMINARY ESTIMATES FOR THE END OF January 2022. In: אוכלוסייה2020 (Excel--Datei). Central Bureau of Statistics, The State of Israel, Januar 2022, abgerufen am 13. März 2022 (englisch, hebräisch).
  2. ↑ myesha.org.il
  3. ↑ Legal Consequences arising from the Policies and Practices of Israel in the Occupied Palestinian Territory. Internationaler Gerichtshof, 19. Juli 2024, S. Rn. 65 f., abgerufen am 22. Oktober 2026 (englisch).
    Vergleiche medico international: Was sind die C-Gebiete? 2. Juli 2020, abgerufen am 22. Oktober 2026.
  4. ↑ Bundeszentrale für politische Bildung: Naher Osten: Westjordanland. In: Informationen zur politischen Bildung. 2021 (bpb.de [PDF; abgerufen am 22. Oktober 2026]).
  5. ↑ Legal Consequences of the Construction of a Wall in the Occupied Palestinian Territory – Advisory Opinion. In: UNISPAL. Internationaler Gerichtshof, 9. Juli 2004, abgerufen am 22. Oktober 2026 (englisch).
  6. ↑ Legal Consequences Arising from the Policies and Practices of Israel in the Occupied Palestinian Territory, including East Jerusalem – Summary of the Advisory Opinion of 19 July 2024. (PDF; 350 kB) In: UNISPAL. Internationaler Gerichtshof, 19. Juli 2024, abgerufen am 22. Oktober 2026 (englisch).
  7. ↑ Legal Consequences of the Construction of a Wall in the Occupied Palestinian Territory. Internationaler Gerichtshof, 9. Juli 2004, S. Rn. 120, abgerufen am 22. Oktober 2026.
  8. ↑ Legal Consequences arising from the Policies and Practices of Israel in the Occupied Palestinian Territory. Internationaler Gerichtshof, 19. Juli 2024, S. Rn. 111–115, abgerufen am 22. Oktober 2026 (englisch).
  9. ↑ Resolution 2334 (2016). Sicherheitsrat der Vereinten Nationen, 23. Dezember 2016, abgerufen am 22. Oktober 2026 (englisch).
  10. ↑ Israeli Settlements and International Law. Israel Ministry of Foreign Affairs, 30. November 2015, abgerufen am 22. Oktober 2026 (englisch).
  11. ↑ Protecting civilians in good faith: The Updated Commentary on the Fourth Geneva Convention. In: icrc.org. 8. November 2025, abgerufen am 22. Oktober 2026 (englisch).
  12. ↑ un.org - Conference of High Contracting Parties to the Fourth Geneva Convention: Declaration. Geneva, 5 December 2001
  13. ↑ David Kretzmer (2017): Settlements in the Supreme Court of Israel ("The UN Security Council, the International Court of Justice (ICJ), and the International Committee of the Red Cross, as well as many states, have declared that by establishing civilian settlements in the OPT Israel violates Article 49(6) of the Fourth Geneva Convention, which prohibits an occupying power from transferring part of its civilian population into the occupied territory. Notwithstanding this legal consensus...")
  14. ↑ Yoram Dinstein: The International Law of Belligerent Occupation. 2. Auflage. Cambridge University Press, Cambridge 2019, ISBN 978-1-108-49811-1, S. 289–292 (englisch).
  15. ↑ Legal Consequences of the Construction of a Wall in the Occupied Palestinian Territory. Internationaler Gerichtshof, 9. Juli 2004, S. Rn. 90–101, 120, abgerufen am 22. Oktober 2026.
  16. ↑ Memorandum from Theodor Meron, Legal Adviser, Ministry of Foreign Affairs of Israel to Director General, Prime Minister's Office on Geneva Convention: Blasting Homes and Deportation (Mar. 12, 1968), translation provided by HaMoked: Center for the Defence of the Individual, PDF on militarycourtwatch.org. Discussed by the Autor himself in Theodor Meron: "The West Bank and International Humanitarian Law on the Eve of the Fiftieth Anniversary of the Six-Day War", Cambridge University Press,10 May 2017.
  17. ↑ Christian Meier: Die Zeit der Wunder. Radikale Siedler träumen von einem Israel vom Mittelmeer bis zum Jordan – und darüber hinaus. Daniella Weiss ist eine ihrer Galionsfiguren. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12. Juli 2024, S. 6.
  18. ↑ cbs.gov.il (Memento des Originals vom 17. Mai 2018 im Internet Archive; PDF)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. Israelisches Zentralbüro für Statistik abgerufen am 21. April 2018
  19. ↑ Yeshivat Bnei Chayil, Shomron (ישיבת בני חיל, שומרון)
  20. ↑ ‘Don’t be a racist’: Hundreds protest at West Bank home of Finance Minister Smotrich. In: The Times of Israel. 24. August 2023, abgerufen am 4. März 2024 (englisch).
  21. ↑ Israelisches Zentralbüro für Statistik