Nokdim (hebräischנוקדים) ist eine israelische Siedlung im seit 1967 von Israel besetzten Westjordanland mit 2.764 Einwohnern (Stand: Januar 2022). 2016 betrug die Einwohnerzahl 2052. Die Siedlung wurde am 5.Juli 1982 als El-David (hebr. אל דוד) gegründet und liegt südlich von Betlehem in der Region Gusch Etzion in den Judäischen Hügeln in der Nähe der Siedlung Tekoa.
Nach einem Bericht der israelischen Organisation Schalom Achschaw befinden sich 31,2% des Landes, auf dem die Siedlung errichtet wurde, in palästinensischem Privatbesitz, so dass die Siedlung nach israelischem Recht nicht hätte gebaut werden dürfen.
Völkerrechtlicher und administrativer Status
Nokdim liegt im seit dem Sechstagekrieg von 1967 von Israel besetzten Westjordanland. Gemäß dem 1995 im Rahmen des Oslo-Friedensprozesses geschlossenen Interimsabkommens (OsloII) befindet sich die Siedlung im sogenannten GebietC, in dem Israel die ausschließliche zivile Administration und militärische Sicherheitskontrolle ausübt.
Der Bau und die fortdauernde Präsenz der israelischen Siedlungen verstoßen nach international vorherrschender Rechtsauffassung gegen das Völkerrecht. Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) sowie der Internationale Gerichtshof (IGH) stufen das Westjordanland als besetztes Gebiet ein, auf das die Bestimmungen der IV. Genfer Konvention Anwendung finden. Gemäß Art.49 Abs.6 dieser Konvention ist es der Besatzungsmacht untersagt, Teile ihrer eigenen Zivilbevölkerung in das besetzte Gebiet zu transferieren.
Diese Rechtsauffassung wurde unter anderem im Dezember 2016 durch die Resolution 2334 des UN-Sicherheitsrates bekräftigt, in der festgestellt wird, dass israelische Siedlungsaktivitäten keine Rechtsgültigkeit besitzen und eine eklatante Verletzung des Völkerrechts darstellen. Die israelische Regierung bestreitet die Anwendbarkeit von Art.49 Abs.6 GKIV auf das Westjordanland unter Berufung darauf, dass das Gebiet vor 1967 unter keiner international anerkannten Souveränität gestanden habe und die Siedler freiwillig dorthin zögen. Diese Rechtsauffassung wird von den Vereinten Nationen, dem Internationalen Gerichtshof sowie den Vertragsparteien der Genfer Konventionen nahezu einhellig zurückgewiesen, und steht im Widerspruch zu internen Dokumenten der israelischen Regierung von 1967.
Geschichte
Der ursprüngliche Name El-David geht auf zwei Männer zurück, die in der jüdischen Siedlung Tekoa lebten und 1982 umkamen. Eli Pressman, ein Einwanderer aus Frankreich, fiel 1982 im Libanon-Krieg, David Rosenfeld, ein Einwanderer aus den USA, war im Juli 1982 von seinen palästinensischen Angestellten ermordet worden. Nach dem Begräbnis von David Rosenfeld stellten sechs Familien aus Tekoa ihre Zelte an diesem Ort auf und nannten ihn El-David. Im Dezember 1982 wurden die Zelte durch Wohnwagen ersetzt. Nachdem die Zahl der Siedler auf über 200 gestiegen war, erhielt der Ort 1993 den Status einer offiziellen Siedlung. Im gleichen Jahr wurden erstmals feste Behausungen gebaut und der Ort in „Nokdim“, deutsch „Schafzüchter“, umbenannt, nach dem biblischen Propheten Amos, der der Überlieferung gemäß 1,1 LUT „Schafzüchter in Tekoa war“.
Gegenwart
Avigdor Lieberman, der Vorsitzende der Partei Jisra’el Beitenu und zwischen 2009 und 2018 Außen- beziehungsweise Verteidigungsminister des Staates Israel, lebt in Nokdim.
Im Juni 2010 wurden mehrere aus Russland stammende israelische Familien, die sich in der Siedlung niederlassen wollten, abgewiesen. Die Bewohner der Siedlung machten geltend, die nach dem jüdischen Religionsgesetz nicht als Juden geltenden Mitglieder der Familien könnten die Moral der jüdischen Bewohner zersetzen und deren Assimilation begünstigen. Außerdem drohte den jüdischen Kindern Beeinflussung durch Perversionen und es bestünde die Gefahr, dass die Nicht-Juden Götzen anbeten würden.
↑Bundeszentrale für politische Bildung: Naher Osten: Westjordanland. In: Informationen zur politischen Bildung. 2021 (bpb.de[PDF; abgerufen am 22.Oktober 2026]).
↑David Kretzmer (2017): Settlements in the Supreme Court of Israel ("The UN Security Council, the International Court of Justice (ICJ), and the International Committee of the Red Cross, as well as many states, have declared that by establishing civilian settlements in the OPT Israel violates Article 49(6) of the Fourth Geneva Convention, which prohibits an occupying power from transferring part of its civilian population into the occupied territory. Notwithstanding this legal consensus...")
↑Yoram Dinstein: The International Law of Belligerent Occupation. 2. Auflage. Cambridge University Press, Cambridge 2019, ISBN 978-1-108-49811-1, S.289–292 (englisch).