Bat Ajin

Bat Ajin
בַּת עַיִן
Bat Ajin 2006
Gebiet: Westjordanland
Regionalverwaltung: Gusch Etzion
Gegründet: 1989
Koordinaten: 31° 39′ N, 35° 6′ OKoordinaten: 31° 39′ 26″ N, 35° 6′ 8″ O
Einwohner: 1.307 (2016)
Website:
Bat Ajin (Palästinensische Autonomiegebiete)
Bat Ajin (Palästinensische Autonomiegebiete)
Bat Ajin

Bat Ajin (hebräisch בת עין ‚Augapfel‘) ist eine israelische Siedlung im Westjordanland. Die Siedlung wurde 1989 gegründet und gehört zum Siedlungsblock Gusch Etzion. 1994 hatte Bat Ajin 319, Ende 2016 1307 Einwohner.

Die internationalen Organisationen und die Staatengemeinschaft erachten Bat Ajin wie alle israelischen Siedlungen in den seit 1967 besetzten Gebieten als illegal gemäß geltendem Völkerrecht (IV. Genfer Konvention). Israel bestreitet jedoch, dass es sich um besetztes Gebiet handelt, in dem das IV. Genfer Konvention Gültigkeit hat.

Die Gründer von Bat Ajin waren ursprünglich nicht orthodox-jüdische Israelis, die sich neu zum orthodoxen Judentum bekannt hatten. Sie sind einer Strömung des religiösen Zionismus zuzuordnen, die chassidische Lehren von Chabad, Rabbi Nachman, Zvi Yehuda Kook und Shlomo Carlebach verbindet.

Im Jahr 2002 versuchte eine jüdische Terror-Organisation aus der Siedlung, Anhänger von Meir Kahane, einen Sprengstoffanschlag auf eine palästinensische Mädchenschule in Jerusalem zu verüben. Ein prominenter Bewohner von Bat Ajin ist Moti Karpel, der Chefredaktor der Siedlerzeitung Nekuda. Karpel machte in der im Dezember 2005 erschienen Nr. 286 mit einer polemischen Kriegserklärung an „Israelis“ auf sich aufmerksam, die er gegenüber „Juden“ als weniger wünschenswert ansieht und die „Juden“ – damit meint er seine eigenen religiös-zionistischen Gesinnungsgenossen – deshalb bekämpfen müssten.

Am 13. Juli 2009 zündeten israelische Siedler aus Bat Ajin palästinensische Plantagen an, um gezielt Mandel- und Olivenbäume zu zerstören. Im Vormonat hatten die Siedler rund 200 Bäume der palästinensischen Bauern in der Umgebung zerstört, und die israelische Armee hatte 15 linke israelische Aktivisten festgenommen, welche die palästinensischen Bauern unterstützen wollten.

Völkerrechtlicher und administrativer Status

Bat Ajin liegt im seit dem Sechstagekrieg von 1967 von Israel besetzten Westjordanland. Gemäß dem 1995 im Rahmen des Oslo-Friedensprozesses geschlossenen Interimsabkommens (Oslo II) befindet sich die Siedlung im sogenannten Gebiet C, in dem Israel die ausschließliche zivile Administration und militärische Sicherheitskontrolle ausübt.

Der Bau und die fortdauernde Präsenz der israelischen Siedlungen verstoßen nach international vorherrschender Rechtsauffassung gegen das Völkerrecht. Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) sowie der Internationale Gerichtshof (IGH) stufen das Westjordanland als besetztes Gebiet ein, auf das die Bestimmungen der IV. Genfer Konvention Anwendung finden. Gemäß Art. 49 Abs. 6 dieser Konvention ist es der Besatzungsmacht untersagt, Teile ihrer eigenen Zivilbevölkerung in das besetzte Gebiet zu transferieren.

Diese Rechtsauffassung wurde unter anderem im Dezember 2016 durch die Resolution 2334 des UN-Sicherheitsrates bekräftigt, in der festgestellt wird, dass israelische Siedlungsaktivitäten keine Rechtsgültigkeit besitzen und eine eklatante Verletzung des Völkerrechts darstellen. Die israelische Regierung bestreitet die Anwendbarkeit von Art. 49 Abs. 6 GK IV auf das Westjordanland unter Berufung darauf, dass das Gebiet vor 1967 unter keiner international anerkannten Souveränität gestanden habe und die Siedler freiwillig dorthin zögen. Diese Rechtsauffassung wird von den Vereinten Nationen, dem Internationalen Gerichtshof sowie den Vertragsparteien der Genfer Konventionen nahezu einhellig zurückgewiesen, und steht im Widerspruch zu internen Dokumenten der israelischen Regierung von 1967.

Commons: Bat Ajin – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ Archivierte Kopie (Memento vom 17. Mai 2018 im Internet Archive) Israelisches Zentralbüro für Statistik abgerufen am 21. April 2018
  2. ↑ Hans-Peter Gasser, Nils Melzer: Humanitäres Völkerrecht. Eine Einführung. 2. überarbeitete Auflage. Nomos/Schulthess Verlag, Baden-Baden/Zürich 2012, ISBN 978-3-7255-6358-6, S. 137–143, besonders 142 f.
  3. ↑ Charles Enderlin: Le grand aveuglement : Israël face à l’islam radical. 2. Auflage. Éditions Albin Michel, Paris 2024, ISBN 978-2-226-49661-4, S. 337 f.
  4. ↑ Brandstiftung. In: junge Welt, 14. Juli 2009, abgerufen am 5. Februar 2026.
  5. ↑ Ali Waked: 15 leftists detained near Bat Ayin settlement. In: YNet, 27. Juni 2009, abgerufen am 5. Februar 2026.
  6. ↑ Legal Consequences arising from the Policies and Practices of Israel in the Occupied Palestinian Territory. Internationaler Gerichtshof, 19. Juli 2024, S. Rn. 65 f., abgerufen am 22. Oktober 2026 (englisch).
    Vergleiche medico international: Was sind die C-Gebiete? 2. Juli 2020, abgerufen am 22. Oktober 2026.
  7. ↑ Bundeszentrale für politische Bildung: Naher Osten: Westjordanland. In: Informationen zur politischen Bildung. 2021 (bpb.de [PDF; abgerufen am 22. Oktober 2026]).
  8. ↑ Legal Consequences of the Construction of a Wall in the Occupied Palestinian Territory – Advisory Opinion. In: UNISPAL. Internationaler Gerichtshof, 9. Juli 2004, abgerufen am 22. Oktober 2026 (englisch).
  9. ↑ Legal Consequences Arising from the Policies and Practices of Israel in the Occupied Palestinian Territory, including East Jerusalem – Summary of the Advisory Opinion of 19 July 2024. (PDF; 350 kB) In: UNISPAL. Internationaler Gerichtshof, 19. Juli 2024, abgerufen am 22. Oktober 2026 (englisch).
  10. ↑ Legal Consequences of the Construction of a Wall in the Occupied Palestinian Territory. Internationaler Gerichtshof, 9. Juli 2004, S. Rn. 120, abgerufen am 22. Oktober 2026.
  11. ↑ Legal Consequences arising from the Policies and Practices of Israel in the Occupied Palestinian Territory. Internationaler Gerichtshof, 19. Juli 2024, S. Rn. 111–115, abgerufen am 22. Oktober 2026 (englisch).
  12. ↑ Resolution 2334 (2016). Sicherheitsrat der Vereinten Nationen, 23. Dezember 2016, abgerufen am 22. Oktober 2026 (englisch).
  13. ↑ Israeli Settlements and International Law. Israel Ministry of Foreign Affairs, 30. November 2015, abgerufen am 22. Oktober 2026 (englisch).
  14. ↑ Protecting civilians in good faith: The Updated Commentary on the Fourth Geneva Convention. In: icrc.org. 8. November 2025, abgerufen am 22. Oktober 2026 (englisch).
  15. ↑ un.org - Conference of High Contracting Parties to the Fourth Geneva Convention: Declaration. Geneva, 5 December 2001
  16. ↑ David Kretzmer (2017): Settlements in the Supreme Court of Israel ("The UN Security Council, the International Court of Justice (ICJ), and the International Committee of the Red Cross, as well as many states, have declared that by establishing civilian settlements in the OPT Israel violates Article 49(6) of the Fourth Geneva Convention, which prohibits an occupying power from transferring part of its civilian population into the occupied territory. Notwithstanding this legal consensus...")
  17. ↑ Yoram Dinstein: The International Law of Belligerent Occupation. 2. Auflage. Cambridge University Press, Cambridge 2019, ISBN 978-1-108-49811-1, S. 289–292 (englisch).
  18. ↑ Legal Consequences of the Construction of a Wall in the Occupied Palestinian Territory. Internationaler Gerichtshof, 9. Juli 2004, S. Rn. 90–101, 120, abgerufen am 22. Oktober 2026.
  19. ↑ Memorandum from Theodor Meron, Legal Adviser, Ministry of Foreign Affairs of Israel to Director General, Prime Minister's Office on Geneva Convention: Blasting Homes and Deportation (Mar. 12, 1968), translation provided by HaMoked: Center for the Defence of the Individual, PDF on militarycourtwatch.org. Discussed by the Autor himself in Theodor Meron: "The West Bank and International Humanitarian Law on the Eve of the Fiftieth Anniversary of the Six-Day War", Cambridge University Press,10 May 2017.