Itamar (hebräischאיתמר) ist eine israelische Siedlung im seit 1967 besetzten Westjordanland. Die Siedlung wurde 1984 gegründet und wurde nach dem biblischen Itamar, dem jüngsten Sohn Aarons, benannt.
Lage
Itamar liegt südöstlich von Nablus. Auf den Hügeln östlich von Itamar befinden sich sieben Außenposten.
Geschichte und Ideologie
Itamar wurde im Mai 1984 von Familien aus dem Umfeld der Jerusalemer Jeschiwa Machon Meir gegründet, zunächst unter dem Namen Tel Chaim. Die Siedlung entstand auf dem Areal, auf dem die Gruppe um Elon Moreh 1979 nach einem Urteil des israelischen Obersten Gerichts wegen der Beschlagnahmung von palästinensischem Land in Privatbesitz geräumt worden war. Die Gemeinschaft gehört zur Strömung des religiösen Zionismus und beruft sich auf Vorstellungen der Bewegung Gusch Emunim sowie auf Rabbiner Zwi Jehuda Kook. Aus dieser weltanschaulichen Sicht wird die israelische Besiedlung des Westjordanlands als religiöse Pflicht und messianischer Anspruch auf das gesamte biblische Land betrachtet.
Ab Mitte der 1990er Jahre entstanden um Itamar mehrere nicht autorisierte Außenposten, darunter landwirtschaftliche Farmen und Siedlungspunkte auf den umliegenden Hügeln. Zweck dieser Außenposten war es, die israelische Kontrolle über das Gebiet C strategisch auszubauen, die Ausdehnung benachbarter palästinensischer Dörfer zu blockieren und eine künftige territoriale Übergabe an eine palästinensische Selbstverwaltung durch die Schaffung vollendeter Tatsachen zu verunmöglichen.
Als Vorbild dieser Praxis gilt die von Avri Ran gegründete Farm Giv'ot Olam (World Hill) auf Hügel 777. Sie entwickelte sich zu einem Kernpunkt der Hilltop Youth (Noar haGva'ot). Deren Anhänger verweigern nicht nur die Befolgung israelischer Baustopps, sondern schränken die Bewegungsfreiheit der palästinensischen Nachbardörfer durch permanente Übergriffe, Schüsse in die Luft und die Zerstörung von Olivenbäumen gezielt ein. Die anhaltenden Angriffe führten unter anderem dazu, dass die Bewohner des unterhalb der Außenposten gelegenen Dorfes Khirbat Yanun ihren Heimatort zeitweise vollständig verlassen mussten.
Israelisch-Palästinensischer Konflikt
Der Ort und die nähere Umgebung sind für häufige Gewalttaten sowohl von israelischer als auch von palästinensischer Seite bekannt. 2011 ereignete sich der Mord an fünf Mitgliedern der Siedlerfamilie Fogel.
Das Büro der UN, welches sich um die Koordinierung von humanitären Angelegenheiten kümmert (UNOCHA), Menschenrechtsorganisationen und Medien berichteten über eine überdurchschnittlich hohe Zahl an gewaltsamen Übergriffen von Einwohnern aus Itamar gegenüber Palästinensern. B'Tselem kritisierte, dass „israelische Autoritäten es verabsäumt hätten, gewalttätige Siedler anzuklagen“
Die Haaretz berichtete, dass die israelische Armee Palästinenser daran hindere, ihr eigenes Land in der Nähe Itamars zu bestellen. Siedler aus Itamar haben wiederholt Palästinenser angegriffen, ihr Eigentum beschädigt, sie bei der Olivenernte gehindert und Oliven gestohlen.
Das kleine Dorf Yanun, das von zwei Außenposten der Siedlung Itamar flankiert ist, musste von dessen Bewohnern aufgegeben werden, nachdem sie wiederholt von den Außenposten aus angegriffen wurden, ohne dass die israelische Armee eingriff. Die Dorfbewohner verließen 2002 ihre Heimat und siedelten in das nahegelegene Dorf Aqraba über.
Völkerrechtlicher und administrativer Status
Itamar liegt im seit dem Sechstagekrieg von 1967 von Israel besetzten Westjordanland. Gemäß dem 1995 im Rahmen des Oslo-Friedensprozesses geschlossenen Interimsabkommens (OsloII) befindet sich die Siedlung im sogenannten GebietC, in dem Israel die ausschließliche zivile Administration und militärische Sicherheitskontrolle ausübt.
Der Bau und die fortdauernde Präsenz der israelischen Siedlungen verstoßen nach international vorherrschender Rechtsauffassung gegen das Völkerrecht. Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) sowie der Internationale Gerichtshof (IGH) stufen das Westjordanland als besetztes Gebiet ein, auf das die Bestimmungen der IV. Genfer Konvention Anwendung finden. Gemäß Art.49 Abs.6 dieser Konvention ist es der Besatzungsmacht untersagt, Teile ihrer eigenen Zivilbevölkerung in das besetzte Gebiet zu transferieren.
Diese Rechtsauffassung wurde unter anderem im Dezember 2016 durch die Resolution 2334 des UN-Sicherheitsrates bekräftigt, in der festgestellt wird, dass israelische Siedlungsaktivitäten keine Rechtsgültigkeit besitzen und eine eklatante Verletzung des Völkerrechts darstellen. Die israelische Regierung bestreitet die Anwendbarkeit von Art.49 Abs.6 GKIV auf das Westjordanland unter Berufung darauf, dass das Gebiet vor 1967 unter keiner international anerkannten Souveränität gestanden habe und die Siedler freiwillig dorthin zögen. Diese Rechtsauffassung wird von den Vereinten Nationen, dem Internationalen Gerichtshof sowie den Vertragsparteien der Genfer Konventionen nahezu einhellig zurückgewiesen, und steht im Widerspruch zu internen Dokumenten der israelischen Regierung von 1967.
Außenposten
Zur Siedlung Itamar gehören einige Außenposten: The Point gegründet 1996, Hügel 836, Hügel 851 und Giv'ot Olam gegründet 1998, Hügel 777 und Hügel 782 gegründet 1999, und das 2002 gegründete Itamar Nord.
Demografie
Das israelische Zentralbüro für Statistik gibt bei den Volkszählungen vom 4. November 1995 und vom 28. Dezember 2008 für Itamar folgende Einwohnerzahlen an:
Jahr der Volkszählung
1995
2008
Anzahl der Einwohner
298
785
Weblinks
Commons: Itamar– Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
↑David Kretzmer, Yaël Ronen: The Occupation of Justice: The Supreme Court of Israel and the Occupied Territories. 2. Auflage. Oxford University Press, New York 2021, ISBN 978-0-19-094073-7, S.215–218 (englisch).
↑Motti Inbari:Messianic Religious Zionism Confronts Israeli Territorial Compromises. Cambridge University Press, Cambridge / New York 2012, ISBN 978-1-107-00912-7, S.43 (englisch).
↑Motti Inbari:Messianic Religious Zionism Confronts Israeli Territorial Compromises. Cambridge University Press, Cambridge / New York 2012, ISBN 978-1-107-00912-7, S.4–5,15–21 (englisch).
↑Idith Zertal, Akiva Eldar:Lords of the Land: The War Over Israel's Settlements in the Occupied Territories, 1967–2007. Nation Books, New York 2007, ISBN 978-1-56858-414-0, S.118–122 (englisch).
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↑B’Tselem:Settler Violence = State Violence: The Case of Itamar and its Outposts. B’Tselem, November 2021 (englisch, btselem.org[abgerufen am 22.Oktober 2026]).
↑Bundeszentrale für politische Bildung: Naher Osten: Westjordanland. In: Informationen zur politischen Bildung. 2021 (bpb.de[PDF; abgerufen am 22.Oktober 2026]).
↑David Kretzmer (2017): Settlements in the Supreme Court of Israel ("The UN Security Council, the International Court of Justice (ICJ), and the International Committee of the Red Cross, as well as many states, have declared that by establishing civilian settlements in the OPT Israel violates Article 49(6) of the Fourth Geneva Convention, which prohibits an occupying power from transferring part of its civilian population into the occupied territory. Notwithstanding this legal consensus...")
↑Yoram Dinstein: The International Law of Belligerent Occupation. 2. Auflage. Cambridge University Press, Cambridge 2019, ISBN 978-1-108-49811-1, S.289–292 (englisch).