Kirjat Arba

Kirjat Arba
קריית ארבע
Kirjat Arba (2023)
Gebiet: Westjordanland
Gemeindeart: unabhängige Stadt
Gemeindeverwaltung: Kirjat Arba
Gegründet: 1968–1971
Koordinaten: 31° 32′ N, 35° 7′ OKoordinaten: 31° 31′ 42″ N, 35° 7′ 7″ O
Fläche: 4,386 km²
Einwohner: 7.698 (2024)
Bevölkerungsdichte: 1.755 Einwohner je km²
Postleitzahl: 9010000
9015000
Bürgermeister: Israel Bramson
Website:
Kirjat Arba (Palästinensische Autonomiegebiete)
Kirjat Arba (Palästinensische Autonomiegebiete)
Kirjat Arba

Kirjat Arba (Stadt der Vier, hebräisch קריית ארבע) ist eine israelische Siedlung im völkerrechtswidrig besetzten Westjordanland. Sie liegt am Stadtrand von Hebron, rund 40 Kilometer südlich von Jerusalem. Die Siedlung wurde 1970 von jüdischen Siedlern unmittelbar östlich von Hebron auf einer verlassenen Militärbasis gegründet. Die ersten 120 der heute 7486 Bewohner (Stand: Januar 2022) zogen 1971 in die ersten Häuser ein. Ende 2016 betrug die Einwohnerzahl 7272. Weitere rund 3000 Israelis leben in mehreren kleineren Siedlungen in der Umgebung; z. B. Bet Chaggai im Süden oder Giv'at Charsina im Osten von Hebron. Der Bürgermeister von Kirjat Arba ist Eliyahu Libman.

Da Kirjat Arba als Vorort von Hebron gesehen werden kann, werden bevölkerungsstatistisch die jüdischen Siedler, die in den winzigen jüdischen Enklaven in Hebron leben, auch zu Kirjat Arba gezählt.

Lage Kirjat Arbas

Völkerrechtlicher und administrativer Status

Kirjat Arba liegt im seit dem Sechstagekrieg von 1967 von Israel besetzten Westjordanland. Gemäß dem 1995 im Rahmen des Oslo-Friedensprozesses geschlossenen Interimsabkommens (Oslo II) befindet sich die Siedlung im sogenannten Gebiet C, in dem Israel die ausschließliche zivile Administration und militärische Sicherheitskontrolle ausübt.

Der Bau und die fortdauernde Präsenz der israelischen Siedlungen verstoßen nach international vorherrschender Rechtsauffassung gegen das Völkerrecht. Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) sowie der Internationale Gerichtshof (IGH) stufen das Westjordanland als besetztes Gebiet ein, auf das die Bestimmungen der IV. Genfer Konvention Anwendung finden. Gemäß Art. 49 Abs. 6 dieser Konvention ist es der Besatzungsmacht untersagt, Teile ihrer eigenen Zivilbevölkerung in das besetzte Gebiet zu transferieren.

Diese Rechtsauffassung wurde unter anderem im Dezember 2016 durch die Resolution 2334 des UN-Sicherheitsrates bekräftigt, in der festgestellt wird, dass israelische Siedlungsaktivitäten keine Rechtsgültigkeit besitzen und eine eklatante Verletzung des Völkerrechts darstellen. Die israelische Regierung bestreitet die Anwendbarkeit von Art. 49 Abs. 6 GK IV auf das Westjordanland unter Berufung darauf, dass das Gebiet vor 1967 unter keiner international anerkannten Souveränität gestanden habe und die Siedler freiwillig dorthin zögen. Diese Rechtsauffassung wird von den Vereinten Nationen, dem Internationalen Gerichtshof sowie den Vertragsparteien der Genfer Konventionen nahezu einhellig zurückgewiesen, und steht im Widerspruch zu internen Dokumenten der israelischen Regierung von 1967.

Geschichte

Kulturzentrum

Die Tora enthält den Begriff Kirjat Arba als alte Bezeichnung Hebrons (Genesis 23,2). Dort wird Kirjat Arba als Stadt des Stammes Juda beschrieben, in der Abraham und David gewirkt haben. Die heutigen jüdischen Siedler sehen sich dieser Tradition verpflichtet und leiten daraus die religiöse Bedeutung Hebrons und die Begründung der Siedlung Kirjat Arba ab.

Nachdem jahrhundertelang Araber und Juden gemeinsam in Hebron lebten, wurden am 23. August 1929 im organisierten Massaker von Hebron 67 jüdische Einwohner der Stadt ermordet, die überlebenden Juden flohen aus Hebron. Die Rabbiner Mosche Levinger und Eliezer Waldmann wollten nach dem Sechstagekrieg die jüdische Präsenz in Hebron erneuern. Zum Pessach-Fest 1968 zog Levinger mit 87 Anhängern und Verwandten in das Park Hotel von Hebron. Zwei Tage später verkündete er, die Gruppe beabsichtige in Hebron zu bleiben, um eine jüdische Präsenz in Hebron zu erzwingen. Verteidigungsminister Mosche Dajan wollte die Siedler entfernen und schlug eine nahe gelegene Militärbasis als Siedlungsort vor. Nach Verhandlungen zwischen Levinger und der von der Arbeitspartei Avoda geführten Regierung wurde die Siedlung Kirjat Arba 1970 im Osten von Hebron auf dem Gelände einer ehemaligen Militärbasis gegründet.

Baruch Goldstein, der am 25. Februar 1994 das Massaker in der Abrahamsmoschee in Hebron verübte, lebte in Kirjat Arba. Er war 15 Jahre zuvor aus Brooklyn, New York, nach Israel übergesiedelt und ließ sich „aus ideologischen Gründen“ am Stadtrand von Hebron in Kirjat Arba nieder. Der Attentäter war ein Anhänger der ultrarechten Kach-Extremisten.

Im September 2011 wurde in Kirjat Arba ein Kulturhaus eingeweiht, was Proteste von israelischen Künstlern und Intellektuellen provozierte, die an einem Ort, bei dem so viele Dinge mit meiner Lebensauffassung kollidieren, nicht auf die Bühne gehen wollen (Schauspieler Rami Baruch).

Wirtschaft

Wirtschaftliche Aktivitäten in Kirjat Arba umfassen den Weinbau des Unternehmens Antipod. Dieses tritt mit den Marken Jerusalem Winery, Noah Winery und Hevron Hights Winery auf.

Bevölkerungsentwicklung

Jahr Einwohner Steigerung
19803.000–
19813.100+  3,33 %
19823.340+  7,74 %
19833.080-   7,79 %
19843.540+14,93 %
19853.670+  3,67 %
19863.600-   1,91 %
19873.700+  2,77 %
19883.750+  1,35 %
19893.870+  3,20 %
19904.290+10,85 %
19914.670+  8,85 %
19924.910+  5,13 %
19935.070+  3,25 %
19945.120+  0,98 %
19955.220+  1,95 %
19965.810+11,30 %
19976.030+  3,78 %
19986.190+  2,65 %
19996.240+  0,80 %
20006.380+  2,24 %
20016.440+  0,94 %
20026.580+  2,17 %
20036.605+  0,37 %
20046.651+  0,69 %
20056.8001+  2,4 %1
2006––
Quelle: Israelisches Zentralbüro für Statistik

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. ↑ Population in Localities with 2,000 Residents or More/Regional Councils – Preliminary Estimates for the End of January 2022. In: אוכלוסייה2020 (Excel-Datei). Central Bureau of Statistics, The State of Israel, Januar 2022, abgerufen am 13. März 2022 (englisch, hebräisch).
  2. ↑ Israelisches Zentralbüro für Statistik: „List of localities, in Alphabetical order“ (Memento vom 17. Mai 2018 im Internet Archive).
  3. ↑ Legal Consequences arising from the Policies and Practices of Israel in the Occupied Palestinian Territory. Internationaler Gerichtshof, 19. Juli 2024, S. Rn. 65 f., abgerufen am 22. Oktober 2026 (englisch).
    Vergleiche medico international: Was sind die C-Gebiete? 2. Juli 2020, abgerufen am 22. Oktober 2026.
  4. ↑ Bundeszentrale für politische Bildung: Naher Osten: Westjordanland. In: Informationen zur politischen Bildung. 2021 (bpb.de [PDF; abgerufen am 22. Oktober 2026]).
  5. ↑ Legal Consequences of the Construction of a Wall in the Occupied Palestinian Territory – Advisory Opinion. In: UNISPAL. Internationaler Gerichtshof, 9. Juli 2004, abgerufen am 22. Oktober 2026 (englisch).
  6. ↑ Legal Consequences Arising from the Policies and Practices of Israel in the Occupied Palestinian Territory, including East Jerusalem – Summary of the Advisory Opinion of 19 July 2024. (PDF; 350 kB) In: UNISPAL. Internationaler Gerichtshof, 19. Juli 2024, abgerufen am 22. Oktober 2026 (englisch).
  7. ↑ Legal Consequences of the Construction of a Wall in the Occupied Palestinian Territory. Internationaler Gerichtshof, 9. Juli 2004, S. Rn. 120, abgerufen am 22. Oktober 2026.
  8. ↑ Legal Consequences arising from the Policies and Practices of Israel in the Occupied Palestinian Territory. Internationaler Gerichtshof, 19. Juli 2024, S. Rn. 111–115, abgerufen am 22. Oktober 2026 (englisch).
  9. ↑ Resolution 2334 (2016). Sicherheitsrat der Vereinten Nationen, 23. Dezember 2016, abgerufen am 22. Oktober 2026 (englisch).
  10. ↑ Israeli Settlements and International Law. Israel Ministry of Foreign Affairs, 30. November 2015, abgerufen am 22. Oktober 2026 (englisch).
  11. ↑ Protecting civilians in good faith: The Updated Commentary on the Fourth Geneva Convention. In: icrc.org. 8. November 2025, abgerufen am 22. Oktober 2026 (englisch).
  12. ↑ un.org - Conference of High Contracting Parties to the Fourth Geneva Convention: Declaration. Geneva, 5 December 2001
  13. ↑ David Kretzmer (2017): Settlements in the Supreme Court of Israel ("The UN Security Council, the International Court of Justice (ICJ), and the International Committee of the Red Cross, as well as many states, have declared that by establishing civilian settlements in the OPT Israel violates Article 49(6) of the Fourth Geneva Convention, which prohibits an occupying power from transferring part of its civilian population into the occupied territory. Notwithstanding this legal consensus...")
  14. ↑ Yoram Dinstein: The International Law of Belligerent Occupation. 2. Auflage. Cambridge University Press, Cambridge 2019, ISBN 978-1-108-49811-1, S. 289–292 (englisch).
  15. ↑ Legal Consequences of the Construction of a Wall in the Occupied Palestinian Territory. Internationaler Gerichtshof, 9. Juli 2004, S. Rn. 90–101, 120, abgerufen am 22. Oktober 2026.
  16. ↑ Memorandum from Theodor Meron, Legal Adviser, Ministry of Foreign Affairs of Israel to Director General, Prime Minister's Office on Geneva Convention: Blasting Homes and Deportation (Mar. 12, 1968), translation provided by HaMoked: Center for the Defence of the Individual, PDF on militarycourtwatch.org. Discussed by the Autor himself in Theodor Meron: "The West Bank and International Humanitarian Law on the Eve of the Fiftieth Anniversary of the Six-Day War", Cambridge University Press,10 May 2017.
  17. ↑ Nils Metzger: Die unbeirrten Siedler von Kiryat Arba. In: Zeit Online. 20. September 2011, abgerufen am 21. September 2011.
  18. ↑ Bühne für radikale Siedler. In: FAZ. 21. September 2011, S. 31.
  19. ↑ Meriem Laribi, Marta Vidal: Wein aus Hebron: Israelische Winzer im besetzten Gebiet. In: Dorothee D’Aprile (Hrsg.): Le Monde diplomatique. Nr. 02/32. TAZ/WOZ, Februar 2026, ISSN 1434-2561, S. 1, 18 f. (monde-diplomatique.de).