Lieb & Teuer, auch lieb & teuer, war eine erstmals am 11. März 2001 ausgestrahlte Kunst- und Antiquitätenshow des NDR, die sonntags ab 16 Uhr vom NDR Fernsehen und Radio Bremen TV gesendet wurde. Montags ab 6 Uhr 50 wurde die sonntags gezeigte Folge der Sendung wiederholt gezeigt. Vorangegangene Folgen sind zudem eine Zeit lang in der Mediathek des NDR und der ARD Mediathek aufrufbar. Am 8. Mai 2020 wurde bekannt, dass die Sendung den Sparmaßnahmen des NDR-Intendanten Joachim Knuth zum Opfer fallen würde. Die letzten Aufzeichnungen der Sendung fanden Mitte September 2020 statt. Nach fast 500 Ausgaben wurde am 7. Februar 2021 die letzte Folge ausgestrahlt.
Vorgeschichte
Am 1. und 11. Juni 2000 strahlte N3 zwei Folgen einer Sendung mit dem Namen Lieb und teuer aus, die von Caren Miosga moderiert wurde und in der Pinneberger Drostei gedreht wurde. Dorthin hatte der NDR Menschen aus Norddeutschland eingeladen, Stücke, die ihnen „Lieb und teuer“ sind, von Experten aus norddeutschen Museen und Auktionshäusern begutachten zu lassen. Es wurde zudem von den Experten der jeweilige Wert geschätzt, während die Gäste wiederum erzählten, wie sie an ihre Stücke gekommen sind. Noch im selben Jahr entschloss sich der NDR, eine Kunst- und Antquitätenshow gleichen Formats unter dem gleichen, kleingeschriebenen Titel lieb & teuer zu produzieren. Die erste Moderatorin der Sendung war Susanne Reimann.
Vergleichbare Sendungen sind unter anderen Antiques Roadshow der BBC (seit 1979), Kunst + Krempel des BR (seit 1985), echt antik?! des SWR (2006–2008) und Bares für Rares (seit 2013), wobei beim DokutainmentBares für Rares die Versteigerung an einen von nur fünf Händlern eine große Rolle spielt. In der Sendung Lieb & Teuer spielte der Verkauf kaum eine Rolle, weil darin nichts ge- oder verkauft wurde.
Produktion
Im Vorfeld zu geplanten Folgen der Sendung lud der NDR jeweils in einer anderen Stadt zu kostenlosen Kunstsprechstunden ein, die zugleich die Castings zu den Folgen waren. Interessierte ließen dort von Experten ihre Erb- oder Lieblingsstücke begutachten und schätzen. Darunter fielen unter anderem Gemälde, Grafiken, Skulpturen, Glas, Porzellan, Keramik, Kunstgewerbe, Kunsthandwerk, Möbel, Bücher und Uhren. Die Eigentümer der interessantesten Stücke oder deren Vertreter wurden zu den Folgen der Sendung eingeladen.
Die meisten Folgen wurden in Schloss Reinbek aufgezeichnet. Gedreht wurde in Reinbek immer mehrere Tage hintereinander, wobei pro Tag acht Expertengespräche festgehalten wurden. Teilweise wurden für diese Folgen Teile auch an anderen Orten gedreht, wenn zusätzlich zum Beispiel Verwandte der Künstler besucht wurden, zum Thema passende Museen oder Orte, wie zum Beispiel das Lübecker Museum Behnhaus Drägerhaus, das Bremer Gerhard-Marcks-Haus oder der große Festsaal des Hamburger Rathauses. Auch Sammlungen, Herstellungsorte, ehemalige Wohnorte der Künstler wurden besucht, wie zum Beispiel das ehemalige Haus des Hamburger Malers Ernst Eitner in Hamburg-Hummelsbüttel, aber auch gemalte Orte gezeigt, wie zum Beispiel das Rokoko-Gartenhaus in Nettetal-Kaldenkirchen.
Einige Objekte wurden in Folgen der Sendung direkt vor Ort begutachtet, wie zum Beispiel 2018 eine Stahltruhe aus der Renaissance in der Kieler Stephanuskirche im Rahmen der Aktion Wir bei Euch – Wünsch Dir Deinen NDR. Einige Folgen wurden aber auch gänzlich an anderen Orten gedreht, wie zum Beispiel im Museumsdorf Volksdorf oder in der Hamburger Kunsthalle. Im Schloss Ritzebüttel in Cuxhaven wurde eine Folge während der Kunstsprechstunde gedreht.
Wegen der COVID-19-Pandemie fand die letzte Kunstsprechstunde am 16. August 2020 im Reinbeker Schloss unter Einhaltung der Corona-Schutzvorschriften statt.
Die letzten Aufzeichnungen der Sendung fanden Mitte September 2020 im Schloss Reinbek statt. Neben der Moderatorin Janin Ullmann standen auch bei den Dreharbeiten der letzten Folge ihre Vorgängerinnen Susanne Reimann und Ann-Katrin Schröder vor der Kamera, um sich mit ihr gemeinsam von den Zuschauern der Sendung nach fast 500 Folgen Lieb & Teuer zu verabschieden. Die Ausstrahlung der letzten Folge erfolgte am 7. Februar 2021.
Versteigerte Exponate (Auswahl)
Die Vorbereitung zur Flucht nach Ägypten
Im Bettkasten eines für 150 Euro auf einem Flohmarkt von ihr erstandenen Schlafsofas fand eine Berliner BWL-Studentin zuhause ein Ölgemälde, das auf der Rückseite den Namen Adam Elsheimer trägt und auf Schiefer gemalt wurde. Der Schiefer ist fest auf Holz aufgelegt. Das Tafelbild hat die Maße 39 × 26 cm. In einer Folge der Sendung im Jahre 2007 ergab die Expertise der Gemälde-Expertin Barbara Guarnieri jedoch, dass es kein Werk von Adam Elsheimer sei, sondern ein Bild aus dem Umkreis des venezianischen Künstlers Carlo Saraceni. Es soll zwischen 1605 und 1610 entstanden sein und trägt den Titel Die Vorbereitung zur Flucht nach Ägypten. Die Bezeichnung auf der Rückseite geht vermutlich auf eine falsche Zuschreibung aus dem 19. Jahrhundert zurück. Barbara Guarnieri sagte in der Folge, dass der Startpreis in einer Auktion bei rund 6.000 bis 7.000 Euro liegen könnte. Die Studentin lieferte das Gemälde beim Hamburger Auktionshaus Ketterer Kunst ab, um es versteigern zu lassen. Die Schätzung des Auktionshauses lag bei 5.000 Euro. Bei der Auktion vom 27. Oktober 2007 erfolgte dann der Zuschlag bei 19.200 Euro.
Eigentlich wollte Carsten Busse aus Reinbek und zwei weitere Familienmitglieder als Erben den ganzen geerbten Inhalt einer Wohnung entsorgen, doch dann entschied er sich, die Gegenstände zu fotografieren und bei eBay zu verkaufen. Als ein angereister Kunsthändler ihm für zwei Ölgemälde 5.000 Euro bot, wurde er stutzig und lehnte ab. Eine Woche später bot der Händler 20.000 Euro für beide Gemälde, die wieder abgelehnt wurden, weil die Erbengemeinschaft sich entschied, die Bilder erst mal schätzen zu lassen. 2008, in einer Kunst-Sprechstunde im Schloss Reinbek, stellte die Gemälde-Expertin Barbara Guarnieri fest, dass es sich bei den beiden Gemälden um etwas Besonderes handeln müsse, doch vor dem Dreh der eigentlichen Folge der Sendung wollte sie üblicherweise nichts verraten. Beide Gemälde sind zwei Veduten von Venedig. Die Gemälde-Expertin Barbara Guarnieri stufte beim Dreh eines der Gemälde als ein Werk aus der Mitte des 18. Jahrhunderts aus der Werkstatt des Bernardo Bellotto ein, der sich wie sein Onkel und Lehrer Giovanni Antonio Canal auch Canaletto nannte. Das zweite Bild wurde von ihr als eine Kopie im Stile Canalettos aus dem 19. Jahrhundert eingestuft. Der jeweilige Wert der Gemälde wurde von ihr auf etwa 45.000 und 15.000 Euro geschätzt (zusammen 60.000 Euro). Die Erbengemeinschaft entschied sich, auf Vermittlung Guarnieris, die Gemälde im September 2008 bei einem Schweizer Auktionshaus in Zürich zu versteigern (möglicherweise Koller Auktionen), die dort für umgerechnet 130.000 und 97.000 Euro (zusammen 227.000 Euro) ersteigert wurden.
Einem Mann aus Ostfriesland wurden von einem Händler für ein Porzellanbild aus der Königlichen Porzellan-Manufaktur Berlin 800 Euro geboten. Eigentlich sei es 1.000 Euro wert, aber er müsse ja auch noch verdienen, war des Händlers Aussage. Der Mann aus Ostfriesland lehnte ab. Später stellte er es in einer Folge der Sendung Lieb & Teuer im Reinbeker Schloss vor und ließ es dort von dem Experten Wilhelm Hornbostel schätzen. Dieser meinte, dass er es nicht unter 20.000 Euro abgeben solle. Als der Ostfriese das Porzellanbild 2013 dann bei einer Auktion von Sotheby’s in London versteigern ließ, erzielte es umgerechnet etwa 27.000 Euro.
Die Sendung Lieb & Teuer Extra weicht etwas von dem eigentlichen Konzept von Lieb & Teuer ab. Am 20., 27. Juli und 10. August 2008 wurden zum Beispiel als Sommerspezial drei Folgen gezeigt. In der Folge vom 20. Juli reiste die Moderatorin Ann-Katrin Schröder mit einem silbergrauen Citroën DS durch das Osteland, um zusammen mit dem Uhrenexperten Bernd Schmoller Zuschauer und Sammler mit besonders originellen Uhren zu besuchen. Eine Turmuhr war ebenfalls dabei. Besuchte Orte waren Osten, Oberndorf, Himmelpforten, Gräpel und die Großenwördener Kirche. Gedreht wurde auch auf der Ostefähre Gräpel und der Schwebefähre Osten–Hemmoor. Die Folge vom 20. Juli war zugleich die erste Folge von Lieb & Teuer mit der Moderatorin Ann-Katrin Schröder, die die vorherige Moderatorin Susanne Reimann ablöste. Am 27. Juli und 10. August drehte es sich als Thema jeweils um Silber und um Industrieprodukte.
Am 11. Januar 2009 wurde eine Extrasendung von Lieb & Teuer ausgestrahlt, in der Prominente zuhause besucht wurden, die ihre Familienstücke und Flohmarktschnäppchen dem Kunstexperten Stephan Schwarzl und der Moderatorin Ann-Katrin Schröder präsentierten. Gezeigt wurden von der ehemaligen Ministerpräsidentin von Schleswig-Holstein Heide Simonis ein Flomarktschnäppchen, von Tenor René Kollo ein Erinnerungsstück aus einer Opernaufführung, von Kabarettist Horst Schroth ein Spielzeug, von Musiker Michy Reincke ein Globus und von Gutsherr Enno Freiherr von Ruffin (ehemaliger Ehemann der Sängerin Vicky Leandros und Vater der Schauspielerin Sandra von Ruffin) ein Gemälde aus seiner Familiengeschichte auf Gut Basthorst.
Lieb & Teuer: Wer bietet mehr?
Vom 16. bis einschließlich 18. Mai 2019 wurden vier Sondersendungen mit dem Titel Lieb & Teuer: Wer bietet mehr? auf dem Rittergut Remeringhausen im niedersächsischenStadthagen aufgezeichnet, die in einer Zusammenarbeit des NDR und der Bavaria Entertainment GmbH entstanden. Janin Ullmann, die seit 2014 Lieb & Teuer allein moderierte, erhielt Unterstützung durch Hubertus Meyer-Burckhardt. Die Redaktion übernahm Andreas Gerling. Die Executive Producerin war Andrea Partscht, der Producer Stefan Manke und der Produktionsleiter Ralph Breuer.
Eigentümer von antiken Objekten, oder deren Vertreter, konnten diese nicht nur, wie bei Lieb & Teuer üblich, durch eine ausführliche Expertise schätzen lassen, sondern auch anschließend vor Ort versteigern. Zu diesem Zweck waren vier professionelle Händler anwesend, die Objekte für die Auktion auswählten. Nur die ausgewählten Objekte wurden den eingeladenen Zuschauern vorgestellt, die dann, wie die Händler selbst, mitbieten konnten. Die vier Händler in den ersten beiden Sondersendungen waren Birgit Rieck vom Antikhandel und Restaurationsbetrieb Die Kommode in Stuhr bei Bremen, Stefan Ostendorf von zeitlos Antiquitäten in Hamburg-Blankenese, Frank Schnürpel von Zeitlos Hamburg und Bernsteinbörse Hamburg in Hamburg-Wandsbek sowie Wilhelm Peter von Antik & Art aus Hannover.
Die vier Sondersendungen wurden am 9. und 10. Juni sowie am 28. und 29. Dezember 2019 ausgestrahlt.
Christiane Blumenthal, Kunsthistorikerin, Mitgeschäftsführerin des Auktionshauses Greve (vormals City Nord) in Hamburg – Kunsthandwerk, Kunstgewerbe (Glas, Porzellan, Keramik, Puppen)
Stefan Brenske, Inhaber der Ikonengalerie Brenske Gallery in München – Ikonen
Claus Clément, Künstler, Kunstverleger und Kunstsammler – Experte für von ihm verlegte Kunst (eine Bronzebüste von Paul Wunderlich, die Horst Janssen darstellen soll)
Melanie Dankbar-Schwarzl – Gemälde
Maren Gierth (* 13. August 1965; † 30. März 2012 in Hamburg) (bis 2012), bis 2012 Hamburger Antiquarin beim Auktionshaus Ketterer Kunst – Antiquarische Bücher
Barbara Guarnieri (seit 2001), Hamburger Repräsentantin des Auktionshauses Ketterer Kunst für sechs Länder – Gemälde
Karl Henning, Inhaber der Galerie ZEN art in Hamburg – Asiatika (Kunst und Kunsthandwerk aus Asien)
Wilhelm Hornbostel (seit 2001), Kunsthistoriker, ab 1973 Leiter der Antikensammlung und von 1988 bis 2008 Direktor des Museums für Kunst und Gewerbe Hamburg – Kunsthandwerk, Kunstgewerbe (Glas, Porzellan, Möbel, Skulpturen)
Daniel Koep, Kunsthistoriker, Ausstellungskurator der Hamburger Kunsthalle und Senior-Kurator des Gemeentemuseum Den Haag – Gemälde
Ute Ina Kroll, als Ute Ina Gawenda, Kunsthistorikerin
Heike Lieske, Kunsthistorikerin
Marcus Oertel, freiberuflicher Kunsthistoriker, unabhängiger Kunstberater und Kunstvermittler – Asiatika
Dorothée Rather (seit 2001), Kunsthistorikerin, Mitgeschäftsführerin des Auktionshauses City Nord in Hamburg – Kunsthandwerk, Kunstgewerbe (Glas, Porzellan, Spielzeug)
Beate Rhenisch, Kunsthistorikerin und Kunstsachverständige – Gemälde, Grafiken
Bernd Schmoller, 1981–2011 Inhaber eines Ladens für antike Uhren in Hamburg – Uhren, Messgeräte, optische und historische Instrumente
Daniel Schramm (seit 2012), Inhaber des Antiquariats und Auktionshauses Schramm in Kiel – Antiquarische Bücher, Grafiken
Stephan Schwarzl, Kunsthistoriker, Senior-Underwriter der Kunstversicherung Helvetia artas der Helvetia Versicherungen – Kunsthandwerk, Kunstgewerbe (Silber, Skulpturen, Schmuck und anderes)
Eduard Schwen, Geigenbaumeister, Inhaber der Geigenbau Winterling GmbH in Hamburg – Geigen
Ariane Skora (seit 2005), Hamburger Kunsthistorikerin und Kunstsachverständige für Malerei und Druckgrafik, tätig für verschiedene Auktionshäuser, Galerien, Museen und Privatsammler – Gemälde, Grafiken
Andreas Stolzenburg, Leiter des Kupferstichkabinetts der Hamburger Kunsthalle – Grafiken
Olga Sugrobova-Roth, Kunsthistorikerin, Expertin für russische und osteuropäische Kunst beim Auktionshaus Dorotheum in Düsseldorf – Expertin für russische Kunst
Christoph H. Seibt von der Gesellschaft der Freunde Thomas Herbsts (Sendung vom 9. Dezember 2018, aufgenommen im Kupferstichkabinett der Hamburger Kunsthalle)
Aus einem Gästebuch des ehemaligen Hotels Zum weißen Schwan in Lauenburg/Elbe, in dem sich ca. 50 bis 70 Künstler malerisch, zeichnerisch und teilweise schriftlich verewigten, wurden am 3. Februar 2019 Beiträge von Friedrich Kallmorgen, Fritz Lehmann (1879–1963), August Eduard Schliecker, Max Uth und Philipp Zeltner gezeigt.