Efrata (Westjordanland)

Efrata
אֶפְרָת, אֶפְרָתָה
أفرات
Efrata im Winter, 2008
Gebiet: Westjordanland
Gegründet: 1980
Koordinaten: 31° 39′ N, 35° 9′ OKoordinaten: 31° 39′ 28″ N, 35° 9′ 11″ O
Fläche: 6,280 km²
Einwohner: 11.825 (31. Jan. 2022)
Bevölkerungsdichte: 1.883 Einwohner je km²
Bürgermeister: Dowi Schefler
Efrata (Palästinensische Autonomiegebiete)
Efrata (Palästinensische Autonomiegebiete)
Efrata

Efrata (meist jedoch Efrat, hebräisch אפרת oder אפרתה) ist eine israelische Siedlung im Westjordanland. Sie gehört zum israelischen Bezirk Judäa und Samaria. Die Einwohnerzahl beträgt 11.825 (Stand: Januar 2022). Der Bürgermeister seit 2024 ist Dowi Schefler.

Lage

Efrata liegt südlich von Jerusalem auf mehreren Hügeln des Judäischen Berglandes, die alle eigene Namen tragen, östlich des Highways 60, der die palästinensischen Ortschaften im Westjordanland verbindet. Sie liegt auf dem Gebiet des Siedlungsblocks Gusch Etzion, ist jedoch eine unabhängige Gemeinde.

Völkerrechtlicher und administrativer Status

Efrata (Westjordanland) liegt im seit dem Sechstagekrieg von 1967 von Israel besetzten Westjordanland. Gemäß dem 1995 im Rahmen des Oslo-Friedensprozesses geschlossenen Interimsabkommens (Oslo II) befindet sich die Siedlung im sogenannten Gebiet C, in dem Israel die ausschließliche zivile Administration und militärische Sicherheitskontrolle ausübt.

Der Bau und die fortdauernde Präsenz der israelischen Siedlungen verstoßen nach international vorherrschender Rechtsauffassung gegen das Völkerrecht. Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) sowie der Internationale Gerichtshof (IGH) stufen das Westjordanland als besetztes Gebiet ein, auf das die Bestimmungen der IV. Genfer Konvention Anwendung finden. Gemäß Art. 49 Abs. 6 dieser Konvention ist es der Besatzungsmacht untersagt, Teile ihrer eigenen Zivilbevölkerung in das besetzte Gebiet zu transferieren.

Diese Rechtsauffassung wurde unter anderem im Dezember 2016 durch die Resolution 2334 des UN-Sicherheitsrates bekräftigt, in der festgestellt wird, dass israelische Siedlungsaktivitäten keine Rechtsgültigkeit besitzen und eine eklatante Verletzung des Völkerrechts darstellen. Die israelische Regierung bestreitet die Anwendbarkeit von Art. 49 Abs. 6 GK IV auf das Westjordanland unter Berufung darauf, dass das Gebiet vor 1967 unter keiner international anerkannten Souveränität gestanden habe und die Siedler freiwillig dorthin zögen. Diese Rechtsauffassung wird von den Vereinten Nationen, dem Internationalen Gerichtshof sowie den Vertragsparteien der Genfer Konventionen nahezu einhellig zurückgewiesen, und steht im Widerspruch zu internen Dokumenten der israelischen Regierung von 1967.

Geschichte

Efrata wurde 1980 gegründet und ist nach dem biblischen Efrata benannt, dem zweiten Namen für das nahegelegene Bethlehem (Genesis 35,19; Micha 5,1). Wie alle israelischen Siedlungen im Westjordanland wurde es während der militärischen Besatzung durch Israel gegründet, weshalb die Vereinten Nationen die Siedlung als Verstoß gegen das Genfer Abkommen IV ansehen.

Ende 2010 zählte Efrata 7454 Einwohner, 1994 hatte die Siedlung 4650 Einwohner. Am 31. Dezember 2016 hatte der Ort 8658 Einwohner.

Im Dezember 2011 wurde bekannt, dass das Verteidigungsministerium den Bau eines neuen Ortsteils außerhalb der heutigen bebauten Zone Efratas genehmigt hat. Nach Fertigstellung der neuen Überbauung am nördlichen Rand von Efrata in Givat Hadagan, wenige Hundert Meter vom Dheisheh-Flüchtlingslager entfernt, für die 40 Einfamilienhäuser vorgesehen sind, werden die israelischen Siedlungen im nördlichen Gusch Etzion Block direkt an Bethlehems südliche Außenquartiere angrenzen. Daneben wurde in Givat Eitam die Errichtung einer 1700-Dunam-Farm genehmigt, die eine zukünftige Ausbreitung von Efrata mit 2500 geplanten neuen Wohneinheiten gewährleisten soll. Bereits kurz zuvor waren in Efrata auf einem weiteren Hügel der Bau neuer Wohnbauten genehmigt worden.

2016 wurden mehrere Palästinenser von der Palästinensischen Autonomiebehörde verhaftet, weil sie auf Einladung von Bürgermeister Oded Revivi am jüdischen Laubhüttenfest teilgenommen haben. 2017 wurde die Einladung von etwa 30 Palästinensern aus verschiedenen Ortschaften wahrgenommen. Ihre Identität wurde aus Furcht vor Repressalien durch die PA geheim gehalten.

Ein palästinensischer Jugendlicher erstach am 16. September 2018 nahe der Gusch-Etzion-Kreuzung den 45-jährigen Israeli Ari Fuld mit einem Messer. Das Opfer lebte in Efrata und war Vater von vier Kindern.

Donald Trumps Friedensplan von 2020 sah die Angliederung Efratas an Israel vor. Der Plan wurde jedoch von der Palästinensischen Autonomiebehörde unter Mahmud Abbas abgelehnt.

Efrata galt lange als Siedlung mit politisch moderaten Einwohnern. In der Knessetwahl 2022 gab jedoch die Hälfte der Einwohner ihre Stimme für die rechtsextreme HaTzionut HaDatit ab.

Einwohner

Das israelische Zentralbüro für Statistik gibt bei den Volkszählungen vom 4. Juni 1983, 4. November 1995 und vom 28. Dezember 2008 für Efrata folgende Einwohnerzahlen an:

Jahr der Volkszählung198319952008
Anzahl der Einwohner2075.3008.167

Rechtliche Fragen

Nach einem Bericht der israelischen Organisation Schalom Achschaw (engl. “Peace Now”, dt. „Frieden Jetzt“) von 2006, der auf geleakter Information unbekannten Alters basiert, befänden sich 29,34 % des Landes, auf dem die Stadt errichtet wurde, in palästinensischem Privatbesitz. Der Bericht wird vom Committee for Accuracy in Middle East Reporting in America (CAMERA) als „äußerst tendenziös“ kritisiert, weil das Alter der Daten unbekannt ist und die Quellen wie auch die Ergebnisse fragwürdig sind. Laut israelischem Recht darf auf öffentlichem Land gebaut werden.

Die Soziologin, Friedensaktivistin und EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton hat 2011 die Siedlungspläne der israelischen Regierung in der Nähe von Bethlehem als „inakzeptabel“ kritisiert. Die israelischen Siedlungen seien „gemäss dem Völkerrecht illegal“, Israelische Regierungen sind anderer Auffassung. Laut dem israelischen Ministerium für Auswärtige Angelegenheiten werden Siedlungen nur auf staatlichem, also öffentlichem Land und nicht auf privatem Land gebaut.

Persönlichkeiten

Siehe auch

Commons: Efrata – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ POPULATION IN LOCALITIES WITH 2,000 RESIDENTS OR MORE/REGIONAL COUNCILS - PRELIMINARY ESTIMATES FOR THE END OF January 2022. In: אוכלוסייה2020 (Excel--Datei). Central Bureau of Statistics, The State of Israel, Januar 2022, abgerufen am 11. März 2022 (englisch, hebräisch).
  2. ↑ Ultra-Orthodox retake Beit Shemesh, former Haifa mayor Yona Yahav returns to office. In: www.timesofisrael.com. Abgerufen am 13. April 2024 (englisch).
  3. ↑ Legal Consequences arising from the Policies and Practices of Israel in the Occupied Palestinian Territory. Internationaler Gerichtshof, 19. Juli 2024, S. Rn. 65 f., abgerufen am 22. Oktober 2026 (englisch).
    Vergleiche medico international: Was sind die C-Gebiete? 2. Juli 2020, abgerufen am 22. Oktober 2026.
  4. ↑ Bundeszentrale für politische Bildung: Naher Osten: Westjordanland. In: Informationen zur politischen Bildung. 2021 (bpb.de [PDF; abgerufen am 22. Oktober 2026]).
  5. ↑ Legal Consequences of the Construction of a Wall in the Occupied Palestinian Territory – Advisory Opinion. In: UNISPAL. Internationaler Gerichtshof, 9. Juli 2004, abgerufen am 22. Oktober 2026 (englisch).
  6. ↑ Legal Consequences Arising from the Policies and Practices of Israel in the Occupied Palestinian Territory, including East Jerusalem – Summary of the Advisory Opinion of 19 July 2024. (PDF; 350 kB) In: UNISPAL. Internationaler Gerichtshof, 19. Juli 2024, abgerufen am 22. Oktober 2026 (englisch).
  7. ↑ Legal Consequences of the Construction of a Wall in the Occupied Palestinian Territory. Internationaler Gerichtshof, 9. Juli 2004, S. Rn. 120, abgerufen am 22. Oktober 2026.
  8. ↑ Legal Consequences arising from the Policies and Practices of Israel in the Occupied Palestinian Territory. Internationaler Gerichtshof, 19. Juli 2024, S. Rn. 111–115, abgerufen am 22. Oktober 2026 (englisch).
  9. ↑ Resolution 2334 (2016). Sicherheitsrat der Vereinten Nationen, 23. Dezember 2016, abgerufen am 22. Oktober 2026 (englisch).
  10. ↑ Israeli Settlements and International Law. Israel Ministry of Foreign Affairs, 30. November 2015, abgerufen am 22. Oktober 2026 (englisch).
  11. ↑ Protecting civilians in good faith: The Updated Commentary on the Fourth Geneva Convention. In: icrc.org. 8. November 2025, abgerufen am 22. Oktober 2026 (englisch).
  12. ↑ un.org - Conference of High Contracting Parties to the Fourth Geneva Convention: Declaration. Geneva, 5 December 2001
  13. ↑ David Kretzmer (2017): Settlements in the Supreme Court of Israel ("The UN Security Council, the International Court of Justice (ICJ), and the International Committee of the Red Cross, as well as many states, have declared that by establishing civilian settlements in the OPT Israel violates Article 49(6) of the Fourth Geneva Convention, which prohibits an occupying power from transferring part of its civilian population into the occupied territory. Notwithstanding this legal consensus...")
  14. ↑ Yoram Dinstein: The International Law of Belligerent Occupation. 2. Auflage. Cambridge University Press, Cambridge 2019, ISBN 978-1-108-49811-1, S. 289–292 (englisch).
  15. ↑ Legal Consequences of the Construction of a Wall in the Occupied Palestinian Territory. Internationaler Gerichtshof, 9. Juli 2004, S. Rn. 90–101, 120, abgerufen am 22. Oktober 2026.
  16. ↑ Memorandum from Theodor Meron, Legal Adviser, Ministry of Foreign Affairs of Israel to Director General, Prime Minister's Office on Geneva Convention: Blasting Homes and Deportation (Mar. 12, 1968), translation provided by HaMoked: Center for the Defence of the Individual, PDF on militarycourtwatch.org. Discussed by the Autor himself in Theodor Meron: "The West Bank and International Humanitarian Law on the Eve of the Fiftieth Anniversary of the Six-Day War", Cambridge University Press,10 May 2017.
  17. ↑ fmep.org: Settlements in the West Bank (Memento vom 4. September 2014 im Internet Archive) (englisch)
  18. ↑ Israelisches Zentralbüro für Statistik: List of localities, in Alphabetical order (Memento vom 16. August 2016 im Internet Archive; PDF; 260 KB, englisch, hebräisch)
  19. ↑ Chaim Levinson: IDF agrees to expansion of West Bank settlement. In: Haaretz. 12. Dezember 2011, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 13. Dezember 2011; abgerufen am 13. Dezember 2011 (englisch).  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  20. ↑ israelnetz.com: Juden und Palästinenser feiern in Siedlung (Memento vom 16. November 2017 im Internet Archive)
  21. ↑ Palästinensischer Jugendlicher ersticht Juden im Westjordanland In: Israelnetz.de, 17. September 2018, abgerufen am 22. September 2018
  22. ↑ Trumps "Friedensplan 2020". Abgerufen am 22. Dezember 2023.
  23. ↑ Judy Maltz: Election results show that 'moderate' settlement Efrat is anything but. In: Haaretz. 16. November 2022, abgerufen am 26. August 2026.
  24. ↑ Israelisches Zentralbüro für Statistik
  25. ↑ Settlements ‘violate Israeli law’. In: BBC. 21. November 2006, abgerufen am 9. Mai 2012 (englisch).
  26. ↑ Rory McCarthy: 39% of Israeli settlements ‘on private land’. In: The Guardian. 22. November 2006, abgerufen am 9. Mai 2012 (englisch).
  27. 1 2 Breaking the Law in the West Bank. (PDF; 379 KB) In: peacenow.org. Archiviert vom Original am 30. September 2011; abgerufen am 28. Oktober 2024 (englisch).
  28. ↑ Peace Now’s Report on Settlement Land. CAMERA, 22. November 2006, abgerufen am 9. Mai 2012 (englisch).
  29. ↑ Ashley Rindsberg: Watchdog: Peace Now report on 'stolen' settlement land false, misleading. In: israelinsider.com. 22. November 2006, archiviert vom Original am 17. Mai 2007; abgerufen am 28. Oktober 2024 (englisch).
  30. 1 2 Israeli Settlements and International Law. 30. November 2015, abgerufen am 13. Dezember 2023 (englisch).
  31. ↑ «Völkerrechtlich illegal». In: NZZ Online. 17. Oktober 2011, abgerufen am 25. November 2011.