| Hirtzbach | ||
|---|---|---|
| Staat | ||
| Region | Grand Est | |
| Département (Nr.) | Haut-Rhin in der Europäischen Gebietskörperschaft Elsass (68) | |
| Arrondissement | Altkirch | |
| Gemeindeverband | Sundgau | |
| Koordinaten | 47° 36′ N, 7° 13′ O | |
| Höhe | 298–417 m | |
| Fläche | 13,91 km² | |
| Einwohner | 1.418 (1. Januar 2023) | |
| Bevölkerungsdichte | 102 Einw./km² | |
| Postleitzahl | 68118 | |
| INSEE-Code | 68139 | |
Mairie Hirtzbach | ||
Hirtzbach (deutsch Hirzbach) ist eine französische Gemeinde mit 1418 Einwohnern (Stand 1. Januar 2023) im Département Haut-Rhin in der Europäischen Gebietskörperschaft Elsass und in der Region Grand Est. Sie gehört zum Arrondissement Altkirch, zum Kanton Altkirch und zum Gemeindeverband Sundgau.
Die Gemeinde Hirtzbach liegt im Tal des namengebenden Hirtzbaches, der am Nordende des Dorfkerns in die Ill mündet. Die Sundgau-Gemeinde ist drei Kilometer von Altkirch und 27 Kilometer von Basel entfernt.
Nachbargemeinden von Hirtzbach sind Altkirch im Nordosten, Hirsingue im Osten, Hagenthal-le-Bas im Süden, Largitzen und Hindlingen im Südwesten, Fulleren im Westen sowie Carspach im Nordwesten.
Artefakte aus dem Jungpaläolithikum am Ufer des Hirtzbaches lassen auf eine sehr frühe Besiedlung des Gebietes an der Ill schließen. Aus gallorömischer Zeit lassen sich in den Feld- und Waldfluren um Hirtzbach noch Straßenzüge nachweisen.
Der Ortsname, der in einer Urkunde der Grafen von Pfirt erstmals 1274 als Hirtzbach, 1287 als Hirzebach erscheint, lässt sich vom Namen des Dorfbaches ableiten. Bedeutung: Hirsch-Bach, ein Bach, wo sich häufig Hirsche aufhalten. Darauf bezieht sich auch das redende Wappen.
Bis 1324 gehörte Hirtzbach zur Grafschaft Pfirt (Herrschaft Altkirch) und kam dann nach dem Aussterben der Pfirter im Mannesstamm durch die Heirat der Johanna von Pfirt mit Herzog Albrecht II. von Österreich an Habsburg. Nach dem Dreißigjährigen Krieg ging der Ort im Westfälischen Frieden 1648 mit dem ganzen habsburgischen Besitz im Elsass an die französische Krone. Nach dem Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 gehörte der Ort zu dem von Deutschland als Reichsland annektierten Elsass-Lothringen. Im Ersten Weltkrieg festigte sich die Frontlinie nach einem nur kurzfristigen französischen Vorstoß auf Mühlhausen im August 1914 unmittelbar westlich von Hirzbach. Der Ort blieb also in der Kampfzone und bis Kriegsende in deutscher Hand. Im Dezember 1915 wurden die Einwohner evakuiert – hauptsächlich nach Württemberg. Im Schloss war deutsches Militär einquartiert, welches das Gebäude in erheblich beschädigtem Zustand zurückließ. Im Zweiten Weltkrieg gelangte der Ort nach dem Waffenstillstand im Juni 1940 unter deutsche Verwaltung (Gau Baden-Elsass). Im Frühjahr 1943 wurden 22 Familien, die den Besatzern als national unzuverlässig galten, ins Hitlerreich deportiert. Am 21. November 1944 wurde der Ort durch Truppen der französischen 1. Armee unter General de Lattre de Tassigny nach feindlicher Gegenwehr von der Naziherrschaft befreit. Dies geschah in der Folge eines schon am 19. November erfolgten ersten französischen Panzervorstoßes zum Rhein.
Mit der 1274 genannten mittelalterlichen Siedlung, die in ein Niederdorf (um die Kirche St. Mauritius) und ein Oberdorf mit der Kirche St. Afra am Berg unterteilt war, wurde ein Ministeriale der Grafen von Pfirt belehnt. Daraus entstand die Herrschaft Hirzbach, die bis 1477 bestand.
Im Spätmittelalter und im Dreißigjährigen Krieg wurde das Dorf mehrfach in Mitleidenschaft gezogen. Es ist anzunehmen, dass die 1376 im Sundgau wütenden Wilden Engländer und 1445 die Armagnaken auch Hirtzbach heimsuchten. Beide Male handelte es sich um marodierende Söldnerbanden. 1446 fielen zahlreiche Sundgaudörfer, darunter auch Hirtzbach, den Rachefeldzügen der Eidgenossen und der (damals noch nicht eidgenössischen) Basler zum Opfer. Da die Habsburger die Armagnaken im Kampf gegen die Eidgenossen ins Land gerufen hatten, wurde nun zur Vergeltung der habsburgische Sundgau verwüstet.
In der napoleonischen Zeit verbrachte während des Sechsten Koalitionskrieges eine Einheit Kosaken, die auf österreichisch-ungarischer Seite kämpften, den Winter 1813/14 im Dorf.
Auf der jetzigen Gemarkung befand sich im Mittelalter das Dorf St. Glücker (St.-Léger), das vielleicht 1376 von den „Wilden Engländern“ unter Enguerrand VII. de Coucy stark zerstört oder durch die Pest 1427 entvölkert wurde. Den Rest vernichteten die Basler 1446. Die Kirche bestand noch bis 1833. Nur ihr Chor blieb als Kapelle erhalten. die im Ersten Weltkrieg zerstört und 1927 wieder aufgebaut wurde. In der Nähe erinnert ein kleines Denkmal an das abgegangene Dorf. Die Flurnamen Glückerwald und Glückermatten erinnern noch an die abgegangene Siedlung, deren Gemarkung nach einem Rechtsstreit Hirtzbach zugeschlagen wurde.
Mit dem Bau der Bahnlinie Altkirch–Pfirt im Jahr 1891 war auch Hirzbach an das Eisenbahnnetz angeschlossen. Die Strecke wurde 1968 stillgelegt.
Im Verlauf des 19. und 20. Jahrhunderts wurde mehrfach versucht, die um Hirzbach vorkommenden Ölsande zu verwerten, was an der mangelnden Wirtschaftlichkeit scheiterte.
| Jahr | 1962 | 1968 | 1975 | 1982 | 1990 | 1999 | 2006 | 2012 | 2021 |
| Einwohner | 961 | 979 | 1106 | 1128 | 1143 | 1183 | 1299 | 1393 | 1458 |
Im Jahr 1793 wurde mit 559 Bewohnern die bisher niedrigste Einwohnerzahl ermittelt. Die Zahlen basieren auf den Daten von cassini.ehess und INSEE.
Hirtzbach ist eine der wenigen elsässischen Gemeinden, die das Label Village Fleuri – 4 fleurs (Blumenstadt – 4 Blumen) führen.

Die von 1834 bis 1837 im spätklassizistischen Stil der Louis-Philippe-Zeit errichtete Kirche St. Mauritius (Saint-Maurice) steht an der Stelle eines Vorgängerbaues. Sie besitzt eine klassizistische Westfassade mit Säulenportikus und integriertem Westturm und ein fünfjochiges Schiff. Der Chor endet in einer Apsis, an deren Nordseite die Sakristei angefügt ist. An den Chor ebenfalls angegliedert ist die Grabkapelle der Herren von Reinach. In der Kirche befindet sich ein Gemälde von Sebastian Gutzwiller, das Martyrium des Heiligen Mauritius darstellend.
Im Mittelalter bestand das Dorf Hirtzbach aus zwei Teilen mit jeweils eigener Pfarrei: Hirtzbach-le-Haut (Oberhirzbach) mit der Mutterkirche Sainte-Afre (St. Afra) und Hirtzbach-le-Bas (Niederhirzbach) rund um die Kirche Saint-Maurice (St. Mauritius). Bereits 1303 erstmals erwähnt, blieb St. Afra bis zur Revolution eine Pfarrkirche. Der Name St. Afra könnte von römischen Soldaten mitgebracht worden sein. Dafür spräche die Nähe zu einer prähistorischen Ausgrabungsstätte, die auf die Römer im 2. Jahrhundert hinweist, wie die Historiker L. Pfleger und F.X. Kraus ausführten. Die heutige Kapelle wurde nach historischen Angaben 1741 neu gestaltet. Nach der Französischen Revolution verfiel das Gebäude allmählich. Zwischen 1973 und 1976 erfolgte eine grundlegende Sanierung: die Fenster wurden erneuert, die Holzarbeiten des Chores und alle Statuen wurden restauriert. Unter dem zur Zeit der Revolution weiß getünchten Hochaltar kam ein vergoldeter Tabernakel zum Vorschein. Auf dem Hochaltar findet man die Statuen des Hl. Josef rechts vom Tabernakel, den Hl. Antonius links sowie Engel und einen Pelikan. Auf dem linken Seitenaltar ist eine Pietà aus dem späten 15. Jahrhundert zu sehen. Sie ist 73 cm hoch, 48 cm breit und 20 cm tief und besteht aus Lindenholz. Nach einer weiteren Innensanierung 1987 wurde die Kapelle Sainte Afre von außen komplett erneuert, das Dach repariert, neuer Putz aufgetragen. Über der Tür und an der linken Seitenfassade des Schiffs befinden sich Skulpturen, die eine Windrose darstellen. Im Jahr 1997 wurden in der Kapelle Holzschutz-Maßnahmen durchgeführt. Der Brunnen vor der Kapelle – aus einem früheren Baptisterium hervorgegangen – war für sein wundertätiges Wasser bekannt: Kinder mit Hautkrankheiten wurden hier gebadet.
Der stattliche Herrensitz befindet sich an der Stelle eines mittelalterlichen Wasserschlosses. Im 18. Jahrhundert erfolgten umfangreiche Neu- und Umbautätigkeiten. Der heutige klassizistische Gesamteindruck geht auf den Umbau 1780 und die Renovierung 1804 zurück. Zum Schloss gehört ein kleiner, 1820 angelegter englischer Landschaftsgarten. In ihm entdeckt man u. a. eine Scheune nach Luzerner Art, einen vom begeisterten Bonapartisten Charles de Reinach „Sankt Helena“ genannte Insel mit einem pittoresken Chalet und einen historischen oberirdischen Eiskeller.
Nr. 9 von 1672 fällt durch das im Sundgau nicht übliche Vorkragen des Obergeschosses und zwei Rautenfachwerkfelder auf. Auch Nr. 51 zeigt dieses Vorkragen.
Nr.59 aus dem 17. oder 16. Jahrhundert ist noch in der altertümlichen Ständerbauweise errichtet (wie auch Nr. 72 und 95). Altertümlich ist auch das weitabständige unregelmäßige Fachwerk. Symmetrie nur im Giebeldreieck.
Nr. 65 hat eine hier in Hirtzbach nicht übliche Laube, die mit Andreaskreuzen verziert ist, aber später geschlossen wurde.
Nr. 74 in Rähmbauweise von 1785 besitzt verzierte Eckständer und eine frustrierte (?) Inschrift des Zimmermanns im Giebelfachwerk.
Haus Nr. 1 Rue de la Montagne von 1842 hat das regelmäßige, auf Symmetrie bedachte Fachwerk des 19. Jahrhunderts. Inschrift am Erdgeschoss-Rähmbalken des Giebels
In der Gemeinde sind 13 Landwirtschaftsbetriebe ansässig (Getreideanbau, Milchwirtschaft, Pferde- und Geflügelzucht).
Durch die Gemeinde Hirtzbach führt die Fernstraße D 432 von Altkirch nach Ferrette. Der vier Kilometer von Hirtzbach entfernte Bahnhof Altkirch liegt an der Bahnstrecke Paris–Mulhouse.